(Bild: Dieter Stork)
Seit kurzem schlägt mit Thorn Soundlabs eine neue Firma Wellen in der unüberschaubaren See der Effektpedale. Im Test konnten bereits einige Kreationen überzeugen. Jetzt habe ich mit dem Steambass ein weiteres Pedal speziell für die tieftönende Fraktion auf dem Tisch.
AUFBAU
Die Firma wirbt mit ihrer Herkunft aus der „Music City” Nashville und der „Gruppe von Ingenieuern, erfahrenen Tourmusikern, Branchenveteranen und leidenschaftlichen Sound-Enthusiasten” hinter den Pedalen. Sie will Effektpedale neu definieren und Werkzeuge entwickeln, die Musiker dazu inspirieren, den Klang zu erforschen und zu gestalten. Ersteres können wir nicht überprüfen, Letzteres wird der Test zeigen!
Um alle Regler und Schalter entspannt unterbringen zu können, steckt der Steambass in einem etwas größeren und höheren, soliden Metallgehäuse. Die Oberseite ziert ein gut lesbarer 3D-Druck mit der namensgebenden Dampf-Grafik. In natura wirkt diese dezenter als auf den Fotos, die ich im Netz finden konnte. Die Regler sind allesamt verschraubt und die Schalter rasten satt ein, was einen sehr guten Eindruck macht.
Die Buchsen für Input und Output sowie der Anschluss für ein optionales Netzteil befinden sich an der Stirnseite, was für die Montage auf dem Pedalboard meist bevorzugt wird. Das Netzteil muss 9 Volt in der üblichen Polung liefern, der Verbrauch des Pedals liegt bei sparsamen 29 mA. Während Thorn den Betrieb mit bis zu 18 Volt für mehr Headroom sonst ausdrücklich erlaubt, wenn nicht gar empfiehlt, wird das beim Steambass explizit verboten.
Apropos Montage auf dem Pedalboard: Sehr durchdacht von Thorn finde ich, dass gleich zwei Aufkleber für die Unterseite enthalten sind: einmal Gummi für den Boden und einmal Klett fürs Board.
Threshold eröffnet oben links den Reigen der Regler. Hier wird mit dem Schwellenwert eingestellt, ab welchem Pegel der Effekt überhaupt einsetzen soll. Ganz nach links gedreht, mit niedrigster Schwelle, wird jeder noch so zarte Anschlag bereits bearbeitet, weit nach rechts gedreht wird je nach Outputstärke des Instruments auch das härteste Reinlangen nicht mehr bearbeitet. Wie bei den meisten Pedalen gibt es auch hier keinen extra Gainregler für die Anpassung ans Instrument.
Ich kann schon jetzt spoilern: Auch mein Yamaha Attitude, der ein absolutes Output-Monster ist, lässt sich sauber einfangen und bearbeiten, ohne dass Verzerrungen auftreten. „Amount” regelt die Intensität der Kompression. Meistens wird das als Ratio bezeichnet, also als Verhältnis, und es wird auch gerne als Schalter eingebaut. 2:1 bedeutet, dass ein Anstieg des Signals um 2 dB über dem Schwellenwert im Output auf 1 dB reduziert wird.
Bei Thorn ist das ein stufenloser, nicht weiter definierter Regler. Genauso ist es auch bei den nächsten beiden. „Attack” gibt vor, wie schnell die Kompression einsetzt. Wir bewegen uns hier im Millisekundenbereich. Bei schnellen Einstellungen mit zugedrehtem Regler setzt der Effekt nahezu ohne Verzögerung ein und komprimiert auch den Attack. Je weiter der Regler aufgedreht wird, desto später kommt die Kompression ins Spiel.
Release sagt dem Pedal, wie schnell es das eingefangene Signal wieder loslassen soll, nachdem das Signal, das die Kompression ausgelöst hat, wieder unter den Threshold gesunken ist. Damit lässt sich die Ausklingphase beeinflussen. Man ahnt bereits, dass ein zackiger Slapbass andere Einstellungen von Attack und Release benötigt als ein getragener, singender Fretless. (Langsamer Attack / schnelles Release, schneller Attack / langsames Release ist eine gute Faustregel.)
Mit dem mittigen Minischalter kann jedoch auch der Automatikmodus ausgewählt werden. In diesem sind Attack und Release nicht mehr einstellbar, sondern werden automatisch anhand des Eingangsmaterials verändert. So erhält der Slapbass ganz von selbst die perfekte Kompression, ebenso wie der Fretless.
Je nach Einstellung der Parameter kann das komprimierte Signal im Verhältnis zum unbearbeiteten Eingangssignal deutlich leiser werden. Um dies auszugleichen, passt der Outputregler den Ausgangspegel an. Das Poti geht nicht ganz auf Null, auch ganz zugedreht kommt noch etwas. Um gänzlich stummzuschalten, gibt es jedoch elegantere Lösungen als ein Kompressorpedal, nicht wahr?
So, den für mich spannendsten Knopf habe ich mir noch aufgespart: Er gibt dem Steambass den extra Flex. Kompressoren arbeiten, wie gesagt, abhängig vom Eingangssignal. Da tiefe Frequenzen mehr Energie haben als hohe, führt das gerade bei einem Instrument mit so großem Frequenzspektrum wie dem E-Bass dazu, dass ein Ungleichgewicht entsteht, wenn Höhen weggebügelt werden, weil die Bässe so mächtig sind.
Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Ansätze: Dazu gehören Multiband-Kompressoren, die das Signal splitten und getrennt bearbeiten, Hochpassfilter, die die Bässe aus der Ansteuerung des Kompressors nehmen, sowie parallele Kompression, mit der sich ein cleanes Signal wieder zuregeln lässt. Der Detail-Regler am Steambass ist „nur” ein Boost der Höhen und Hochmitten um bis zu 15 dB und soll das verlorene Topend wieder zurückbringen.
(Bild: Dieter Stork)