Zum 100jährigen Geburtstag von Fred Wilfer

Built in the Heart of Bavaria

Fred Wilfer, der Bubenreuther Visionär unter den Instrumentenherstellern, nahm eine zentrale Rolle im Aufbau der bayrischen Musikinstrumentenbau-Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Am 2. Januar 2017 wäre Wilfer 100 Jahre alt geworden.

Fred Wilfer in 1950

Geboren wurde er in Waltersgrün, einem kleinen Egerländer Dorf nahe der Musikstadt Schönbach im  sächsisch-böhmischen „Musikwinkel“. Mit seinen kreativen Ideen und weitsichtigen Visionen war er im Kreis der europäischen Gitarren-Fabrikanten zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren einzigartig.

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Fred Wilfers „Fränkische Musikinstrumenten-Erzeugung“ (= Framus) gilt als erstes sudetendeutsches Unternehmen auf bayerischem Boden. Sie wurde am 1. Januar 1946 in Erlangen gegründet. Staatlicherseits wurde der junge Handelsakademiker Wilfer bereits im Herbst 1945 damit beauftragt, die Ansiedlung der „Schönbacher Geigenbauer“ zusammen mit den lokalen Flüchtlingskommissaren im Raum Erlangen durchzuführen. Wilfer kümmerte sich um Zuzugsgenehmigungen, Wohnungszuweisungen, Mobiliar, Rohmaterial für Instrumente und den Vertrieb fertiger Erzeugnisse. Seine Bemühungen ermöglichten vielen Schönbacher Familien einen Neubeginn in Franken und stellen die unmittelbare Vorgeschichte zur Entstehung des fränkischen Zentrums für Musikinstrumentenbau in Bubenreuth ab 1949 dar.

Fred Wilfer (rechts) in seinem Element: Mit Jazz-Ikone Attila Zoller (links) und Gitarrenbaumeister Richard Müller (Mitte) entsteht 1958 ein neues Gitarrenmodell.

Fred Wilfers eigene Firma Framus, die 1954 nach Bubenreuth in ein neues Werksgebäude einziehen konnte, wurde bald zu einem Weltbegriff. Framus avancierte spätestens seit Anfang der 1960er Jahre zur größten europäischen Gitarrenfabrik: Zu Spitzenzeiten fanden hier mehr als 400 Beschäftigte Arbeit, so dass um 1968 jährlich etwa 150.000 Saiteninstrumente mit dem Label „Framus. Built in the Heart of Bavaria“ versehen, die Werkstätten in Bubenreuth verließen. Zum 25. Firmenjubiläum im Jahre 1971 konnte stolz die Ein-Millionste Gitarre präsentiert werden. Doch nicht nur Gitarren und Bässe wurden in den Framus-Werken erzeugt, die um eine Zweigfabrik in Pretzfeld erweitert wurden. Das Sortiment reichte von Geigen, Celli und Kontrabässen über Banjos, Mandolinen, Ukulelen, Zithern bis hin zu Hawaii- und Pedalsteel-Instrumenten; auch Saiten, Tonabnehmer und Verstärker gehörten zur Produktionspalette, zeitweise wurden sogar Schlagzeuge der Marke „Giannini by Framus“ in Bubenreuth hergestellt.

Diese Streuung der Kräfte stellte sich im Laufe der Zeit jedoch als problematisch heraus. Fortwährend musste in viele Bereiche investiert werden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dabei war der Gitarrenmarkt spätestens ab Ende der 1960er Jahre durch das Auftreten vielfältiger Konkurrenten hart umkämpft. Amerikanische Gitarrenschmieden sicherten sich das Segment in den höheren Preisbereichen, während die Low-Budget-Ware zunehmend von japanischen Firmen geliefert wurde, die überall auf der Welt in die etablierten Märkte vordrangen.

Gesundschrumpfen kam angesichts der 30jährigen Aufbauarbeit für Fred Wilfer nicht in Frage. Stattdessen begegnete er der Krise offensiv, beispielsweise über die Forcierung seines musikalischen Früherziehungsprogramms. Auch den Kampf mit den japanischen Instrumentenherstellern um die unteren Preissegmente des Gitarrenmarktes gab er nicht auf. Angesichts der Lohnentwicklung und der steigenden Produktionskosten in Deutschland war dieses Wettrennen allerdings nicht zu gewinnen. Bereits 1969 war ein Umsatzrückgang von 20 % zu verzeichnen und die Situation verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Zu spät schwenkte Fred Wilfer auf die Produktion hochwertiger Musikinstrumente um, die mit den internationalen Spitzengitarren konkurrieren konnten. Die Firma hatte sich unterdessen durch den Aufbau eigener Vertriebsorganisationen in England und Nordamerika noch weiter verschuldet. Obwohl die Nachfrage nach Framus-Instrumenten wieder anstieg, zogen einige Banken ihre Kredite zurück. Das Konkursverfahren wurde daraufhin Mitte 1975 eingeleitet. Noch zwei Jahre lang, bis 1977, arbeitete man bei Framus weiter, dann gingen die Lichter in Bubenreuth ein für alle Mal aus. Fred Wilfer gelang es danach nicht mehr, in der Musikbranche Fuß zu fassen, obwohl er weiterhin voller Ideen war und auch wieder eine eigene kleine Unternehmung gründen konnte.

Die Framus-Werke in Bubenreuth in den 1960er Jahren

Aber ihm war es vergönnt, den Aufstieg und Erfolg seines Sohnes Hans-Peter Wilfer mitzuerleben, der mit seiner eigenen Firma Warwick 1982 in Pretzfeld einen Neuanfang gemacht hatte. Sein Spezialgebiet sind seither edle, hochpreisige Bassgitarren. 1995 entschied sich Hans-Peter Wilfer dazu, den Firmensitz von Franken ins Vogtland in den dortigen Musikwinkel zu verlagern. Der Firmenstandort befindet sich heute in Markneukirchen in unmittelbarer Nähe zur tschechischen Grenze, hinter der die Stadt Luby u Chebu liegt, das frühere Schönbach. Eine schwere Erkrankung Fred Wilfers veranlasste seinen Sohn, ihn zu sich nach Markneukirchen zu holen. Dort verstarb Alfred Andreas „Fred“ Wilfer am 29. Dezember 1996.

Es bleibt für immer Fred Wilfers Verdienst, neben seinen unternehmerischen Leistungen, in der unmittelbaren Nachkriegszeit seinen Landsleuten aus der Musikstadt Schönbach eine neue Perspektive in Bayern eröffnet zu haben. Die Gemeinde Bubenreuth dankte ihm dies im Jahre 1974 anlässlich der 25-Jahrfeier der Bubenreuther Geigenbauersiedlung, als ihm die silberne Bürgermedaille verliehen wurde. In Bubenreuth gibt es noch heute den Musikkindergarten, der auf eine Gründung eines Betriebskindergartens durch Fred Wilfer zurückgeht. Die Ausstellung im Bubenreuther Rathaus (dem ehem. Framus-Verwaltungsgebäude) würdigt die Verdienste und das Lebenswerk des Bubenreuther Fabrikanten. In Markneukirchen gelang Hans-Peter Wilfer, das unternehmerische Erbe seines Vaters neu zu beleben, indem er die Marke Framus ein zweites Mal am Markt etablierte. Ein firmeneigenes Framus-Museum präsentiert dort in einer Gründerzeitvilla die große Modellvielfalt der Marke und dokumentiert die Zusammenarbeit  mit den großen Musikern der Zeit seit 1946. Der Weg zurück zu den Wurzeln war in diesem glücklichen Fall ein Aufbruch in neue Framus-Dimensionen.

Links: www.framus-vintage.de ; www.framus.de

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sehr guter Rückblick! Framus war wesentlich innovativer als z.B. Hohner oder Höfner.
    Mit WARWICK gelang es seinem Sohn, einen Kernbereich zu weltweitem Ansehen
    zu bringen. Mein Warwick Thumb Bass (5-Saiter) mt 7-fach verleimten Bubinga-Holz
    + Wenge aus West-Afrika ist der Beweis für handwerkliche TOP-Kunstarbeit unter
    Berücksichtigung, was Musiker auf der Bühne benötigen!

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