+++ PLUS: Interview mit der frisch gebackenen Bassbau-Meisterin +++

Bassmeisterin: Salomé Gregersen Woodpecker im Test

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Manchmal habe ich einen Testbass in der Hand und denke, wow – das ist wirklich ein Meisterstück! Und dann gibt es diesen Testbass, der ein tatsächliches Meisterstück ist – im wahrsten Sinne des Wortes.

(Bild: Dieter Stork)

Der Bass, den Salomé Gregersen mir freundlicherweise zum Test vorbeigebracht hat, ist ein echtes Meisterstück, nämlich die Abschlussarbeit ihres Meisterkurses, nach dessen Bestehen sie jetzt Meisterin im Zupfinstrumentenmacherhandwerk ist.

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Salomé Gregersen mit dem Woodpecker

GROSSE RESONANZ

Der Ausbildungsgang Zupfinstrumentenmacher:in ist eher konservativ und immer noch geprägt von akustischen Instrumenten. Und wenn es denn schon ein elektrischer Bass sein muss, dann soll er doch wenigstens einen resonanzfähigen Korpus haben! Das war die Vorgabe, die Salomé mit einem ordentlich ausladenden Body aus Nussbaum erfüllt hat. Die Taille ist ähnlich geschnitten wie bei Streichinstrumenten, was manche an die Form des Höfner-Beatle-Basses erinnert. Ich finde es ist ein ganz schön großer Sprung vom zierlichen 500/1 zum großen Gregersen. Und groß ist der Bass: Selbst ein nicht eben kleines Akustikbass-Gigbag ist für ihn gerade eben lang genug. Die gewölbte Decke in schönster klassischer Archtop-Manier ist aus gestockter Birne, mit eigenwilliger Maserung mittig zusammengefügt. Originell sind die offenen Schalllöcher in Form von gespiegelten Bassschlüsseln, wobei die eingelegten Punkte aus Mooreiche sind. Ein Blick ins Innere zeigt den Sustain-Block, der dem Korpus Stabilität verleiht – und ein ordentliches Gewicht.

Schallöcher in Form eines Bassschlüssels (Bild: Dieter Stork)

Ein Meisterstück soll natürlich zeigen, was man kann, also mangelt es dem Bass auch sonst nicht an geschmackvollem Zierrat. Der Übergang von der Zarge zur Decke wie zum Boden ist mit einer aufwendigen Einfassung verziert: Mit einem dunklen Streifen ist das helle Binding abgesetzt, an das wiederum ein schachbrettartiges Hell-Dunkel-Muster aus Ahorn und Mooreiche anschließt – wieder mit einer hellen Ahorn-Zwischenlage. Da wurde kein Aufwand gescheut und auch an schwierigen Stellen sauber gearbeitet. Der bis zum Hals-Pickup eingeleimte Hals des Basses ist aus drei Streifen europäischem Ahorn, mit zwei Lagen Nussbaum gesperrt, abgeschlossen mit einer markanten, ausladenden Kopfplatte. Eine Decklage Birne sorgt für den Matching-Headstock-Look.

Beim Griffbrett begegnet uns wieder Mooreiche, Teil des Konzepts, mit regionalen Hölzern zu arbeiten. Auch hier gibt es wieder eine Einfassung, die, mit einer hellen Zwischenlage abgesetzt, die Bundenden verdeckt. Eingesetzt sind hier, ausgehend von der Graphit-Saitenführung und einem Nullbund, 24 weitere, flach abgerichtete Jumbobünde. Abrichtung und Verrundung lassen natürlich nichts zu wünschen übrig. Alles andere hätte mich bei einem so elaborierten, zur Prüfung vorgelegten Stück aber auch gewundert. Griffbretteinlagen gibt es keine, Punkte im Binding sorgen für Orientierung. Der Zugang zum Halsstab findet sich am geschwungenen, korpusseitigen Griffbrettende, eine Fräsung in der Decke lässt Platz für den Inbusschlüssel.

Bei der Hardware findet sich ein Mix aus Altbekanntem und Bewährtem sowie frischen neuen Designs. Die Gurtpins sind von Schaller, die passenden S-Locks-Gegenstücke finden sich an einem schicken Ledergurt. Bei einem Instrument dieser Klasse sicherlich eine gute Idee und eine gute Wahl. Auch die Mechaniken kommen von Schaller. Die M4 Light vereinen die sahnige und präzise Funktion, die man seit Jahrzehnten kennt, mit geringem Gewicht und bringen damit nicht nur weniger Gesamtgewicht, sondern auch eine bessere Balance des Instruments. Als nettes Detail sind die Unterlegscheiben und Muttern der goldenen Tuner in das Kopfplatten-Overlay eingelassen. Saitenhalter und Steg habe ich dagegen so noch nie gesehen. Das könnte sich in Zukunft aber durchaus ändern: DeQin heißt der Hersteller.

Steg und Saitenhalter: DeQin (Bild: Dieter Stork)

Unter diesem Namen baut Dominik Geiger nicht nur Gitarren und Bässe, sondern eben auch Hardware. Wie Salomé hat auch er seine Ausbildung bei Marleaux absolviert. Der Steg ist ein zweiteiliges Konstrukt aus einem Holzunterteil mit Metallsteg obendrauf. Der lässt sich an zwei Schlitzschrauben in der Höhe verstellen, die Saitenauflage ist für je zwei Saiten versetzt und für die Oktavreinheit angepasst, der gesamte Steg steht, wie für Archtops typisch, lose auf der Decke. Der harfenförmige Saitenhalter besteht aus einem U-förmigen, zu einem annähernden V gebogenen Metallstück, mit einer soliden Metallaufnahme für die Ball-Ends als Querstück. Aufgehängt ist der Halter an einer Kugel am Korpusende. Definitiv mal was Neues!

Beim Testbass habe ich es nicht probiert, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein Saitenwechsel besser Saite für Saite angegangen wird, statt alle auf einmal zu wechseln, was nur dafür sorgt, dass Steg wie Saitenhalter sich selbständig machen. Einzig der Kontrast zwischen glänzend goldenen Schaller-Parts und Steampunk-mäßigem Retrolook bei den DeQin-Teilen irritiert mich etwas. Die beiden Häussel Bassbars haben, passend zum Griffbrett, Gehäuse aus Mooreiche bekommen, geregelt wird mit Volume, Balance und Tone. Zur leichteren Erreichbarkeit der sauber verdrahteten Elektrik hat Salomé einen Deckel in den Boden eingelegt, der schön unauffällig eingepasst ist und von Magneten gehalten wird.

Die Abdeckung des E-Fachs wird von Magneten gehalten. (Bild: Dieter Stork)

SCHWERGEWICHT

Im Sitzen zwingt einem der Bass gewissermaßen die Spielhaltung auf: Die Taille setzt sich fest auf den Oberschenkel. Gegen Verrutschen ist er so absolut gefeit, allerdings auch gegen jedes bewusste Verschieben. Im Stehen ist das anders, da ist er gut positionierbar. Die Balance ist absolut perfekt, was bei 4,7 kg Gewicht und leichten Mechaniken auch nicht weiter verwundert. Auch nicht verwunderlich ist die Tatsache, dass der linke Arm ganz schön gestreckt werden muss, um in die tiefen Lagen zu kommen. Da angekommen ist es aber ganz komfortabel, mit 39 mm Sattelbreite und einem mitteldicken, sehr angenehmen D-Profil. Der Weg in die hohen Lagen geht entspannt von der Hand, auch wenn die flachen Bundstäbchen anfangs etwas ungewohnt sind.

Das Zusammenspiel der raffinierten Korpusform mit dem nicht vorhandenen Halsfuß ermöglicht den Zugang zu allen Bünden mit Ausnahme der letzten beiden. Auf der anderen Seite findet der rechte Daumen auf den beiden Häussel-Pickups bequem Platz zum Abstützen, auch hier konstruktionsbedingt weiter links als bei den meisten gewöhnlichen E-Bässen. Der rechte Unterarm liegt auf der Kante am Übergang zur Decke auf, was ob der Eckigkeit immer etwas unangenehm ist, abhängig auch davon, wie hoch der Bass hängt. Das ist aber auszuhalten.

Die Pickups: Häussel Bassbars (Bild: Dieter Stork)

Die geforderte Resonanz liefert der Bass und lässt schon akustisch gutes Sustain und eine knackige Ansprache hören. Einen Akustikbass ersetzt er dabei natürlich nicht. Muss er ja auch nicht, dafür hat er ja zwei wunderbare Tonabnehmer. Die geben den Grundton des Basses sonor und holzig mit akustischer Note wieder, mit genug Draht für einen klaren Attack. Dafür sorgt auch die PU-Position, denn der halsnähere Tonabnehmer sitzt nicht im Mumpf-Spot, sondern gibt einen fetten, aber nie wummerigen Ton aus, der die Band spielend trägt.

Da kommt der Kollege am Steg nicht ganz mit, für die richtige Tragfähigkeit braucht er Unterstützung vom Amp. Wäre er näher an den Saiten, ließe sich dieses Phänomen sicher mildern, aber das gibt die Unterfütterung bei dem bauartbedingt größeren Abstand zwischen Decke und Saiten nicht her. Dennoch gibt es mit dem gut funktionierenden Balance-Regler und der gut abgestimmten Tonblende viele Sounds zu entdecken, von unauffälligtragend bis prägnantmittig.

Resümee und Interview auf Seite 2

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Auch von mir „Herzlichen Glückwunsch“ zum Meisterbrief.

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  2. Das ist Handwerkskunst!

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  3. Ganz tolle Arbeit. Respekt…

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