Zweifellos praktisch
Die Endstufe stets dabei: Rockboard Power MOD im Test
von Ulf Kaiser, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
PRAXIS
Der Einbau in den Slot des Rockboard-Pedalboards ist denkbar einfach und erfolgt über zwei mitgelieferte Schrauben. Aufgrund des Alurahmens und des geringen Gewichts ist die Konstruktion ausreichend robust für den Bühnenbetrieb. Das Netzteil wird über eine mehrpolige Buchse verbunden. Die Verbindung scheint verlässlich, wobei ich im Tourbetrieb ergänzend zu einem Streifen Gaffa greifen würde – sicher ist sicher.
Der Verstärker besitzt keinen Ein- und Ausschalter, sondern wird durch den Anschluss an das Stromnetz aktiviert. Immerhin gibt es eine Mute-Schaltung.
Im Regelfall wird das letzte Pedal der Signalkette mit dem Verstärker verbunden. So ist man im Nu bei der nächsten Jam-Session, auf Fly-Gigs und in sonstigen Situationen, in denen kleines Gepäck gefragt ist, startklar. Und natürlich lassen sich auch Amp-Modeler anschließen.
In allen Fällen erhält man einen Mono-Leistungsverstärker, der sich vor allem für das Monitoring eignet. Je nach Setup nutzt man eine Gitarrenbox oder betreibt einen Fullrange-Monitor mit Boxensimulation. Dank des Kopfhörerausgangs kann man zudem jederzeit ohne Box proben und dabei über den Aux-Eingang ein Playback einspielen. Zuhause ist das ein echter Mehrwert. Eine Clip-LED soll Übersteuerungen anzeigen.
Mein erster Test fand an einer Gitarrenbox mit zwei Celestion G12H-100 statt. Die kleine Endstufe arbeitet hier rauscharm und bietet bereits beachtliche Pegelreserven. Das sollte für den Einsatz zu Hause, im Proberaum und auf kleinen Bühnen reichen, sofern man keine laute Rockmusik macht. In dem Fall darf es dann die kräftigere Power Mod 150 sein. Beide Module liefern eine gut regelbare Ausgangslautstärke, die entstehende Wärmeentwicklung ist sehr gering. Die Pegelreserven steigen übrigens spürbar, wenn die Lautsprechersimulation eingeschaltet wird.
Im Normalzustand liefern beide Endstufen eine klangneutrale Wiedergabe. Wer auf der Suche nach sauberen Cleansounds ist, kann seine Gitarre auch einfach direkt einstecken. Das Klangbild lässt sich über die aktive Klangregelung mit Einsatzfrequenzen bei 50 Hz, 450 Hz und 6.600 Hz jederzeit anpassen.
Bei verzerrten Klängen ist der erste Eindruck an einer Gitarrenbox erstmal eher ernüchternd. Abhilfe schafft hier der Equalizer. Mit etwas Zuwendung kommt man so zu einem verstärkten Klangbild, mit dem man seinen Gig bestreiten kann. Mit einer Röhrenendstufe können beide Power Mods natürlich nicht mithalten. Im Direktvergleich klingt es weniger organisch, druckvoll und satt; in den oberen Frequenzen wirkt es recht aggressiv. Hier muss man jedoch den Preis beachten: Eine Fryette Power Station PS-2A ist eben vier- bis sechsmal so teuer. Ich würde nicht soweit gehen, die Rock Mods in diesem Szenario als vollwertigen Amp-Ersatz einzuordnen, sondern eher als preiswerten und fraglos sehr praktischen Ersatz, als Sicherheitsnetz und als bequeme Jam-Lösung und diese Anforderungen bedienen sie auch.
Die Wiedergabe an einem Fullrange-Lautsprechers, etwa eines passiven Bühnenmonitors oder einer eigenen Box mit Celestion F12-X200 bedarf einer Lautsprechersimulation, die sich im Rock Mod zuschalten lässt. Die analoge Schaltung liefert passable Ergebnisse, aber ein etwas unnatürliches Höhenverhalten. Verstärkt man hingegen einen Modeler, so wird man dort in aller Regel bereits eine Simulationen auf der Basis von Impulsantworten vorfinden.
Für die Beschallung oder eine Aufnahme bedient man sich sinnvollerweise am XLR-Ausgang. Auch hier ist die Lautsprechersimulation durchaus sinnvoll, etwa für einen Mitschnitt der Probe. Schön wäre, wenn man die Simulation getrennt für den XLR- und den Endstufenausgang schalten könnte.
RESÜMEE
Ein Verstärker, der direkt im Pedalboard verbaut wird, ist zweifellos praktisch, zumal man hier auch noch einen Kopfhörerverstärker mit Aux-Eingang zur heimischen Probe erhält. Ein vollwertiger Ersatz für einen Röhrenverstärker sind die Power Mods nicht – klar bei dem Preis –, aber sie sind zweifelsfrei sehr praktisch. Fällt der Marshall auf der Bühne aus, dann spielt man einfach mit seinem Pedalboard weiter. Alternativ kann man auch nur mit dem Stressbrett unterm Arm in den Proberaum fahren und an der dort vorhandenen Box jammen. ●
Plus
- leichte Endstufe, passend im Mod-Format für Rockboard-Systeme
- Klangregelung
- Lautsprechersimulation
- Kopfhörerverstärker
- günstiger Preis
Minus
- sperrige Netzteile
- Boxensimulation nicht getrennt für Endstufe und DI-Ausgang schaltbar

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)
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