Klangstarker Bonsai

Der Blackstar Fly 3 im Test

fly 3

Die englische Firma Blackstar ist bekannt für ihre ausgereiften, schnörkellosen Verstärker und Pedale zu reellen Preisen. Mit dem Fly 3 hat der Hersteller nun auch einen Miniatur- Batterie-Verstärker im Sortiment, welcher nicht durch Niedlichkeit sondern „echten“ Amp-Sound auf sich aufmerksam macht. Seite an Seite mit einem seiner direkten Konkurrenten in schicker Tweedoder Orangen-Schale sieht der schwarze China-Plastik-Klotz zugegebener Maßen etwas lieblos aus. Argumente für den nüchternen Fly 3 kommen jedoch zahlreich vorne aus dem kleinen Speaker, sobald man das Gerät einschaltet.

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f l y 3 ?

Drei Zoll und Watt in der 2 1/2 Liter-Packung sind nicht grade die Merkmale eines Gitarrenverstärkers, der als solcher für voll genommen werden will. Umso imposanter wirkt es, wenn die eingestöpselte E- oder auch E/A-Gitarre trotzdem verblüffend ausgewogen klingt und dabei auch noch nennenswert verstärkt wird. Bässe, Mitten, Höhen, Clean-Headroom – alles da. Scheppern, Blechtopf-Bandpass oder Transistor- Fuzz-ähnliche Hilfeschreie eines gnadenlos überforderten Lautsprechers hingegen − Fehlanzeige. Im Vergleich zu den Scherzartikeln, die noch vor 15 Jahren diese Produktkategorie dominierten, bedeutet das einen echten Quantensprung, aber auch die aktuellen Mitstreiter sehen im Direktvergleich teilweise ziemlich alt aus. Es scheint so, als ob Blackstar dieses vermeintliche, aber definitiv nicht ganz unpraktische Spielzeugformat bei der Entwicklung sehr ernst genommen, und nicht einfach nur kleine Komponenten zusammengewürfelt hat. Der homogene Clean-Sound, der selbst bei heißeren Pickups ausreichend Headroom bei angenehmer Zimmerlautstärke aufweist, ist dabei genauso überzeugend wie der schaltbare Overdrive-Kanal mit anstandsloser Zerre von bis. Auch für räumliche Tiefe ist in Form einer digitalen Tape- Echo-Simulation gesorgt, welche von kurzen Rockabilly-Slapbacks bis Solo-Vierteln universell den wichtigsten Effekt ab Werk bereitstellt. Als EQ-Ersatz ist der von Blackstar patentierte ISF-Blender („Infinite Shape Feature“) verbaut, welcher mit nur einem Regler stufenlos zwischen den beiden klassischen Grund-Sounds amerikanischer und britischer Machart wählen lassen soll.

Bedienelemente

In der Praxis sind am linken Ende des Potis (US) relativ neutrale, präsente Sounds abrufbar, durch Drehen im Uhrzeigersinn (UK) kann dann nach Belieben „Holz“ beigemischt werden, was allerdings auf Kosten der Brillanz vonstattengeht. Über einen nicht regelbaren Miniklinke-Eingang kann man den Fullrange-Speaker auch zur Musik-/Playback- Wiedergabe via MP3-Player oder Handy sehr gut gebrauchen, zusammen mit der optional erhältlichen Zusatzbox (UVP € 30) auch in Stereo bei doppelter Leistung. In dieser Kombi avanciert das Fly-3- Doppelpack zu einem scharfen PC-Speaker- Paar für Gitarristen. Beim fest verkabelten stationären Einsatz dieses eigentlich für mobile Zwecke prädestinierten Geräts wäre allerdings ein Netzteil (6V DC, 1,5A) praktisch, welches im Gegensatz zu den 6 Batterien (1,5V AA) leider nicht im Lieferumfang enthalten ist. Durch diese zusätzlichen Kosten von etwa €20 wird der günstige Fly- 3-Straßenpreis von unter €60 weiter relativiert. Ein Miniklinken-Ausgang, der wahlweise als Kopfhörer-Anschluss oder DI-Out für Recording (oder auch Live!) benutzt werden kann, komplettiert den kleinen Brüllwürfel.

r e s ü m e e

Der Fly 3 von Blackstar ist der perfekte mobile Übungs-Amp zwischen Terrasse und Hotelzimmer, der aber auch als stationäre Lösung auf dem Schreibtisch gute Argumente für sich vorweisen kann, sofern man mehr möchte als nur zu testen, ob eine Gitarre geht oder nicht. Der für diese Größenordnung außergewöhnlich ausgeglichene Klang inkl. Bass und Clean-Reserven ist ein Novum. Dabei ist der Fly 3 dank ISF und Tape-Echo stilistisch so flexibel, dass alle erdenklichen musikalischen Vorlieben ohne weitere könne Vorschaltgeräte abgedeckt werden.

P l u s

  • Klang und Bandbreite
  • Größe und Mobilität
  • Preis/Leistung bei Batteriebetrieb

M i n u s

  • Netzteil nicht inbegriffen
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Übersicht

 

Aus Gitarre & Bass 06/2015

Ein Kommentar zu “Der Blackstar Fly 3 im Test”
  1. Das ist ein Wunderding! Aber genau dann, als ich das “Ding” brauchen wollte, tote Hose.
    Als Elektroniker konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und habe das “Ding” geöffnet. Als Verbindungen solche Flachbandkabel zu verwenden – das sind Sollbruchstellen. Für ist mich ist es eigentlich klar, in welchem Bereich ich was auswechseln müsste. Gibt es einen Bestückungsplan mit Schema von der Speisung?
    Wenn nicht dann werde ich meinen eigenen BatAmp. verwenden.
    Wäre dankbar für Tipps, das es an der Speisung liegt, ist mir klar aber SMD, ich habe kein Mikroskop.
    Trotzdem, es ist der beste Nicht-Röhren-Amp! Kompliment. Bitte hochflexible Flachbandkabel und nicht solche Drahtgitter. Wie ein Rolls Royce mit Plastikfolien Fenster.
    Ist hier noch Jemand?

    Antworten
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