3-in-1-Delay

Das TC Electronic Flashback Triple Delay im Test

 

TC Flashback
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Vor genau 30 Jahren brachte die Firma TC Electronic ihren „2290“-Delay-Boliden auf den Markt, welcher seitdem der Inbegriff des modernen Delays ist, sowohl fürs Studio als auch für viele Gitarristen.

Der glasklare und massiv editierbare Algorithmus wurde in den Jahren immer weiter ausgebaut und ergänzt, und ist der Grundbaustein jedes heutigen TC-Delay-Gerätes. Auch TCs blaue Flashback-Pedale haben die 2290-DNA als Grundstein, und ihre große klangliche Spannweite hat sie zu einigen der beliebtesten Gitarren-Effektpedale der letzten Jahre gemacht. Nun ist mit dem „Triple-Delay“ inzwischen schon das vierte Flashback erhältlich, bei dem die Definition eines komfortablen Luxus-Delays nochmal etwas anders ausgelegt wurde als beim gleichgroßen Live- Brummer „X4“. Wie der Name schon erahnen lässt, verkörpert das neue Pedal drei Delays in einem Gehäuse, was zunächst nach einer eher unbedeutenden Neuerung klingt. Mit einem eingestöpselten Exemplar vor der Nase wird man umso mehr davon überrascht, dass dieses Konzept wesentlich mehr zu bieten hat, als die Summe der Teile vermuten lässt.

toneprint  flashback

Seit Einführung der TonePrint-Pedale vor 4 Jahren überzeugt die Reihe mit einigen Stompbox-Innovationen: Durch die „analog dry thru“-Verschaltung, welche den trockenen Signalanteil analog und unangetastet dem Effektsignal zumischt, haben die TCs einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen rein digitalen Effekt-Pedalen, besonders, wenn mehrere solche Effekte in Reihe geschaltet sind. Hinzu kommt die TonePrint- Funktionalität, welche es zulässt, per USB oder kabellos per Handy-„Beam“ (iOS, Android) Presets auf das Pedal zu laden, oder mit dem kostenlosen Editor (für Mac, PC, iPad, nur via USB) eigene Sounds zu basteln. Solche TonePrints beinhalten tiefgreifende Einstellungen der zahllosen internen Parameter, sodass die Klangvielfalt dieser Geräte trotz weniger äußerer Bedienelemente quasi unbegrenzt ist. Aber auch kleinere Details machen die Pedale aus. Z. B. kann man per internem Dip-Switch zwischen True- und Buffered-Bypass wählen. Bei Letzterem kann Problemen bei zu langen Kabelwegen vorgebeugt werden, zudem klingen die Delays in diesem Modus nach dem Ausschalten des Effektes weich aus. Außerdem wird so die „Kill-Dry“-Option wählbar (zweiter Dip-Switch unter der Bodenplatte, 10er Torx), um die Geräte an einem parallelen Einschleifweg besser nutzen zu können. Die Pedale kommen mit allen Signalpegeln von Gitarre bis Line- Level klar, wofür dank optimierten Headrooms (trotz der einfachen 9 V bis max. 12 V Versorgungsspannung) auch genügend Rauschabstand zur Verfügung steht. Die Stereo Ein- und Ausgänge verfügen über eine Mono/Stereo-Auto-Erkennung, sodass man sich auch hier um nichts kümmern muss.

triple – delay

 Der Aufbau des Triple-Delays ist simpel. Über drei Fußschalter können die jeweiligen Delay-Instanzen de-/ bzw. aktiviert werden. Die weißen Parameter-Regler werden zum Editieren durch einen kleinen 3-fach-Mini- Switch einem der Delays zugeordnet. Hat man ein Delay anhand der fünf Knöpfchen eingestellt, muss man den entsprechenden Fußschalter für 2 Sekunden gedrückt halten um eines der drei (natürlich auch gleichzeitig aktivierbaren) Delays zu speichern. Der erste entscheidende Vorteil gegenüber drei einzelnen Delays besteht in der Verknüpfung der Tempi/Delayzeit-Einstellungen: Entweder über den Time-Regler oder den Tap-Schalter wird das Tempo nur für die gerade aktive(n) Instanz(en) eingestellt. Man kann also unterschiedliche Delay-Zeiten einstellen, falls man die Delays nacheinander als 3 „Presets“ nutzen möchte, oder ein Tempo für alle Delays, falls man diese gleichzeitig in einer dicken Delay-Kaskade vereinen möchte. Für letzteren Fall können für die 3 Delays natürlich unterschiedliche Zählzeiten des gemeinsamen Tempos eingestellt werden. Dafür stellt das Gerät insgesamt 11 „subdivisions“ von punktierter Viertel bis Sechzehntel zur Auswahl, zudem vier „Doppel- Delays“ (z. B. 1/4 + punktierte 1/8).

Das per Tap eingegebene Tempo stellt dabei in Relation die Viertel dar. Bei sehr kurzen, sich nicht nach musikalischen Tempi richtenden Delay-Zeiten wie z. B. bei Slapbacks ist es wiederum praktisch, dieses aus dem „globalen“ Tempo ausgeklammert zu lassen. Der zweite wichtige Pluspunkt gegenüber z. B. drei separaten Flashback-Pedalen verbirgt sich hinter dem zweiten Mini-Switch, mit welchem festgelegt werden, kann wie die Delays miteinander „verkabelt“ sein sollen. Zur Auswahl steht entweder „serial“ (standardmäßig hintereinander: Delay 1 > D2 > D3) oder „parallel“ zusammengemischt. Letzteres wäre bei einzelnen Geräten nur mit einem zusätzlichen Mischpult möglich. Aber gerade der parallele Betrieb stellt bei mehreren gleichzeitigen Delays eine wichtige Option dar, da so die vorherigen Echo-Wiederholungen nicht wiederum mit Echo vermehrt werden, was schnell sehr unvorhersehbar und chaotisch werden kann. Die weiteren Triple-Delay-Merkmale kennt man schon von den anderen Flashback- Pedalen: Die Delay-Zeiten sind zwischen 20 ms und 7 s einstellbar. Über den dicken Drehschalter sind 12 feste Delay-Typen sowie 4 variable TonePrint-Slots wählbar. Genau wie beim X4 stehen folgende Delays zur Auswahl: • Tape (Tape-Delay) • Tube (Röhren Tape-Delay, wärmer als Tape) • Space (Roland Space Echo) • Analog (Eimerketten-Analog-Delay) • Analog w/mod (Analog Delay + Vibrato) • Reverse (Rückwärts…) • Dynamic (während des Spiels wird das Delay automatisch leiser gestellt, in Spielpausen fährt es automatisch hoch >„ducking“) • 2290 (der Standard, kristallklar digital) • 2290 w/mod (TC 2290 + Chorus) • Slap (Elvis bis Country, Hall-Ersatz) • Lofi (kaputter, dreckiger Sound) • PingPong (L/R im Wechsel) Die 4 TonePrint-Slots können dauerhaft mit Presets aus der stetig wachsenden Promi- Library von Steve Morse bis Stevens gefüllt werden, wobei auch die werkseigenen Kreationen samt Dynacord, Echocord und Echoplex sehr interessant sind.

Aber auch „Nicht-Delay“-Effekte wie Chorus, Flanger, Vibrato und Ring Modulator stehen bereit, wodurch man sein Triple-Delay auch als kleines Multi-FX Gerät mit drei Presets missbrauchen könnte. Die Looper-Funktion des X4 und des normalen Flashbacks wurde beim Triple-Delay zugunsten einer übersichtlicheren Bedienung gestrichen. Die Rückseite wurde exakt vom X4 übernommen (inkl. „X4“ Aufdruck…) und bietet neben den Audio-Anschlüssen auch eine Klinkenbuchse für ein Expression-Pedal (25 kOhm linear), mit welchem man Delay- Zeit, Feedback oder das Delay-Level kontrollieren kann. Auch an MIDI-Anschlüsse (In, Thru) wurde gedacht, sodass die drei Delays über Control-Change-Befehle, und das Tempo über MIDI-Clock ferngesteuert werden können. Ein 9V-DC Steckernetzteil ist im Lieferumfang enthalten, der Stromverbrauch fällt für solch ein Gerät mit drei „Motoren“ schön niedrig aus (300 mA). Die beachtliche Größe des Pedals könnte ein Hindernis für Freunde kompakter Pedalboards sein, das ist wegen der vier komfortabel erreichbaren Fußschalter aber kaum anders zu bewerkstelligen.

 

sound

Nicht anders als von einem TC-Flashback- Delay gewohnt (siehe Tests in Ausgabe 04/2011, 10/2012 und 01/2015), lässt der Klang bezüglich Qualität und Artenreichtum wirklich keine Wünsche offen. Wärmer und analoger könnten die verschiedenen Retro-Simulationen nicht klingen. Hier wurden die Chorus-ähnlichen „wow“ und „flutter“ Effekte echter Bandmaschinen liebevoll nachgebildet, weshalb sogar Leute wie Andy Summers Spaß an den TC-Geräten finden. Auch die dunklen „Bucket-Brigade“- Analog-Stompbox-Simulationen mit ihren verblassenden Wiederholungen lassen z. B. den frühen „Pride“-U2 Sound authentisch wieder aufleben. Die restlichen modernen „Studio“-Delays in allen Schattierungen sind ohnehin eine Erfindung der Dänen.

TC Delay

 

Trotz solch geballter Vielfalt, vor allem die Verfügbarkeit drei solcher hochwertiger, nach Belieben kombinierbarer und verknüpfbarer Delay-Einheiten verleiht dem Gerät erst seine Macht. Besonders die Rekonstruktion alter Multihead-Bandecho-Effekte oder anderer bombastischer Delay-Arrangements war bislang nirgendwo so einfach (und dabei so authentisch) wie mit dieser „analog“ zu bedienenden Stompbox. So kann man z. B. problemlos die gestackten Delay-Wände von Pink Floyds David Gilmour genauso akkurat zum Besten geben wie die nicht minder imposanten, ozeantiefen Hank-Marvin- Bandecho-Verschaltungen diverser Shadows- Oldies, und das wie gesagt wesentlich schneller und einfacher als die Erfinder dieser Sounds es tun mussten. Für die moderneren The Edge/U2 Sounds ab ‘87 kommt der 2290 w/mod ins Spiel, wobei das klare Delay durch einen TC-Tri-Chorus ins Endlose verbreitert wird. Auch vergleichsweise unspektakuläre, lange 2-fach Delays (z. B. 800ms + 1.6s) für 3-stimmiges Harmonisieren à la Brian May werden durch die mehreren, gesyncten Delays kinderleicht eingestellt.

An dieser Stelle könnte man kurz anmerken, dass ein sechster Regler für die Position im Stereo-Panorama noch schick gewesen wäre, um auch die Stereo-Breite ins Delay- Design mit einbeziehen zu können. Zumindest im Editor könnte TC dies beizeiten für die Delay-Freaks integrieren. Die besagten Vintage-Band-Echo-Simulationen eignen sich durch ihre schmale, Bandpass-ähnliche Frequenzspanne (im Duo mit dem Full- Range Clean-Anteil) übrigens auch sehr gut dazu, vor einem Verzerrer oder verzerrten Amp gespielt zu werden, so wie es z. B. bei den ganz frühen Van Halen Sounds zu hören war. Dazu noch das eine oder andere gelungene Modulations-Toneprint auf den beiden anderen Presets, fertig ist das EVHRetro- Mini-Multi-FX! Aber eigentlich ist es ganz egal, welche Delay-Präferenzen man hat, klanglich ist hier alles von Les Paul über Hendrix, Johnson, Ford bis Morse und Petrucci sowie von Rockabilly bis Punk komplett abgedeckt, dieses Gerät ist eine erlebbare Hall-Of-Fame des Delay-Effekts! So, erst mal genug Pathos, für den richtigen Sound muss man leider auch etwas ackern.

praxis

Die Handhabung des Gerätes ist entsprechend des übersichtlichen Aufbaus prinzipiell intuitiv und einfach, dennoch verlangt der Umgang mit so einer Maschine etwas Übung. So steht bei den ersten Gehversuchen z. B. der tückische Delay123-Switch bösartiger Weise immer auf einem falschen Delay (was man erst merkt, wenn man schon ein anderes verstellt hat…). Das ist natürlich ein Luxusproblem, genauso wie die Tatsache, dass man von den Möglichkeiten des Gerätes als Multi-Delay-Einsteiger leicht erschlagen werden kann. Am besten man tut so, als ob Delay 2 und 3 erst nach jeweils 24 Stunden freigeschaltet werden, für gut verdauliche Multi-Delays empfiehlt sich definitiv etwas Routine beim Basteln einzelner Delays. Das gilt insbesondere, wenn man es wie hier mit einem Gerät zu tun hat, das so viele Grund-Sounds anbieten kann. Auch die endlosen TonePrints, die nicht mehr nur von beliebten Guitareros sondern inzwischen auch von diversen Kaufhäusern kreiert werden, sollte man am besten als nettes Add-On für später aufbewahren, ganz zu schweigen vom mächtigen Editor, der einen zu Beginn ganz schön reinreiten kann (so wie mich…).

Mit eingestecktem USB-Kabel kann hier nichts als Preset abgespeichert werden, und beim Wechsel in den Editor wird das aktuelle Setting immer mit einem Standard-Preset überschrieben. Also heißt es: Toneprint einstellen, USB-Kabel raus, speichern, auf anderen Speicherplatz/Toneprint-Slot gehen, USB wieder ankabeln, einstellen …, und dann während des USB-Betriebs bloß nicht wieder auf ein schon gespeichertes Preset, sonst muss man von vorne Anfangen. Das ist weder praktikabel noch intuitiv noch im Manual vermerkt (das man sich selber runterladen muss), aber dadurch begründet (wie mir Tore von TC erklärte), dass einige Endorser nicht möchten, dass ihre Tone- Print-Settings im Editor eingesehen werden können … Aber egal, es wird laut Tore wohl schon daran gearbeitet, dies in Zukunft etwas eleganter zu lösen. Um auch als Einsteiger das Potential des Gerätes sofort nutzen zu können, wären eine Art „Super-TonePrints“ mit fertigen Delay-Kombinationen auf Knopfdruck (oder „Beam“) eine tolle Sache. Momentan ist man bei 2- oder 3-fach Delays auf DIY angewiesen. Andererseits wird so jeder Anwender gefordert, sich selbst in die Kunst des Delay-Designs einzuarbeiten, was auf Dauer natürlich am nachhaltigsten ist.

 

resümee

Wow, was für ein Echo! Wer bislang nicht wusste, wofür er drei Delays braucht, sollte etwas Zeit mit dem Triple-Delay verbringen. Nach anfänglicher, dringend benötigter Findungsphase eröffnen sich hier buchstäblich neue Dimensionen. Neben den inzwischen ja schon bekannten TC-Algorithmen liegt der Clou dieses 3fach-Delays in der banalen Möglichkeit, die drei Engines nach Belieben in einem gemeinsamen Tempo zu koppeln oder auch bewusst zu trennen, wobei die großzügige Auswahl an „subdivisions“ eine wichtige Rolle spielt. Hinzu kommt die optionale parallele Verschaltung, die für Sandwich-Delays wichtig, aber mit normalen Tretminen umständlich ist. So ist das Triple-Delay exponentiell besser als drei einzelne Delays, was aber erst in der Praxis richtig klar wird. Die luxuriöse Peripherieanbindung samt True-Stereo, Expression- Pedal und MIDI rundet dieses ultimative Delay-Pedal zu einem sehr fairen Preis ab. Bingo!

 

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