Teufelskerl

Devil’s Choice Trapjaw B05 ms, E-Bass im Test

Es könnte alles viel schlimmer sein: Der Sommer liegt in seinen letzten Zügen, wir haben eine intensive Festival-Saison hinter uns, die Death-Metal-Instanz Suffocation hat ein neues Album am Start und wir den passenden Bass im Test! Vier Jahre sind seit ,Pinnacle of Bedlam‘ ins Land gezogen – vier Jahre, in denen sich auch beim Equipment der Band einiges getan hat. Eine wichtige Zutat für den Sound der neuen Scheibe ,…Of The Dark Light‘ ist Derek Boyers Devil’s Choice Trapjaw-Bass.

(Bild: Dieter Stork)

Suffocation sind seit 1988 eine feste Größe im amerikanischen Death Metal und zweifellos ein Szene-Urgestein. Obwohl die Gründungsmitglieder Frank Mullen (Gesang) und Terrance Hobbs (Gitarre) heute stramm auf die 50 zugehen, hat die Musik der Band über die Jahrzehnte kaum an Brutalität, Härte und Komplexität eingebüßt – im Gegenteil, das letzte Album ,Pinnacle of Bedlam‘ verkaufte sich bestens und kassierte weltweit hervorragende Reviews für das frische, energiegeladene Songwriting.

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Seit 2004 ist mit Derek Boyer ein Bassist an Bord, den man, live wie auf Platte, Note für Note verfolgen kann, was vor allem mit seinem extrem aggressiven Bass-Sound und seiner besonderen Spieltechnik zutun hat. Derek steht auf zackige Bässe und hat lange einen B.C. Rich Warlock gespielt, bis er auf dem PartySan Metal Open Air 2014 auf die Instrumente von Devil’s-Choice-Mastermind Bernd Steuer aufmerksam wurde. Unser Testbass ist derselbe Trapjaw, der Mr. Boyer an jenem Tag so aus den Socken gehauen hat, dass danach ein eigener Devil’s Choice hermusste, der sich – selbstverständlich – eng an der Vorlage orientiert …

Zwischen Waffe und Raumschiff

Wie kaum eine andere Firma hat sich Devil’s Choice edlen Instrumenten verschrieben, die nicht in die Vitrine, sondern in schwitzige Hände auf lauten Bühnen gehören. Unser Trapjaw B05 MS ist hier keine Ausnahme. Einen 3790-Euro- Bass, der so kompromisslos auf Metal getrimmt ist, sieht man wohl eher selten. Für die Silhouette, die irgendwo zwischen Waffe und Raumschiff liegt, findet man so leicht weder Koffer noch Ständer, aber wie limitiert wäre der Instrumentenbau, wenn die Grenze des Machbaren von dem verfügbaren Zubehör diktiert würde? Den besonderen Anforderungen von heftigen, tiefgestimmten Bands wie Suffocation wird Bernd Steuer nicht nur mit exotischen Formen, sondern auch mit außergewöhnlichen Holzkombinationen gerecht. Bei diesem – und auch bei Dereks – Trapjaw kommt außerdem die zunehmend populäre Fanned-Fret-Bundierung dazu, bei der die Saiten auf unterschiedlichen Längen schwingen. Wie bei einem Konzert-Flügel profitieren die hohen Saiten von einer kürzeren Mensur, während sich die tiefen Drähte auf einem längeren Hals wohler fühlen.

Bei unserem Trapjaw reicht das Fanning von verkürzten 33“ auf der hohen G-Saite bis hin zu extralangen 35“ auf der Tiefen H-Saite. Als Hölzer für den durchgehenden, fünfstreifigen Hals und die angeleimten Korpusflügel kommt mit Birkenstreifen gesperrte amerikanische Walnuss zum Einsatz; die gewölbte, wild gemaserte Decke sowie das Griffbrett und der Kopfplatten-Aufleimer sind aus karelischer Maserbirke geschnitten. Um noch mehr Stabilität und Ruhe in den Hals zu bekommen sind rechts und links neben dem Halsstab Carbonstäbe verbaut. Extra zäh und langlebig sind außerdem die 24 Jumbo-Bünde aus Edelstahl. Weil das Auge auch bei raubeinigen Metallern mitisst, hat sich Bernd bei diesem Bass gegen schnöde Side-Dots entschieden und die Lagen seitlich mit edlen Walnuss- Blöcken markiert, die gleichzeitig als Inlay dienen.

(Bild: Dieter Stork)

Obwohl der Trapjaw eine zackige, abgewinkelte Kopfplatte hat, werden die Saiten unten an der Einzelreiter- Brücke von ABM gestimmt und oben am Kopf durch einen ausgefuchsten Schraubmechanismus arretiert, für den man jedoch immer einen Inbusschlüssel dabei haben sollte. Für den verstärkten Ton sind drei passend zur Mensur angewinkelte Bass-Culture-Humbucker mit Neodym-Magneten verantwortlich. Die schmucken Aggregate sitzen in Walnuss- Gehäusen und werden jeweils über einen extra robusten Dreifachschalter mit den Positionen Parallel/Aus/Seriell geschaltet, dazu gibt es noch ein einzelnes Volume- Poti.

Auf Spurensuche

Trotz seiner extrem sperrigen Form hängt der Trapjaw absolut ausgewogen in perfekter Spielposition am Gurt. Die langen Korpushörner bieten ein gutes Gegengewicht zu dem recht massigen Hals – das der Bass bei so viel Holz mit seinen 4,4 kg kein Fliegengewicht ist, dürfte klar sein. Durch das matte Finish und die ultraflache Saitenlage flitzen die Finger nur so über das Griffbrett, dabei kommt die Fanned-Fret-Bundierung der linken Hand ergonomisch entgegen.

Denkt man gar nicht erst darüber nach, lässt sich das Instrument quasi ohne Eingewöhnungszeit spielen, wobei man sich fragen muss, wie Herr Boyer bei seiner Spielhaltung überhaupt einen Ton aus seinem Bass bekommt: Bei etlichen Song-Passagen stellt Derek seinen Trapjaw wie einen Upright-Bass auf das untere lange Horn (ja, dafür braucht es einen seehr langen Gurt!), um in gebückter Haltung, wild headbangend fies komplexe Bassläufe in die Saiten zu donnern – zweifellos eine Kunst für sich! Sein persönliches Modell hat an dem „Stand-Horn“ deswegen eine Art Edelstahl-Huf, der das Holz bei diesen und ähnlichen Eskapaden schützen soll.

(Bild: Dieter Stork)

Da der Platz zwischen Brücke und Griffbrett quasi komplett mit Tonabnehmern ausgefüllt ist, bleibt wenig Platz für perkussive Spieltechniken wie Slappen (wer würde das auf so einem Brett tun?) oder Plektrum- Spiel. Zweiteres ist grundsätzlich durchaus möglich, man muss sich allerdings etwas zusammenreißen und aufpassen, dass man mit dem Plektrum nicht in die schönen Pickup-Kappen hackt. Fingerspieler wie Derek profitieren hingegen von der großen Auflagefläche für den Daumen – man kann die Tonabnehmer außerdem wie eine Ramp nutzen, um die Ausholbewegung zu begrenzen und so die Anschlagstechnik effizienter zu machen.

Am Amp klingt der Trapjaw Mensur- und Konstruktionsbedingt betont mächtig, mit kellertiefen Bässen sowie einem bellenden Tiefmitten- Pfund. Die Einzel-Sounds der Neobucker überzeugen bei serieller Schaltung mit heißem Pegel und fetzig offensiver Lebendigkeit, während die Parallel-Einstellungen detailreicher und einen Tick frischer ans Ohr dringen.

(Bild: Dieter Stork)

Beide Varianten bieten sowohl den nötigen Tiefgang als auch den modernen Biss, den Derek für seine Bassarbeit bei Suffocation braucht; noch authentischer wird das Ergebnis allerdings, wenn man mehrere Tonabnehmer kombiniert: Durch die Auslöschungen im Mitten-Bereich wird der Sound trockener und bulliger – die Eckfrequenzen treten mehr in den Vordergrund. Je nach Kombination lässt sich das Voicing von drahtig präsent bis kehlig und bauchig durchstimmen – angesichts der 27 (!) Sounds, die diese Schaltung bietet, gibt es dabei endlos viele Nuancen zu entdecken.


5 Fragen an Derek Boyer von Suffocation

Wie bist du auf Devil’s Choice aufmerksam geworden?

Unser alter Gitarrist Guy Marchais hat mich auf Devil’s Choice gebracht. Wir waren mit Suffocation vor ein paar Jahren auf Europa-Tour und haben auch beim PartySan Metal Open Air gespielt. Wir sind morgens früh beim Festival angekommen und ich schlief noch, als Guy mich aufweckte und sagte: „Wach auf! Wach auf! Du musst dir diese Bässe angucken!“. Er war schon früher als ich auf den Beinen, um sich die Bühne und den Merch-Stand anzugucken und stieß dabei auf den Stand von Devil’s Choice. Als ich die Instrumente das erste Mal sah, war ich sofort verliebt – nicht nur in die Optik, sondern auch in die Qualität.

Was ist dir bei Bässen wichtig?

Mir sind viele verschiedene Sachen wichtig: Wie schon gesagt, der Style und die Verarbeitung sind für mich entscheidend, der Bass muss sich aber natürlich auch gut anfühlen und – ganz wichtig – auch gut klingen. Ich mag die aggressive Optik des Trapjaws – als ich ihn das erste Mal gesehen habe, dachte ich gleich „Das Biest will ich auf der Bühne spielen!“.

Welche Pedale benutzt du zusammen mit deinem Trapjaw?

Auf meinem Pedalboard habe ich ein TECH-21-Sans- Amp-DI-Pedal (1. Generation), einen Maxon-RTC600- Röhrenkompressor und ein Korg-DT-10-Stimmgerät – ein ziemlich einfaches Setup. Bei den Kabeln benutze ich durchgängig Planet Waves.

Kann man deinen Trapjaw schon auf eurem neuen Album hören?

Oh ja, ich habe die ganze Platte damit eingespielt! Seit dem Tag, an dem ich meinen Trapjaw bekommen habe, habe ich Live wie im Studio nichts anderes mehr benutzt. Ich liebe diesen Bass wirklich sehr und bin gespannt, was Bernd sich als nächstes einfallen lässt.

Wie würdest du euer neues Album im Vergleich zu ,Pinnacle of Bedlam‘ beschreiben?

Das neue Album ist wirklich krass geworden! Es ist aggressiv, brutal und hat ein paar Twists und Wendungen, die man so nicht erwarten würde. Ich weiß gar nicht, wie man es am besten mit unserem letzten Album vergleichen kann – ich mochte ,Pinnacle of Bedlam‘ sehr und mag das neue noch lieber (vielleicht auch weil es neu ist). Letztendlich hat jeder seinen eigenen Geschmack, aber ich denke, wer Suffocation mag, wird auch ,… Of The Dark Light‘ mögen.


Resümee

Dass dieser Trapjaw Derek Boyer ins Staunen gebracht hat, kann man sich gut vorstellen: Hier passt nicht nur die extreme Optik, sondern auch das überraschend komfortable Handling, die absolut hervorragende Verarbeitung und – am wichtigsten – der mörderisch fette Ton, mit dem man sich selbst in einer Band wie Suffocation Gehör verschafft. Solche Qualitäten haben natürlich ihren Preis, der in diesem Fall jedoch nicht überzogen scheint – schön, dass es überhaupt kompromisslose Metal-Bretter in dieser Preisklasse gibt! n

Plus

  • erstklassige Verarbeitung, Holzqualität
  • Konzept und Optik
  • Hardware/Pickups
  • Spielbarkeit
  • mächtiger, lebendiger Grundsound
  • Flexibilität, 27 Pickup- Kombinationen

Minus

  • kaum Ständer/Koffer kompatibel
  • Saitenwechsel erfordert Inbusschlüssel


Aus Gitarre & Bass 06/2017

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