Blackstar HT-Modulation, HT-Delay, HT-Reverb im Test

Drei Effektgeräte von Blackstar
(Bild: Dieter Stork)

 

Röhren in Effektgeräten bringt man in erster Linie mit Verzerrer-Pedalen in Verbindung, dabei gab und gibt es doch legendäre Hall- und Echogeräte in Röhrentechnik. Es liegt also nahe, diesem Prinzip mit den heutigen Mitteln der Digitaltechnik neues Leben einzuhauchen.

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Digitale Effekte sind ein Novum beim britischen Hersteller Blackstar, die HT-Pedalserie besteht ansonsten aus rein analogen Verzerrern und einem Booster (Test in Ausgabe 11/2007), kürzlich kam noch das Metal-Distortion HT-Blackfire hinzu.

 

Konstruktion von Blackstar HT-Modulation, HT-Delay und HT-Reverb

Hergestellt werden die Geräte in Korea, als Röhre kommt eine ECC83, die mit Hochspannung (HT = High Tension) versorgt wird, zum Einsatz. Die 24 Volt des zum Lieferumfang gehörenden Netzteils werden intern auf 300 V (Angabe des Herstellers) hochtransformiert. Da es an den Pedalen keine Zugentlastungsschellen fürs Stromkabel gibt, sollte der Hersteller statt gerader besser abgewinkelte Stromstecker verwenden, um ein versehentliches Herausziehen zu erschweren. Da die Stecker jedoch fest in ihren Buchsen sitzen, besteht keine unmittelbare Gefahr.

Klein und zierlich sind die rutschsicheren Blackstar HT-Pedale nun wirklich nicht geraten, sie sind allerdings vollgepackt mit Elektronik, und dank ihrer schweren Vollmetallkonstruktion stabil und genauso Vertrauen erweckend wie ihre Zerr- und Boost-Brüder.

So verschieden die drei Bodeneffekte auch sein mögen, ihr Grundaufbau ist sehr ähnlich: Eine digitale Effektsektion wird jeweils über einen Stufendrehschalter, vier Regler und zwei Fußtaster bedient, die Röhrenschaltung dient der Sättigung bzw. der natürlichen Kompression und dem Anreichern des Effektsignals mit Wärme und Obertönen bzw. gewollten Verzerrungen. Die Regler Saturation (bzw. Dwell beim HT-Reverb) und Level interagieren, beide beeinflussen die Effektstärke, nicht jedoch die Gesamtpegel. Je nach Programm steuert das Level-Poti auch schon mal die Intensität oder auch andere Parameter. Der Eingang ist jeweils Mono, das Ausgangssignal steht dank zweier Buchsen wahlweise Mono oder Stereo zur Verfügung.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Praxis

Bevor wir bei allen Pedalen in die Details gehen, hier kurz die Gemeinsamkeiten der Bedienung: Erst wenn Saturation/Dwell etwa ein Viertel aufgedreht wird, nimmt die Röhrenschaltung aufwärmend am Geschehen teil. Der Pegel steigt dadurch jedoch nur anfangs geringfügig an. Man kann diesen Röhrensättigungsregler weiter und weiter aufdrehen, ohne dass das Signal lauter wird und ohne dass man mit dem Level-Poti gegensteuern muss.

Solange die dazugehörige LED grün glimmt, wird die Röhrenschaltung nicht übersteuert. Dreht man Saturation/Dwell jedoch weiter auf, verdichtet sich der Effektklang bei kräftig gespielten Noten, und erste Verzerrungen setzen ein, weich und reich an harmonischen Obertönen. Dieses angenehme Klangbild bleibt auch erhalten, wenn man diesen Regler voll aufreißt, die LED rot glimmt und der Effekt stark komprimiert und verzerrt. Da das normale Instrumentensignal nicht durch diese Röhrenschaltung geführt wird, bleiben Dynamik und Klangcharakter voll erhalten. Allerdings lässt sich ausschließlich das Effektsignal aufwärmen und anfetten, darüber muss man sich im Klaren sein. Umschaltgeräusche, auch beim Effektwechsel, sind nicht zu vermelden, und ein nennenswertes Eigenrauschen produzieren diese Pedale ebenfalls nicht.

Zu den Details. Beim HT-Modulation fällt zuerst der Slow/Fast-Fußtaster auf. Hält man ihn etwas länger gedrückt, wird seine Funktion aktiviert, per Fuß lässt sich nun die Geschwindigkeit aller Effekte umschalten, inklusive „Ramping“, also dem verzögerten An- und Ablaufen. Der Speed-Regler ist in diesem Modus ohne Funktion. OK, Ramp-Time sowie Slow- und Fast-Parameter sind zwar nicht regelbar, die Werkseinstellungen sind jedoch praxisgerecht.

Die Modulations-Effekte selbst stellen geschmackvolle und hochklassige Eigeninterpretationen bekannter Themen, jedoch keine blanken Kopien dar. „Phaser 1“ erinnert an das bekannte MXR-Pedal, der Effekt lässt sich hier jedoch stärker variieren. „Phaser 2“ hingegen kommt in manchen Einstellungen einem Uni-Vibe recht nah, jedoch auch hier mit einem eigenen Touch, der mir sehr gut gefällt. „Chorus 1“ geht deutlich in Richtung des Boss CE-1, während „Chorus 3“ mit drei LFOs arbeitet und extravagante Ergebnisse liefert. Stellt man hierbei die Geschwindigkeit relativ langsam ein, braucht man die Intensität gar nicht weit aufzudrehen, um einen lebendigen wie gleichsam unauffälligen Effekt zu erhalten, der beinahe so klingt, als würden drei Gitarristen das Gleiche spielen; klasse für Rhythmus-und Akustik-Gitarre. „Rotary“ arbeitet sehr intensiv und profitiert am stärksten von der alternativen Möglichkeit, die Geschwindigkeit auch per Fuß umschalten zu können. Der Flanger schwirrt und swoosht besonders dominant, wenn die Röhrenschaltung erste Verzerrungen generiert, und der Einstellbereich des Tremolo reicht von weich über „typisch Fender“ bis zum Hubschrauber-Sound, wobei auch hier Röhrenwärme und -Kompression für den Kick sorgen.

Beim HT-Delay startet bzw. stoppt der rechte Fußtaster einen Looper, in den Echomodi bedient dieser Taster die Tap-Tempo-Funktion. Mit dem Time-Regler lässt sich die Echodauer feinfühlig bis zu einer Sekunde Länge einstellen, über den Tap-Tempo-Taster erreicht man auch die maximale Verzögerungszeit von drei Sekunden. „Linear“ nennt Blackstar hier das Digital Delay, welches zwar glasklar, jedoch selbst ohne Beteiligung der Röhrenschaltung nie steril oder hart klingt. „Analogue“ imitiert realistisch den Klang eines Analog-Delays, bei dem die Wiederholungen immer dumpfer und rauschiger werden. Hierbei sollte man zum Anwärmen und Verdichten die Röhrenschaltung richtig kitzeln. Vom Saturation-Regler profitieren auch die folgenden vier Modi stark, die sich allesamt dem Thema Bandecho widmen. Beim rhythmischen „Multihead 1“ reicht die maximale Verzögerungszeit ausnahmsweise nur bis 1,5 Sekunden, dafür werden als Ausgleich drei anstelle von zwei Wiedergabetonköpfe nachgebildet. Das Tape-Echo-Programm klingt sehr lebendig, denn durch das Nachbilden eines unruhigen Bandlaufs entstehen unregelmäßige Chorus-Effekte. Noch voller geht’s beim originellen Space-Delay zu: Hier untermalt ein richtig fetter Chorus die Echos.

Zwei Modi wurden dem Looper gewidmet, wobei der erste im Grunde genommen gar kein Schleifenrekorder ist, da er die aufgenommene Gitarre als „One Shot“ nur ein einziges Mal abspielt. Hält man den rechten Fußtaster jedoch gedrückt, wiederholt sich dieser „One Shot“ bis zum Loslassen, und wird dadurch doch noch zum Loop. Im zweiten Modus läuft die Schleife bis zum Stoppen immer weiter und lässt unbegrenzt viele Overdubs zu. Mit einer maximalen Loop-Länge von sieben Sekunden stellt Blackstar gewiss keinen Weltrekord auf, als Zusatzfunktion zu den Delays geht das jedoch in Ordnung. Die Bedienung erfolgt über die beiden Fußtaster und gestaltet sich so einfach wie funktionell: Ein Tap auf den rechten Fußtaster versetzt den Looper in Aufnahmebereitschaft, und sobald man den ersten Ton bzw. Akkord spielt wird die Aufnahme automatisch gestartet. Die Play- und Overdub-Funktionen übernimmt ebenfalls der rechte Fußtaster, dessen LED jeweils eine andere Farbe annimmt (Rot = Aufnahme, Gelb = Overdub, Grün = Wiedergabe). Der linke Fußtaster lässt den Loop verstummen, er läuft jedoch im Hintergrund unhörbar weiter, und zwar solange bis man entweder den Effektdrehschalter auf einen anderen Modus stellt, den Effekt wieder einschaltet, oder den linken Fußtaster zum Loop-Löschen etwas länger gedrückt hält.

Ein auffälliges Feature des HT-Reverbs ist der Short/Long-Fußtaster, welcher neben dem manuellen Time-Regler die Halldauer beeinflusst, was gerade bei Live-Auftritten sinnvoll sein kann. Die klasse klingenden Hallprogramme Room, Hall, Bright Hall, Plate und Arena unterscheiden sich in erster Linie in Pre-Delay und Abklingzeit. Welches Federhallgerät dem Spring-Hallprogramm Modell gestanden hat war nicht herauszufinden, es klingt auf jeden Fall ungewöhnlich, originell, und richtig gut. Bei hohem Dwell-Anteil steigt die Tonhöhe des Halleffekts kurz an, so als würden kräftig schwingende Hallspiralen für einen Dopplereffekt sorgen. Dieser regelbare Nebeneffekt sorgt für viel Leben in der Hallfahne, hat jedoch mit einem Chorus wenig gemeinsam. „Reverse“ ist ein metallisch-schnarrender Rückwärtshall mit Robotercharakter. Bei „Reverse“ und „Gate“ lässt sich übrigens die Effektstärke auch anschlagabhängig steuern, was recht abgedreht klingen kann. Das HT-Reverb ist eben auch richtiges Effektgerät, und nicht nur ein purer Hallgenerator.

Den Hall über die Röhre anzudicken, zu komprimieren und bei Bedarf auch leicht anzuzerren macht nicht nur Laune, sondern bereichert das Klangbild um eine weitere, und auf diese Art und Weise selten anzutreffende Nuance. Ein so voll, warm und musikalisch klingendes Hallgerät bekommt man selten zu hören.

In erster Linie sind alle drei Pedale als Gitarreneffekte zum Vorschalten konzipiert. Sie arbeiten jedoch auch in seriellen Effektwegen mit niedrigem Pegel (–10 dB) einwandfrei. Für parallele FX-Loops sind diese Blackstar-Effekte weniger geeignet, da sich das Originalsignal nicht ausblenden lässt. Bei hochpegeligen Effektwegen (+4 dB) hat man keine Chance; die Röhrenschaltung wird hier gnadenlos übersteuert, und klanglich in die Knie gezwungen. Heraus käme nur noch unbrauchbarer Effektbrei.

Bei den vielen Modi, die allesamt unterschiedlich eingestellt werden wollen, wären natürlich Speicherplätze nicht schlecht gewesen. Zugegebenermaßen würde schon allein deren Fußbedienung den Rahmen des Möglichen bzw. des Praktischen sprengen.

 

Alternativen

Völliges Neuland betritt Blackstar hier natürlich nicht, digitale röhrengestützte Modulations-, Verzögerungs- und Halleffekte gibt es auch von anderen Herstellern. Jedoch findet man selten so viele Einzel-effekte in einem Pedal. Die ausgezeichneten, aber auch recht teuren Damage-Control-Pedale Glass Nexus (Modulation, Reverb und Delay) und Time-Line (Multi-Delay) wird man als einzige echte Alternativen bald nur noch auf dem Gebrauchtmarkt antreffen, da die Produktion leider kürzlich eingestellt wurde. Kleine Einzeleffektpedale mit Röhren findet man hingegen öfter. Bemerkenswerte Vertreter dieser Gattung stellen die beiden Guyatone Flip Tube-Pedale Vintage Tremolo VT-X und Echo TD-X dar. Ein origineller Tremolo-/Vibrato-Röhrling ist der Electro-Harmonix Wiggler, und zu den bekanntesten Röhrenhallpedalen zählen das T-Rex Room-Mate, das Vermona Re-Tube-Verb, sowie das Fuchs The Verbrator.

 

Resümee

Die Röhrenschaltung beschert den drei originellen Blackstar-Pedalen nicht nur Wärme und Fülle, sondern bereichert sämtliche Effekte um eine bis zur Verzerrung regelbare Kompression und Sättigung. Auch den Effekten selbst hat sich der Hersteller intensiv gewidmet, stellen diese doch liebevolle Eigen- bzw. Weiterentwicklungen dar. Der rechte Fußtaster bereichert die Effektmöglichkeiten aller drei Pedale um interessante Varianten bzw. Zusatzfunktionen. Zählt man die hochklassigen Effekte, die vielfältigen Möglichkeiten der Röhrenschaltung und den professionellen Aufbau zusammen, gehen die veranschlagten Preise völlig in Ordnung.

 

blackstar_ht_uebersicht

 

Plus

  • Wirkung der Röhrenschaltung
  • originelle und qualitativ hochklassige Effekte
  • Slow/Fast-Umschaltung (HT-Modulation)
  • knackfreies Umschalten, Nebengeräuscharmut
  • Preis-/Leistungsverhältnis

Minus

  • Stromkabel ohne Zugentlastung

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