Special-FX mit „Multi-Dimension Processing“

Boss TE-2 Tera Echo, MO-2 Multi Overtone, DA-2 Adaptive Distortion im Test

Drei Effektpedale von Boss
(Bild: Dieter Stork)

 

36 Jahre und 99 Kompakt-Pedale nach dem ersten Boss Treter OD-1 kommt die japanische Klassiker-Schmiede mit 3 digitalen Pedalen, die man so nicht erwartet hätte.

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Allen dreien gemein ist das „Multi-Dimension Processing“, kurz MDP. Diese neue Boss DSP-Technik analysiert das eingehende Gitarrensignal in mehrerer Hinsicht und passt einige Parameter in Echtzeit kontinuierlich an. Das ermöglicht komplexe, lebendige Sounds, ohne als Anwender viel Aufhebens um den technischen Aspekt machen zu müssen.

 

Boss DA-2 Adaptive Distortion

Der DA-2 ist der günstigste und am einfachsten zu verstehende Effekt der drei Neuerscheinungen: Ein Verzerrer der Kategorie Distortion. Das digitale Gerät lässt sich herkömmlich mit 4 Potis für Lautstärke, Bässe, Höhen und Zerrgrad bedienen und ist eindeutig auf Metal ausgerichtet. Die Tonregelung ist aktiv und kann bei den Bässen sogar mit SCs in der Stegposition für ein wuchtiges Erdbeben sorgen. Auch der potentielle Hub bei den Höhen ist mehr als man bei guter Gesundheit voraussichtlich braucht. Das Rauschverhalten ist selbst bei maximalem Gain sehr gering. Als einziges der 3 Pedale verfügt das DA-2 über einen Strom-Spar-Modus, welcher bei ausgeschaltetem Effekt automatisch nach 10 Sekunden aktiviert wird und beim nächsten Fußdruck wieder endet. Diese Funktion kann bei Nichtgefallen auch deaktiviert werden.

MDP analysiert beim DA-2 die Tonhöhe und Dynamik und passt automatisch den Effekt an, sodass in allen Lagen und passend zum Spiel (Solo oder Polyphon, Soft-Picking oder Shred) ein definierter, klarer Zerrton rauskommt. Das Eingreifen seitens MDP springt dabei glücklicherweise nicht ins Gesicht, sondern agiert dezent im Hintergrund. Als kaufentscheidendes Feature sollte man MDP deshalb nicht betrachten, sondern lieber als feine Extra-Zutat. Ausschlaggebend ist vielmehr der Klang. Dieser ist beim DA-2 mehr oder weniger auf straffen, prozessierten Hi-Gain eingeschossen. Dabei scheinen auch kräftigere, mit Mitten ausgestattete Pickups Pflicht zu sein, ansonsten kriegt das Pedal seine PS nicht auf den Boden. Ob der Klang des DA-2 zu Geschmack und Equipment passt, muss auf jeden Fall durch eigenes Antesten entschieden werden.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Boss MO-2 Multi Overtone

Dieses auch für Bass geeignete Gerät ist nicht leicht zu kategorisieren und am ehesten mit einem Oktaver zu vergleichen. Allerdings werden beim MO-2 nicht nur Oktaven sondern auch weitere Obertöne hinzugefügt, aber auch Töne unterhalb des Grundtons. Mit den Parametern Balance, Tone, Detune sowie dem Modeswitch für die 3 in der FX-Intensität stärker werdenden Modes sind die Eingriffsmöglichkeiten überschaubar. Dafür wird die Sound-Vielfalt dank MDP automatisch erweitert, wenn auch immer noch subtil und leicht zu überhören. Höhere Detune-Settings ergeben eine Art Orgel-Sound, welcher sowohl clean als auch verzerrt seinen Reiz hat. Dezentere Einstellungen gehen in Richtung 12-String, je nach Balance- und Feedback-Anteil mit mehr oder weniger synthetischem Beigeschmack. Das Pedal taugt vor allem für originelle Riffs, besonders bei zusätzlichem Zerrer. Auch Swell-Sounds mit Volume-Poti oder Pedal ergeben inspirierende Klänge, die man nicht unbedingt einer Gitarre zuschreiben würde. Bei Bedarf kann der Ausgang auch Stereo verkabelt werden, wodurch man seinem Keyboarder vollends in die Parade fahren kann. Alles in allem wird beim Spielen die Inspiration angekurbelt – eigentlich ein Merkmal eines guten Effekts!

 

Boss TE-2 Tera Echo

Das 100ste Boss-Pedal seit 1977 ist besonders empfehlenswert, wenn man auf Science-Fiction Filmmusik steht. Der beim ersten Antesten fraglos sehr speziell klingende Effekt hat aber noch ein paar mehr Facetten auf Lager. Das TE-2 verziert seine Echos mit einem künstlichen Schweif, welcher (dank MDP) – je nach Anschlagsstärke und Frequenz – von durchschlagender Laserpistole bis verschwimmende Ambience-Fläche klingt. Mit kürzeren Delay-Zeiten sind auch Plate-artige Hallsounds im Repertoire. Dabei klingt das Tera Echo immer warm, aber auch immer etwas nach Retro-Synthie. Neutrale Delays sind bei diesem Effekt nicht vorgesehen. Ein Extra-Feature ist die Freeze-Funktion, welche bei gedrückt gehaltenem Fußschalter den Klang für die Dauer des Drückens „einfriert“, sodass man z. B. über seinen eigenen Klangteppich solieren kann (ähnlich wie beim EH Freeze Sound Retainer). Das TE-2 verfügt über Stereo Ein- und Ausgänge, wobei eine True-Stereo-Verkabelung den ohnehin schon dreidimensional klingenden Effekt noch imposanter in Erscheinung treten lässt. Auch hier: Keyboarder aufgepasst! Leider ist dieses nicht permanent zu benutzende Pedal mit einem Straßenpreis von knapp € 180 kein Schnäppchen.

 

Resümee

Beim Design dieser drei neuen Bosse kann der kommerzielle Aspekt keine Rolle gespielt haben. Vielmehr muss man zumindest die beiden Stereo-Pedale als kleines Effektfeuerwerk zur Einführung und Demonstration von „MDP“ verstehen. Schön, dass auch so große Konzerne noch Raum für Nischenprodukte haben, und die Effektvielfalt nicht nur mit neuer Technik sondern auch mit neuen Klängen beleben. Der DA-2 als „Normalo“ unter den 3 Neuen, hat in seinem eng gesteckten Einsatzgebiet durchaus das Potential, einen polierten Studio-Metall-Sound „out of the box“ zu liefern. MDP sorgt dabei wie von Geisterhand für den Feinschliff „on the fly“. Ob man zu den glücklichen Gewinnern gehört, bei denen das Konzept zur vollsten Zufriedenheit aufgeht, kann dabei wie gesagt nur durch Ausprobieren mit der eigenen Gitarre und dem eigenen Amp geklärt werden. Give it a try!

 

Übersicht

Fabrikat: Boss

Modelle: TE-2, DA-2, MO-2

Typ: Gitarren-FX

Größe: 73 ¥ 59 ¥ 129 BHT/mm

Gewicht: 420g

Vertrieb: Roland Germany GmbH, 64569 Nauheim, www.rolandmusik.de

Preise: DA-2: 153, MO-2: 177, TE-2: 201

 

Plus

  • unkonventionelle Sounds
  • Freeze-Funktion TE-2
  • Rauschverhalten DA-2
  • Soundvielfalt MO-2
  • Treue zum Kult-Design

 

Minus

  • Preis TE-2

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