Workshop

Americana: Americana Sounds

Anzeige

Neben den Licks, Akkorden und Techniken, die ich dir in den bisherigen Folgen dieser Workshop-Reihe vorgestellt habe, spielt der Sound eine besondere Rolle im Americana-Genre. Welche Werkzeuge man dafür verwendet und welche typischen Klänge sich damit erzeugen lassen, erfährst du in dieser Folge.

Anzeige

GITARREN & AMPS

Für das Americana-Genre eignen sich alle klassischen Gitarrenmodelle der Marken Fender, Gibson und Gretsch sowie Exoten wie Danelectro, Silvertone, Kay und andere amerikanische Billigmarken. In den meisten aktuellen Americana-Bands gibt es eine leichte Präferenz für Fender-Modelle wie Telecaster oder die Jazzmaster. Als Amp ist ein Fender Deluxe Reverb ein vielseitiges Arbeitsgerät. Mit einer Leistung von knapp 20 Watt lässt er sich leicht in den angezerrten Bereich regeln, ohne Monster-Lautstärke zu produzieren. Kleinere Amps in diesem Leistungsbereich gab und gibt es auch von Gibson, Supro und Magnatone.


EFFEKTE

Effekte in Pedalform waren zwischen 1930 und Mitte der 1960er-Jahre noch keine Selbstverständlichkeit. Verzerrung erzielte man durch Übersteuerung des Amps. Der Tremolo-Effekt tauchte schon in den 1950er-Jahren in einigen Amps auf, ein eingebauter Federhall wurde jedoch erst ab Mitte der 1960er-Jahre zum Standard bei Fender. Magnatone hatte mit einem eingebauten Vibrato ein Feature, das, soweit mir bekannt, von keinem anderen Amp-Hersteller dieser Zeit angeboten wurde. Delay und Reverb wurden zuerst nur im Studio erzeugt, bevor Vorschaltgeräte wie das Tape-Echo und der Fender Tube Reverb diese Sounds live auf der Bühne reproduzieren konnten.

(zum Vergrößern klicken!)

PLAY IT

In Beispiel 1 und 2 seht ihr zwei Anwendungen der Verstärker-Verzerrung.

Während Beispiel 1 eher in den Fifties angesiedelt ist, zeigt Beispiel 2 eine schrammelige Akkordbegleitung, wie man sie oft im Alternative Country hört.

Eingespielt wurden beide Beispiele mit einem Swart Atomic 15. Bei Beispiel 1 war der Verstärker zu drei Viertel aufgedreht, bei Beispiel 2 stand er auf Rechtsanschlag.

Beispiel 3 zeigt ein moderates Triangle-Wave-Tremolo, das ebenfalls aus dem Swart-Amp stammt. Diese Art des Tremolos findet man auch in Fender-Blackface-Verstärkern.

Beispiel 4 ist an Link Wray angelehnt und verwendet ein Square-Wave-Tremolo aus einem Fulltone Supa Trem.

Beispiel 5 ist eine Rockabilly-Begleitung mit Slapback-Echo im Stil von Scotty Moore. Sie wurde erst mit einem Echoplex EP3 und dann, im zweiten Durchgang, mit einem Catalinbread Belle Epoch eingespielt. Das Echo hat nur eine Wiederholung.

Beispiel 6 zeigt denselben Effekt im Blues-Zusammenhang.

Beispiel 7 ist ein Fifties-Lick mit Vibrato-Effekt. Ich habe ein Surfy Industries SurfyVibe verwendet, um den orgelartigen Sound zu erzielen.

Beispiel 8 zeigt den Einsatz eines Tube-Reverbs für ein E-Double Picking-Lick im Dick Dale-Stil.


MEIN SETUP

Ich habe mir für Konzerte im Americana Stil ein kleines Pedalboard zusammengestellt, das nur Effekte erzeugt, die es schon vor 1965 gab. Die Verzerrung mache ich mit einem Lovepedal Les Lius (leichter Crunch), den ich mit einem Fulltone OCD für krachigere Zerre kombiniere. Delay kommt von zwei Catalinbread Pedalen (Belle Epoch + Belle Epoch Deluxe), Tremolo von einem Fulltone Supa-Trem Mini, das Vibrato vom SurfyVibe. Ein EP Pre von Clinch FX erhöht Output und Brillanz des Signals im Stile eines vorgeschalteten Echoplex.

Viel Spaß beim Hören und Sound-Experimentieren! ●


ANREGUNGEN UND KRITIK KÖNNT IHR WIE IMMER UNTER MARTIN@THE-INCREDIBLE-MR-SMITH.COM LOSWERDEN

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.