Der Warwick Robert Trujillo Streamer Signature Bass im Test

Warwick-Bass. fünfsaitig, blau, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

In der Champions-League der Tieftonprominenz hat Warwick mittlerweile eine unglaubliche Präsenz. Instrumente aus der High-End-Schmiede in Markneukirchen bevölkern die Bühnen der Welt.

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Ob es nun Kultbassisten, alte Helden, neue Helden, Funk-Monster oder harte Rocker sind, Warwick scheint für alle das passende Instrument zu bauen. Auch die Bassisten der momentan erfolgreichsten Bands auf diesem Planeten spielen mittlerweile die Instrumente aus Markneukirchen. Nach Adam Clayton von U2, ist nun auch Robert Trujillo Mitglied der Warwick-Familie geworden. Die meisten Bassisten werden mit diesem Namen etwas anfangen können, aber Nicht-Musiker werden wohl mit den Schultern zucken. Dabei kennt jeder seine Band, denn Robert Trujillo ist der Bassist der wohl größten und bekanntesten Metal Band aller Zeiten, Metallica.

Robert Trujillo ist allerdings alles andere als ein No-Name der aus dem Nichts kam. Mit Suicidal Tendencies trat er erstmals 1989 in den Fokus der Öffentlichkeit, war dort bis 1994 Bandmitglied und ist auf 6 CDs der kalifornischen Trash/Metal/Crossover-Band zu hören. Weitere Veröffentlichungen und Live-Aktivitäten mit Infectious Groove, Glenn Tipton (Judas Priest), Ozzy Osbourne, Jerry Cantrell (Alice in Chains) oder Black Label Society folgten.

Das hat natürlich auch seinen Grund, denn Trujillo ist ein versierter und innovativer Bassist mit einem eigenen, unverwechselbaren Stil, welcher Slap-Techniken, schnelle Läufe und rasante Heavy-Akkorde zu einem einzigartigen Sound vereint.

 

Konstruktion des Warwick Robert Trujillo Streamer Signature Bass

Bei dem vorliegenden Fünfsaiter handelt es sich um einen Streamer, den Klassiker aus dem Hause Warwick. Allerdings in stark abgewandelter Form, wie sich im späteren Verlauf noch zeigen wird. Die Holzkonstruktion ist unauffällig und sollte unproblematisch und solide sein, wobei die sichtbaren Hölzer von feinster Qualität zeugen. Die vier breiten Streifen des Halses bestehen aus Ahorn, die drei schmalen Sperrstreifen aus Ekanga. Der Hals hat ein asymmetrisches Profil erhalten, welches der Spielweise des kalifornischen Bassisten entgegenkommt. Das Griffbrett des durchgehenden Halses besteht aus 5,9 mm dickem Tigerstripe Ebony, die angeleimten Korpusteile wiederum aus Ahorn. Hier zeigt sich eine weitere Eigenart des Robert Trujillo Signature Fünfsaiters, denn dieser Streamer hat nicht wie sonst üblich eine hohlgewölbte Korpus-Rückseite, sondern ist auf Wunsch des Metallica-Bassisten plan gehalten.

Auch bei der Hardware zeigt sich, dass der Hersteller komplett auf die Vorstellungen des Metallica-Bassisten eingegangen ist. Normal sind bei diesem Bass nur die hauseigenen, gekapselten Stimmmechaniken, die Security Locks, sowie der höhenjustierbare Just-A-Nut-III-Sattel. Normalerweise sind Warwick Bässe mit MEC Tonabnehmern und aktiver MEC-Elektronik bestückt und auch die hauseigene zweiteilige Steg/Saitenhalter-Kombination ist längst ein anerkannter Klassiker. Im vorliegenden Fall ist alles anders, denn hier sind aktive EMG J/J Tonabnehmer sowie eine aktive Bartolini NTBM-918 3-Band Elektronik verwendet worden. Beim Steg handelt es sich um eine Schaller 3D-Brücke, wie übrigens bei den ganz frühen Streamer-Bässen. 3D deswegen, weil man die Saitenhöhe, Intonation und Saitenabstand individuell einstellen kann. Dabei liegen die Saiten auf kleinen Rollen, die das Reißen derselben verhindern sollen.

Auch das Griffbrett ist nicht gerade alltäglich, denn hier sitzen nicht nur 24 perfekt verarbeitete Nickel-Silber-Jumbo-Bünde, zwischen Bund 11 und 12 befindet sich ein Inlay aus Silber mit den Initialen von Robert Trujillo. Diese sind in das stilisierte klassische Metallica-Logo eingearbeitet.

Wenn man der Bassist von Metallica ist, kann man alles spielen, aber eine Naturholzoptik wäre für diese Band dann doch zu viel „Schöner Wohnen“.

Ganz klar, der Band-Name Metallica gibt die Richtung vor, eine Metalloptik bietet sich geradezu an. Das Turqoise Blue Chrometone Finish, mit dem der komplette Korpus sowie Vorder- und Rückseite der Kopfplatte versehen worden sind, ist absolut perfekt ausgeführt, lediglich der Hals ist unbearbeitet geblieben. Hier sieht man auf der Rückseite das rohe Holz, welches jedoch ein seidiges Ölfinish erhalten hat, und damit der betont flinken Spielweise des amerikanischen Bassisten entgegenkommt. Allerdings ist hier eine dauerhafte Pflege notwendig, da der helle Ahorn durch den einwirkenden Handschweiß sehr schnell unattraktiv wird. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität perfekt, und auch das Chromefinish ist spiegelglatt, besser geht es nicht.

 

Chromefinish

Bei dem hier verwendeten Chromefinish handelt es sich um ein extrem aufwendiges Verfahren, das sich chemische Nitratfällung nennt. Dabei wird reines Silber (AG) in seine Bestandteile gelöst und mittels einer chemischen Reduktion auf dem Objekt wieder zusammengesetzt. Daraus entsteht ein hochreflektierender Silberfilm im Nanobereich, ein komplexer und schwer beherrschbarer Vorgang der ohne modernste Technik nicht zu realisieren ist. Das Instrument muss hermetisch abgeschlossen und 100% isoliert sein, um ein Eindringen der hochviskosen Chemikalien in das Holz zu vermeiden, da dies ein Aufquellen zur Folge hätte und einen irreparablen Schaden darstellen würde. Vor der Metallisierung muss ein spezielles Substrat aufgetragen werden, um einen glänzenden Untergrund zu generieren. Dieses Substrat sollte so glatt und staubfrei wie möglich lackiert werden, da jegliche Irritation in der Silberschicht sichtbar wird. Aufgrund der Sensibilität der Silbernitrate ist ein Reinstraum und einiges Lackiergeschick notwendig. Nach der Metallisierung kann die Silberschicht in verschiedenen Farbtönen gestaltet werden, bevor der Schutzlack das Silber vor Oxidation schützt.

 

Praxis

Normalerweise würde man das Instrument erst einmal im Sitzen spielen, und dann in normaler Gurtposition. Das geht mit dem Signature Streamer auch problemlos. Etwas ungewohnt mag vielleicht das enge String- Spacing mit ca. 16,5 mm am Steg erscheinen, aber sowohl tightes Spiel wie flotte Läufe stellen kein Problem dar. Auch im Bereich Tragekomfort und Ausbalanciertheit gibt es nichts zu beanstanden. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hier allerdings das asymmetrische Halsprofil. Die dickste Stelle des Halses befindet sich unterhalb der H- und E-Saite und flacht sich zu den hohen Saiten ab. Ungewöhnlich, aber auch kein nennenswertes Problem, man kann sich sehr schnell daran gewöhnen.

Wenn man allerdings Robert Trujillo kennt und ihn schon einmal live gesehen hat, machen die kleinen Eigenheiten sofort einen Sinn. Robert Trujillo hat nämlich nicht nur einen sehr eigenen musikalischen Stil, er hat auch eine sehr individuelle Bass-Trageposition. Das Instrument hängt nämlich fast auf Kniehöhe und so ist der Fünfsaiter natürlich genau auf diese spezielle Haltung zugeschnitten und siehe da, in der Trujillo-Spielposition zeigt der Fünfsaiter was wirklich in ihm steckt. Hier ist das asymetrische Profil von Vorteil, da es auch in tiefen Tragepositionen ein flinkes Spiel ermöglicht.

Ebenfalls durchdacht ist das String-Spacing, denn der geringe Abstand der Saiten ermöglicht ein akkurates und sauberes Greifen der brachialen Heavy-Akkorde. Selbst mit kleineren Händen geht dies auf diesem Instrument sehr gut.

Damit die saubere Spielweise auch hörbar wird, muss natürlich auch die Holzkonstruktion entsprechend sein. So sorgt die harte Ahornbasis für einen unglaublich definierten Ton und selbst schnellste Läufe verschwinden nicht im Heavy-Metal-Mulm-Nirvana. Mit diesem Fünfsaiter muss man schon sehr gut und sauber spielen, man hört hier alles.

Besonders beeindruckend ist die H-Saite. Die Saitenspannung ist noch nicht einmal besonders straff, aber dennoch flattert hier nichts, selbst die Leersaite ist sagenhaft klar und definiert und dürfte mit ihren Qualitäten nahezu konkurrenzlos auf weiter Flur stehen. Erwartungsgemäß sorgt der stabile durchgehende Hals des Fünfsaiters für ein grandioses Sustain-Verhalten des kompakt konzentrierten Tons. Die aktiven EMG-Tonabnehmer harmonieren sehr gut mit den ausgezeichneten Eigenschaften der Holzkonstruktion und liefern einen kraftstrotzenden Breitband-Sound mit kernigen Druck-Bässen. Der dreibandige Aktiv-EQ ermöglicht sinnvolle Sound-Veränderungen und fördert zusätzlichen kraftvollen Bass-Druck..

 

Resümee

Es hat natürlich einen Grund, dass so viele illustre Bassisten einen Warwick spielen. Hier bekommt jeder sein Trauminstrument in Perfektion geliefert. Der vorliegende Bass dokumentiert dies wieder einmal eindrucksvoll. Hier stimmt einfach alles; zumindest wenn man Robert Trujillo heißt, denn dieser Fünfsaiter ist zu 100% auf die Bedürfnisse des Metallica-Bassisten zugeschnitten. Spielkomfort, Design und vor allem der kraftvolle, fokussierte Ton, der auch vertrackteste Läufe und schnelle energetische Akkordwechsel klar, direkt und sauber wiedergibt, machen diesen Bass zu einer Ausnahmeerscheinung. Selbst der immense Preis relativiert sich wieder, wenn man die zweijährige Entwicklung und die sehr aufwendige Handarbeit an diesem Bass berücksichtigt.

Für den normalen Bassisten ist der Streamer von Robert Trujillo vielleicht zu extrovertiert und seine besonderen Eigenschaften, wie etwa das asymmetrische Halsprofil, zu speziell. Bassisten, die Robert Trujillo zum Vorbild haben, dürften jedoch jetzt ein konkretes Sparziel haben, und auch Tieftonartisten auf der Suche nach dem ultimativen Metal-Fünfsaiter sollten hier die Lösung aller Probleme finden. Betuchte Sammler könnten hier ein interessantes Objekt erwerben, denn allein schon wegen des Preises wird dieser Bass wohl kaum in großen Stückzahlen gebaut werden. Aber aus welchem Grund auch immer man sich für diesen Bass interessiert, er ist ein Instrument der absoluten Oberklasse mit einer sagenhaften Optik, die an den T-1000 aus dem Film Terminator 2 erinnert. Und folglich hat Robert Trujillo dann auch sein Signature Modell wie folgt kommentiert:

„That’s the Terminator in sound, this terminates all other basses I have …“

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