Die Benchmark für authentische Leslie-Simulatoren?

Es dreht sich was: Neo Instruments Mini Vent II

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Rotary Speaker, landläufig bekannt unter dem geschützten Namen „Leslie“, waren ursprünglich Keyboardern oder (Hammond-)Organisten vorbehalten. Wer jedoch auf zentnerschweres, kühlschrankgroßes Equipment verzichten möchte, greift heute gerne auf entsprechende Simulatoren im Pedalformat zurück.

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Bereits vor Jahrzehnten entdeckten Gitarristinnen und Gitarristen den Modulationseffekt des Leslie Cabinets zur Klangbereicherung. Populäre Beispiele sind George Harrison, Eric Clapton, David Gilmour, Peter Frampton, Richie Sambora und unzählige andere. Der typische Leslie-Sound basiert auf dem Doppler-Effekt, der dazu führt, dass sich die wahrgenommene Tonhöhe eines Klangs oder Geräuschs ändert, wenn sich die Schallquelle dem Hörer nähert oder sich von ihm entfernt. Guido Kirsch, von Haus aus Keyboarder und Entwickler bei Neo Instruments in Fulda hat bereits mehrere dieser Rotary Cabinet Simulators entwickelt, die sich weltweit wachsender Beliebtheit erfreuen.

UPGRADES

Worin bestehen die Unterschiede zum Vorgänger Mini Vent? Beim Mini Vent II hat man nicht nur die Programmiermöglichkeiten erheblich erweitert, sondern es wurde sowohl für Keyboards als auch für Gitarre konzipiert. Während nämlich beim Mini Vent die Werte der Parameter Speed (Drehgeschwindigkeit der Rotoren), Balance (Lautstärkeverhältnis von Bass- und Hochtonrotor), Distance (Abstand der virtuellen Mikrofone zu den Rotoren) und Mode (Cabinet Simulation on/off) werkseitig vorgegeben waren, lassen sich diese nun variieren, und zwar jeweils in 5 Stufen. Lediglich Drive (Verzerrungsgrad) konnte schon beim Mini Vent bearbeitet werden (off, 1, 2, 3 und Maximum). Auch die Möglichkeit, die Settings auf die Presets A und B abzulegen, hat man beibehalten. Des Weiteren lässt sich beim Mini Vent II die Funktionsweise der beiden Fußtaster (Bypass, Slow/Fast und Stop) auf individuelle Bedürfnisse konfigurieren.

KOMPAKT & ROBUST

Potis sucht man an dem stabilen Stahlblechgehäuse mit verschraubtem Boden und rutschfesten Gummifüßen vergeblich. Sämtliche Anschlüsse und den Preset-Druckschalter findet man an der Stirnseite. Rote LEDs zeigen den Status des Bypasses und die Rotation des Horns (Hi) an, eine gelbe LED die Drehgeschwindigkeit des Bass-Rotors (Lo). Im Inneren dient ein steckbarer Jumper zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. Die werkseitige Einstellung High Gain ist für Instrumente mit niedrigen und mittleren Output Levels vorgesehen, Low Gain für hohe Pegel von Orgeln, Keyboards und leistungsstarken Humbuckern.

Praxistest und Resümee auf Seite 2

NO CONTROLS

Erwartungsgemäß gestaltet sich das Bearbeiten der Parameter mithilfe der beiden Fußtaster umständlicher als mit konventionellen Potis. Hat man jedoch dieses etwas Geduld erfordernde Prozedere durchgeführt, wird man die Einstellungen sicherlich nie mehr verändern. Während im Edit Mode der Slow/Fast-Taster die Parameter anwählt, übernimmt Bypass die Einstellung der Werte, welche wie bei der Parameterwahl durch unterschiedliche Blinkintervalle der LEDs signalisiert werden. Gespeichert werden die Settings durch simultanes Drücken und 2-sekündiges Halten beider Fußtaster. Ohne die informative Matrix der Bedienungsanleitung dürfte das Editieren schwer fallen, zumal der Edit Mode keine Rückwärtsschritte gestattet und die Parameter bzw. deren Werte loop-weise aufruft. Vorteil allerdings: Der Verzicht auf Regler verhindert versehentliches Verstellen.

MODULATION

Lobenswerterweise hat Neo Instruments die beiden Presets praxisgerecht und klanglich höchst authentisch gestaltet und Preset A für Gitarre, Preset B für Keyboards abgestimmt. Im Auslieferungszustand ist bei Preset A die Speaker Simulation mit dem speziellen Frequenzgang eines Leslie-Kabinetts für den Einsatz mit Gitarrenlautsprechern deaktiviert, da der Sound sonst zu indirekt klänge. Bei Direktaufnahmen im Studio, z.B. mit cleanen oder leicht angezerrten Stereosounds, hat die Speaker Simulation indes klar die Nase vorn.

Während Preset A durch den Verzicht auf die Simulation eine eher weiche, räumliche Modulation liefert, vermittelt Preset B den Eindruck eines mikrofonierten Leslies. Es kommt etwas eckiger, direkter und intensiver daher und liefert je nach Drive-Setting harmonisch-röhriges Anzerren bis zu Jon-Lord-Mid-Gain-Overdrive. Um am Gitarren-Amp den Leslie-Sound intensiver und direkter zu gestalten, empfiehlt es sich, den Distance-Parameter zu bearbeiten, indem man den Abstand der virtuellen Mikrofone zu den Rotoren verringert (1 = Minimal-, 5 = Maximalabstand). Auch die unterschiedlichen An- und Auslaufgeschwindigkeiten der Bass- und Hochtonrotoren hat der Hersteller perfekt simuliert. Sie lassen sich jedoch auch nach eigenen Vorstellungen variieren bzw. anderen Leslie-Modellen angleichen.

RESÜMEE

Mit dem Mini Vent II legt Neo Instruments die Messlatte für die Authentizität von Leslie-Simulatoren erneut ganz hoch. Im Vergleich zum klanglich nahezu identischen Vorgänger wurden die Editier- und Speichermöglichkeiten immens erweitert und dadurch die Flexibilität des kompakten Pedals erheblich erhöht. Quasi als Sahnehäubchen lassen sich die Fußtasterfunktionen frei konfigurieren. Etwaiges Editieren der Parameter gestaltet sich zwar recht umständlich, ist jedoch im Grunde nicht vonnöten, da die Presets praxisorientiert und geschmackvoll gestaltet wurden. Kurz: Top Sounds und Verarbeitung mit ausgewogenem Verhältnis von Preis und Leistung, und (!) Made in Germany. Absolut empfehlenswert!

Plus

● authentische Rotary-Sounds
● nebengeräuscharm
● 5 editier- und speicherbare Parameter
● 2 User-Presets
● konfigurierbare Fußtaster
● Mono In/Stereo Out
● Verarbeitung
● Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

● Umständliches Editieren


(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)

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