Seit mehr als 40 Jahren steht der deutsche Bassist und Sänger Peter „Peavy“ Wagner mit seiner Band Rage auf der Bühne. Die Herner Metal-Formation gehört nicht nur zu den langlebigsten, sondern auch erfolgreichsten Acts ihres Genres.
Tourneen rund um den Globus, spektakuläre Shows von Wacken bis Fernost, Konzerte und Alben mit klassischem Orchester, Teilnahmen an wichtigen Contests sowie überaus erfolgreiche Soundtracks (‚Straight To Hell‘ in ‚Der Schuh des Manitu‘), aber auch schmerzhafte Trennungen von Mitmusikern: Es gibt zahllose Storys, Anekdoten und Hintergrundinformationen über das Leben des sympathischen Musikers, der seine Erinnerungen in Buchform zusammengetragen und jetzt auch als Hörbuch veröffentlicht hat, Titel des Werks: ‚Soundchaser – Lebenslänglich Heavy Metal – Mein Leben mit Rage‘.
Der besondere Spaß am Audio-Buch: Es wurde von Schauspieler Ralf Richter (wer erinnert sich nicht an Kultfilme wie ‚Das Boot‘ oder ‚Bang Boom Bang‘?) gesprochen. Wir haben das zum Anlass genommen, um den 61-jährigen Bassisten und Sänger nach seinem aktuellen Gear zu befragen.
ESP FOREST B5 CUSTOM 5-STRING
(Bild: Wagner)
Wagner: Mein Hauptbass ist ein ESP Forest B5, hergestellt in Tokio, handgefertigt im ESP Custom-Shop, demzufolge ein wirklich hochwertiges Teil. Mein erstes von zwei absolut baugleichen Instrumenten habe ich bereits 1995 bekommen, unmittelbar bevor wir das Album ‚Black In Mind‘ eingespielt haben. Seit dieser Zeit ist der Forest B5 eigentlich immer mein Hauptinstrument gewesen, zumindest im Studio, abgesehen von einigen Monaten in den frühen 2000er Jahren, als ich zeitweise zusätzlich einen Yamaha-Bass eingesetzt habe. Allerdings bin ich recht schnell wieder zu meinem „Forest-Schätzchen“ zurückgekehrt.
Irgendwann beschlich mich zunehmend mehr die Sorge, das edle Teil könnte verlorengehen, zerstört oder gestohlen werden. Darum habe ich die Mitarbeiter von ESP um einen zweiten, neuen und baugleichen Bass gebeten. Seit 2021 begleitet mich jetzt der neue Forest B5 auf unseren Tourneen, während der alte, mittlerweile immerhin stolze 31 Jahre jung, hauptsächlich im Studio zum Einsatz kommt.
Ich mag an beiden Bässen, dass sie aufgrund der schlanken, geschmeidigen Ahorn/Rosewood-Hälse mit 24 Bünden auf einem Erle-Korpus sehr bequem bespielbar sind. Der Sound ist heavy und knurrig, so wie ich es gerne mag. Übertragen wird der natürliche Klang des Instruments von einem Bartolini 74-MV5C-Humbucker. Auf jegliche Klangregelung am Instrument habe ich verzichtet, dafür sind meine Amps zuständig.
ENGL BASS RACKHEAD 1060
Die ENGL-Stacks hatte ich bis vor wenigen Jahren regelmäßig mit auf Tournee, mittlerweile kommen sie hauptsächlich im Studio zum Einsatz. Die beiden ENGL Rackhead 1060 erzeugen ihren Sound mit Röhren in der Vorstufe, arbeiten ansonsten aber mit Transistoren, wodurch sie leichter zu handhaben sind. Mir gefällt vor allem die tolle Klangregelung, ergänzt von einem Equalizer.
AMPEG STACK SVT 2
(Bild: Wagner)
Bevor ich mich für die ENGL-Anlage entschieden habe, war ein Ampeg-Stack mit dem klassischen SVT 2 und zwei 8x10er Cabinets meine erste Wahl. Heutzutage ist dies meine Ersatzanlage oder wird bei Flugshows oder Festivals auch schon mal vor Ort angefordert. Als diese Anlage um 1990 herum auf den Markt kam, war ich einer der ersten, der sie spielte. Diese Anlage ist für alle Rock- und Metal-Bassisten ein absoluter Klassiker, ihr Sound ist unverwechselbar, der Stack absolut unverwüstlich.
Die Boxen wurden mir leider irgendwann gestohlen, aber den Amp besitze ich immer noch. Er hat so ziemlich alles überlebt. Darunter war ein schwerer Busunfall, eine Kollision mit einem LKW, einmal ging er in Flammen auf, woraufhin mir die Techniker ihn wieder neu verlötet haben, zudem hat er schon den x-ten Satz Röhren verbraten, klingt aber immer noch sehr gut. Vermutlich wird mich das Ding überleben.
TECH 21 NYC SANS AMP BASS DRIVER DI
(Bild: Wagner)
Bei manchen Flugshows, wenn wir also mit leichtem Gepäck reisen müssen, spiele ich einen Tech 21 NYC Sans Amp Bass Driver DI. Der passt praktischerweise in den Bass-Koffer und wiegt fast nix. Dafür ahmt er perfekt alle gewünschten Sounds nach und ist relativ leicht einzustellen.
SHURE GLXD16+ SENDER/EMPFÄNGER
Als Senderanlage benutze ich die Shure GLXD16+ Sender/Empfänger-Kombination, die gleichzeitig als Stimmgerät dient, dabei praktischerweise den Sound muted, so dass man beim Stimmen auf der Bühne die sonstigen Anwesenden nicht unnötig nervt. Außerdem ist das Teil zum Glück sehr robust, lediglich die Buchse für den Stromanschluss könnte optimiert werden.
ENKI BASS-CASE
Mein Bass-Case stammt von Enki, etwas Solideres findet man auf dem Markt wohl kaum. Zwei Instrumente passen locker rein und können absolut stoßsicher transportiert werden. Zusätzlich hat das Case jede Menge Stauraum.
Ein weiterer enormer Vorteil: Das Case wiegt verhältnismäßig wenig, besteht aus einem äußerst soliden Kunststoff und hat unzerstörbare Rollen, die nicht einmal die Gepäckabfertigungen an Flughäfen wie dem Charles de Gaulle in Paris oder Schiphol in Amsterdam zerstören können, wofür diese Airports bekanntermaßen berühmt/berüchtigt sind.
Meine Bass-Strings stammen von Thomastik Infeld, einer Wiener Traditionsfirma, die hauptsächlich Saiten für klassische Instrumente herstellt und somit absoluter Experte auf diesem Gebiet ist. Auch bei der Langlebigkeit sind diese Strings unschlagbar. Ich hatte schon alle möglichen anderen Fabrikate in Gebrauch, doch seit ich Thomastik-Infeld-Saiten spiele, kommt mir nichts anderes mehr aufs Griffbrett.
Thomastik Infeld produziert seit ca. 30 Jahren Saiten für elektrische Instrumente, haben aber gleichzeitig eine mehr als 100-jährige Expertise im Bereich Klassik. Ich spiele die Powerbass EB 345 Roundwound Saiten in den Stärken 047, 068, 080, 107 und 119, sie haben einen hexagonalen Kern aus hochfestem Stahl, sind mit Magnecore umspinnt und wurden in Handarbeit auf mikroprozessorgesteuerten Maschinen hergestellt.
LAST BUT NOT LEAST: ESP CUSTOM ERSATZBASS
Der zweite ESP-Custom-Bass mit RageBandlogo auf der Kopfplatte, den Peavy zur Produktion von ‚Unity‘ bekommen hat (Bild: Wagner)
Ich besitze noch einen weiteren ESP-Bass, den ich allerdings nur gelegentlich spiele. Er stammt ebenfalls aus dem Custom Shop, die genauen technischen Specs kenne ich leider nicht. Ich habe den Bass zur Produktion unseres ‚Unity‘-Albums bekommen. Er hat recht aufwändige Perlmutteinlagen im Griffbrett, nämlich das ägyptische Ankh, das ich damals als mein persönliches Logo für die Scheibe gewählt hatte.
Für den Dauerbetrieb ist mir der Bass jedoch etwas zu schwer und zu kopflastig, was in meinem Fall etwas ungünstig ist, da ich auf der Bühne gern beim Anschlagen von Leersaiten mit der freien Hand herumfuchtele, um das Publikum zu animieren. Dennoch sieht das Teil richtig scharf aus!