(Bild: Dieter Stork)
In der „Legacy Preamp Series“ versammelt Peavey Pedal-Versionen verschiedener Amps aus seiner Geschichte. Wir haben uns die beiden Modelle „Decade“ und „Bandit Supreme“ näher angeschaut: Der eine ist ein Spezialist für besondere Klänge, der andere breiter aufgestellt und mit einer flexiblen Tonformung ausgestattet. Reichlich Gain liefern beide Varianten.
Gitarristen, die in den 1980er- und 1990er-Jahren groß geworden sind, kennen diese beiden Namen nur allzu gut: Der Decade war ein 10-Watt-Übungsamp, der seit den frühen Achtzigern unzähligen Einsteigern als erster Verstärker diente. Viele Jahre später erlangte er einen neuen Status, als Josh Homme von Queens of the Stone Age ihn als sein Ton-Geheimnis bezeichnete. Zur gleichen Zeit startete die Bandit-Serie und hat im Verlauf der Jahre zahlreiche Varianten hervorgebracht. Mit dem gleichnamigen Pedal bildet Peavey die Lead-Kanäle des Bandit 112 von 1990 sowie des größeren Supreme 160 in der Version mit dem blauen Streifen (auch „Teal Stripe“ genannt) unterhalb des Bedienpanels nach – Solid-State-Amps, die auch in Metal-Kreisen beliebt sind.
Beide Pedale werden als Preamp vermarktet und können neben dem konventionellen Betrieb vor einem Verstärker auch als Klangformer im Return eines Effektloops oder vor einer Endstufe verwendet werden. Optisch und in puncto Bedienung entsprechen sie im Wesentlichen ihren Vorbildern. Auf Speaker-Simulationen und sonstigen „neumodischen Schnickschnack“ wurde verzichtet – auch hier bedient Peavey klar und bewusst das Retro-Segment. Eines sei jedoch angemerkt: Die Amps waren seinerzeit unter anderem deshalb so beliebt, weil sie so günstig waren, dass sich fast jeder Gitarrist sie leisten konnte. Verglichen damit sind die neuen Pedale mit ihrem Preisschild von 199 Euro alles andere als ein Schnäppchen.
(Bild: Dieter Stork)
DECADE
Erste Anmerkung: So beliebt der Decade-Combo auch sein mag, als 10-Watt-Transistorverstärker mit einem 8″-Lautsprecher hat er natürlich seine Grenzen. Die Idee, seinen Ton in ein Pedal zu pressen, erhöht die Flexibilität und damit seine Einsatzmöglichkeiten. Grundsätzlich produziert es einen tendenziell bissigen Grundsound, der je nach Einstellung auch schnell in Fuzz-Gefilde abdriften kann. Für das Feintuning stehen fünf Regler zur Verfügung: „Pre“ (Zerranteil Input), „Post“ (Zerranteil Output) sowie EQ-Potis für „Low“, „Mid“ und „High“. Hinzu kommt ein Fußschalter mit der Bezeichnung „Saturation“, der einen zweiten, deutlich verzerrteren Ton aktiviert. Dieser ist fix vorgegeben und kann nicht separat justiert werden. Ihm wurde eine rote LED spendiert, die aber nur sichtbar ist, wenn der Bypass-Schalter das Pedal in Betrieb nimmt. Das heißt: Wenn man sich das letzte Setting nicht gemerkt hat, weiß man vorher nicht, welcher Sound einen erwartet. Das ist nicht unbedingt tragisch, aber zumindest unpraktisch. Andere Firmen haben das besser gelöst. Dort leuchtet die LED des zweiten Kanals/Sounds bereits, bevor das Pedal aktiviert wird.
(Bild: Dieter Stork)
Wie schon erwähnt, ist der Grundcharakter des Bodentreters eher bissig und grob. Die feine Klinge wird hier nicht geschwungen. Und genau diese Wesensart hat dem Decade seinen Fankreis eingebracht. Schon im ungeboosteten Zustand geht es ordentlich zur Sache, was sich unter anderem für derbe Riffs anbietet. Je nach Pickups und Attack kippt der Sound recht bald in Richtung Fuzz ab. Spätestens beim Aktivieren der Saturation ist dann endgültig Schluss mit lustig: Bei extremen Einstellungen zerbröselt der Ton geradezu. Und wie fast immer gilt: Je mehr Gain, desto stärker die Nebengeräusche. Auch der EQ greift, obwohl er im Gegensatz zum Bandit Supreme nur passiv ausgeführt ist, massiv ins Klangbild ein. Ultrascharf schneidende Klänge sind hier sehr schnell eingestellt. Wer sich dem Pedal vorsichtig nähern möchte, sollte sämtliche Potis zunächst sehr dezent dosieren. Bereits die Mittelstellung der Regler liefert einen schneidigen Ton. Mit seinen Eigenheiten bietet sich das Decade-Pedal als Spezialist für Drive-Sounds abseits der breiten Fahrbahn an. Wer in Richtung Indie, Punk, Grunge, Alternative oder Stoner unterwegs ist und ein Soundmodul sucht, das problemlos fiese Klänge liefern kann, findet hier eine interessante Option. Noch ein Wort zum Einsatz: Als Soundformer vor dem Amp funktioniert das Decade gut. Allerdings sollte man unbedingt auch die Option über den FX-Return (oder vor einer Endstufe) ausprobieren. Hier hat mir das Pedal persönlich noch besser gefallen.
Zum Schluss sei noch eine letzte Anmerkung erlaubt: Wie bei jedem Hype sollte auch die Tatsache, dass Josh Homme den Decade als Teil seines Sounds preist, mit gebührender Distanz betrachtet werden. Da sind auch noch genügend andere Komponenten im Spiel. Und das meiste kommt ohnehin stets vom Künstler selbst.
Bandit Supreme und Fazit auf Seite 2 …
BANDIT SUPREME
Der Bandit 112 war und ist eine der vielen Erfolgsgeschichten aus dem Hause Peavey. Die aktuelle Version geht als Zweikanaler mit 100 Watt für 600 € über den Tresen (oder das Förderband). Die Pedalvariante bezieht sich, wie erwähnt, auf die Ausführung von vor rund 35 Jahren und bietet einige Feinheiten in Sachen Tonformung: Neben den Reglern „Supersat“ (Zerranteil) und „Post“ (Lautstärke) greifen die drei aktiven EQ-Regler „Bottom“ (Bässe), „Body“ (Mitten) und „Edge“ (Höhen) mit je +/- 15 dB auf Wunsch massiv ins Klangbild ein. Ergänzend gibt es einen Mini-Switch für einen Gain-Boost sowie einen weiteren namens „Shift“, der das Einsatzgebiet des Body-Reglers in einen höheren Frequenzbereich verschiebt. Beide sind durch ihre Ausführung offensichtlich eher als Soundformer denn als Umschaltoption vorgesehen.
(Bild: Dieter Stork)
Wie schon das Decade liefert auch das Bandit Supreme im Standardbetrieb ohne Gain-Boost reichlich Drive. Dreht man den entsprechenden Regler weit zurück, erklingt es unverzerrt eher kühl als warm mit schnellem Attack und ohne Kompression. Die meisten Anwender dürften jedoch vor allem die breite Zerr-Palette ausreizen: Ob eher dezent klassisch bei gesetzteren Einstellungen oder scooped mit zurückgeregelten Mitten und jeder Menge Optionen dazwischen – das Pedal bietet zahlreiche Möglichkeiten. Mit den aktiven EQ-Bändern, Gain bis zum Abwinken und dem Mid-Shift-Feature als Zusatzoption lassen sich eine Vielzahl an Sounds realisieren. Aber auch hier gilt: langsam anfangen, denn auch dieses Pedal kann ziemlich heftig austeilen. Ab etwa der Mittelstellung geht es ordentlich zur Sache. Metal-Fans dürfte das gefallen. Insgesamt bietet das Bandit Supreme im direkten Vergleich mit dem Decade deutlich mehr Möglichkeiten.
RESÜMEE
Vom Combo zum Pedal: Mit dem Decade und dem Bandit Supreme hat Peavey zwei Bodentreter im Programm, die sicher ihre Freunde finden werden. Ersteres dürfte mit seiner rauen bis fuzzigen Soundcharakteristik eher Fans außergewöhnlicher Klänge ansprechen, Letzteres mit seinem blauen Band eine Zielgruppe, die sich für eine breite Palette von Drive-Sounds mit umfangreichen Feintuning-Optionen begeistern kann. Beide haben, jedes auf seine Art, Gain ohne Ende. Ob man die Pedale als Drive-Einheit vor dem Verstärker, als Soundzentrale im Effektloop oder mit einer Endstufe einsetzt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ausprobieren sollte man jedoch unbedingt beide Varianten. ●
Plus
● Konzept
● Flexible Sound-Formung (Bandit Supreme)
● Charaktervoller Ton (Decade)
Minus
● Nicht gerade billig
● „Saturation“-LED leuchtet nur in Kombi mit „Bypass“

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)