Workshop
Solo Basics: Double Stops / Pentatonic Dyads
von Wolfgang Kehle, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Shutterstock / Gansstock)
Heute greifen wir mit der Pentatonik ein Thema auf, das auf den ersten Blick bereits in etlichen YouTube-Tutorials und Lehrbüchern erschöpfend besprochen wurde. Fast jede Gitarristin hat als erstes die A-Moll-Pentatonik in der V-Lage gelernt, und die meisten Gitarristen üben dann die fünf Positionen derselben auf dem Griffbrett. Und was passiert danach? Beim Versuch, diese Kenntnisse beim Solieren anzuwenden, nudelt man sehr oft den Fingersatz rauf und runter.
Wir betrachten das Thema heute aus einem ganz anderen Blickwinkel. Unser Ausgangspunkt ist die G-Dur-Pentatonik in der II. Lage, zu sehen in Beispiel 1.
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In den Noten kennzeichnen die dachförmigen Linien die Verbindungen, die entstehen, wenn man z.B. ausgehend vom ersten Ton G der Pentatonik den zweiten Ton A weglässt und G mit B kombiniert. So entstehen sogenannte „Dyads“, am besten übersetzt als „Zweiklänge“ (Beispiel 2).
Spielt man die durch, erklingen vertraute Klänge, als erstes eine große Terz, und dann vier reine Quarten. Spielt man die Dyads quasi arpeggiert, entsteht die Sequenz aus Beispiel 3.
Und wer bis jetzt sicher war, diese Position der Pentatonik sicher zu beherrschen, könnte auf ungeahnte Schwierigkeiten stoßen. Spielt man die Pentatonik rauf und runter, greift das sogenannte „Muscle Memory“ − man muss nicht mehr nachdenken, welcher Ton als nächstes kommt. Bricht man diese gewohnte Ordnung auf, werden die Karten neu gemischt.
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Das gilt auch für die Sequenz in Beispiel 4, bei der die Dyads immer abwechselnd aufwärts und abwärts gespielt werden. Die Denkprozesse sind am Anfang anstrengend, aber dafür äußerst produktiv. Man lernt das Griffbrett viel besser kennen und bricht aus dem Gefängnis des Rauf- und Runterspielens aus.
„Out of the box“ ist das Motto von Beispiel 5. Jetzt spielen wir die Dyads horizontal, und zwar auf allen fünf möglichen Saitenpaaren. Wer dabei Verwandtschaften zu John-Mayer-Licks erkennt, hört richtig. Der hat genau das geübt!
In Beispiel 6 geht es wieder über das ganze Griffbrett, dieses Mal aber mit Vierton-Motiven, die zwei benachbarte Dyads miteinander verbinden. Solche Vierton-Motive sind ein beliebtes Tool in unzähligen Rock-Solos. Die Systematik dieser Etüde schult die Griffbrett-Orientierung und das innere Ohr enorm.
In Beispiel 7 lernen wir eine weitere Anwendung der Dyads kennen. Jimi Hendrix wurde auch berühmt durch seine „Double Stops“. Der Begriff wird Synonym für „Dyads“ benutzt. Jimi hat nicht ausschließlich pentatonische Double Stops gespielt, aber auf die wollen wir uns hier zunächst beschränken. Wir spielen, wie im ersten Takt zunächst den Double Stop und dann ausgehend vom tieferen Ton den Nachbarton aus der Pentatonik. Auch hier brauchen wir Griffbrett-Kenntnisse.
Man kann die Dyads auch durch den nächsten tieferen Ton zu Triads erweitern wie in Beispiel 8. Die klingen sehr cool, und aus ihnen lassen sich auch Double-Stop-Licks wie in Beispiel 9 kreieren.
Die Soundfiles und das Playback zu diesem Workshop basieren übrigens auf einer modifizierten Akkord-Progression des Hendrix-Klassikers „Little Wing“. Mehr dazu in der nächsten Folge. ●
(erschienen in Gitarre & Bass 10/2025)
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