Bestseller: Fender Standard Stratocaster HSS im Test
von Redaktion,
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(Bild: Dieter Stork)
So weit, so gut. Nun aber Kabel rein und in den Amp:
Der Standard Single-Coil Strat Pickup in der Hals-, also Herz-Position einer Stratocaster zeigt sich hier mit substanziellem Ton kraftvoll und aussagestark aufgestellt. Er vermittelt tatsächlich den erhofften traditionellen Sound dieses Modells: knochig und drahtig im Bass und das ohne diffuse Anteile im Tieftonbereich, dazu crisp und offensiv in den Höhen. Erfreulich plastisch setzt er auch Powerchord- oder Oktav-Spiel um. Ist das alles noch eher unauffällig in klaren Einstellungen, so tönt es mehr als achtbar in gehobenen Gain-Positionen. Druckvoll und vital, dabei leicht glasig und klar definiert, aber sehr schön kompakt, lässt sich damit das ein oder andere Brett locker verlegen. Das knochentrockene Fundament findet im glasklar zupackenden Diskant der hohen Saiten die passende Antwort. Die Sounds, sensibel mit dem Plektrum gestaltbar, erweisen sich als erfreulich authentisch, strahlen dabei sogar eine Frische aus, die alles andere als altmodisch anmutet. Da kann der Daumen nur nach oben gehen!
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Der Single-Coil in der Mitte ist von gleichem Kaliber, also ähnlich im Output und klangfarblich positionsbedingt zwar heller, aber ansonsten durchaus ebenbürtig nutzbar, also keineswegs nur Hilfskraft für die angelegten Zwischenpositionen.
Jetzt der Sprung in die Neuzeit. Vorspiel: Die vor gut 50 Jahren (das soll Neuzeit sein?) von Spielern oftmals mit eigener Hand vorgenommene, nicht immer elegant ausgeführte Ergänzung um einen Doppelspuler in der Stegposition – eine Horrorvorstellung für die ‚mint’-versessene Sammlergemeine – hatte gute Gründe. Einerseits war der spitzig glashart tönende Single-Coil am Steg bei aller Liebe zur Strat eh nicht jedermanns Sache, andererseits transformierte die Modifikation diese unschlagbar komfortable Electric tendenziell in ein anderes Instrument, stattete es zumindest mit einer erweiterten klangfarblichen Option aus. Coda: Natürlich ist das den Fender-Leuten nicht verborgen geblieben und längst alternativer Standard im Programm.
Auch in unserem Testmodell macht der Humbucker einen gehörigen Unterschied zur herkömmlichen Standardausstattung. Schalten wir vom Single-Coil (Hals oder Mitte) auf den verbauten Standard Humbucking Pickup am Steg, hören wir einen leichten, nicht zu starken Sprung nach vorn. Der Sound verdichtet sich, wird kompakter und geschlossener. Das macht sich jetzt auch schon gut in der Abteilung Clean, lässt Akkorde griffig und akzentuiert erscheinen.
Das Klangbild bewahrt sich dabei auch einige modelltypische Aspekte, bleibt auf gewisse Weise schlank im Bass und findet mit stimmigen Voicings zu guter pointierter Griffigkeit bei rhythmisch-harmonischem Spiel. Der wirkliche Bonus offenbart sich aber erst mit Wechsel auf den Lead-Sound in verschiedenen Gain-Stufen. Die Klarheit, mit der dieser Pickup bei Zerre umsetzt, ist höchst erfreulich. Schlank, aber kompakt druckvoll bei knapp gehaltenen Akkorden auf den Basssaiten, bissig und doch nicht nervig ohrschädigend bei Double Stops oder auch scharfen Zweiklängen auf den hohen Saiten, und – ganz wesentlich – klar definiert und singend beim tragfesten Lead-Spiel.
Der Ton ist per Volume-Regler dann auch noch fein kalibrierbar, ohne nennenswerte Einbußen an Vitalität. Die Zwischenpositionen erscheinen mit ihren kehligen Sounds im Verhältnis zu den Einzelschaltungen wohl etwas bedeckt im Bereich der Höhen, erweisen sich als nicht ganz so offen, aber natürlich sind das optionale klangliche Derivate mit denen sich arbeiten lässt. Das gilt dann am Ende auch noch für das Standard 2-Point Tremolo, welches gut funktioniert und dank der angepasst versenkten Madenschrauben in den einzeln justierbaren Gussböckchen auch keinerlei Verletzungsgefahr mehr aufweist.
Glatte Oberfläche dank angepasster Madenschrauben beim 2-Point-Tremolo (Bild: Dieter Stork)
Du fragst jetzt: Wenn die doch so gut klingt, warum sollte ich mich denn dann überhaupt noch für die teureren Modellversionen interessieren? Nun, da bleiben natürlich schon noch Unterschiede, keine Frage. Aber wir reden von einer Pyramide mit nach oben hin immer kleiner werdenden Schritten bei der Möglichkeit letzter Optimierung. Dafür muss man auch erst einmal ein Ohr entwickeln, was nun nicht heißt, dass man nicht auch langfristig zufrieden und glücklich sein kann mit dem, was man hat und was man sich zurechtgespielt hat. Wichtig und in diesem Falle hocherfreulich ist, dass wir bei Basisinstrumenten wie diesem schon richtig gute Klangergebnisse finden und auch die Handhabung keine Fragen mehr aufwirft.
RESÜMEE
Die in Indonesien gebaute Standard Stratocaster HSS aus der günstigsten Fender-Serie bietet den perfekten Einstieg in die Welt des Fender-Sounds. Prinzipiell stellt sie sich dank ihrer lobenswert authentisch klingenden Standard Ceramic Single-Coil Strat Pickups mit dem erwünschten Fender-Flair vor, gibt aber Spielern mit solistischen Ambitionen über den Humbucker in der Stegposition mehr als das gewohnt scharfe Skalpell eines Single-Coils in dieser Position an die Hand. Der Fender Standard Ceramic Humbucking Pickup sorgt für eine kraftvoll sonore Zuspitzung an Rock-Appeal, ohne seine Provenienz gänzlich zu leugnen. In Summe erweisen sich die Standard-Pickups mit ihren keramischen Magneten als gute Wahl, denn sie erleichtern auf ihre Art mit dem leicht angehobenen Output und offensiver Tonentfaltung den Zugang. Und da auch alles andere an diesem Modell stimmt, sagen wir: Das alles ist für ein Instrument dieser Preisklasse unerwartet gut und mit wirklich preisgünstig treffend beschrieben!