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Der Fodera Yin Yang Bass im Test

 

Fodera Yin Yang

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Wenn man mit Bassisten über Traumbässe diskutiert, dann gehört der Name Fodera dazu. Die Gründe dafür sind ganz vielfältig, denn neben einer traumhaften Bespielbarkeit und exzellenter Verarbeitung wird den Instrumenten aus Brooklyn vor allem erstklassiger Klang nachgesagt. Leider ist es den meisten Bassisten nicht vergönnt, einen Fodera überhaupt einmal anzuspielen, denn kaum ein Musikgeschäft bietet diese teuren Instrumente an, manche Modelle kann man ohnehin nur direkt bei Fodera erwerben.

Vinnie Fodera

Es gibt bestimmt viele talentierte Instrumentenbauer, aber Talent alleine ist nicht alles. Erst eine fundierte Ausbildung und vor allem ganz, ganz viel Erfahrung machen aus einem Talent einen wahren Meister seines Fachs. Vinnie Foderas Ausbildung begann durch den angesehenen Gitarrenbauer Thomas Humphrey, bei dem er einst ein Seminar über die Konstruktion klassischer Gitarren besucht hatte, dann baute er schon in den 70er Jahren als erstes Instrument eine Konzertgitarre. Der 2008 verstorbene Thomas Humphrey war ein international hoch angesehener Instrumentenbauer und Classics- Designer, sein Modell „Millenium Guitar“ wird bis heute übrigens von zahlreichen Größen der Szene gespielt. 1977 erhielt Fodera die Möglichkeit, im Workshop von Stuart Spector und dessen Partner Alan Charney zu arbeiten. Am Anfang waren es nur Logos und Block-Inlays, die er aus Mother-of-Pearl-Rohstücken formte, aber bald folgten auch Holzarbeiten für die Spector-Bässe.

Halsanbindung
Dovetail Neck Construction

 

In der Werkstatt traf Fodera natürlich auf Ned Steinberger, von dem er in Sachen Design einiges gelernt haben dürfte. Im Jahr 1980 meldete sich Ken Smith bei Spector, er war primär Musiker und wollte sein eigenes Bass-Design von Spector anfertigen lassen. Da die Spector- Bässe zu dieser Zeit immer erfolgreicher wurden, besaß Stuart Spector jedoch kaum mehr Zeit für die Produktion anderer Modelle, sodass Vinnie Fodera zunächst für das Carving der Smith-Instrumente zuständig war und dann von Ken Smith unter Vertrag genommen wurde. In Brooklyn fand Fodera im Frühjahr 1981 eine geeignete Lokalität, um die Holzarbeiten der Smith-Bässe auszuführen, während Ken Smith selbst die Elektroniken beisteuerte. Als eines Tages Joey Lauricella den Workshop von Vinnie Fodera betrat, entwickelte sich zwischen den beiden Bass-Enthusiasten spontan eine Freundschaft, und die Idee einer gemeinsamen, eigenen Firma. Im März 1983 war es endlich soweit, Fodera Guitars war geboren, aber bis 1985 wurde neben der eigenen Produktion noch für Ken Smith gearbeitet.

Fodera Kopfplatte
Fodera/Gotoh Tuner auf der angeschäfteten Kopfplatte

Der Yin Yang Bass

Bei dem Yin Yang handelt es sich im Prinzip um eine Interpretation des ersten Fodera Modells, des Monarch aus dem Jahr 1983. Der damalige Käufer war Victor Wooten, damals noch keine 20 Jahre alt. In den folgenden Jahren erwarb sich Wooten durch seine Arbeit bei „Bela Fleck and the Flecktones“ den Ruf eines absoluten Top-Bassisten, dessen Einfluss auf die Szene nicht hoch genug angerechnet werden kann. Im Jahr 1995 war Victor schon ein absoluter Star, aber er hielt Fodera die Treue. In diesem Jahr fragte er bei Fodera nach einem Monarch-Bass mit Yin-Yang-Inlay. Vinnie Fodera überraschte ihm, indem er das Yin-Yang-Motiv auf den gesamten Korpus und die Kopfplatte ausweitete.

Fodera Bedienfeld
Doppelstöckiges Poti für Master-Volume und Passive Tone roll-off. Dazu Pan, Treble, Bass und ein Kippschalter, der den EQ ausschaltet.

In den folgenden Jahren erschienen unterschiedliche Interpretationen des Modells, doch dürfte die Stückzahl sehr übersichtlich sein, weil es sehr teure Instrumente waren. Laut Vinnie braucht man für die Herstellung eines Yin Yang doppelt so viel Zeit, wie für einen normalen Fodera. Seit 2010 besitzt das Urmodell den Namenszusatz Deluxe und kann nur direkt bei Fodera bestellt werden. Pro Jahr werden lediglich sechs Instrumente gebaut, zu einem Preis von $ 12.700 für den Viersaiter und $ 14.200 für den Fünfsaiter. Um Nachfragen nach einer günstigeren Version gerecht zu werden, entschloss man sich allerdings zu einer abgespeckten Version. Dieses Standard-Modell besitzt einen einstreifigen, geschraubten Hals, die Inlays sind aus Perloid, und bei den dunklen Flächen hat man statt Ebenholz schwarze Farbe verwendet.

Fodera Kopfplatte front
Messingsattel, Ahorn/Ebenholz Belag und ein Schmetterling aus Mother of Pearl

Das Instrument

Der vorliegende Viersaiter wurde im Januar 1999 fertiggestellt und ist im Prinzip ein lupenreiner Yin Yang Deluxe, auch wenn es diesen Zusatz bei den ersten Exemplaren noch gar nicht gab. Es handelt sich laut Fodera um den siebenten Yin-Yang, der gebaut wurde. Holzauswahl und Tonabnehmerbestückung variierten schon damals, folglich dürfte jeder dieser Nobelbässe ein wenig anders sein. Hier besteht der Korpus aus zwei Teilen Erle, Kopfplatte und Korpusdecke haben für das Yin-Yang-Motiv Beläge aus Ahorn und Ebenholz erhalten. Der eingeleimte Hals ist dreistreifig aus Ahorn gebaut, wechselt aber am 18. Bund zu Ebenholz, sodass Korpusdecke und Griffbrett optisch verschmelzen. Die Dots im Vogelaugenahorn- Griffbrett sind aus Ebenholz angefertigt, und für das kreisförmige Inlay im Bereich des 24 Bundes sowie das Schmetterlingslogo hat man Perlmutt verwendet. Der Bass besitzt aktive EMG-Tonabnehmer und einen Zweiband-EQ mit zusätzlicher Passiv- Höhenblende.

Fodera E-Fach
Zwei 9-Volt Batterien sorgen auch bei extremen Pegelspitzen für einen sauberen Klang und volle Dynamik.

Praxiswert

Der Luxusviersaiter hängt unglaublich komfortabel und spielt sich butterweich. Der Hals besitzt eine Breite von 39,4 mm am Sattel, und 55,65 mm am XII. Bund, fühlt sich aber schlanker an; das Dförmige Profil flacht im weiteren Verlauf immer mehr ab und verführt zu spielerischen Leichtsinnigkeiten. In leichter Bespielbarkeit und sicherem Spielgefühl dürfte dieser Bass kaum zu toppen sein. Diskutieren kann man über die komplett versenkten Gurtpins, das sieht zwar elegant – aber ohne das arretierbare Dunlop-Gegenstück am Gurt muss man leider im Sitzen spielen. Klanglich erfüllt der Yin Yang Deluxe natürlich höchste Erwartungen. Birdseye-Maple-Griffbrett und Ahornhals geben dem Viersaiter einen strahlenden Oberton-Reichtum, trotzdem bleibt der Sound seidig und elegant.

Die Ansprache ist absolut tight und präzise, dass der Fodera dabei aber nicht hart wirkt, liegt am geschmeidigen Schnurren und dem laaangen Sustain. Die 18-Volt-Stromversorgung garantiert auch bei kräftigen EQ-Boosts klare Dynamik, der filigran zugreifende Fodera-EQ passt ausgezeichnet zur hochgezüchteten Klanggrundlage. Wenn man an musikalische Perfektion denkt, ist dieser Bass mit seinen harmonisch kombinierten Extremen ein hervorragendes Beispiel dafür, der Yin Yang Deluxe ist einfach ein Traum-Instrument! n

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