Ein neuer Player auf dem Acoustic-Spielfeld

Anker hoch, Leinen los: Anchor Guitars New York Red CW AE im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Anchor Guitars (Est. 2020) grätschen mit drei Korpusformen – Berlin = Orchestra Model; London = Parlor; New York = Dreadnought – in den heiß umkämpften Acoustic-Markt. Dahinter steht der deutsche Musikalien-Vertrieb Trius mit Sitz in Ibbenbüren, der diese Marke nun etabliert. Und wenn man weiß, dass im Ibbenbürener Stadtwappen ein Anker zu sehen ist, erklärt sich dann auch der Name …

KONSTRUKTION

Fünf Dreadnought-Modelle bietet die New-York-Serie von Anchor Guitars. Unser Test-Exemplar kommt mit Cutaway, Pickup und mattrotem Finish. Letzteres hat dann auch maßgeblich Anteil daran, dass die Gitarre irgendwie „fresh“ und neu rüberkommt, obwohl hier das Rad natürlich nicht neu erfunden wird.

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Ganz traditionsbewusst setzt sich der Korpus aus massiver Fichtendecke und Zargen sowie Boden aus laminiertem Mahagoni zusammen. Altweißes Binding gibt optisch Kontur und verstärkt die Korpuskanten. Das weiße Perloid-Schlagbrett setzt sich sehr schön vom mattroten Decken-Finish ab. Mit diesem ist die gesamte Gitarre einschließlich Halsrückseite und Kopfplatte versiegelt. An manchen Stellen fühlt es sich rauer an als an anderen, das irritiert ein wenig.

Der Hals aus Mahagoni ist am 14. Bund angesetzt und trägt ein Griffbrett, das – wie auch der Steg – aus Palisander besteht. 20 gut polierte, fein verrundete Bünde stehen zur Verfügung, kleine Dot-Inlays an den üblichen Positionen im Griffbrett und auf dessen Kante geben Orientierung.

Die kompensierte Stegeinlage und der Sattel sind sauber aus Polyphenylensulfid (PPS, ähnlich wie Tusq) gefertigt und definieren die Mensur von 648 mm. Die klassisch-schlicht geformte Kopfplatte fällt durch die coolen offenen und mattierten Mechaniken auf – die kleinen weißen Stimmwirbel erinnern an alte 50s-Mechaniken von Gibson.

(Bild: Dieter Stork)

Bei der Bord-Elektronik setzt die Crew der Firma auf Bewährtes … ein Fishman-Presys-System sorgt mit 2-Weg-Klangregelung und gut ablesbarem Tuner für angemessene Bühnentauglichkeit.

PRAXIS

Das Handling gestaltet sich sehr angenehm: Das runde C-Profil des Halses liegt satt in der Hand, Bespielbarkeit ist dank guter Werkseinstellung von Saitenlage und Halskrümmung nahezu perfekt. Klanglich macht die New York der Gattung Dreadnought alle Ehre. Satte, aber nicht übertriebene Bässe und insgesamt eine frische klare Ansprache mit gutem Attack, ordentlicher Dynamik und ausgeprägtem Sustain sorgen für Pluspunkte.

Ein guter Allrounder stellt sich hier vor, der Fingerstyle, Strumming und/oder Slide-Einsatz mühelos umsetzt. Beim Spiel über Pickup ist erstmal besonders wichtig, dass alle Saiten ausgewogen gleichlaut übertragen werden. Hier ist leider die hohe E-Saite leiser als die übrigen Saiten, wobei es sich nach Rücksprache mit dem Hersteller und einer Prüfung des Lagerbestands um eine Ausnahme handelt. Und rein klanglich kann natürlich bei einem Fishman-System nichts schiefgehen. Daumen hoch!

RESÜMEE

Ein frischer Wind im Zeichen des Ankers – herzlich willkommen Anchor Guitars. Ganz geschickt zitiert der Hersteller verschiedene klassische Acoustics – ich entdecke hier ein bisschen Martin, dort einen Hauch Gibson oder eine Prise Godin – und schafft so etwas Eigenes. Sollte man unbedingt mal antesten!

PLUS

  • Design, Finish
  • Hardware
  • Werkseinstellung
  • klarer, kraftvoller Sound

MINUS

  • Finish nicht einheitlich glatt


(erschienen in Gitarre & Bass 06/2022)

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