Fame Baphomet Blonde 4 NTB Limited Edition im Test

Schwarzer Bass Fame Baphomet Blonde 4 NTB Limited Edition

Eigentlich sollte es doch recht simpel sein, einen guten Bass zu bauen. Man orientiert sich an einem klassischen Design, modifiziert einige Kleinigkeiten, und fertig ist ein neuer Bass. Ganz so einfach verhält es sich beim vorliegenden Viersaiter jedoch nicht.

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Ein gutes Instrument ist immer mehr als die Summe seiner Teile. Es bedarf schon einer erfahrenen und angesehenen Bassmanufaktur, um aus verschiedensten Komponenten einen stimmigen, ergonomisch anspruchsvoll geformten Bass auf den Punkt zu bringen. Mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben, dass die Herstellung der Fame-Instrumente, eine Hausmarke des Kölner Music Store, in den Händen der renommierten Firma Mayones aus Danzig liegt.

Dirk Laenger, Basschef des Music Store, zeichnet auch für den Modellnamen Baphomet verantwortlich. Ein durchaus geschickt ausgewählter Name, der zwar unterschiedlichste Interpretationen zulässt, aber primär mittelalterliche und magische Mystizismen evoziert. In der vorliegenden Edition ist ein elegantes, sublimes Instrument entstanden, bei dem Name und Optik eine geglückte Liaison eingehen.

Konstruktion

Seine maßgebliche Inspirationsquelle kann der Baphomet nicht verbergen. Ganz klar, hier hat man sich an dem klassischen Spector-Entwurf von Ned Steinberger orientiert. Der Namenszusatz NTB steht für „Neck Through Body“, dieser durchgehende Hals besteht aus drei Teilen Ahorn, die mit zwei dünnen Streifen aus Mahagoni abgesperrt sind. Bis auf das Palisandergriffbrett sind alle Holzteile sorgfältig mit einem schwarzen Transparentlack versehen, welcher dem Instrument, dem Namen angemessen, eine edle und mystische Eleganz verleiht.

Am Übergang vom Hals zu der leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte befindet sich eine Halsverdickung, welche Schwingungsverlusten vorbeugt und zusätzliche Stabilität einbringt. Im aufgeleimten Griffbrett sitzen 24 Ferd.-Wagner-Medium-Bünde, tadellos und sauber eingesetzt. Der Hals macht einen kräftigen gesunden Eindruck. Das Profil liegt zwischen D-Form und halbrund und ist ergonomisch ansprechend geformt. Durch den kräftigen und breiten Hals fühlt sich der Baphomet fast wie ein Fünfsaiter an, und natürlich bringt diese Masse zusätzliche Stabilität und unterstützt eine immense Sustain-Freudigkeit. Das breite Griffbrett ist sehr gut beherrschbar und macht saubere Grifftechniken zum Kinderspiel. Den beiden angeleimten Korpusteilen aus Ahorn hat man jeweils eine Decke aus AAA-Flamed-Maple gegönnt. Eigentlich eine totale Verschwendung, denn durch das schwarze High-Gloss-Finish kann nur bei näherer Betrachtung diese Zutat auch entsprechend gewürdigt werden. Andererseits macht gerade dieses Understatement auch den Charme des Baphomet aus.

Der Deckel des auf der Korpusrückseite zugänglichen E-Fachs besteht aus dem Korpusholz, sitzt passgenau in der Fräsung und ist wie das ganze Instrument schwarz lackiert. Ein separates Batteriefach mit einem Schnapp-Mechanismus, ermöglicht einen schnellen Wechsel der 9-V-Batterie, was bei einem doch relativ hohen Verbrauch auch sinnvoll erscheint. Die massige Brücke mit zweidimensionalen Verstellmöglichkeiten stammt von WSC, ist einfach zu justieren und auch das Wechseln der Saiten geht blitzschnell vonstatten, indem man diese einfach von oben einhängt. Ebenfalls von WSC-Partsland stammen die leichtgängigen und akkuraten Stimmmechaniken. Die schwarzen Security-Locks werden von Schaller geliefert.

Bei der Wahl der Tonabnehmer hat man sich auf die bewährten 35-DC-Humbucker von EMG verlassen, die brumm- und einstreuungsfrei ihren Dienst verrichten. Im Bedienfeld finden sich zwei Volume-Regler und ein doppelstöckiger Poti für Bässe und Höhen. Die beiden letzteren Regler verfügen zudem über eine Mittelrastung. Die aktive, kräftig zupackende Klangreglung stammt von GregoryPreAmps und wird in Polen hergestellt.

Praxis

Wer schon einmal einen Spector in der Hand hatte, dem dürfte eine Besonderheit dieses Basses, nämlich die axiale Hohlwölbung der Korpus-Rückseite, in bester Erinnerung geblieben sein, und daran orientiert sich der Fame auch ganz offensichtlich, was durchaus positive Auswirkungen hat. Hier ist alles rund und wohlgeformt, und der Korpus schmiegt sich wie selbstverständlich an den Spieler, vorausgesetzt man trägt den Bass nicht zu hoch. Die haptische Tadellosigkeit setzt sich auch beim eher vollschlanken Hals fort, dessen kräftiges Halbrund- Profil eine exzellente Bespielbarkeit in allen Lagen unterstützt. Lediglich der Zugriff in den höheren Regionen gestaltet sich etwas problematisch. Ab dem 23. Bund lassen sich gerade noch die beiden hohen Saiten bespielen. Die an einen Spector angelehnte Holzkonstruktion, welche primär Ahorn-Komponenten verwendet, beschert ein langes Sustain, sowie einen obertonreichen Klang, der sofort anspricht und stets ausgewogen zwischen Bassfundament und Brillanzen verbleibt.

Elektrisch besticht der Hals-Tonabnehmer mit einer enormen Wuchtigkeit, wohingegen der Pickup in der Steg-Position eine immense Knurrintensität bietet. Zusammen ergeben sie einen satten, tighten, mit tiefem Fundament versehenen Sound, bei dem klare Brillanzen und eine gut ausgeleuchtete Mittenpräsenz einen mächtigen, fast dreidimensionalen Ton erzeugen. Die Elektronik lässt eine mannigfaltige Tonbearbeitung zu und unterstützt eine universelle Einsatzfähigkeit. Dabei ist die aktive Klangreglung eher so ausgelegt, dass sie den Grund-Sound der Holzkonstruktion je nach Bedarf und Geschmack variiert, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Der eigentliche Einfluss der Tonhölzer bleibt so immer präsent. Zwei Klangregler erlauben den Zugriff auf Bässe und Höhen und arbeiten äußerst effektiv. Voluminöse Tiefbässe lassen bei aufgedrehtem Bassregler die Wände wackeln, ohne dass eine Wummergefahr bestehen würde und selbst bei zugedrehten Höhen klingt der Bass nicht matschig, vielmehr mild und weich. Mit dem Höhenregler lassen sich obere Draht-Präsenzen und exorbitante Brillanzen einstellen, die bei extremer Einstellung etwas überzogen scheinen. Als Kritikpunkt ist dies allerdings nicht zu werten. Vielmehr ist die 2-Band-Klangreglung, insbesondere in extremen Einstellungen, wirkungsvoller als nötig ausgelegt. Sie erlaubt feinste Abstimmungen und ist in ihrem Wirkungsgrad eher überdimensioniert. Durch eine geschickte Verwendung der beiden Volume-Regler steht zudem eine weitere Möglichkeit der Tongestaltung bereit.

Resümee

Seit über einer Dekade bietet Fame mit den Baphomet-Modellen Instrumente mit einem erstaunlichen Preis/Leistungsverhältnis an. Mit dem vorliegenden Bass wurde noch ein Gang zugelegt, und man präsentiert das bislang schönste, perfekteste und durchdachteste Instrument der Baphomet-Modellreihe. Dieser Bass bietet durch die Kombination von hartem Holzklang, EMG-Humbuckern und dem konkret zupackenden Aktiv-EQ eine bunte, schier nie enden wollende Klangpalette, die für jede musikalische Anwendung und Stilrichtung eine passende tonale Antwort zur Verfügung stellt. Druck, Knurr, Rotz, Brillanz und Präzision – der Baphomet liefert alles, was ein Bassist von einem guten modernen Instrument erwartet.

Ein internationaler Bass, gebaut mit amerikanischen Hölzern, versehen mit amerikanischen Tonabnehmern, koreanischer Hardware, polnischer Elektronik, sowie deutschen Security-Locks und Bünden, der durch seine hervorragende Abstimmung auch internationalen Ansprüchen genügt. Ein Bass bei dem man die Schwächen mit der Lupe suchen muss. Aber schließlich ist die Limited Edition auch etwas Besonderes, was sich zum Glück nicht im Preis niederschlägt. Ein Edel-Bass zu einem Volks-Bass-Preis.

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