ESP Ron Wood Signature Standard im Test

E-Gitarre von ESP im Telecaster-Stil plus Hals-Humbucker, schwarz/weiß
(Bild: Dieter Stork)

 

Es war schon eine komische Zeit, damals Ende der Achtziger: Nicht genug, dass Keith und Ronnie, das Gitarristen-Duo der Rolling Stones, plötzlich auf modernen Music-Man-Silhouette-Modellen spielten, nein – Ronnie hatte sich zudem mit dem japanischen Hersteller ESP zusammengetan, um ein Signature-Modelle zu lancieren, das sich dann als Kopie der Fender Telecaster entpuppte, mit der sein Kumpel Keith bekanntlich seine besten Riffs aus den Amps zu pumpen pflegte.

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OK, wenn man es genau nimmt, ist Ronnies Signature-Gitarre natürlich keine Kopie von Keiths bekannter Fender Tele. Denn die war eine Telecaster Custom von 1972 mit Dreiloch-Halsbefestigung und Esche-Korpus. Aber ihr offensichtlichstes Merkmal, der Humbucker am Hals, ist tatsächlich auch ein elementarer Bestandteil der Ron Wood Signature geworden. Diese Gitarre gab es lange Jahre schon vom ESP Custom Shop. Jetzt endlich darf die Gitarre auch unters gemeine Volk – in Form der Ron Wood Signature Standard.

 

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Zweimal Stones, zweimal Hals- Humbucker … (Quelle: musicaetudo) (Bild: Dieter Stork)

 

Konstruktion der ESP Ron Wood Signature Standard

Erfreulich ist, dass alle Konstruktionsdetails der Standard dem teureren Custom-Shop-Modell entsprechen und die Gitarre ebenfalls in Japan gebaut wird. Wir finden hier einen Erlekorpus, einen One-piece-maple-neck, natürlich den besagten Hals-Humbucker (ESP LH-200) in Tateinheit mit einem typischen Tele-Steg-Pickup (ESP TS-120). Der sitzt in einer massiven, randlosen Grundplatte aus Messing, in die (wie üblich) die Saitenreiter aus Stahl integriert sind – hier sechs an der Zahl. Die Elektronik wird über das von Fender bekannten Telecaster-Layout mit Master-Volume, Master-Tone und Dreiweg-Schalter geregelt. Schauen wir mal unter die Haube – dort finden sich zwei gute 500kOhm-Potis von CTS, an denen jeweils ein roter Film-Kondensator des Herstellers Xicon hängt, sowie ein robuster CRL-Dreiwegschalter. Es gibt also ein Treble-Bleed-Netzwerk, das den Höhenverlust beim Runterregeln des Volume-Potis verhindert, sowie den üblichen Kondensator am Ton-Poti. Die Verlötungen sind extrem penibel und sauber ausgeführt, das macht einen richtig guten Eindruck! Also alles im grünen Bereich. Genau wie innen macht die Ron Wood Standard auch außen einen hervorragenden Eindruck, was Verarbeitung, Setup und Spielbarkeit angeht. Wenn das der ESP-Standard ist, wie hoch liegt dann die Messlatte des Custom Shops?

 

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Die moderne T-Brücke ist mitverantwortlich für den fetten Ton dieser Gitarre. (Bild: Dieter Stork)

 

Der Hals ist natürlich traditionell auf den Korpus geschraubt, sitzt bombenfest in einer sehr passgenauen Fräsung und verfügt über 22 Vintage-Bünde. Wem ein One-piece-maple-Hals nicht zusagt, der kann auch auf die Ron Wood Signature mit Palisandergriffbrett ausweichen, muss dann allerdings als Farbe ein 3-Tone-Sunburst ebenfalls mögen.

Gute Gotoh-Mechaniken im Kluson-Style regeln kompetent die Stimmung an der schicken Kopfplatte, auf der die Signatur des Namensgebers das Firmenlogo optisch aussticht. Dass die Ron Wood Signature ein weißes Binding rund um Decke und Rücken hat, habe ich gesagt, oder? Und dass das richtig schick aussieht?

 

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Für jeden Stones-Fan ein Muss: Der Hals-Humbucker. (Bild: Dieter Stork)

 

Die ESP Ron Wood Signature Standard in der Praxis

Ich könnte mir denken, dass Ron Woods Wunsch an Electric Sound Products (ESP) gewesen ist, eine möglichst fett und dennoch typisch nach Fender Telecaster klingende Gitarre zu bekommen. Deshalb der Humbucker am Hals, deshalb der Erle-Body (anstelle von prägnanter klingender Esche), deshalb auch die Non-Vintage-Brückenkonstruktion mit Messing-Grundplatte und sechs einzelnen Stahlböckchen. Wie es bei Rockstars üblich ist, wird jeder Wunsch erfüllt – und die ESP-Gitarrenbauer haben ganze Arbeit geleistet. Gute Hölzer, eine handwerklich perfekte Bauweise und die entsprechende Hardware und Elektronik ergeben in der Summe eine betörend klingende und toll spielbare Kopie des Fender- Klassikers. Herausragend der Steg-Pickup, der mit einem muskulösen Honk den Sound-Test eröffnet. Natürlich mit einem clean eingestellten Verstärker! Der Ton blüht einen winzigen Augenblick nach dem Anschlag auf – wie mit einer leichten Kompression – und schimmert und strahlt auf beeindruckende Art. Country-eske Spielweisen werden authentisch klingend belohnt, wobei hier nicht einem archetypischen Telecaster-Sound gehuldigt wird, sondern eher der modernen Variante, die kräftiger und zupackender ist als der bekannte Vintage-Ton. Wer Brad Paisley oder Brent Mason mag, dem könnte die ESP Ron Wood ebenfalls gefallen, zumindest der Steg-Pickup. Ein anderer Schnack ist der Hals-Humbucker. Voll und warm, aber dennoch mit einem präzisen Attack kommt der im cleanen Bereich rüber. Doch je mehr Verzerrung aufgetragen wird, desto mehr zuckt die Hand zum Dreiwegschalter, um auf den Steg-Pickup umzuschalten. Allzu fett ist ungesund, und so gut der Humbucker clean klingt, umso mehr suppt er mit verzerrten Sounds ab. Ein prima Kompromiss ist da die Kombinationsstellung, in der beide Pickups aktiviert sind. Da bekommt der Humbucker vom Steg-Singlecoil das Top-End, das ihm zu deutlich mehr Durchsichtigkeit verhilft, wenn der Verstärker in die Verzerrung geht. Hier – und nur hier – klingt es übrigens nach Stones! Beide Pickups haben ganz deutlich eine Vintage-Stimme, die durch die kraftvolle Konstruktion der Gitarre einen besonderen Charme erhält. Ein Freund von mir hatte mal einen VW Käfer mit Porsche-Motor – so ähnlich kommt die Ron Wood Signature rüber. Vintage, aber mit mehr PS.

 

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Schon 1984 zeigte sich Ron Wood auf dem Katalog von ESP, hier aber noch mit einem Instrument der Traditional-Serie. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Seit etwa 1984 besteht die ESP/Ron-Wood-Connection. Und auch wenn jeder Ron-Wood-Fan weiß, dass Ronnie vorwiegend seine 55er und seine 56er Fender Stratocaster spielt und dass er auch noch ein Signature-Modell von Duesenberg hat, ist in dieser ESP-Gitarre, auf der Ron Wood draufsteht, auch eine Menge Ron Wood drin. Er, der inmitten all der Metal- und Hard-Rock-Endorser von ESP der einzige Rock ’n’ Roller der alten Schule ist, hat sich eine schicke Gitarre auf den ausgemergelten Leib schneidern lassen, die statt Vintage-Sounds moderne, fette Tele-Sounds produziert, wobei der Hals-Humbucker vor allem bei cleanen Sounds seine Klasse zeigt. Der Steg-Pickup-Sound kann dagegen in allen Lagen und Sound-Varianten begeistern und wird mit diesem Potential sicher auch den ein oder anderen Country-Gitarristen ansprechen, der mit einem typischen Stones-Gitarren-Sound nichts anfangen kann. Ronnie Wood hat die Faces wiederbelebt, bestimmt wird man bei der kommenden Tournee den ein oder anderen Song erleben, in dem auch seine ESP Signature wieder zu Ehren kommt.

 

Übersicht

Fabrikat: ESP

Modell: Ron Wood Standard

Typ: Soldibody-E-Gitarre

Herkunftsland: Japan

Mechaniken: Gotoh Kluson-Style

Hals: Ahorn, einteilig

Halsbefestigung: geschraubt, vier Schrauben

Sattel: Knochen

Griffbrett: Ahorn, nicht eingefasst, Punkteinlagen

Radius: 9,5″

Halsform: C-Profil

Halsbreite: Sattel 43,25 mm; XII. 52,40 mm

Halsdicke: I. 20,30 mm; XII. 22,80 mm

Bünde: 22, Vintage-Format

Mensur: 648 mm

Korpus: Erle

Oberflächen: Black (Option: 3-Tone-Sunburst mit Palisandergriffbrett), mit weißen Einfassungen um Decke und Boden

Schlagbrett: weiß, dreischichtig

Tonabnehmer: ESP LH-200 Humbucker (Hals: 7,38 kOhm); ESP TS-120 Singlecoil (Steg: 6,70 kOhm)

Bedienfeld: 1x Master-Volume, 1x Master-Tone, 1x Dreiweg-Pickup-Schalter

Steg: T-style Konstruktion, sechs Saitenreiter, Saitenführung durch den Korpus

Hardware: verchromt

Saitenabstand Steg: E-1st – E-6th 54,60 mm

Gewicht: 3,6 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Sound Service

15834 Rangsdorf

www.sound-service.eu

Zubehör: guter Rechteck-Koffer, Zertifikat

Preis: ca. 1784

 

Plus

  • Sounds
  • Optik
  • Vearbeitung
  • Spielbarkeit

Minus

  • Hals-Humbucker bei verzerrten Sounds

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