ohne wenn und aber

Carl Martin PlexiTone Lo-gain, Compressor Limiter & 2WAH im Test

Als der dänische Hersteller East Sound 1993 mit dem Carl Martin Hot Drive‘n Boost sein erstes Gitarreneffektpedal präsentierte, ließ sich noch nicht erahnen, dass ihm damit ein derartiger Erfolg beschert werden würde. Wie viele andere, fährt auch er heute mit handgefertigten Geräten aus der Heimat und einer Produktionslinie Made in China zweigleisig.

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(Bild: Dieter Stork)

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Während das Plexi-Tone Lo-gain (Overdrive) und der Compressor unter der Carl Martin Pro-Series geführt werden, ist das 2WAH Bestandteil der Vintage-Reihe. Ungeachtet dessen werden Plexi-Tone und 2WAH in China gefertigt.

Konstruktion

Allen drei Pedalen gemein sind robuste Spritzgussgehäuse und verschraubte Anschlüsse, Potis und Schalter. Mit seinen 1,87 kg mutet das 2WAH an wie ein Panzer, denn auch das verchromte Pedal besteht aus Guss. Allein der Compressor kommt mit fest installiertem Netzkabel, während das 2WAH wahlweise per 9- Volt-Batterie oder Netzteil, das PlexiTone indes ausschließlich per Netzadapter gespeist werden kann. Der Compressor Limiter der neuesten Generation (ab Januar 2016) wird inzwischen mit Pedalboard-freundlicherem 9-Volt-Anschluss ausgestattet.

Fersenschalter für 2. Wah-Sound
Fersenschalter für 2. Wah-Sound (Bild: Dieter Stork)

Praxis

PlexiTone Lo-gain: Quasi als Ableger seines populären Plexi-Tone präsentiert Carl Martin das Plexi-Tone Lo-gain im wesentlich kompakteren aber auch weniger umfangreich ausgestatteten Gehäuse. Wer den natürlichen Overdrive seines Amps in den Sweet Spot treiben oder eine weitere Klangfarbe erzielen möchte, dürfte hier richtig liegen. Auch als Erweiterung zu anderen Zerrpedalen für zusätzlichen Boost oder sahnigere Zerre bietet sich das Pedal mit seinem Plexi-Charakter an.

Ausgestattet mit den Reglern Gain, Tone und Level agiert Tone als High Cut Filter, das ungeachtet der verwendeten Pickups beim Zurückdrehen die Höhen ausfiltert. Input rechts, Output links, ein hochwertiger Fußschalter (True Bypass), eine blaue Status-LED und der stirnseitige Netzteilanschluss komplettieren die Ausstattung. Das Moosgummi auf der Unterseite bietet allerdings wenig Bodenhaftung – man hätte es auch weglassen können.

Am Röhrenverstärker entfaltet das Plexi-Tone Lo-gain seine ganze Klasse, wobei es auch z. B. zum kräftigen Anheben des Solo-Pegels als Clean Booster eingesetzt werden kann, da das Gitarrensignal selbst bei vollständig zugedrehtem Gain-Poti wiedergegeben wird. Derweil gestattet das Tone-Poti Klangfarben von weich und warm bis brillant, aggressiv und bissig.

Gain deckt einen feinfühlig, präzise und kontinuierlich justierbaren Bereich von clean bis zu homogenem, sahnigem und druckvollem Crunch ab, der unabhängig von Humbucker oder Singlecoil stets transparent, durchsetzungsstark und dynamisch den Charakter der beliebten britischen Spätsechziger-Tops erkennen lässt. Carl Martins Plexi-Tone Lo-gain zeigt sich nicht nur kooperationsfreudig mit anderen Zerrpedalen, sondern auch erfreulich nebengeräuscharm.

Compressor Limiter: Dieses handgefertigte Pedal zählt bereits seit 20 Jahren unverändert zum Carl-Martin-Programm. Seine technischen Daten können sich sehen/hören lassen, obgleich die 105 dB Fremdspannungsabstand mit Vorsicht zu genießen sind. Schließlich hebt ein Compressor leise Eingangsignale mitunter kräftig an und verstärkt damit auch etwaige Nebengeräusche seiner InputSektion.

Alle für einen Compressor wichtigen Parameter agieren interaktiv und lassen sich stufenlos variieren: Treshold (Einsatzschwelle, 60 dB), Compression Ratio (Kompressionsverhältnis, 1:1 bis 1:unendlich), Response Range (Ansprechund Abklingdauer des Dynamikbegrenzers, 12,5 – 125 ms) und Gain (Ausgangspegel, +/-20 dB). Letzterer kann zum Angleichen von Pegelunterschieden zwischen ein- und ausgeschaltetem Compressor oder zum Pushen der Lautstärke beim Solospiel verwendet werden.

Der solide Fußschalter besitzt komfortablen Gegendruck, seine rote LED zeigt den Betriebsstatus an. Eine weitere rote LED (Busy) signalisiert die Aktivität des Kompressors mit variierender Intensität. Selbst bei extremen Einstellungen des Kompressionsverhältnisses gibt sich das Pedal äußerst nebengeräuscharm. Somit erweisen sich die angegebenen 105 dB S/N Ratio als durchaus realistisch.

Der Carl Martin Compressor Limiter arbeitet überaus verzerrungsarm und bietet großzü- gig bemessene Einstellbereiche, die sowohl die unauffällige Begrenzung hoher Pegelspitzen als auch extreme Sustain-Verlängerungen mit kontinuierlichem Abklingen ermöglichen. 2WAH: Ein derart flexibel einsetzbares Wah-Pedal sucht man lange auf dem Gear-Markt. Dank seines hohen Gewichts und seiner vier verschraubten Gummifüße erweist es sich als überaus standfest.

Bedienfläche
Bedienfläche (Bild: Dieter Stork)

Zudem bietet die gummierte Pedaloberfläche einem Schuh sicheren Halt. Dagegen macht das Plastik-Batteriefach auf der Unterseite einen ebenso fragilen Eindruck wie der Clip zum Anschluss der 9-Volt-Batterie. Anyway, die meisten werden ohnehin die in der linken Gehäusewand montierte Netzteilbuchse konsultieren. Input rechts und Output links hat man leicht versenkt angebracht, die angeschrägte Bedienfläche mit Attack-Regler, roten und grünen Status-LEDs sowie zwei Mode-Schaltern findet man auf der Stirnseite.

Eine solide Zahnstange treibt das logarithmische 100K-Poti an. Per beiliegendem Inbusschlüssel lässt sich sogar die Gängigkeit des Pedals einstellen. Der eigentliche Clou des 2WAH, dem es auch seinen Namen verdankt, ist jedoch der zweite (fersenseitige) Fußschalter, über den ein weiterer Wah-Sound angewählt werden kann. Die Betriebsarten werden als Low Mode (Fußballenschalter, grüne LED) und High Mode (Fersenschalter, rote LED) bezeichnet.

Das 2WAH wurde werksseitig so abgestimmt, dass sich der Low Mode eher für Leadsounds, der High Mode derweil für cleanes Rhythmusspiel anbietet. Jeder Mode bietet einen dreistufigen Schiebeschalter, mit dem der Frequenzbereich des Wah-Effekts variiert werden kann. Während der High-Schalter die Höhen unangetastet lässt (Pedal unten), verschiebt er das Wah-Spektrum in den Positionen 2 und 3 zunehmend in die unteren Frequenzen. Dadurch wird der Wah-Sound bei angehobenem Pedal wärmer und fetter, gleichzeitig erweitert sich auch die Wah-Bandbreite.

Der High-Mode-Schalter variiert in den Positionen 1 und 2 den oberen (Pedal unten) und unteren (Pedal oben) Wah-Frequenzbereich gleichzeitig, verschiebt also quasi das gesamte Spektrum nach unten. Erstaunlicherweise bewirkt die Position 3 weder bei Clean- noch bei Zerr-Sounds nennenswerte Klangunterschiede zu Position 2. Etwas missverständlich hat man den Regler mit „Attack“ bezeichnet.

Q oder Q-Factor wären treffender gewesen, da es sich meinem Gehör zufolge hier eher um eine Erhöhung der Flankensteilheit des Filters handelt, was eine Feinabstimmung der Wah-Intensität ermöglicht. Das Carl Martin 2WAH kann klanglich absolut überzeugen und bietet eine Reihe von Wah-Färbungen für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche, unabhängig davon, ob cleane oder verzerrte Sounds gefragt sind.

Zudem arbeitet es sehr nebengeräuscharm und steuert die Wah-Effekte präzise und kontinuierlich. Leider gibt es keine optische Kontrolle über den On/Off-Status des Pedals. Hierzu wäre eine dritte LED wünschenswert, da die beiden vorhandenen bereits für den jeweils vorgewählten Low bzw. High Mode tätig sind.

Resümee

Alle drei Carl-Martin-Pedale werden dem hohen Qualitätsstandard des dänischen Herstellers gerecht. Hochwertige Bauteile, beste Verarbeitung, geringe Nebengeräusche, exzellente Sounds mit ebensolcher Dynamik. Obwohl … bei einem Compressor/Limiter kann davon ja keine Rede sein, schließlich soll er genau diese begrenzen, was er in unauffälliger und effizienter Weise macht. Begrüßenswert ist, dass die neueste Baureihe nun auch mit 9-Volt-Anschlüssen ausgestattet wird.

Auch das Plexi-Tone meistert seine Aufgabe par excellence: Low Gain und/oder Booster mit dem harmonisch sahnigen Zerrcharakter des beliebten britischen Spätsechziger-Röhrentops und nicht zuletzt jede Menge Dynamik. Den sprichwörtlichen Vogel schießt meines Erachtens jedoch das 2WAH ab, dessen Flexibilität und Effektqualität keine Wünsche offen lässt. Auch wenn der Hersteller auf eine zusätzliche LED für den eigentlichen Betriebsstatus verzichtet hat, darf man das Pedal zu einem der besten Wahs auf dem Markt zählen.

Plus

• Sounds

• Signalqualität & Dynamik

• nebengeräuscharm

• klanglich flexibel

•Verarbeitung

Minus

• keine Status-LED

für Wah On/Off (2WAH)

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