Geschmackvoll designed, top verarbeitet, allerbeste Schwingungseigenschaften

Billy G.’s Choice: Cream T Guitars Aurora BFGT2PS im Test

Anzeige
Zugang zum Pickup-Wechsel-System

TAUSCHBÖRSE

Angesichts des ausgiebigen Body Chamberings verwundert mich das Gewicht von gerade mal 3,26 kg (inkl. Pickups!) nicht wirklich. Der Hals mit seinen verrundeten Griffbrettkanten schmiegt sich komfortabel in meine Hand. Die holzig griffigen, aber dennoch geschmeidig glatten Oberflächen bieten angenehme Haptik, erst recht stark schwitzenden Händen.

Alle drei Regler sind leichtgängig, und die Pull-Push-Potis lassen sich mit Daumen- und/oder Fingernagel leicht herausziehen. Der Verzicht auf einen Schalter macht die Bedienung beider Pickups allerdings umständlich. Wer von einem zum anderen Abnehmer wechseln möchte, muss den Volume-Regler des einen abdrehen und gleichzeitig den des anderen aufdrehen.

Anzeige

Fernab vom Verstärker liefert die Aurora BFGT2PS, verglichen mit einer guten Custom Shop 58er Les Paul Standard, ein ausgewogenes, nicht allzu kraftvolles, drahtig spritziges Klangbild, dessen Frequenzspektrum eher in den mittleren bis oberen Gefilden unterwegs ist. Soll heißen, wenig Fülle und Volumen, dafür jedoch kompakte, drahtige Mitten, glasklare Höhen, Brillanz und Obertöne ohne Ende. Die Aurora gibt sich extrem schwingfreudig, reagiert spontan und präzise auf den Saitenanschlag, zeigt beste Dynamik und ein beeindruckend standfestes Sustain.

Lege ich vor einem Austausch das gewünschte Pickup-Set vor mir auf den Tisch, brauche ich gerade mal 18 Sekunden um völlig entspannt den Wechsel zu bewerkstelligen: Gitarre vom Ständer deckenseitig auf meine Oberschenkel, Deckel der Kammer abnehmen, beide Pickups herausziehen, die neuen in korrekter Richtung einsetzen, Deckel drauf, fertig. In dem angebotenen Bundle kommt die Aurora mit den hier vorgestellten drei Cream-T-Pickup-Sets. Alternativ sind neben anderen Cream-T-Humbuckern auch x-beliebige Doppelspuler gleichen Formats möglich, die sich auf die Adapter montieren lassen.

Ein Blick in die Pickup-Kammern mit Relish-Wechselrahmen

Während die Whiskerbucker, die Eliminators und der Banger & Mash Hals-PU-Coilsplits ermöglichen, bei denen jeweils die einander zugewandten Spulen der eingesetzten Tonabnehmer verstummen, bleibt der Pull-Push-Schalter beim eingesetzten BFG Banger Bucker Bridge ohne Funktion.

Pickup mit Adapterplatte

WHISKERBUCKER SET

Auch „Billy F. Gibbons Set“ genannt, soll das Whiskerbucker-Paar den Sound der berühmten 1959er Pearly Gates Les Paul reproduzieren. Da die Möglichkeit eines AB-Vergleichs mit dem Original illusorisch ist, kann ich also lediglich den Klang der mir vorliegenden Pickups in der Cream T Aurora BFGT2PS beurteilen. Und da fällt sofort auf, dass die Humbucker den rein akustischen Eindruck der Gitarre völlig auf den Kopf stellen. Zunächst geben sich die Whiskerbucker nicht sonderlich leistungsstark, was ihnen insgesamt offene, luftige Klangbilder ohne übermäßige Kompression beschert und damit ausdrucksstarkem, dynamischem Spiel entgegenkommt. Der Hals-PU tönt sehr ausgewogen und vollmundig und kann bei akzentuiertem Singlenote-Spiel auch lecker schmatzen. Seine kraftvollen aber stets definierten Bässe verleihen der Gitarre ein gesundes Fundament, die Mitten kommen warm und akzentuiert, die Höhen samtig und spritzig. Getoppt wird das Ganze von einem breiten Spektrum reichhaltiger Obertöne.

Auch der Steg-Whiskerbucker gibt sich ausgewogen und sehr obertonreich und punktet mit der gleichen präzisen Saitentrennung wie sein Nachbar. Straffe Bässe, knackig prägnante Mitten und glasklare Höhen prägen sein Klangbild, das sich allein mit variablem Anschlag formen lässt. Die Kombi beider Cream Ts tönt glockig, perlig und lebendig und bietet sich perfekt für cleanes Rhythmusspiel und Arpeggien an. Erwartungsgemäß verschlanken die Coilsplits die Sounds deutlich, erhalten jedoch die Grundcharaktere der Humbucker bei.

Am zerrenden Amp oder mit Hilfe eines guten Overdrive-Pedals liefern die Pickups die Texas-Rock- bzw. Bluessounds, die man von Billy Gibbons kennt. Druckvolle fette aber straffe Powerchords, Sustain-reich singende Soli, bei denen Einzeltöne gerne in ihre Obertöne kippen, was sich auch per Anschlagtechnik provozieren lässt. Bei alldem behalten die Whiskerbucker ihre Transparenz, Dynamik und Durchsetzungsvermögen und erlauben präzise Kontrolle von Output und Gain mithilfe der Volume-Potis. Auch im Kombi- und/oder Coilsplit-Betrieb stehen charaktervolle, praktikable Zerrsounds zur Verfügung.

ELIMINATOR SET

Die Eliminators liefern die Wärme und Transparenz klassischer PAFs, aber auch etwas mehr Biss und Durchschlagskraft. Somit rangieren sie perfekt zwischen vintage und modern, besitzen aber immer noch genug Ausgangsleistung, um ausreichend Gain z. B. für Blues-, Classic- und Hardrock und entsprechende Leadsounds zu liefern. Während der Hals-PU etwas leiser erscheint als das Whiskerbucker-Pendant, klingt er doch sehr ähnlich, zeigt trotz leicht verstärkter Mitten also auch deutliche Vintage-PAF-Züge.

Beim Steg-Eliminator hat Thomas Nilsen im Vergleich zum Whiskerbucker den Output leicht erhöht und die Mitten ein wenig angehoben. So kann das Set sowohl bei cleanen als auch bei High-Gain-Sounds mit Druck, Transparenz und Durchsetzungsvermögen ebenso glänzen wie mit präziser Saitentrennung, exzellenter Dynamik und langsam und gleichmäßig abklingendem Sustain. Auch hier bieten die Humbucker-Kombi und die Coilsplits charakter- wie geschmackvolle Klänge, wobei die Einzelspulen wieder leiser und schlanker ertönen. In jedem Fall aber liefern diese auch bei Zerrsounds sehr gute Performance, wenngleich sie wie bei den Whiskerbuckers trotz sorgfältiger Kupferfolienabschirmung Brummgeräusche erzeugen.

BANGER & MASH NECK

Habe ich auch noch nicht gesehen … Wer kommt denn auf die Idee, zwei Tele-Halspickups zum Humbucker zu paaren?! Nun, keine Geringeren als Keith Richards und dessen treuer Gitarrentechniker Pierre de Beauport. Da Pierre und Thomas Nilsen sich schon lange kennen, wurde der Banger & Mash Humbucker entwickelt, von Mr. Richards für gut befunden und kurzerhand in dessen Gloria Telecaster installiert. Als Vorlage dienten zwei Vintage-Nocaster-Hals-Pickups, denen Nilsen das Frequenzfundament alter PAFs verliehen und das Gesamtkonstrukt in Humbucker-Format gebracht hat.

Wen wundert es, dass der Banger & Mash deutlich den Charakter eines Tele-Halspickups zu erkennen gibt? Erst recht, wenn man die Spulen splittet und nur die stegseitige aktiv ist. In diesem Fall liefert diese die Ausgangsleistung eines vintage Tele-Halseinspulers und kommt auch klanglich dem Vorbild am nächsten. Im Vollbetrieb tönt der B&M indes deutlich lauter und dazu nebengeräuschfrei. In beiden Modi klingt er sehr schön bluesig und bauchig mit straffem Fundament, die Mitten schmatzig und perkussiv, die Höhen klar und glockig, das Ganze stets ausgewogen, transparent und gekrönt von reichhaltigen Obertönen. Auch am zerrenden Amp bleibt der Pickup transparent, differenziert und klanglich bei sich. Dabei bleibt nur wenig von seiner beeindruckenden Dynamik auf der Strecke, gleichzeitig nimmt das Sustain zu.

BFG BANGER BUCKER BRIDGE

Auch dieser Humbucker entstand in enger Kooperation mit Billy Gibbons – ähh, Billy F. Gibbons. Soviel Zeit muss sein. Der BFG Banger Bucker, den der Reverend seit zehn Jahren benutzt, liefert vintage Output, ist mit sechs auf Billy Gibbons’ Wunsch versetzten Polschrauben, einer grauen Fiber-Abdeckplatte und rotem Textilband bestückt. Jede Spule wurde mit 50% 42-AWG- und 50% 43- AWG-Draht (AWG = American Wire Gauge) umwickelt, was dem Pickup einen einzigartigen Klang verleihen soll.

Die Banger Bucker liefern etwas mehr Output als die PAFs seiner 59er Pearly Gates Les Paul. Der vorliegende Steg-PU tönt jedoch leiser als der Whiskerbucker, dafür aber drahtiger und knackiger, und lässt auch einen Hauch von Twang durchscheinen. Im Zerreinsatz gibt sich der Banger Bucker erdig, vielleicht sogar ein wenig raubeinig, liefert straffe, knackige Bässe, prägnante Höhen, wohldosierten Biss und zeigt gutes Durchsetzungsvermögen. Während die anderen hier vorgestellten Cream-T-Humbucker im Distortion-Betrieb keinerlei Störgeräusche entwickeln, verhält sich der BFG Banger Bucker diesbezüglich nicht ganz so defensiv.

Resümee auf Seite 3

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Von der “Qualität der Hölzer” bleibt aber nicht mehr viel übrig angesichts der Ausfräsungen. Ich bin sicher das die Pickups in einem Vollholz Body nochmal ganz anders rüberkommen. Dann wäre da noch der Preis, also für die Summe würde ich mir eine massivere Paula gönnen. Das schnelle wechseln der Pu’s mag ja seine Vorteile haben, die sehe ich aber nur wenn ich auch solche produziere und einen schnellen AB Vergleich brauche. Die Zeit zwischen dem Wechsel ist aber gehörmäßig dafür auch wieder zu lang, da hat man den ersten Höreindruck schon wieder verloren.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren