Nachbrenner!

Die John Page Classic The Ashburn im Test

Der frühere Custom Builder und Mitbegründer des Fender Custom Shop John Page geht heute seinen eigenen Weg. Neben den wenigen Exemplaren aus persönlicher Hand sind nun auch seriell gefertigte Custom Production Guitars am Markt.

John Page Classic Gitarre

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Lange 21 Jahre arbeitete John Page für Fender, die letzten 12 davon als Co-Founder und Leiter des Custom Shops, eine Funktion, in der er Stars wie Clapton, Townshend oder Gilmour Gitarren auf den Leib schneiderte. Ende 1998 verließ er nach gewissen Ermüdungserscheinungen die Fender-Gitarrenproduktion, um als leitender Direktor das Fender Museum of Music and the Arts im kalifornischen Corona aufzubauen. 2003 kehrte er in die heimatlichen Wälder Oregons zurück, sortierte sein Leben neu und fertigte eine Zeit lang Möbel, bis seine Leidenschaft für den Gitarrenbau dann doch wieder erwachte.

Nun konnte er ja endlich in eigener Regie all seine Vorstellungen realisieren. 2006 fand er mit dem Modell P-1 dann zum ersten eigenen Design – John Page Guitars war geboren. Seitdem sind sechs Gitarrenlinien und ein Bass-Modell entstanden, daneben aber lässt John seinen künstlerischen Ambitionen immer wieder freien Lauf und es entstehen einzigartige „Art Guitars“. John: „I’m back … the passion is back … the guitars are back! I build a very low number of custom guitars per year, by hand, by myself, the way I think they should be built.“

Konstruktion

Das vorliegende Classic Ashburn Modell ist allerdings keines der teuren handgebauten Custom-Exemplare, sondern der Kooperation mit Howard Swimmer und dessen Firma HRS Unlimited (Mitbegründer der Premier Builders Guild PBG – Zusammenschluss amerikanischer Boutique- Gitarren- und Amp-Hersteller) und einem ausgesuchten japanischen Hersteller zu danken. Ziel war die Umsetzung hochgesteckter Custom-Design-Ziele in eine kostengünstige serielle Fertigung, wofür man den Begriff Custom Production Guitar einführte.

Bei dem Ashburn-Modell handelt es sich um ein quasi-klassisches Double-Cutaway- Design, das gar nicht verhehlen will, wo John Page seine Meisterschaft erlangte, aber trotz der Vertrautheit im Allgemeinen mit vielen Optimierungen im Detail aufwartet. Der Korpus der Ashburn aus zweiteiliger Erle weist die bekannten Komfort-Konturen am Boden hinten oben und für die Armauflage vorn auf. Die Plattenstärke von 45,5 mm liegt leicht über der einer Fender Strat, dafür wurde die Taille etwas schmaler gestaltet und das untere Horn mehr nach außen geführt. Wesentlicher erscheint aber die optimierte Hals/Korpus- Befestigung durch vier in Hülsen geführten Maschinenschrauben, die in eingelassene Messinggewinde im Halsfuß fassen, nicht zu vergessen auch der fließend schräg gestaltete Bereich der Halsaufnahme. Der Hals aus einteiligem Ahorn bekam ein komfortables Medium „C“-Profil und ein Palisandergriffbrett (optional auch Ahorn) mit 12″-Radius, das mit 22 höchst sauber verarbeiteten mittelstarken Bünden (Nickel Silver) aufwartet.

Besonders bemerkenswert sind neben den seitlich angebrachten Dot Markers noch die bestens verrundeten Griffbrettkanten. Der parallel nach hinten versetzte Kopf markanter Formgebung ist mit Staggered Vintage Style Tuners von Gotoh ausgestattet, was die Saitenniederhaltung durch String Trees überflüssig macht. Die Nut für den Zugang zum Halsstab hinter dem schmalen Sattel aus Knochen blieb unverschlossen. Am Korpus werden die Saiten in den Stahlblock des 510 Tremolo von Gotoh gefädelt, ein Vintage Style Vibratosystem mit individuellen Bugblechreitern und justierbarem Einsteckarm. Drei auf ein dreischichtiges Pickguard montierte John Page Bloodline JP-1 Singlecoil Pickups mit flachen Alnico-Polepieces sorgen für die elektrische Tonwandlung. Bemerkenswert ist die Positionierung des Steg-Pickups mit nach innen geneigter Abnahme der hohen Saiten.

Nebenbei bemerkt entspricht das natürlich der Tonabnehmer-Position mit der Jimi Hendrix seinen Sound dank auf links gedrehter Strat erzeugte. Die Pickups werden mit einem gewohnten 5-Way- Switch angewählt (Hum Cancelling in den Positionen 2 und 4) und von generellen Volume- und Tone-Reglern kontrolliert, wobei der Summenregler nicht so nah an den Steg-Pickup gesetzt wurde, wie das bei einer Strat der Fall ist. Wenig überraschend, umfasst die Mensur die für diesen Gitarrentyp typischen 648 mm. Die in Japan nach exakten Vorgaben hochklassig gefertigten Instrumente bekommen ihr finales Setup in den US von autorisierten John Page Technikern.

Verrundete Griffbrettkante

Praxis

Kein Zweifel: Sobald man die Ashburn in die Hand nimmt, weiß man auch um die Qualität dieser Gitarre. Das Handling ist zunächst uneingeschränkt vertraut und komfortabel, aber was es wirklich ausmacht, das ist dieser sich absolut toll anfühlende Hals von bestens gewichtetem Profil mit einer wunderbaren Kantenverrundung des glatten, seitlich undurchstochenen Griffbretts und überdies natürlich die auffällige allgemeine Schwingintensität, mit der uns dieses John-Page- Design sofort beeindruckt.

Zur elektrischen Kompetenz: Die Bloodline Pickups im Flat Pole Design mit Alnico5- Magneten wurden von John Page in Richtung „classic early 60s S-style Tone“ entworfen. Für eine gelungene Zielerfüllung tritt der Tonabnehmer am Hals dann auch gleich den Beweis an. Voll, rund und glasig tönt der nämlich bei klar eingestelltem Verstärker. Bei guter Saitenseparation erscheinen die Akkorde harmonisch gerundet und harfenähnlich aufgelöst. Single- Notes verfügen über beste Definition und eine gesunde, fabelhaft obertonstarke Klangfarbe.

In Zerrpositionen federn Powerchords locker und knackig vom Griffbrett, Linien erscheinen konturstark und mit glasigem Flair, wobei die plastische Tongestalt besonders zu loben ist. Das können wir vom baugleichen Pickup in der Mitte ebenfalls behaupten, der sich lediglich positionsbedingt in der Farbe etwas aufhellt, damit allerdings die Palette um eine auch selbständig gut nutzbare Klangfacette ergänzt. Schalten wir auf den etwas heißer gewickelten Steg-Pickup, so springt der mit guter Bissigkeit vor.

Halsbefestigung

Er liefert uns einen snappy Ton von ordentlicher Schärfe, dem aber der gefürchtete metallische Grätz in dieser Position abgeht. Stattdessen zeigen die Bässe einen knochigen Twang und auf den hohen Saiten sind Noten mit einer schon hart zupackenden, aber auch lobenswert festen Substanz zu erzielen. Besonders in Overdrive-Positionen des Amps lässt sich damit kraftvolles Lead-Spiel inszenieren, das von der enormen Schwingintensität – aha, die verbesserte Hals/Korpusverbindung – förmlich beflügelt wird. Hervorzuheben ist die allgemein starke Entfaltung der Obertöne. Flageoletts sind leicht zu erzeugen, springen geradezu leichtfüßig vom Griffbrett. Die Zwischenpositionen sind noiseless verschaltet und warten ebenfalls mit hochklassigen Kombi-Sounds auf, die das Klangrepertoire stimmig ergänzen.

Über das Gotoh Tremolo lässt sich ebenfalls nur Positives berichten: Es ist mit gutem Zug aufliegend montiert (Downbendings only) und bietet tadellose Stimmstabilität selbst bei offensivem Gebrauch. Zwei Bemerkungen noch zur Handhabung: Der etwas weiter weg vom Steg- Pickup platzierte Volume-Regler ist nun nicht mehr im Weg und gibt der rechten Hand einen besseren Aktionsradius. Er liegt aber immer noch nah genug, um Blendmanöver mit dem kleinen Finger mühelos auszuführen. Die seitlich positionierten Einlagen im Griffbrett erleichtern tatsächlich die Tonhöhennavigation, liegen sie doch optimal im Blickfeld des Spielers.

Bloodline Pickups

Resümee

Ein Klassiker bleibt ein Klassiker, keine Frage, aber wenn ein Mann wie John Page auf der Grundlage langjähriger Erfahrung die Optimierung des berühmten Double- Cutaway-Designs vorantreibt, dann sollte man genau hinsehen, bzw. -hören. Gesagt, getan: Auch wenn es sich bei der getesteten Ashburn nicht um ein Instrument aus der handgebauten Custom Line handelt, so überzeugt doch auch das in Japan sorgfältig umgesetzte Konzept der Custom Production Guitar auf ganzer Linie.

Aspekte wie die Halsverbindung mit Gewindeschrauben oder die elegante Kantenverrundung des Griffbretts auf einem in jeder Hinsicht großartig gestalteten Hals bringen die grundlegende Double- Cutaway-Konzeption weiter voran, gewinnen ihr neue Aspekte ab. Ergebnis ist ein Instrument mit fabelhaften Spieleigenschaften, das den Vintage-Ton als hoch geachteten Ausgangspunkt für eine klangfarbliche Fortschreibung in die Moderne nutzt. Alle Achtung: dieses The-Ashburn-Modell von John Page setzt Maßstäbe!

Plus Minus John Page

Übersicht John Page

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