Kleines Wort mit großer Wirkung!

Repair Talk: Neubundierung

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Abb. 1: Verschleiß am Bund in Form von Dellen und Kuhlen …

Hallo und herzlich willkommen zu meinem Repair-Talk rund um das Thema Bünde. Angeregt durch immer wiederkehrende Anfragen an meine Werkstatt, möchte ich versuchen, die allgemeine leichte Verunsicherung bei diesem Thema mit Fakten und Hintergrundinfos zu beruhigen.


Neubundierung Teil 1
Neubundierung Teil 2
Neubundierung Teil 3
Neubundierung Teil 4
Neubundierung Teil 5
Neubundierung Teil 6
Neubundierung Teil 7
Neubundierung Teil 8
Neubundierung Teil 9
Neubundierung Teil 10
Neubundierung Teil 11
Neubundierung Teil 12
Neubundierung Teil 13

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Teil 1

Die Anfragen kommen aus den unterschiedlichsten Lagern. Da sind die ganz Nervösen, die schon bei leichten Spielspuren im Bundmaterial über eine komplette Neubundierung nachdenken (weil das mal irgendwo so gelesen wurde) bis hin zu den ganz Lässigen, die tolle Gitarren besitzen, welche aber in Punkto Bunddraht völlig runtergespielt sind – also quasi schon von selbst nach Service schreien – und somit ihr Potential in Sachen Sound und Bespielbarkeit gar nicht entfalten können.

Ich bin der Überzeugung, dass beiden Lagern (und auch der Masse in der Mitte) mit etwas Info geholfen werden kann, Notwendiges für sich und sein Instrument herauszupicken, um das Erforderliche für die gewünschte Bespielbarkeit zu erkennen, ohne dabei jedoch über das Ziel hinauszuschießen.

Auch wenn es im ersten Schritt nicht sinnvoll ist, über Do-It-Yourself-Methoden nachzudenken, hilft es mit Sicherheit bei der Einschätzung der Gesamtsituation, wenn der interessierte Gitarrist/Bassist praxisbezogen erfährt, was hinter den immer wieder auftauchenden Begriffen wie Neubundierung, Bünde abrichten, Gitarre einstellen, etc. steckt.

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Die große Frage nach dem „Warum“

Bevor es aber ins Detail geht, zunächst mal die grundsätzliche Frage: Warum sollte überhaupt etwas an den Bünden des gehüteten Instruments gemacht werden? Hier kann es die unterschiedlichsten Gründe für einen Eingriff geben: Am häufigsten sind ab- oder runtergespielte Bünde der Grund für verlorengegangene Spielfreude (Abb. 1).

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Abb. 2: … bis kaum noch etwas übrig ist

Da die meisten Bünde aus 18 % Neusilber (einer Messinglegierung) bestehen, wirken die härteren Stahlsaiten wie eine Art Schabwerkzeug, welches beim Spielen – insbesondere beim Saitenziehen – langsam aber stetig Material vom Bunddraht abträgt. Häufig unterstützt durch aggressiven Handschweiß, entstehen so Kuhlen oder Dellen im Bund. Im Extremfall wird dann der Bunddraht komplett flach geschabt, ohne eine noch erkennbare Krone (Abb. 2). Egal ob Kuhle, Delle oder schon blanke Metallschiene, es kommt natürlich noch ein Ton, aber der Verschleiß macht sich langsam aber sicher auch in der Qualität des Sounds und der Bespielbarkeit bemerkbar.

Verschleiß contra Sound

Es liegt in der Natur der Sache (und auch am Liedgut), dass nicht alle Bünde gleichmäßig abgespielt werden. Dadurch entstehen unterschiedlich hohe Bünde, was sich in unterschiedlich sauberen Tönen bemerkbar macht. Ein zu tiefer Bund vor einem hohen, noch frischeren Bund neigt eher zum Saitenscheppern als es bei einer gleichmäßigen Bundhöhe der Fall wäre. Hier ist jetzt weniger die Mini-Delle zu bedenken sondern vielmehr die durch jahrelanges Saitenziehen in der Lieblingstonart entstandene Kuhle, da dann dem Bund schon mal ein paar Zehntel von der Krone weggeschrubbt wurden. Und das hört man dann. Zum einen durch einen höheren Schepper-Anteil, aber auch der Ton wird unsauberer. Wird die Krone des Bundes sehr breit, weiß die gedrückte Saite gar nicht so recht, wo sie jetzt abgestoppt wird (Abb. 3 unten).

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Abb. 3: Verschlissene Bünde im Schnitt: Da wird es schwierig mit dem sauberen Ton.

Um sauber zu intonieren, sollte die Saite in der Mitte des Bunddrahtes abgestoppt werden (so ist die Position des Bunddrahtes/Bundschlitzes berechnet). Eine ausgeprägte Kuhle verschiebt dann schon mal schnell den Auflagepunkt um mehrere Zehntel Millimeter, was eine saubere Intonation erschwert, bzw. unmöglich macht, da die gedrückte Saite nun eine andere Saitenlänge und damit eine andere Tonhöhe als berechnet hat. Die Verstimmung liegt zwar nicht im Viertelton-Bereich, kann aber im Bandgefüge zwischen angenehmen und schrägen Tönen (und Blicken) entscheiden.

Flacher Kopp – flacher Ton

Der totale Flachkopp – also eine komplett abgeschabte Bundkrone (Abbildung 3 unten) – bringt zudem die Gefahr, dass die Saite auf der ggf. sehr breiten Auflagefläche zu einem Sitar-Effekt neigt. Dann hat die Saite ein leichtes „Sisseln“ im Oberton. Man muss dann schon sehr sauber und nah am Bund greifen, um einen klaren Ton zu erzielen. Und dies wird dann durch den flachen Bund nicht gerade erleichtert, da es die Fingerkuppe durch den Griffbrettkontakt schwer hat, die Saite zu kontrollieren.

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Abb. 4: Griffbrettkontakt kann auch nützlich sein

Was nun auch nahtlos zu einem anderen Grund für Arbeiten an den Bünden überleitet: Ein flaches oder nicht gefälliges Bundprofil. Da sind die Geschmäcker und Anforderungen vielseitig. Die eine Fraktion braucht für ihre Rhythmusarbeit eher flachere Bünde, die durch den leichten Griffbrettkontakt (Abb. 4) etwas Führung geben, während andere höhere Bünde brauchen, damit sich Bendings im Solo quasi wie von alleine spielen (Abb. 5). In der Tat kann eine Gitarre, die in Punkto Sound und Handling schon überzeugt, aber in der Bespielbarkeit noch etwas spröde ist, eventuell durch ein anderes Bundprofil noch näher an den persönlichen Geschmack gebracht werden.

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Abb. 5: Hohe Bünde helfen beim Ziehen der Saiten

Bevor es jetzt aufgrund zu vieler Optionen und Fakten verwirrend wird, legt der Repair Talk eine kleine Pause zum Sacken lassen ein, bevor es dann beim nächsten Mal mit frischem Kopf weitergeht. Bis dann, der Doc. [3039]

Teil 2

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Abb. 1: Der sitzt nicht richtig!

Davon ausgehend, dass sich die Informationen aus dem ersten Teil meines Repair Talks gesetzt haben, soll es nun ohne unnötige Umwege schnurgerade weitergehen, um so zu klären, welche Bundarbeiten nötig sein könnten (und welche nicht), um aus der Gitarre die optimale Bespielbarkeit herauszuholen.

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Abb. 2: Mit einem Metallstreifen werden hochstehende Bünde aufgespürt

Was kann, und was muss?

Weniger eine Option sondern eher ein Soll sind Bundarbeiten bei losen bzw. hochstehenden Bünden (Abb. 1). Da sollte jetzt keine Panik aufkommen, aber bei vielen Gitarren wird die Soll-Situation (Bund sitzt im Schlitz direkt auf dem Griffbrett) nicht erreicht. Nimmt man einen dünnen Metallstreifen (Abb. 2 – etwa den 5/100 einer Fühlerlehre) wird sich bei vielen Gitarren ein leichter Spalt zwischen Unterkante Bund und Oberkante Griffbrett aufspüren lassen. Das ist jetzt nicht Schulbuchmäßig und es lässt sich bei einem lebendigen Werkstoff wie Holz (quellen/schrumpfen) kaum oder gar nicht vermeiden. Sitzt der Bund fest, kann man damit leben und arbeiten.

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Abb. 3: Leichte Überzeugungsversuche …

Anders verhält es sich bei losen Bünden. Oftmals machen sich diese durch scharfkantige Bundkanten bemerkbar, da die hochstehende Metallkante eine sehr rau wirkende Griffbrettkante erzeugt. Mit dem Hammer lässt sich der Bund in den Schlitz hineindrücken (Abb. 3), taucht aber sofort wieder auf (Abb. 4). Auch diese Gitarre wird sich noch irgendwie spielen lassen (mit einer höheren Saitenlage) aber so ein loser Bund schluckt Energie und eine uniforme Bundhöhe ist faktisch nicht zu erreichen. Ergebnisorientiert denkt man natürlich sofort ans Ausbessern durch Verkleben. Das Problem ist jedoch: Ein loser Bund kommt selten alleine. Häufig stimmt die Abstimmung von Schlitzbreite zu Bundfuß über das gesamte Griffbrett nicht. Ist der eine Bund fixiert, gibt ein anderer auf – ähnlich dem berühmten Kampf gegen Windmühlen und zudem unbefriedigend für Handwerker und Kunden. In diesem Fall ist es – soweit das Instrument es wirtschaftlich zulässt – ratsam, über den Austausch der Bünde, also eine Neubundierung, nachzudenken.

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Abb. 4: … greifen nicht

Mal was Neues ausprobieren

Wieder mehr in Richtung „kann, muss aber nicht“ wäre auch ein Austausch der Bünde, um auf ein anderes Bundmaterial zu wechseln. Die größtenteils verwendeten Neusilberbünde sind bewährt und bekannt, jedoch wird der ein oder andere beim Spielen einer Gitarre mit Edelstahlbünden bemerkt haben, dass sich dort das Saitenziehen anders anfühlt. Das braucht nicht jeder Gitarrist, für viele funktioniert jedoch das Reinziehen in den Ton noch ein kleines bisschen geschmeidiger. Also auch ein Kann-Argument, um der ansonsten gefälligen Gitarre die noch fehlenden Extrapunkte in der Bespielbarkeit zu spendieren.

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Abb. 5: Schreit nach Service: Vernachlässigte Zweitgitarre

Neben den bis hierhin aufgeführten Gründen für einen Service im Bereich der Bünde gibt es natürlich auch noch andere Situationen, bei denen Erste Hilfe und Hausmittel versagen. Die auf Abb. 5 zu sehende vernachlässigte Zweitgitarre vereint lose, total angelaufene Bünde mit einer hartnäckigen Staubkruste in den Zwischenräumen. Auch hier ist die Neubundierung das Mittel der Wahl, da die Bünde eh kaum zu retten sind und durch den Griffbrettschliff auch gleich die Staubkruste entfernt wird.

Genug gesucht

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Abb. 6: Bünde und Griffbrett könnten einen Service gut gebrauchen …

Um jetzt nicht endlos weiter nach dem „warum“ zu forschen, sondern stattdessen lieber mehr in Richtung „was geht?“ zu schauen, kommt exemplarisch eine alte Gibson Les Paul auf den Tisch. Die Bünde sind so flach gespielt, dass ein Schleifen/Abrichten nicht mehr funktioniert, weil ein Verrunden (Verkronen/Profilieren) der platten Bundoberkanten nicht mehr möglich ist. Das wenig gepflegte Griffbrett (Abb. 6) sowie der verbrauchte Sattel (Abb. 7) lassen in der Summe nur eine Lösung zu, um solch einer Gitarre wieder die mögliche Spielfreude zu entlocken: Die komplette Neubundierung.

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Abb. 7: … der Sattel aber auch

Dieser kurze viersilbige Begriff ist an sich selbsterklärend, umfasst aber eine Vielzahl von Teilschritten, die dieses kleine Wort gar nicht vermuten lässt. Selbst Fachwerkstätten definieren den Umfang der Arbeiten individuell unterschiedlich. Ohne jetzt den Anspruch auf den einzig möglichen oder richtigen Weg zu erheben, möchte ich im Folgenden eine in meiner Werkstatt gut funktionierende Variante besprechen. Grob strukturiert, verläuft die Neubundierung nach folgendem Arbeitsablauf:

1.) Kontrolle der Bünde und des Halsstabs – Diagnose

2.) Entfernen der Bünde und des Sattels

3.) Ggf. Griffbrett schleifen/abrichten, Bundschlitze bearbeiten

4.) Bünde zuschneiden und einsetzen

5.) Bundkanten bearbeiten, Bünde abrichten/schleifen und polieren

6.) Neuen Sattel fertigen und anpassen

7.) Gitarre komplett einstellen Das sprengt natürlich den Rahmen eines einzelnen Repair Talks. Während der durchaus umfangreiche Stoff dieser Folge sackt und verarbeitet wird, mache ich schon mal das Werkzeug klar, um dann im nächsten Repair Talk mit der kompletten Neubundierung loszulegen.

Bis dahin, der Doc [1647]

Teil 3

Diagnose und erste Schritte

Und schon geht es weiter hier im Repair Talk mit dem Thema „komplette Neubundierung“. In den letzten zwei Folgen wurde genug Theorie durchgekaut, nun soll die Praxis folgen. Bevor jetzt aber rohe Kräfte vorschnell walten, lohnt es sich, das Instrument als Ganzes noch einmal kurz zu inspizieren.

Die Statik muss mitspielen

Das Arbeiten an den Bünden führt nur zu einem brauchbaren Resultat, wenn die Gitarre statisch okay ist. Bei diesem Punkt spielt der Halseinstellstab (T-Rod) eine entscheidende Rolle. Daher empfehle ich, vor allen weiteren Arbeiten in Richtung Neubundierung/Bünde abrichten, die Funktion des T-Rods zu überprüfen. Lässt sich der Hals gut einstellen? Abb. 1 zeigt einen Hals, der trotz komplett angezogener T-Rodschraube (bis kurz vor Angst) noch einen erheblichen Durchhang hat. Zu erkennen ist dies am Luftspalt zwischen dem aufgelegten Lineal (oben) und der Oberkante der Bünde.

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Abb. 1: Risikobaustelle mit nicht einstellbarem Hals

Grundsätzlich kann man die Statik des Halses durch eine Bundierung in gewissen Grenzen beeinflussen (dazu später). Ist der Hals statisch jedoch komplett ausgereizt (das gilt für Probleme in beide Richtungen) ist es fraglich, ob man Arbeit und Zeit in diese Risiko-Baustelle investieren sollte, da die anvisierte optimale Bespielbarkeit nur mit Glück und auch nur in den seltensten Fällen erreicht wird. In solchen Fällen neige ich eher dazu, schlafende Hunde schlafen zu lassen und mit kleineren Eingriffen (einstellen, evtl. Bünde partiell abrichten, etc.) das Bestmögliche aus solchen Problemfällen herauszuholen. Das wird nicht optimal – aber mehr gibt so ein Patient nicht her.

Wuchs contra Bespielbarkeit

Das gilt auch – und sogar verstärkt – bei Hälsen, die ein Wuchs-bedingtes Problem haben. Schwer zu fotografieren aber doch zu erkennen: der in Abb. 2 gezeigte Basshals ist in sich verdreht. Während in den hohen Lagen der Treble-Bereich hoch steht, ist es in der Nähe des Sattels der Bassbereich. Ein Instrument mit solch einem Hals wird keine brauchbare Bespielbarkeit liefern. Weitergedacht kann man natürlich nach dem Entfernen der Bünde das Griffbrett schleifen und damit den „Dreh“ kompensieren.

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Abb. 2: Verdreht spielt es sich nicht gut.

Aber man weiß nie, ob der Wuchsfehler nicht doch wieder auftritt. Dies kann zum Beispiel bei einer veränderten Luftfeuchtigkeit vorkommen – Mühe und Arbeit wären dann vergeudet. Daher ist die gründliche Vorinspektion sehr wichtig, um zu erkennen, wo die Reise hingeht oder auch nicht.

Erst prüfen – dann handeln

Man sollte das Instrument ruhig mal ohne Hektik durchchecken und hinterfragen. Lässt sich im Vorfeld eine akzeptable, aber durch die verbrauchten Bünde noch nicht optimale, Bespielbarkeit einstellen, steht einem weiteren Tuning nur selten etwas im Wege. Hat das Instrument im Vorfeld jedoch schon gravierende Probleme, sind ggf. weiterführende Maßnahmen notwendig (zum Beispiel Neck Reset bei Akustik-Gitarren), die den Rahmen der Wirtschaftlichkeit sprengen oder aber dem Instrument – ich denke da an den Vintagebereich – nicht zugemutet werden sollten. Dann ist es bisweilen klüger, auf die letzten Prozente Geschmeidigkeit zu verzichten.

Diese Grenzwert-Betrachtung ist aber nur bei wenigen Instrumenten notwendig. Im Normalfall stehen die Zeichen auf „Go“, sodass damit begonnen werden kann, den alten Sattel und die verbrauchten Bünde zu entfernen.

Demontage mit Gefühl

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Abb. 3: Mit dem Skalpell wird der Lack eingeschnitten.

Aus nicht erklärbaren Gründen fange ich mit dem Sattel an. Dieser sitzt in einer Nut oder ist auf einem kleinen Plateau vor dem Griffbrett platziert. Zur Fixierung ist er bei den meisten Instrumenten eingeklebt und muss beherzt aber ohne rohe Gewalt überredet werden, sich vom Unterbau zu lösen. Um dies zu erleichtern, aber auch um Schäden beim Entfernen des Sattels zu vermeiden, schneide ich zunächst mit einem scharfen Skalpell den Lack rund um den Sattel ein (Abb. 3). Anschließend greife ich den Sattel mit einer Zange und versuche ihn durch ein Vor- und Zurückbewegen vom Untergrund zu lösen (Abb. 4).

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Abb. 4: Heraushebeln des Sattels mit der Zange

Ist der Sattel nur mit Leim fixiert (was wünschenswert ist), reicht dieses Kippeln aus, um ihn nach oben herauszuhebeln. Zickiger sind mit Kleber fixierte Sättel. In diesem Fall muss evtl. mit leichten Hammerschlägen nachgeholfen werden. Ein Hammer dient als Zulage (Abb. 5, links), der andere Hammer gibt den Impuls.

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Abb. 5: Nachhelfen mit dem Hammer

Die Kombination aus Hammerschlägen und der Behandlung mit der Zange löst auch den eingeklebten Sattel, welcher dann nach oben aus der Nut gehoben wird. Zurück bleibt die Nut (Abb. 6), bei der aber am Grund Kleberreste zurückbleiben können. Darüber hinaus bleiben häufig seitlich kleine Lackreste am alten Sattel/Hals-Übergang stehen.

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Abb. 6: Die nackte Nut

Um die Nut für den neuen Sattel vorzubereiten, wird sie mit einer kleinen Flachfeile bearbeitet. Damit ein Ausreißen des Lackes minimiert oder besser noch verhindert wird, arbeite ich immer nach innen (Abb. 7). Das heißt von den Griffbrettkanten jeweils in Richtung Griffbrettmitte ohne dabei auf der gegenüberliegenden Seite durchzustoßen – sonst droht dort der Lackausriss. Sind Lack und Kleber beigearbeitet, kann dann auch auf ganzer Länge gefeilt werden, um später dem neuen Sattel einen akkuraten Stand in der sauberen Nut zu ermöglichen.

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Abb. 7: Vorsichtige Nachbearbeitung mit der Flachfeile

Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis

Was sich hier in wenigen Zeilen locker und flockig schreiben lässt, kann im wahren Leben zu einem absoluten Eiertanz werden. In jüngster Vergangenheit neigen Hersteller dazu, Sattel, Griffbrett und Hals mit Unmengen an Klebstoff quasi zu einer Einheit zu verschweißen. Dann kann man das mit dem leichten Heraushebeln vergessen und auch die Hammerschläge bleiben wirkungslos. Die dann notwendige Disziplin heißt Freistil – es ist fast alles erlaubt, Hauptsache zielführend. In solchen Fällen säge ich den Sattel längs mit einer Metallsäge mehrfach bis auf den Grund ein, sodass er beim Zusammendrücken mit der Zange förmlich implodiert. Reste können dann vorsichtig herausgefeilt werden. Da natürlich auch beim Freistil so wenig Lack wie möglich beschädigt werden sollte, ist diese Variante was fürs ruhige Händchen ohne Zeitdruck. Sind Sattel und Nut besiegt, werden im nächsten Schritt und dementsprechend im nächsten Repair Talk dem Griffbrett die Bünde gezogen. Bis dann, der Doc. [2055]

Teil 4

bünde ziehen …

… klingt schmerzhaft, ist es aber nicht! Anschließend an den letzten Repair Talk, in dem der Sattel entfernt wurde, werden in dieser Folge die Bünde gezogen. Das gesetzte Ziel heißt: Bünde entfernen mit so wenig wie möglich – am besten gar keinem – Ausriss entlang der Bundschlitze.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einiger Hintergrundinfos. Bünde sitzen gepresst in einer schmalen Nut und werden dort mittels kleiner Zähne im Unterbau (Fuß) des Bundstäbchens gehalten. In den allermeisten Fällen werden die Bünde von oben ins Griffbrett gepresst, dabei klemmt sich der Bundfuß im Schlitz fest. Die Zähne wirken wie kleine Anker, die den Bundfuß fest im Griffbrett fixieren. Häufig unterstützt durch Kleber (je nach Hersteller) entsteht so eine kraftschlüssige Verbindung von Bund und Griffbrett. Das verbessert die Energieübertragung und damit den Ton, macht aber ein Ziehen der Bünde nicht gerade einfach. Ein grobes und schnelles Herausziehen der Bünde führt unausweichlich dazu, dass die Zähne des Bundes die Holzfasern des Griffbrettes mit nach oben ziehen. Die Griffbrettfasern splittern und bieten dem neuen Bund, der später wieder in die Nut gesetzt werden soll, wenig Halt. Daher ist ein ausrissfreies Entfernen der alten Bünde das erklärte – und hier erläuterte – Ziel.

spezieller job – spezielles werkzeug

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Abb. 1: Kurze Eisen für gute Kontrolle

Um dies zu erreichen, hat jeder Handwerker seine eigenen Methoden und Werkzeuge sowie Hilfsmittel zur Hand. Um den einen oder anderen Rat mit auf den Weg zu geben, beschreibe ich in diesem Repair Talk, wie ich in meiner Werkstatt die Sache angehe. Ich beginne damit, die Kanten der Bünde auf einer Griffbrettseite leicht anzuheben. Dazu benutze ich zwei kurze Stemmeisen (Abb. 1) deren Fase recht flach gehalten ist. Dieser flache Fasenwinkel ermöglicht es, die Eisen von beiden Seiten unter die Bundkrone zu schieben (Abb. 2). Die Eisen wirken wie eine Art Niederhalter und halten das Griffbrettholz unten, während die Kante des Bundes nach oben gestemmt wird. So erreiche ich ausrisslos einen leicht hochstehenden Bund im Bereich der Kante.

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Abb. 2: Hochdrücken der Bundkante

Der Bund muss hochstehen, damit ich ihn dann mit einer speziellen Zange aus dem Griffbrett hebeln kann. Die Zange (Abb. 3) ist insofern besonders, als ich ihre Wangen so geschliffen habe, dass sie sich mit direktem Kontakt zum Holz unter den Bund schiebt und diesen nach oben drückt. Wichtig dabei ist, dass die Schneide keine Fase hat (sonst hat sie keine direkte Auflage auf dem Griffbrett) und die Zange recht schmal ist (eine breite Zange arbeitet in den kommenden Arbeitsschritten zu unkontrolliert). Die Zange habe ich – mangels Angebot – vor ca. 25 Jahren selbst modifiziert. Der Interessierte findet aber heute im Fachhandel auch bereits optimierte Spezialzangen.

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Abb. 3: Spezialzange zum Heraushebeln der Bünde

etwas hitze hilft

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Abb. 4: Hitzebehandlung mit dem Lötkolben

Die richtige Zange ist aber nur die halbe Miete. Ein leichtes Erhitzen des Bundes unterstützt die Zange dabei, den Bund ohne Splitter herauszuhebeln. Dies ist gerade bei eingeklebten Bünden enorm wichtig. Wie auf Abb. 4 zu erkennen, setze ich dazu einen heißen Lötkolben auf den Bund und lasse die Hitze kurz wirken. Die dahinter angesetzte Zange hebelt nun den Bund heraus. Das dauert etwas, denn die Kunst besteht darin, den Bund in kleinen gleichmäßigen Schritten aus dem Schlitz zu hebeln (Abb. 5). Dabei sollte die Zange immer festen Kontakt zum Griffbrett haben und dem Lötkolben folgen. Letzterer muss gar nicht lange eingesetzt werden; es ist verblüffend, wie schnell der Bund erhitzt ist und den Verbund zum Griffbrett aufgibt.

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Abb. 5: Langsames Heraushebeln des Bundes

Mit einer gewissen Routine merkt man, wie viel/wenig Hitze notwendig ist, damit sich der Bund geschmeidig aus dem Schlitz lösen lässt. So hilfreich die Hitze an dieser Stelle auch sein kann, so ärgerlich können ungewollte Ausrutscher oder Berührungen mit empfindlichen Bauteilen sein. Ich denke da an Kunststoffeinlagen im Griffbrett, helles Griffbrettmaterial oder auch Lackoberflächen. Daher ist bei den beschriebenen Arbeiten mit dem Lötkolben eine gewisse Ruhe und Vorsicht geboten.

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Abb. 6: Geschafft: Defretted!

Das Resultat könnte dann so aussehen wie auf Abb. 6. Zu erkennen sind die Eindruckstellen der Zähne und in diesem Fall Kleberreste. Ein recht sauberes Resultat – was anderes hätte ich an dieser Stelle aber auch nicht präsentiert. Es ist aber kaum zu verhindern, dass bei sehr splittrigem Holz oder bei Vorschäden schon mal hier und da eine Faser ausreißt. Generell ist es das angestrebte und nun erreichte Ziel, einen sauberen Bundschlitz ohne nennenswerten Ausriss zu erzielen.

die sache mit dem knubbel

Griffbretter mit Ziereinfassung (Binding) haben an den Kanten häufig einen Knubbel aus Binding-Material. Hier wurde das Binding an das Profil des Bundes geformt. Wie auf Abb. 6 zu erkennen, bleibt nach dem Entfernen des Bundes dieser Kunststoffknubbel stehen. Es gibt nun unterschiedliche Meinungen dazu, was mit diesem Rest Binding passieren soll. Abschleifen oder behalten? Da ich die Bundierung eher in Richtung präzises Resultat lenken möchte und in diesem speziellen Fall weniger unter dem Aspekt der originalgetreuen Wiederherstellung arbeite, bin ich für das Abschleifen – also Entfernen.

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Abb. 7: Die Knubbel-Problematik

Die Abb. 7 liefert die Begründung: Durch jahrelanges Spiel und auch den einen oder anderen Service ist der Knubbel auf ein nur schwer definierbares Plastikgebilde zusammengeschrumpft. Der neue Bund müsste dann irgendwie zu diesen Vorgaben passen. Da lassen die flachen und unterschiedlich hohen Binding-Reste nur eine ganz enge Auswahl an Bundprofilen zu. Ich suche lieber das Bundprofil passend zum Geschmack des Kunden und weniger nach den Vorgaben des Rest-Bindings aus. Das entscheidende Argument gegen einen „Knubbel-Erhalt“ ist jedoch die Tatsache, dass es für das letzte Bisschen Präzision bei einer Neubundierung häufig notwendig ist, das Griffbrett mit abzuschleifen. Schleifen mit Knubbel geht nicht. Wie dann das nächste Ziel erreicht wird, zeigt der kommende Repair Talk. Bis dann, der „Doc“ [2458]

Teil 5

Mit dem richtigen Schliff zur Präzision

Nachdem im letzten Repair Talk die alten Bünde gezogen wurden, geht es in dieser Ausgabe darum, das Griffbrett für die neuen Bünde vorzubereiten. Häufig ist dem Kunden ein leichtes Unbehagen anzumerken, wenn in der Vorbesprechung der Reparatur/Neubundierung die Worte „Griffbrett“ und „Schleifen“ zusammen fallen.

Auch viele Fachwerkstätten halten ein Schleifen des Griffbrettes nicht für notwendig. Bis auf wenige Ausnahmefälle (etwa ein lackiertes Vintage-Griffbrett) sehe ich es jedoch als Notwendigkeit – zumindest wenn man anstrebt, den neuen Bund so hoch wie möglich zu lassen. Wird das Griffbrett nicht geschliffen, muss dann im Anschluss jede Unebenheit im Griffbrett aus dem neuen Bundmaterial herausgeholt und kompensiert werden. Das ändert zum einen partiell das Profil der neuen Bünde (denn einen platten Bund kann man nur schwer oder gar nicht mehr zu einer sauberen Krone formen) und nimmt auch Höhe vom neuen Bunddraht, wodurch dann das angestrebte Spielgefühl nicht mehr erreicht wird. Das Schleifen des Griffbretts ist also unerlässlich, um dem neuen Bundmaterial eine möglichst akkurate Grundlage zu geben.

Prüfen und sichten

Dazu prüfe ich zunächst mit dem aufliegenden Lineal, wie der Hals überhaupt verläuft (Abb. 1). Mit dem T-Rod stelle ich den Hals so ein, dass er möglichst gerade ist.

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Abb. 1: Erstes Überprüfen mit dem Lineal – hier mittig…

Dabei ist es wichtig, an den Griffbrettkanten das Lineal so zu führen, als wäre es eine Saite (Abb. 2).

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Abb. 2: … und an den Kanten (im Saitenverlauf)

Nicht etwa parallel zur Mittellinie, sonst wird das Ergebnis verfälscht (Abb. 3). So bekommt man schon mal ein erstes Bild vom längsseitigen Halsverlauf.

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Abb. 3: Falsch: Überprüfen parallel zur Mittellinie

Den Griffbrettradius überprüfe ich mit einer Schablone (Abb. 4) an unterschiedlichen Stellen des Griffbretts, um auch hier die Ist-Situation zu erkennen.

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Abb. 4: Überprüfen des Griffbrettradius’

Es ist aber nur ein erster Eindruck, weil häufig Spuren der alten Bundierung (Ablagerungen/Abb. 5) aber auch Folgen des Bündeziehens (Kleberreste etc.) ein bündiges Aufliegen des Lineals verhindern. Hier verschafft ein erster Schliff etwas mehr Klarheit.

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Abb. 5: Verhindern ein genaues Auflegen des Lineals: Griffbrett-Ablagerungen

Als Schleifklotz verwende ich einen geraden Ahornblock (ca. 300 x 50 x 20 mm), den ich zunächst mit 100er-Schleifpapier umspanne und ohne viel Kraft – immer den geraden Griffbrettverlauf im Visier – das Griffbrett längs schleife. Dazu spanne ich den Hals so ein, dass er im Bereich des Sattels und des Halsfußes aufliegt und fixiert ist. Die moderate Kraft beim Schleifen sowie die Länge des Schleifklotzes verhindern, dass ich den Hals beim Schleifen nach unten hin hohl drücke (Abb. 6).

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Abb. 6: Erster Schliff des Griffbretts

Ein paar Züge mit dem Schleifklotz, dann das Griffbrett absaugen und mit dem Lineal wie auf Abb. 1 erneut prüfen. Durch den ersten Schliff und die Entfernung der Ablagerungen liegt das Lineal unter Umständen anders auf und es kann notwendig sein, mit dem T-Rod den Hals neu zu justieren, um ihn dann gerade zu schleifen. Kristallisiert sich langsam ein Bild des Griffbrettverlaufs heraus, gilt es, zwei Ziele zu erreichen: Zum einen sollte der Hals in Längsrichtung (also Saitenverlauf) möglichst gerade sein und zum anderen sollte natürlich auch der Griffbrettradius erhalten bleiben.

Simples Werkzeug – hohe Genauigkeit

In den allermeisten Fällen arbeitet mein simpler gerader Ahornklotz sehr gut und präzise. Ich arbeite häufig mit diesem geraden Werkzeug (obwohl die meisten Griffbretter einen Radius haben), da oft der vorgegebene Radius nicht gleichmäßig ist. In vielen Fällen wurden werkseitig die Griffbrettkanten an der Maschine stark abgerundet und der Radius ist z. B. kein uniformer 7,25“ oder 9,5“. Naheliegend wäre natürlich der Einsatz eines Schleifklotzes mit einer hohlen Sohle, die dem Griffbrettradius entspricht (Abb. 7).

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Abb. 7: Alternative: Hohle Schleifklötze

Kann man machen, jedoch ist dann ggf. ein recht hoher Materialabtrag notwendig, um die „verschliffenen“ Griffbrettkanten wieder in einen homogenen Griffbrettradius zu bekommen. Die Praxis ist daher auch in diesem Arbeitsschritt mal wieder ein ergebnisorientierter Kompromiss. Wenn die Kunden-Vorgabe es verlangt und die Griffbrettstärke ausreicht, kann mit dem hohlen Radiusblock ein sauber ausgearbeitetes Griffbrett geschliffen werden, das dann im Radius wie auch in der Längsrichtung gemäß den Vorgaben verläuft.

Kompromisse

In manchen Fällen (Vintage-Instrument, Griffbretteinlagen o. ä.) muss man Kompromisse eingehen. Vielleicht bleiben die Kanten etwas verschliffen, auch wenn der Radius noch nicht ganz stimmt (ich denke da an ein dünnes Veneer-Board, aber auch an sehr hoch liegende Side-Dots, Abb.8) oder man akzeptiert die kleine Delle im Längsverlauf des Griffbretts – zum Beispiel um nicht das ohnehin schon dünne und lose Inlay weiter abzutragen.

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Abb. 8: Kaum ein Schliff möglich: Sehr hoch liegende Side-Dots

In dieser Kompromiss-Situation arbeitet für mich mein gerader 300 mm Ahornblock direkter und schonender als ein Block mit hohler Sohle. Er ist auch übersichtlicher als längere Schleifblocks, da ich beim Arbeiten mehr vom Griffbrett sehe. Da hat aber jeder Handwerker seine eigenen Präferenzen und in der Summe ist das erreichte Ziel das was zählt.

Sonderfälle

Auf zwei Sonderfälle möchte ich an dieser Stelle noch eingehen: Zum einen wäre da das lackierte Ahorngriffbrett. Auch hier rate ich zum Schleifen (und somit faktisch zum Entlacken), da ein lackiertes Griffbrett nach dem Ziehen der Bünde so uneben ist (z. B. durch die kleinen Lacklippen, die seitlich des Bundschlitzes stehen bleiben), dass das Einsetzen der neuen Bünde in diese unebene Grundlage zu einem unbefriedigenden Ergebnis führt. Nur mit sehr viel Abrichtarbeit und Materialverlust bekommt man hier einen gut spielbaren Hals.

Handelt es sich nicht gerade um ein jungfräuliches Vintage-Instrument, schleife ich das Griffbrett, um es anschließend zu beizen (um den Farbton anzugleichen) und im Zuge der Bundierung neu zu lackieren. So bekomme ich eine präzise Bundierung und durch einen nur sehr dünnen Lackauftrag hat man auch sehr schnell wieder eine „gebrauchte“ Oberfläche mit der entsprechenden Optik und Haptik. Bei VintageInstrumenten empfehle ich (abhängig vom Gesamtzustand des Instrumentes) ggf. einen anderen Weg. Häufig ist diese Gattung von Instrumenten nur sehr dünn lackiert, sodass sich die Bünde ohne große Unebenheiten ziehen lassen. Das Schleifen des Griffbretts fällt in diesem Fall weg.

So eine Bundierung liefert mit Sicherheit nicht das bestmögliche Ergebnis aber es wird immer noch besser sein, als völlig heruntergespielte Bünde – und das beim größtmöglichen Erhalt des Originalzustands.

Den zweiten Sonderfall habe ich bereits im letzen Repair Talk besprochen: Die Bindingreste bei einem Griffbrett mit Ziereinfassung. Sollen die neuen Bünde in ein sauber abgerichtetes Griffbrett, können die Binding-Knubbel an den alten Bund-Enden nicht gerettet werden, weil sonst kein Griffbrettschliff möglich ist.

Zurück zum Normalfall

Den ersten Schliff mit dem 100er-Papier beende ich an dieser Stelle. Griffbrett abbürsten und saugen, damit es sauber im nächsten Schritt – und somit im nächsten Repair Talk – mit den Bundschlitzen weitergehen kann. Bis dann, der Doc. [2938]

Teil 6

Nachdem im letzten Arbeitsschritt das Griffbrett überarbeitet wurde, geht es in diesem Repair Talk um das Nacharbeiten der Bundschlitze. Dies ist bei einer Neubundierung ein sehr wichtiger Schritt, da so die Grundlage geschaffen werden soll, um die neuen Bünde sauber in den Bundschlitz zu setzen.

Meine ersten Bundierungsarbeiten in den späten 1980er-Jahren waren eher grobschlächtig. Einmal kurz nachgesägt und dann mit dem Hammer die Bünde in den Schlitz getrieben bis das Schlagwerkzeug kurz vor dem Glühen stand. Das ging auch irgendwie. Aber es geht besser!

fuß mit statik

Neubundierung
Bild 1: Statischer Baustein : Keilwirkung des Bundfußes

Man sollte die statische Funktion verstehen, die das Bundstäbchen für den Hals hat. Es wirkt wie ein kleiner Keil (Bild 1) der von oben in den Hals getrieben wird. Der Bundfuß (also der untere Teil des Bunddrahtes) sitzt mit seinen Zähnen im Bundschlitz und klemmt sich dort fest (Bild 2). Nimmt man einen Bunddraht mit einem breiten Fuß für einen engen Schlitz, drücken die 21 (22/24) „Keile“ den Hals nach hinten weg. Dies kann unter Umständen so ausgeprägt sein, dass selbst der spätere Saitenzug es nicht schafft, den Hals in einen brauchbaren Durchhang zu ziehen. Mit solch einem nach hinten gebogenen Hals ist es unmöglich, eine brauchbare Saitenlage einzustellen, was in einem späteren Repair Talk noch erklärt wird. In dieser Phase ist es wichtig zu erkennen, wie stark die kleinen Keile den Verlauf des Halses beeinflussen können. Man kann sich diesen Effekt zunutze machen, indem man einen schwachen Hals eng bundiert (enger Schlitz – breiter Fuß) oder aber einen tendenziell übergeraden Hals locker bundiert (breiter Schlitz – schmaler Fuß).

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Bild 2: Fuß mit Klemmwirkung

Egal ob locker oder eng: Zunächst kontrolliere ich die Tiefe des Bundschlitzes. Die Fußlänge ist nicht genormt. Sie variiert von Bundtyp zu Bundtyp. Der Bundschlitz muss genügend Tiefe haben, um den Fuß sauber aufnehmen zu können. Dies wird in der Regel durch ein Nachsägen des Bundschlitzes erreicht. Um die korrekte Tiefe beim Nachsägen des Bundschlitzes zu gewährleisten, verwende ich eine Feinsäge mit verstellbarem Tiefenanschlag (Bild 3). Diesen stelle ich so ein, dass die Säge ein klein wenig tiefer geht, als es der Bundfuß benötigt. Somit bleibt Platz für Kleber (wenn man sich dafür entscheidet) und die „Luft“ unter dem Fuß verhindert, dass das Bundstäbchen am Grund des Schlitzes aufsitzt und sich die Krone nicht richtig auf das Griffbrett legen kann.

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Bild 3: Feinsäge mit Tiefenanschlag

das 10tel zählt

Meine Säge hat eine Schnittbreite von ca. 0,5 mm. Diese Breite ist ein gutes Ausgangsmaß. Berührt der Tiefenanschlag das Griffbrett, ist die gewünschte Schnitttiefe erreicht.

Im nächsten Schritt geht es um die Schlitzbreite: Fordern Halsstatik und/oder der Bundfuß des neuen Bundmaterials einen breiteren Bundschlitz, muss der Schlitz im oberen Bereich ggf. nachgesägt werden (Bild 4). Dafür habe ich diverse Sägen mit unterschiedlichen Schnittbreiten, mit denen ich, falls notwendig, den Schlitz nachsäge. Ich fange immer mit der 0,5er-Säge an, da das Ergebnis nicht immer so klar vorherzusehen ist. Da lösen sich ggf. lose Holzfasern oder Kleberreste und der Schlitz ist schon 0,6 mm breit, obwohl nur mit 0,5 mm gesägt wurde. Fange ich mit der schmalen Säge an, habe ich dann immer noch die Möglichkeit breiter nachzusägen. Das ist sicherer – denn was weg ist, ist weg.

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Bild 4: Bei Bedarf wird nachgesägt

skalpell als tiefenmesser

Ein guter Tipp aus der Praxis zum Überprüfen der Schlitztiefe ist der Test mit der Skalpellklinge. Bei den meisten Bundtypen ist der Fuß etwas kürzer als die vordere Fase der Klinge. Verschwindet die Fase wenn man die Klinge durch den Schlitz zieht (Bild 5), ist die Schlitztiefe ausreichend, um den Fuß aufzunehmen. Etwas aufwendiger wird das Nacharbeiten der Bundschlitze bei Griffbrettern mit seitlicher Ziereinfassung (Binding) – besonders wenn die Bünde eingeklebt waren und der Schlitz nach dem Entfernen der alten Bünde noch mit Kleberresten blockiert ist.

Neubundierung
Bild 5: Kontrolle der Schlitztiefe mit dem Skalpell

sägen mit hindernissen

Ein schnödes Durchsägen des Bindings ist so grob und inakzeptabel, dass es im Repair Talk keinen Platz findet. Da bleibt nur der Weg, den Schlitz mühselig seitlich freizusägen und etwaige Kleberreste mit entsprechendem Werkzeug wegzukratzen.

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Bild 6: Erleichtert das Arbeiten: erhitztes Sägeblatt

Hier kann etwas Hitze helfen! Ich nehme eine 0,5 mm Einstrichsäge und erhitze das Blatt über einer Heißluftpistole (Bild 6). Das so erhitzte Sägeblatt führe ich schräg von oben in den Bundschlitz ein und ziehe die Säge vom Rand weg bis zur Mitte (Bild 7). Diesen Vorgang wiederhole ich an beiden Griffbrettkanten. Das heiße Sägeblatt bahnt sich seinen Weg und löst auch Kleberreste.

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Bild 7: Seitliches Einsetzen des heißen Sägeblattes

Aber Vorsicht: Bei Klebern entwickeln sich stechende Dämpfe – daher sollte man für genügend Abluft sorgen.

Nachdem die Schlitze nachgesägt wurden, kann es notwendig sein, verbleibende Kleberreste mit entsprechenden Werkzeugen zu entfernen (Bild 8). Auch ein Nachsägen (Säge schräg eingeführt) mit einer breiteren Säge (Bild 4) kann notwendig sein, um die Bundschlitze optimal für die neuen Bünde vorzubereiten.

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Bild 8: Kann notwendig sein: Nacharbeiten der Bundschlitze

In der Regel zeigen sich nach den beschriebenen Arbeitsschritten auf der Griffbrettoberseite Bearbeitungsspuren – etwa durch den Tiefenanschlag der Säge (Bild 9) oder herausoperierte Kleberreste.

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Bild 9: Bearbeitungsspuren fordern den Feinschliff

der finale schliff

Daher folgt nach dem Freisägen und Freikratzen ein Griffbrettschliff mit 150er- bzw. 240er-Schleifpapier, der dann im letzten Repair Talk beschrieben wird. Anschließend sollte man das Griffbrett und insbesondere die Schlitze ab- und aussaugen, damit später kein Schleifstaub dem Fuß des neuen Bundstäbchens im Wege steht. Dann kann der Hals erst einmal ruhen, da im nächsten Arbeitsschritt die Bünde vorbereitet werden. Bis dann, der „Doc“! [3389]

Teil 7

Nachdem in den letzten Arbeitsschritten das Griffbrett und die Bundschlitze vorbereitet wurden, geht es nun um die Bünde. Diese kommen als Rohware in verschiedenen Formen. Sie sind als Rollenware, Stangenware (lang oder kurz) sowie in kurzen ca. 7 cm langen vorgeschnittenen Stücken im Handel erhältlich. Jahrzehntelang war Dunlop Rollenware die erste Wahl in meiner Werkstatt, da schlichtweg nichts anderes auf dem Markt oder nur sehr schwer zu beschaffen war. Das hat sich in der letzten Dekade völlig verändert. Neben Dunlop bieten jetzt auch zahlreiche weitere Anbieter (zum Beispiel: Wagner, Jescar, StewMac, SINTOMS, Göldo, etc.) unterschiedlichste Profile aus verschiedenen Materialien an.

Da hat jeder Handwerker seine eigenen Favoriten, um dem Wunsch des Kunden möglichst nahezukommen. So biete ich einen Mix aus verschiedenen Herstellern an, um die abgesteckten Ziele möglichst auf den Punkt zu treffen.

punktlandung mit hindernissen

Es kann aber vorkommen, dass der ausgesuchte „Wunschdraht“ nicht ohne Weiteres zum Bundschlitz passt. Da gilt es noch ein paar Kriterien zu beachten.

Nachdem ich das Griffbrett vorbereitet habe, kontrolliere ich die Schlitzbreite noch einmal mit Plättchen in verschiedenen Stärken (Abb. 1). Normalerweise nimmt ein nachgesägter Bundschlitz ein ca. 0,66 mm (0,026″) Plättchen so gerade eben auf. Je nach Griffbrettmaterial (zum Beispiel: Ahorn = weich/ Ebenholz = hart) würde so ein Schlitz einen Bundfuß von ca. 0,76 mm (Richtwert) ohne Probleme aufnehmen.

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Abb. 1: Überprüfen der Bundschlitze

Da sind jetzt ein paar Hundertstel nicht unbedingt messbar und entscheidend im Ergebnis, jedoch sollte der Bundfuß wesentlich breiter sein (Abb. 2, Edelstahldraht), kann dies zu Problemen führen. Ich erinnere an den Vergleich mit einem Keil aus dem letzten Repair-Talk. Wird ein zu breiter Fuß in einen engen Schlitz getrieben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Krone (der obere Teil) sich nicht sauber setzt und zudem der Hals zu stark nach hinten weggedrückt wird.

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Abb. 2: Nachmessen des Bundfußes

Breiter nachsägen wäre die schnelle und offensichtlichere Gegenmaßnahme. In diesem Punkt habe ich eine sehr konservative Einstellung. Breiter als 0,7 mm (und dann auch nur bei Ebenholz) säge ich nicht nach, damit der Schlitz für zukünftige Vorhaben (erneute Bundierung) nicht zu weit aufgesägt wird.

mit dem bund zum frisör

Sollten es die Parameter erfordern, nehme ich lieber am Bundfuß etwas weg und vermeide es, den Schlitz weiter aufzusägen. Den Bundfuß bearbeite ich mit einem „Fret Barber“ (Bundfrisör – Wortspiel) – Abb. 3. Dieses Werkzeug besteht aus zwei kurzen Feilen, die mit einem entsprechenden Metallplättchen auf einen gewünschten Abstand gebracht werden können. Der Bundfuß wird durch den Schlitz gezogen (Abb. 3, unten) und verliert dort die überflüssige Breite. So kann ein zu breiter Fuß recht akkurat zurechtfrisiert werden, damit er zur vorgegebenen Schlitzbreite passt.

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Abb. 3: Frisieren des Bundfußes

in form biegen

Passt das Verhältnis Fuß zu Schlitz, gilt es den Bunddraht im Radius an das Griffbrett anzupassen. Das habe ich früher eher grob auf einer geschlitzten Metallscheibe von Hand bewerkstelligt. Heute bietet der Fachhandel Spezialwerkzeuge an (Abb. 4, Fret Bender), um dem Draht die gewünschte Kurve zu geben.

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Abb. 4: Der Bunddraht wird vorgebogen.

Für mich funktioniert ein leichtes Überbiegen am besten (Abb. 5). Der Bunddraht ist dann etwas mehr gekrümmt als das Griffbrett. Beim Einsetzen in den Schlitz des Griffbrettes formt sich der Draht ans Griffbrett und wird durch die Zähne im Fuß in dem Schlitz gehalten. Wird der Draht zu stark vorgebogen, reicht diese Klemmwirkung ggf. nicht aus, um den Draht in Form zu halten. Er federt dann in der Mitte wieder hoch – da zu stark vorgebogen. Ähnliche Stolperfallen entstehen auch bei einem ungenügend vorgebogenen Bunddraht – dann gibt es jedoch Probleme mit den Bundenden. Mit etwas Übung entwickelt man ein Auge für das richtige Maß, um im Anschluss einen guten Sitz der Krone zu erreichen.

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Abb. 5: Etwas überbogen zum Ziel

Nach dem Biegen tränke ich ein Tuch mit Waschbenzin und reinige den kompletten Bunddraht, indem ich ihn durch den getränkten Ballen ziehe. So entferne ich Fett und Materialreste, die in späteren Arbeitsschritten Probleme machen könnten. Den vorgebogenen und gesäuberten Bunddraht länge ich danach pro Bundschlitz ab (Abb. 6, oben) und platziere ihn zunächst im Schlitz. Ein vorbereiteter Holzblock mit entsprechenden Bohrungen (Abb. 6, Hintergrund) ist dann der ideale Parkplatz für die Bundstücke, um sie dann im nächsten Arbeitsschritt – Bünde eindrücken – geordnet parat zu haben.

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Abb. 6: Die vorbereiteten Bundstücke werden in einem Holzblock zwischengelagert.

wieder der sonderfall: binding

Wie auch schon in anderen Arbeitsschritten erfordert eine seitliche Ziereinfassung (Binding) zusätzliche Aufmerksamkeit. Dadurch, dass der Bundschlitz am Binding aufhört, ist der Fuß dort im Weg (Abb. 7, oben). Es muss ein kleines Stück Fuß weggeschnitten werden (ich nenne das: Ausklinken) damit die dann überstehende Krone auf dem Binding sitzen kann. Das habe ich in früheren Repair-Talks erläutert.

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Abb. 7: Störender Fuß beim Binding

Diesen Arbeitsschritt kann man mit einer Feile erledigen. Es geht aber präziser und schneller mit einer Spezialzange (Abb. 8). Diese hat ein kleines Schneidwerkzeug, welches das störende Stück Fuß wegschneidet (Abb. 8, rechts). Es kann notwendig sein, den Fuß etwas nachzubiegen oder mit der Feile einen entstandenen Grat zu entfernen aber im Großen und Ganzen kann so der Fuß sehr effektiv ausgeklinkt werden.

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Abb. 8: Spezielle Zange bei der Arbeit

Ende der Vorbereitung

Somit ist jetzt alles geschliffen, gesäubert, frisiert und vorgebogen, sodass im nächsten Arbeitsschritt die Bünde ins Griffbrett gesetzt werden können. Da wird ohne viel Kraft gehämmert und gedrückt bis alles gut sitzt. Stoff für den nächsten Repair-Talk. Bis dann, der „Doc“. [3565]

Teil 8

Nach all den Vorbereitungen ist es in diesem Repair Talk endlich soweit: Die Bünde werden ins Griffbrett gesetzt. Das klingt jetzt banal und lässt ein schnelles Gelingen vermuten – dem ist aber nicht so. Das saubere Einsetzen der Bünde in den Schlitz setzt zum einen eine gute Vorbereitung voraus, braucht aber auch Erfahrung, da Theorie und Praxis hier oftmals auseinandergehen. Es braucht schon ein paar Anläufe, bis das Resultat zufriedenstellend ist – das sollte man bei geplanten Taten im Hinterkopf behalten.

Wie bei so vielen Arbeitsschritten, gibt es verschiedene Wege, um ans Ziel zu kommen. Das Ziel in diesem Arbeitsschritt heißt: Gut sitzende Bünde im frisch vorbereiteten Griffbrett.

mit hammer und kontrollierter kraft

Ich komme aus dem klassischen Gitarrenbau und in diesem Handwerk werden die Bünde traditionell und bauartbedingt mit einem Hammer in das Griffbrett getrieben. Dies ist auch heute noch die in meiner Werkstatt am häufigsten angewendete Methode. Als Werkzeug benutze ich einen ganz normalen Hammer (ca. 300 g) dessen Schlagfläche jedoch auf Hochglanz poliert ist (Abb. 1). Diese polierte Fläche hinterlässt beim Hämmern keine oder kaum Spuren auf dem Bunddraht.

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Abb. 1: Polierte Schlagfläche für makellose Ergebnisse

Der Hals wird in einer Spannvorrichtung fixiert (Abb. 2) und der Halsmittelteil mit einem gepolsterten Holzblock unterstützt. Dieser Holzblock hat eine kleine Vertiefung für das Halsprofil und ist mit Tüchern aufgefüttert, sodass später die Halsrückseite beim Hämmern keinen Schaden nimmt. Etwas schwer zu erkennen, aber wichtig, ist ein kleiner Holzstab (Abb. 2, unten), der unter dem Halsfuß steht. Auf diesem Holzstab sitzt der Hals, da man ihn sonst unweigerlich aus der Spannvorrichtung heraushämmern würde.

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Abb. 2: Gut fixiert und bereit zum Bundieren

Das „Gegenlager“ ist der beschriebene gepolsterte Holzblock. Durch hölzerne Unterlegblöcke kann ich diesen in der Höhe so variieren, dass der eingespannte Hals möglichst horizontal und gut fixiert zur weiteren Behandlung bereit ist. Ich fange mit der Bundierung in den oberen Bünden an. Erreiche ich den Holzblock, wandert dieser dann mit in Richtung Kopfplatte, um da zu unterstützen, wo er gebraucht wird.

eine sache des gefühls

Ist der Hals fixiert, nehme ich das erste Bundstäbchen, setze es auf den Schlitz und treibe es von den Enden her in das Griffbrett (Abb. 3). Es gibt unzählige Tipps wie und wo man hämmern sollte – ich habe noch keine allgemeingültige Formel gefunden. Bünde setzen sich unterschiedlich. Grundsätzlich fange ich mit den Enden an und fixiere diese mit leichten Schlägen. Die nächsten Schläge gehen dann mehr in Richtung Mitte, sodass sich das Bundstäbchen ohne großen Kraftaufwand weiter in den Schlitz setzt. Wo und wie fest diese Schläge platziert werden müssen, zeigt kein Internetvideo und klärt auch keine noch so gute Vorarbeit. Es ist die Erfahrung, die zeigt, wie man das Bundstäbchen konsequent aber ohne rohe Gewalt dazu bewegt, sich ans Griffbrett anzuschmiegen. Einmal gemeistert, ist diese recht simple Methode sehr effektiv und präzise. Auch wenn der Radius mal etwas aus dem Maß läuft – der Bund sitzt.

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Abb. 3: Mit dosierten Schlägen ans Ziel

pressen statt hämmern

Aufwendiger in Sachen Werkzeug, aber leichter in der Durchführung, ist das Einpressen von Bünden. Grundvoraussetzung für diese Methode ist, dass Griffbrett und Presswerkzeug exakt den gleichen Radius haben (Abb. 4). Der Hals wird entsprechend unterfüttert und das Presswerkzeug in eine Handpresse gespannt. Das vorgebogene Bundstäbchen platziere ich zunächst im Schlitz und fixiere es wieder mit leichten Schlägen an den Enden.

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Abb. 4: Wichtig: Radius und Werkzeug im gleichen Verlauf

Dann übernimmt die Presse und setzt das Bundstäbchen sauber in den Schlitz (Abb. 5). Wenn alle Parameter stimmen, funktioniert diese Methode wirklich gut und es ist schon überzeugend, wie sich das Bundstäbchen ohne großen Widerstand ans Griffbrett schmiegt.

Neubundierung
Abb. 5: Überzeugend gleichmäßig: die Presse bei der Arbeit

Leider lassen sich nicht alle Hälse im Arbeitsbereich einer Handpresse fixieren (zum Beispiel Instrumente mit eingeleimtem Hals, oder akustische Instrumente), sodass diese Art des Pressens in vielen aber nicht allen Situationen möglich ist. Zudem ist der Erfolg entscheidend davon abhängig, wie gut/schlecht das Presswerkzeug zum Radius des Griffbrettes passt. Je größer die Differenz, desto ungenauer das Ergebnis. Da führt dann das Eintreiben mit dem Hammer zu besseren Resultaten.

stilmix

Eine Art Mix aus beiden Methoden ist das Eintreiben mit einer geformten Zulage (Abb. 6). Die Zulage treibt den Bund nicht punktuell in den Schlitz sondern ähnlich wie beim Pressen wird der Bund auf einer größeren Länge ins Griffbrett getrieben. Das klingt stimmig, jedoch wende ich diese Methode in meiner Werkstatt nicht an (wohl aus reiner Gewohnheit). Da ich sie aber als einen guten Weg zum Ziel sehe, möchte ich diese Praxis hier nicht unerwähnt lassen.

Neubundierung
Abb. 6: Kombination aus Hammer und Zulage

weg mit der überlänge

Egal wie das Bundstäbchen ins Griffbrett gesetzt wurde, an beiden Enden bleibt ein Überstand übrig, der im nächsten Arbeitsschritt entfernt werden muss.

Dies sollte nah am Griffbrett passieren, damit im Anschluss möglichst wenig Arbeit mit der Feile anfällt. Für den sauberen Schnitt bietet der Fachhandel spezielle Zangen an, deren Wangen flach sind, die somit im Bereich der Schneide keine Fase haben (Abb. 7).

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Abb. 7: Glatte Schneide – glatte Fläche

Ich nutze die Zange vertikal, also im 90° Winkel zum Griffbrettverlauf, und erziele so gute Resultate. Alternativ gibt es aber auch Zangen, die horizontal, also parallel zum Griffbrett schneiden (Abb. 8). Dem werkzeuginteressierten Tüftler bietet sich so eine interessante Alternative zum Experimentieren. Im Moment hat bei mir die Standardzange (Abb. 7) die Nase vorn. Never change a winning team.

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Abb. 8: Alternative Spezialzange für Werkzeugfreaks

der harte draht und sein tribut

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle den hohen Verschleiß am Werkzeug, wenn die Bundierung in Edelstahl ausgeführt wird. Die Abb. 9 zeigt zwei Zangen nach zwei Jahren Gebrauch. Durch die flache Schneide ist die Wange sehr dünn und dementsprechend anfällig für Verschleiß bei hartem Material.

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Abb. 9: Materialermüdung bei hartem Bundmaterial

Neusilberbünde verursachen wenig Verschleiß, Edelstahl (gerade Jumbo-Material) setzt so einer Zange recht schnell und auch gravierend zu. Da solch ein Spezialwerkzeug nicht billig ist, sollte der Werkzeugverschleiß gut überlegt oder auch gut berechnet werden.

zwischenstopp

So, die Bundstäbchen sitzen und sind abgelängt. Im nächsten Arbeitsschritt müssen sie bündig ans Griffbrett gefeilt werden, bevor sie dann abgerichtet und profiliert werden. Da gibt es im nächsten Repair Talk aber erst mal einen klebrigen Zwischenstopp – geklebt hält besser. Bis dann, der Doc [3922]

Teil 9

Nachdem die Bünde in das Griffbrett gesetzt wurden, warten sie nun darauf, ohne scharfe Kanten an den Verlauf der Griffbrettkante angepasst zu werden. Das soll auch in diesem Repair Talk passieren, jedoch möchte ich vorher einen kleinen Zwischenstopp einlegen, um die Frage zu klären:

kleben oder nicht?

Gemeint sind die Bünde und in dieser Frage sind die Lager gespalten. Viele Hersteller kleben die Bünde ein. Das erkenne und rieche ich beim Neubundieren. Bei alten Gibson-Gitarren riecht es nach Haut/Knochenleim, bei PRS rieche ich Sekundenkleber, während bei vielen Ovation-Gitarren aus den 1980er-Jahren Epoxidharz die Bünde fixiert. Die Anzahl der “Nichtkleber” ist mindestens genauso groß wie die Anzahl der “Kleber”. Da gibt es unzählige Diskussionen über das Pro und Kontra.

Neubundierung
Störender Knubbel aus Bundende und Sekundenkleber

In meiner Werkstatt bin ich schon früh dazu übergegangen, Bünde einzukleben. Zu oft habe ich beobachtet, dass lose Bünde “tote” Töne verursachen, da sie die Energie der Saite wie ein bewegliches Lager aufnehmen und verschlucken. Lose Bünde können aber auch hochstehen bzw. federn und zu unsauberen, schepprigen Tönen führen. Ein fest sitzender Bund bietet keine erkennbaren Nachteile. Da ein lebendiges Material wie Holz einen festen Sitz des Bundes im Schlitz nicht immer gewährleisten kann, ist für mich das Einkleben die bessere Variante. Da die Vorgehensweise beim Verkleben umfangreich, speziell und auch schwer zu bebildern ist, möchte ich auf YouTube-Videos verweisen, die unter dem Schlagwort “gluing in frets” dem Interessierten sehr transparent Hintergrundinfo und Tipps mit auf den Weg geben.

Neubundierung
Eine harmonische Einheit: Bundenden und Griffbrettflanke

zurück an die bünde

In diesem Repair Talk soll es nun zurück zu den überstehenden Bundenden gehen. Dort habe ich seitlich die Bundschlitze mit Sekundenkleber gefüllt, um später eine nahtlose Optik des Griffbretts zu bekommen. Die folgenden Arbeitsschritte sind nicht nur im Rahmen einer Neubundierung interessant, auch bei Projekt-Gitarren, die aus Bauteilen gefertigt werden, kann man mit einfachem Werkzeug eine Menge an Spielkomfort herausholen. Bei der Neubundierung ist es ein “Knubbel” aus Bundende und Kleber, der sich an der Griffbrettkante störend breit macht. Beim “Projekt” können herauswachsende Bünde beim frischen Hals (saisonalbedingt) dem gesuchten Komfort im Wege stehen.

Neubundierung
Nimmt Spielkomfort: herauswachsender Bund

weg mit der kante

Es gilt, die störenden scharfen Kanten ohne rohe Gewalt aber zielführend an die Flanke des Griffbretts anzugleichen. Wichtig zum Erreichen der gesteckten Etappe ist ein gut fixierter Hals, an dem man arbeiten kann. Schraubhälse spanne ich ein, bei geleimten Hälsen positioniere ich das Instrument fest gelagert auf meiner Werkbank und schütze Korpus und Ähnliches durch Abkleben oder Abdecken.

Neubundierung
Arbeiten am eingespannten Hals

Zum Angleichen der Bundenden an die Griffbrettflanke benutze ich handelsübliche Feilen mit unterschiedlichen Hieben von grob bis fein. Beim letzten Arbeitsschritt wickele ich 240er-Schleifpapier um eine Feile. Diese kommt dann zum Einsatz, wenn es darum geht, noch feiner zu arbeiten und die Spuren der Feilen zu beseitigen.

Neubundierung
Handelsübliches Werkzeug fürs feine Arbeiten

Die Feile führe ich frei Hand – von heute erhältlichen Feilenhaltern rate ich ab. Diese Werkzeuge fixieren die Feile in einem vorgegebenen Winkel zur Griffbrettkante. Von der Idee her ist das schlüssig, jedoch funktioniert für mich die Freihandmethode besser. Entscheidend ist, dass die Bünde recht steil an das Griffbrett angepasst werden. Theoretisch würde ein flacheres Bundende weniger Kante produzieren, sodass man herleiten könnte, der Bund müsse in einem möglichst flachen Winkel gefeilt wurden.

der winkel zählt

Das funktioniert für mich nicht. Problematisch (und zu vermeiden!!) ist die kürzer werdende Krone des Bundes. Je flacher man die Bundenden feilt, je mehr spielbare Bundlänge nimmt man den Bundstäbchen weg. Je nach Griffbrettaufbau kann dies beim Spielen dazu führen, dass die beiden äußeren Saiten recht schnell über die Griffbrettkante rutschen.

Neubundierung
Achtung! Hier verliert der Bund an Spielfläche.

Ich habe festgestellt, dass es nicht so sehr das Bundstäbchen als ganzes ist, was ins sensible Händchen schneidet, es sind vielmehr die spitzen Kanten und der entstandene Grat am Bundende, die das Bundstäbchen scharf erscheinen lassen. Um diese Baustelle kümmere ich mich in späteren Arbeitsschritten.

In dieser Folge passe ich die Bundenden an die Griffbrettkante an. Begonnen wird mit der groben Feile. Wenn das Griffbrettmaterial in Reichweite kommt, wird es feiner. Es soll ja nicht das Griffbrett in den Maßen verändert werden, sondern lediglich das Bundmaterial angepasst werden. Den optimalen Winkel der Feile gibt im Groben die Griffbrettkante vor: Ist sie kantig und steil, kann auch die Feile recht steil geführt werden, bei abgenutzten und rund gespielten Griffbrettern ist es dann Ermessens- oder Erfahrungssache, wie flach der Winkel werden kann oder muss. Es sollte so viel wie möglich Bundlänge übrig bleiben, ohne dass jedoch der Bund noch aus dem Griffbrett hinaussteht.

Neubundierung
Entscheidend: Der Winkel

sachte beim projekt

Bei den im Vorfeld angesprochenen Projektgitarren muss in der Regel keine Feile zum Einsatz kommen. Die Überstände sind so minimal, dass schleifen völlig ausreicht. Dazu benutze ich nur die mit Schleifpapier ummantelte Feile, um alles Störende zu entfernen. Die Feile würde zu viel Material mitnehmen – ein gerade bei lackierten Hälsen unerwünschter Nebeneffekt.

finale

Da beim Feilen in Längsrichtung die ein oder andere Unebenheit übrig geblieben sein könnte, arbeite ich im finalen Schritt mit einer Feile um die ich 400er Schleifpapier gewickelt habe. Die Feile halte ich aber nicht parallel zum Griffbrett sondern hochkant. Die kürzere Schleiffläche schmiegt sich so besser etwaigen Unebenheiten im Griffbrettverlauf an und entfernt sie. Am Ende ist der Bunddraht sauber an das Griffbrett angepasst aber noch scharf. Dazu später mehr.

Neubundierung
Letzter Feinschliff

kollateralschäden

Um Stress und Schnappatmung zu vermeiden, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass gemäß der Formel “Wo gehobelt wird, fallen Späne” auch beim Bearbeiten der Griffbrettkante erschreckend sichtbare Spuren auftreten können. Viele Projekthälse erhalten ihren warmen Farbton durch einen leicht getönten Abschlusslack. Dieser liegt dann wie eine Lage Honig auf Bund und Holz. Entscheidet man sich dafür, störende Bundüberstände zu entfernen, wird dies mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit zu einer Kantenverletzung führen. Nicht schön, lässt sich in diesem Arbeitsschritt aber nicht vermeiden und muss später mit Beize oder Ähnlichem kaschiert werden.

Neubundierung
Bearbeitungsspuren sind nicht immer auszuschließen

Der Arbeitsschritt “Kante feilen” ist damit abgeschlossen. Die Bundenden bilden nun einen sauberen Übergang zur Griffbrettflanke. Naheliegend wäre im nächsten Arbeitsschritt ein weiteres Verrunden der noch scharfen Bundkanten. Das muss aber noch etwas warten, weil zunächst die Bünde auf eine Höhe gebracht werden müssen. Daher heißt es im nächsten Repair Talk: Bünde abrichten! Bis dann, der “Doc”. [4427]

Teil 10

Überprüfen der Bundkronen
FOTO: M. "Doc" Schneider
Überprüfen der Bundkronen an der Mittellinie …

Bevor es im aktuellen Repair Talk ans Material geht, zunächst für die Quereinsteiger ein kurzer Situationsbericht: Die Bünde sind im Rahmen einer Neubundierung ins Griffbrett gesetzt worden und die Bundkanten wurden bereits an den Verlauf der Griffbrettkante angepasst. So weit, so gut.

Viele Werkstätten sehen in diesem Stadium die Neubundierung als „eigentlich erledigt“ an, da ja wörtlich genommen die neuen Bünde eingesetzt wurden und somit die neue Bundierung kurz vor dem Abschluss stehen könnte. Je nach Ausgangssituation vor dem Eingriff ist das Resultat in Sachen Bespielbarkeit besser oder sogar gut, jedoch betrachte ich in dieser Phase der Neubundierung ein Abrichten der Bünde als unerlässlich, um das Optimum an Bespielbarkeit und Ton aus der Neubundierung herauszukitzeln.

Alles auf einer Höhe

Beim Abrichten der Bünde werden alle Bundkronen auf die gleiche Höhe geschliffen. Das ist auch nach einer noch so sorgfältigen Bundierungsarbeit notwendig, da sich nicht jeder Bund gleich willig in den Schlitz setzt oder aber auch das Bundmaterial Maßabweichungen im Zehntelmillimeterbereich haben kann. Daraus kann eine leichte Unebenheit im Verlauf der Bundkronen resultieren, die dazu führen wird, dass die Saitenlage etwas höher – und somit nicht ganz so geschmeidig – eingestellt werden muss, um diese Unebenheit nicht als Scheppern oder „toten Ton“ störend im Speaker zu haben. Gerade bei Griffbrettern mit kleinem Griffbrettradius (zum Beispiel 7,25 Zoll) zählt in den hohen Lagen jedes Zehntel, damit beim Ziehen der Ton nicht abstirbt. Hier helfen sauber abgerichtete Bundkronen, bestmöglichen Spielkomfort bei sauberem Ton zu erzielen.

Überprüfen der Griffbrettkante
FOTO: M. "Doc" Schneider
… und an den Griffbrettkanten

Erst sichten – dann schleifen

Trotz des gesteckten Ziels (gleich hohe Bundkronen) soll natürlich so wenig Material wie möglich von den gerade frisch eingesetzten Bünden abgetragen werden. Um möglichst schonend vorzugehen, ist eine genaue und ruhige Kontrolle der Bünde vor dem eigentlichen Schleifen ratsam. Die Vorgehensweise ist analog zum Griffbrettschliff in einem früheren Repair Talk zum Thema: „Griffbrett abrichten“. Ich kontrolliere den Verlauf der Bünde mit einem Alulineal. Zunächst kontrolliere ich auf der Mittellinie des Griffbretts. Mit dem T-Rod stelle ich den Hals so ein, dass die Bundkronen möglichst eben verlaufen. Das Arbeiten vor einem hellen Hintergrund erleichtert diese Aufgabe.

Mit Schleifpapier umwickelter Ahornblock
FOTO: M. "Doc" Schneider
Simple Präzision: Mit Schleifpapier umwickelter Ahornblock

Zu den Griffbrettkanten hin kontrolliere ich nicht mehr parallel zur Mittellinie sondern folge in etwa dem späteren Saitenverlauf. Dies ist in einer perfekten Welt natürlich sachlich falsch. Wäre das Griffbrett vom ersten bis zum letzten Bund gleichmäßig gewölbt, gäbe es keinen Grund von der Vorgabe durch die Mittellinie abzuweichen. Aus der Erfahrung heraus unterwirft sich jedoch ein Gitarrenhals nur selten den Vorgaben der perfekten Theorie. Da verlaufen die hohen Bünde schon mal in einem leicht anderen Radius als die tieferen Bünde (ganz zu schweigen von einem „Compound Radius“) und ruckzuck ist die perfekte Welt nicht mehr vorhanden. Ganz handfest natürlich auch die Tatsache, dass für die hohen Lagen bei ca. 51 mm Griffbrettbreite das „parallele Gegenstück“ bei einer Sattelbreite von ca. 43 mm schlichtweg nicht vorhanden ist.

Schleifen in Längsrichtung
FOTO: M. "Doc" Schneider
Schritt 1: Schleifen in Längsrichtung

Praxisorientiert hat sich in meiner Werkstatt ein Kontrollieren mit dem Lineal etabliert. Mit etwas Übung bekommt man ein Gespür dafür, wie es aufgesetzt werden muss, um die Bundkronen im äußeren Bereich des Griffbretts zu kontrollieren. Das Lineal ruhig mal in verschiedenen Positionen aufsetzen und mit der notwendigen Ruhe die Lage checken. Hat man mit Hilfe des T-Rods eine Halseinstellung gefunden, bei der die Bundenden möglichst nah am aufgestellten Lineal sitzen, kann es ans Abrichten gehen.

Bundkronen nach dem Längsschliff
FOTO: M. "Doc" Schneider
Bundkronen nach dem Längsschliff

Mit feinem Schliff gegen Unebenheiten

Zum Schleifen benutze ich einen geraden Ahornblock (ca. 300 x 50 mm), den ich mit 240er Lackschleifpapier umspanne (Abb. 3). Ich benutze keinen hohlen, dem Griffbrettradius angepassten Block. Dies wäre zwar logisch jedoch zeigt sich auch hier, dass das Griffbrett selten perfekt ist. Durch unterschiedliche Radien (und es reicht eine kleine Abweichung) nimmt ein hohler Block ggf. zu viel Material weg. Er wird ja zusätzlich zum Begradigen der Bundkronen auch noch in den vorgegebenen Radius schleifen. Das mag hier und da funktionieren; ich gebe aber dem geraden Ahornblock den Vorzug, da ich mit ihm direkter und näher gemäß den vorliegenden Parametern arbeiten kann. Praktisch gesprochen: Er schmiegt sich besser an die Bundkronen und deren Verlauf an und ermöglicht mir – auch bei variierenden Griffbrettradien – die Materialabnahme besser zu kontrollieren.

Schritt 2: Schleifen quer zum Griffbrett
FOTO: M. "Doc" Schneider
Schritt 2: Schleifen quer zum Griffbrett

Zunächst schleife ich parallel zur Mittellinie. Nach ein paar Zügen kontrolliere ich den Halsverlauf mit dem Lineal und stelle ggf. am T-Rod nach. Alle Bundkronen stehen in der gleichen Flucht, wenn die Kronen Schleifspuren aufweisen und das Lineal auf der gesamten Länge aufliegt. Anschließend arbeite ich quer zu Mittellinie. Dadurch schleife ich die Bundkronen weitestgehend konform zum Griffbrettradius, entferne auch noch kleinste Unebenheiten und erziele ein feineres Schleifbild.

Bundkronen nach dem Querschliff
FOTO: M. "Doc" Schneider
Bundkronen nach dem Querschliff

Farbig zum Profil

Die Bundkronen sind nun alle in einer Flucht und relativ fein geschliffen aber die Kronen sind nicht mehr schön verrundet. Durch das Schleifen haben sie einen breiten, flachen Kopf. Diesen gilt es zu verrunden und zu einer gleichmäßig verlaufenden Krone zu formen.

Zunächst nehme ich einen Retouchierstift aus dem Lackbereich (Filzstifte setzen meine Feile zu) und markiere die Bundkronen. Im nächsten Arbeitsschritt kommt eine spezielle hohle Feile zum Einsatz. Der Fachhandel bietet diese Spezialfeilen unter dem Begriff „Bundfeile“ an. Mit ihr bearbeite ich die Bundkrone und feile solange Material von der Flanke der Krone, bis nur noch eine feine Linie auf dem Bundstäbchen stehen bleibt.

Die fertig profilierten Bundkrone
FOTO: M. "Doc" Schneider
Die fertig profilierten Bundkronen

Diese feine Linie zeigt, dass die Krone wieder ein sauberes, verrundetes Profil hat; zeigt aber auch, dass sie noch in der Flucht ist und nicht im Zuge des Profilierens an Höhe verloren hat. Ein sauber erreichtes Etappenziel, das nun noch weiter entgratet und feiner aufgearbeitet werden muss. Die entsprechenden Arbeiten sind dann Stoff für den nächsten Repair Talk. Bis dann, der „Doc“.

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Teil 11

Bund Problemzonen
FOTO: M. "Doc" Schneider
Hier schneidet es: die „Problemzonen“ der Bundkante

In der Repair-Talk-Serie geht es um die komplette Neubundierung mit all ihren Arbeitsschritten und Tücken. Gerade die „Kosmetik“ der Bundkanten lässt bei vielen Neuinstrumenten zu wünschen übrig.

Viele Instrumente im unteren Preissegment haben sehr scharfe Bundkanten, was die Spielfreude nicht gerade erhöht. Daher ist dieser Arbeitsschritt nicht nur für den fortgeschrittenen Tüftler, der sich eine Neubundierung zutraut, interessant, sondern auch für den Gelegenheits- Schrauber. Mit dem Überarbeiten und Entschärfen der Bundkanten kann man nämlich eine Menge Spielkomfort aus seinem Instrument herausholen!

Schräg zählt nicht

Nach der vollendeten Neubundierung wurden im letzten Repair Talk die Bünde abgerichtet und verkront. Die Bundenden fühlen sich aber noch sehr rau an. Für mich ist nicht die steile Bundkante das Problem, sondern die zwei Spitzen sowie der durch die Bearbeitung entstandene Grat an den Flanken. An diesen beiden Stellen schneidet das Metall regelrecht in die Greifhand. Ein weiteres Anschrägen der Bundkanten führt kaum zu einer Verbesserung – im Gegenteil: Durch ein zu weites Anschrägen der Bundkanten verkürzt sich die spielbare Länge des Bundstäbchens, wodurch man beim Spielen der äußeren Saiten schneller von der Griffbrettkante rutscht. Um dies zu vermeiden, lasse ich die Bundkanten so steil wie möglich und gehe einen anderen Weg für mehr Komfort: Ich entferne die beiden spitzen Kanten sowie den Grat und bringe das Ende des Bundstäbchens in eine abgerundete, nicht mehr scharfe Form.

Mit dem richtigen Werkzeug zum Ziel

Für diesen Job kommen unterschiedliche Feilen zum Einsatz, die ich teilweise für ihren speziellen Einsatzzweck umgearbeitet habe. Ich benutze eine recht spitze Dreikantfeile, die normalerweise zum Schärfen japanischer Handsägeblätter gedacht ist. An dieser Feile habe ich die flache Seite plan geschliffen und poliert. Mit ihr kann ich die scharfe Spitze der Bundkante wegstoßen. Durch den steilen Verlauf der Feile stoße ich nur die Spitze weg, die Flanke des Bundendes bleibt in diesem Arbeitsschritt größtenteils unbearbeitet. Die plane Seite der Feile wird auf dem Griffbrett geführt. Durch die polierte Fläche wird das Griffbrett dabei nicht bzw. kaum angegriffen. Dabei feile ich nicht im eigentlichen Sinne, sondern stoße nur mit ein oder zwei Bewegungen die Spitze weg.

Für den nächsten Arbeitsschritt nehme ich eine halbrunde, hohle Feile. Mit den gleichen Bewegungen wie im vorherigen Schritt entgrate ich die Flanken mit wenigen Stößen. Die hohle Feile entfernt den Grat, verrundet die Flanke und macht die Form der Bundkante etwas geschmeidiger. Auch in diesem Arbeitsschritt ist es weniger ein Feilen sondern mehr ein Stoßen. Zwar wird auch bei der Rückwärtsbewegung etwas Material mitgenommen aber die Hauptkraft liegt im Stoß. Das halte ich für eine schonende, angebrachte Methode, um den festen Sitz des Bundstäbchens im Bereich der Kante nicht durch eine unnötig harte Bearbeitung zu gefährden. Generell forme ich bei diesem Arbeitsschritt lediglich die Flanke und lasse die Krone des Bundes weitestgehend unberührt.

Frei Hand zum Komfort

Das finale Feilen der Bundkanten erfolgt dann wieder mit einer Dreikantfeile. Sie wird normalerweise für das Schärfen von europäischen Handsägen benutzt, ist etwas flacher und hat ebenfalls eine polierte Flanke. Mit dieser Feile forme ich jedes Bundende weiter in eine verrundete Form. Da sie anders als die Feile aus dem vorherigen Arbeitsschritt keine hohle Form hat, arbeite ich mit ihr nach Augenmaß. Es gilt, die Flanke und die Stirnseite in einem verrundeten aber noch definierten Übergang zu bringen.

Wenn Flanken und Stirnseite die gewünschte Form annehmen, ziehe ich die Kontur bis zur Krone hoch. Die Feile wandert entlang der Bundkante und blendet die verschiedenen Flächen miteinander ein. Auch hierbei vermeide ich es, zu viel Material wegzunehmen.

Um ungewollte Bearbeitungsspuren auf Dem Griffbrett zu vermeiden, führe ich die Feile wieder mit der flachen, polierten Kante nach unten. Dieser Arbeitsschritt verlangt schon etwas Werkzeugkontrolle, Geduld und Konzentration. Richtig ausgeführt hat das Bundende nun eine verrundete Form ohne Grat oder scharfe Kanten. Die spielbare Bundlänge wurde durch die Kosmetikbehandlung nicht nennenswert verkürzt.

Das klingt jetzt vielleicht etwas abstrakt und sackt nicht sofort bei jedem Tüftler. Ich glaube aber, dass im weiteren Verlauf der Neubundierung – insbesondere wenn die Bünde komplett aufpoliert sind – das gesteckte Ziel klarer wird und die gezeigten Arbeitsschritte dabei helfen, dem Gitarrenhals die „Schärfe“ zu nehmen.

Die Bundkronen wie auch die Bundkanten sind jetzt zwar schon grob in Form gebracht, sind aber noch weit von der gewünschten Haptik entfernt, da die entstandenen Bearbeitungsspuren durch die Feilen eine raue Oberfläche hinterlassen haben, die noch feingeschliffen werden muss.

Deshalb geht es mit feinem Schleifpapier und reichlich Polierarbeit im nächsten Repair Talk weiter, bis die Bünde und das Griffbrett auf´s Feinste glänzen und geschmeidig glatt sind. Bis dann, der „Doc“.

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Teil 12

Willkommen zur neuen Folge von Repair Talk, die sich mit der finalen Bund- und Griffbrettbearbeitung im Rahmen einer kompletten Neubundierung beschäftigt. Aktuell sind alle Bundkronen und Bundkanten fertig geformt, haben aber noch sicht- und fühlbare Bearbeitungsspuren aus den vorangegangenen Arbeitsschritten. Eine derart grobe Oberfläche lässt kein komfortables Saitenziehen zu – und so richtig geschmeidig fühlt es sich auch noch nicht an.

feines papier für den feinen schliff

Es gilt, die Bearbeitungsspuren der Feilen zu entfernen, ohne dabei das Griffbrettholz unnötig zu verletzen. Bei mir funktioniert 400er Nassschleifpapier (Abb.1) sehr gut, da es im Längsschliff kaum oder keine Schleifspuren hinterlässt. Damit ich beim Schleifen genügend Druck ausüben kann, ohne das sensible Händchen zu verletzen, habe ich einen „Schutz“ gebastelt. Er besteht aus mehreren Lagen GaffaTape und wird über den Mittelfinger gestülpt (Abb.1, neben dem Schleifpapier). Ein zurechtgeschnittenes Stück Schleifpapier wird gefaltet und um den „Schutz“ gelegt.

Neubundierung
Abb.1: Gut vorbereitet in für den Feinschliff

Beherzt und mit genügend Druck bearbeite ich so die Bundkanten und auch die Bundkronen (Abb.2). Zunächst in Längsrichtung entlang des Griffbretts. Der flexible „Schutz“ schleift die Bundkanten in einem sehr weichen Verlauf. Danach erhalten die Bundkronen einen Schliff, verlieren so die Bearbeitungsspuren und werden dabei noch etwas weiter profiliert. Die Bundkronen benötigen – bei guter Vorarbeit – in der Regel recht wenig Schleifarbeit. So verliert man kaum oder keine Höhe des Bundmaterials. Die Bundkanten hingegen können ruhig ein wenig kraftvoller und komfortorientierter (schöner weicher Verlauf) geschliffen werden.

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Abb.2: Schritt 1 : In Längsrichtung Kanten und Kronen beischleifen

Ein positiver Nebeneffekt bei unlackierten Hälsen ist die gebrochene Griffbrettkante (Abb. 3) zwischen den Bünden. Das um den „Schutz“ gewickelte Papier schleift die Bundkante, aber auch die Griffbrettkante und erzeugt eine sehr angenehme, fast „eingespielt“ wirkende Haptik. Nicht so überzogen wie einige „rolled in edges“-Varianten. Dort sind die Kanten derart ausgeprägt verrundet, dass im Übergang Bund zur Griffbrettkante ein oftmals störender Grat entsteht. Die gebrochene Kante ist nicht mehr scharf und durchaus geschmeidig, hat aber nicht diesen sehr ausgeprägten und teilweise störenden Übergang zum Bundende – für mich die bessere Variante.

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Abb.3: Gebrochene Kante für mehr Komfort

nach längs kommt quer

Ist die gewünschte Form von Kronen und Kanten erreicht, müssen die entstandenen Schleifspuren (Längsrichtung Griffbrett) entfernt werden. Dazu arbeite ich wieder mit 400er Papier – nun aber in Querrichtung, also entlang der Bünde (Abb.4). Das zu erreichende Ziel besteht darin, die Bundkronen frei von Schleifrillen in Längsrichtung (Griffbrettrichtung) zu haben, da diese später beim Saitenziehen spürbar und störend wären.

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Abb.4: Schritt 2 : Feinschliff entlang der Bünde

In den meisten Fällen schütze ich das Griffbrett auch beim Querschliff nicht. Häufig muss gar nicht viel geschliffen werden und das Griffbrett bleibt weitestgehend von Spuren des Querschliffes verschont. Müssen Bünde umfangreicher quer zum Griffbrett geschliffen werden, kann mit einem dünnen Metallstreifen (Abb.4/rechts) eine ggf. störende Riefenbildung im Griffbrett verhindert werden.

Sind die Querriefen (auf die Bundrichtung bezogen) in den Bundstäbchen entfernt, kann das Schleifpapier zur Seite gelegt werden. Die Schleifspuren (entlang der Bünde und quer zum Griffbrett) werden nun mit sehr feiner Stahlwolle (Grad 0000) wegpoliert. Wie auf Abb.5 zu erkennen ist, forme ich einen Ballen aus Stahlwolle und arbeite ausschließlich (!) entlang der Bünde – also quer zum Griffbrett (!). So poliere ich Schleifspuren aus den Bünden und schleife auch das Griffbrett so fein, dass im Holz kaum oder keine Schleifspuren mehr zu erkennen sind. Im Resultat sind die Bundstäbe und das Griffbrett nun kratzerfrei aufpoliert und „manuell“ ist das gesteckte Ziel dieses Repair Talks erreicht.

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Abb.5: Schritt 3 : Aufpolieren entlang der Bünde

Bevor mit maschineller Hilfe das Streben nach Glanz noch weiter geführt wird, sollte auf einen Sonderfall hingewiesen werden:

lackierte oder unbehandelte helle griffbretter

Alle bis hierhin beschriebenen Arbeitsschritte können bei unbehandelten harten Griffbrettern angewendet werden. Bei unbehandelten weichen oder lackierten Griffbrettern führt das Schleifen der Griffbrettfläche unweigerlich zu einem sichtbaren Verkratzen der Oberfläche. Da sich diese Kratzer nicht mehr herauspolieren lassen, ist es ratsam, die empfindlichen Flächen vor dem Schleifen abzukleben. Ich verwende dazu Malerkrepp (Abb.6).

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Abb.6: Bei empfindlichen Grittbrettern sollte abgeklebt werden.

Unbehandelte helle Griffbretter werden auf diese Weise auch vor metallischem Schleifstaub geschützt, der sich ggf. in den Poren festsetzt und das Griffbrett ungewollt verfärbt. Schützen durch Abkleben ist somit ein zielführender Problemlöser. Wann und wie er eingesetzt werden muss/soll, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Es ist aber immer gut, etwas Krepp und ein Skalpell zur Hand zu haben.

Sind die sensiblen Flächen erst einmal geschützt, kann fast so vorgegangen werden, wie bei den beschriebenen harten Griffbrettern im ersten Teil dieses Repair Talks. Bei den Kanten muss etwas Druck weggenommen werden (sonst schleift man leicht durch das Krepp) aber die grundsätzliche Marschrichtung zum Ziel ist von den Arbeitsschritten her gleich. Am Ende steht dann auch hier das manuell aufpolierte Bundstäbchen.

maschinell zum hochglanz

So bearbeitet könnte das Griffbrett nach etwas Reinigen, Ölen, etc. bereits in den Einsatz geschickt werden. Das letzte Quäntchen Spielkomfort kann aber durch ein maschinelles Aufpolieren herausgekitzelt werden. Die ersten Erfolgserlebnisse in dieser Richtung hatte ich mit einem Exzenterschleifer, der mit einer weichen Grundplatte und einer Lammfellhaube ausgestattet war. Das lief schon sehr gut und produzierte auch mit diesem einfachen Setup ein überzeugendes Ergebnis.

Seit ein paar Jahren verwende ich Polierscheiben (Abb.7) auf einem Schleifbock. Links die grobe Scheibe, rechts die feine. Zum Polieren wird Wachs auf die Scheibe aufgetragen und anschließend das Griffbrett mitsamt der Bünde aufpoliert. Erst grob vorpoliert, dann fein auf Hochglanz gebracht.

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Abb.7: Aufpolieren in der Maschinen-Variante

Nach dem maschinellen Polieren muss der entstandene „Schleifschlamm“ bestehend aus Wachsresten und Metall-/Holzpartikeln vom Griffbrett entfernt werden. Ein fettlösender Reiniger hilft dabei. Mit sehr viel Küchenrolle, natürlich aus recyceltem Material, werden die Wachsreste vom Griffbrett entfernt, bis dann das unlackierte Griffbrett durch Ölen mit Ballistol versiegelt und geschützt wird. Bei lackierten Griffbrettern nimmt man eine Politur für lackierte Oberflächen.

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Abb.8: Ziel erreicht : Das aufpolierte Griffbrett …

Das mögliche Endergebnis zeigen die Abbildungen 8 und 9. Ein gepflegt matt glänzendes Griffbrett und sauber profilierte, glänzende Bünde. Ein ganz wichtiges und nun erreichtes Etappenziel im Kontext der Neubundierung. Da kann mit einem weichen Lappen hier und da noch etwas nachpoliert und Erreichtes zelebriert werden, bevor dann in der nächsten Repair-Talk-Folge „aufgesattelt“ wird. Bis dann, der Doc.

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Abb.9: … und eine geschmeidige Griffbrettkante

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Teil 13

Neubundierung
Abb. 1: Kleines Bauteil, große Aufgabe – der Sattel

Nachdem nun die Arbeiten an den Bünden und dem Griffbrett abgeschlossen sind, kommt ab diesem Repair Talk ein Bauteil ins Spiel, das zwar recht klein ist, dessen Einfluss auf das Gesamtsystem Gitarre aber oftmals unterschätzt wird. Gemeint ist der Sattel. Englisch: Nut oder auch Top Nut, nicht „Saddle“ (Saitenreiter) – das wird im heutigen multilingualen Sprachgebrauch häufig verwechselt.

Da das Bauteil Sattel für den Selbermacher und auch für den reinen Infotainment-Leser gleichermaßen interessant sein dürfte, möchte ich bei diesem Thema in insgesamt 3 Folgen etwas mehr in die Tiefe gehen.

die aufgaben

Los geht das Ganze mit der Frage nach den Aufgaben eines Sattels. Der Sattel stoppt die Saite im Bereich der Kopfplatte ab und erzeugt so bei gezupfter Saite den Ton der Leersaite. Die Nuten des Sattels führen die Saiten und bestimmen so den Saitenabstand sowie den Abstand der äußeren Saiten von den Griffbrettkanten. Diese Aufgabe wird modern auch gerne mit „String Spacing“ umschrieben.

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Abb. 2: Alles eine Frage des Abstandes – String Spacing

Die nächste und mindestens genauso wichtige Aufgabe des Sattels ist das Höhenverhältnis Sattel zum 1. Bund. Wie ich später noch ausführlicher erklären werde, ist es für ein gutes Gitarren-Setup enorm wichtig, dass die Nuten des Sattels so ausgearbeitet sind, dass die Leersaiten mit möglichst wenig Abstand über den 1. Bund geführt werden.

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Abb. 3: Spielentscheidend – Abstand Leersaite zum 1. Bund

unschuldig

Ich habe häufig Kunden in der Werkstatt, die ein Scheppern (also Aufschlagen der Saiten auf das Bundstäbchen) in mittleren Lagen auf einen zu tief gefeilten bzw. verbrauchten Sattel zurückführen. Ein offenbar weit verbreiteter Denkfehler: Bei einer am Bund abgedrückten Saite ist der Sattel in Punkto Scheppern (fast) völlig unbeteiligt. Die Saite schwingt in Richtung Steg. Was im Bereich Bund zum Sattel passiert, kann mit einem Saitenscheppern nichts zu tun haben. Ein zu hoher Sattel hingegen dazu führen, dass die Gitarre in den tiefen Lagen sehr schwer zu spielen ist. Barrégriffe lassen sich dann schwer und oftmals nur unsauber greifen, was sich dann ggf. wie ein Scheppern anhört aber mehr ein unsauberer Ton ist. Bei einem deutlichen Scheppern der gedrückten Saite ist der Schuldige an anderer Stelle zu suchen.

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Abb. 4: Die gedrückte Saite nimmt den Sattel aus dem Spiel.

neu oder alt

Die Repair-Talk-Reihe dreht sich ja um eine komplette Neubundierung, sodass sich an dieser Stelle die Frage stellt, ob der alte Sattel wieder montiert wird oder ein neuer Sattel gefertigt werden soll. Vorab: Das sehen nicht alle Werkstätten gleich. Es ist eine Frage des Budgets, des gesteckten Qualität-Ziels und auch ein bisschen der „Handwerker-Ehre“. Natürlich kann man – zeitschonend und abkürzend – irgendwie den alten Sattel wieder einbauen. Jedoch ist durch den Griffbrettschliff und die neuen Bünde das Höhenverhältnis Sattel zum 1. Bund ein anderes als vor dem Eingriff. Gut, man kann den Sattel mit Furnier unterfüttern – eine gängige und durchaus zulässige Methode – und so das Bauteil an die neue Einbausituation anpassen.

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Abb. 5: Verbesserungspotential – falscher Saitenabstand

Auf der anderen Seite ist nicht jeder alte Sattel perfekt oder wieder verwertbar. Die Abb. 1 zeigt einen Sattel, der vielleicht auf den ersten Blick gut aussieht. Das Spacing E- zu A-Saite ist aber alles andere als optimal. Man gewöhnt sich daran – aber da geht mehr.

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Abb. 6: Verbraucht und verfeilt – alter Sattel

Ggf. sind aber auch die Nuten des alten Sattels verbraucht oder sind in der Vergangenheit schon mal nachgearbeitet worden. Oder aber Dekaden von Rock’n’- Roll haben an der Substanz des Bauteils gezehrt. Äußerlich nur durch versteckte Haarrisse zu erkennen, ist der Sattel manchmal nur noch Stückwerk. Auch das kann man flicken und irgendwie wieder einsetzen, aber ein neu gefertigter und polierter Sattel hat frische Nuten, ist intakt und gibt dem ganzen Projekt Neubundierung einen weiteren wertigen Touch. In der Summe ist für mich ein neuer für die jeweilige Gitarre speziell angefertigter Sattel die zielführende Lösung, um aus der Neubundierung das Optimum an Spielkomfort und Bespielbarkeit herauszukitzeln.

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Abb. 7: Rock’n’Roll-Opfer – zerstückelter Sattel

die materialfrage

Wenn man sich für einen neuen Sattel entschieden hat, stellt sich natürlich unmittelbar die Frage nach dem Material. Der Markt bietet unterschiedlichste Rohlinge dafür an. Die gebräuchlichen Varianten sind Knochen, Graphit oder Hightech-Kunststoffe (z. B. die Tusq-Produkte), wobei Letztere alles Positive in sich vereinen soll. Auch wenn Ton und Ansprache des Instrumentes nicht ausschließlich am Sattelmaterial toppen oder floppen, hat der Sattel energetisch betrachtet eine nicht zu verachtende Aufgabe. Hier wird die Leersaite mit dem Hals gekoppelt.

Daher stehe ich dem Einsatz eines weichen Materials eher skeptisch gegenüber. Auch ich kenne die Videos mit dem „Falltest“. Dabei wird ein Kunststoffrohling (meistens Tusq) auf eine Tischplatte fallen gelassen. Der helle glockige Klang beim Auftreffen des Rohlings auf die Tischplatte soll gute tonale Eigenschaften aufzeigen. Das hört und bewertet jeder anders.

Ich habe im Laufe der Jahre schon den einen oder anderen Sattel gefertigt und stelle fest, dass für meinen Geschmack kein Material so sauber zu verarbeiten und dabei genügend hart ist wie Knochen. Da muss die Säge/Feile richtig arbeiten. Das Zerspanen ist akkurat – nicht faserig – und „Falltest“ hin oder her: Knochen als Rohmaterial hinkt in keinem Parameter den künstlichen Alternativen hinterher.

Ich glaube, dass die Kunststoffbefürworter eher den Vorteil sehen, dass man die gepressten oder gegossenen Kunststoffbauteile vorgefertigt immer in gleicher Qualität und in quasi unbegrenzten Stückzahlen bestellen kann. Ein bequemes Plus, das bei dem Naturprodukt Knochen nicht möglich ist. Da ich den Sattel ohnehin immer auf die variierenden Vorgaben des Instrumentes anpasse, ist der genannte „Vorteil“ für mich aber nicht relevant. Ich verwende und empfehle Knochen als Rohmaterial für den Sattel. Den kann ich gut und präzise be- und verarbeiten und bis Dato ist die Kundenresonanz durchweg positiv.

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Abb. 8: Diverse Rohlinge

hartes no-go

Nun könnte man aus meinen Zeilen folgern: Hart ist gut – härter ist noch besser und Metall (meistens Messing) als Sattelmaterial ins Spiel bringen. Das kann man machen, jedoch sind meine Erfahrungen mit dem Material eher unbefriedigend. Zum einen setzt man sein sensibles Werkzeug einem enormen Verschleiß aus (und kommt durch das schwer zu bearbeitende Material trotzdem nicht so wirklich an die angestrebten Maße) und zum anderen sind die Nuten – auch wenn sie noch so sauber ausgearbeitet wurden – durch Korrosion etc. sehr schnell „stumpf“. Damit meine ich, dass die Saite sich eher im Sattel verklemmt, was zu Verstimmungsproblemen führen wird.

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Abb. 9: Hart aber mit Nachteilen – der Messingsattel

Man kann lange darüber diskutieren, aber für mich bietet Knochen die optimale Mischung aus Härte und Formbarkeit. Auch wenn es recht arbeitsintensiv ist, den Knochenrohling in einen fertigen Sattel zu formen, werden wir uns im nächsten Repair Talk genau damit beschäftigen. Bis dann, der „Doc“. [5774]

8 Kommentare zu “Repair Talk: Neubundierung”
  1. Hey Cool,
    ich stelle mir die Frage die ganze Zeit. Soll ich oder soll ich nicht?

    Neben den Überlegungen zum warum, spielen bei mir die Kosten auch eine große Rolle.
    Meine gebrauchte Gitarre mit FL und Binding hat 550€ gekostet und das Neubundieren mit Einstellen kostet 220€.

    Ich werde mich wohl für das Neubundieren entscheiden, da sich die Gitarre bisher am besten spielt – abgesehen von den Bünden 10-20 auf den G,H,e Saiten (vergleichbar Abb. 3).

    Danke für diesen Artikel, der bestätigt mich in meinem Vorhaben.

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  2. Bin G&B- Leser und habe die Dezember Ausgabe schon hinter mir, arbeite parallel an meiner ersten Neubundierung … alles in Butter!… wie viele Folgen gibt es noch? … sprich wann bin ich fertig? … unklar ist mir nur wieso der Sattel weg muss, oder habe ich da was überlesen? … Gruss, Tom

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    • @Tom, im text steht der “verbrauchte” Sattel.
      Ich vermute das das nicht allgemein gilt, sondern nur bei dieser speziellen Gitarre.
      Wenn die Bünde so runter sind, dann ist vermutlich der Sattel öfter nachgefeilt worden, sodass dieser für neue Bünde viel zu niedrig ist.

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  3. Hallo Doc,
    eine Frage zur Statik des Halses. Der Hals meiner Gitarre ist sehr dünn und spielt sich dadurch sehr angenehm. Allerdings kann das Holz dadurch der Zugspannung der (11er) Seiten nicht viel entgegensetzten und man muss mit dem T-Rod viel Ggegenspannung aufbauen damit der Hals grade wird. Beim Saitenwechsel fehlt dann die Spannung der Saiten und der der Hals wird krumm. Das fiel mir auf als ich die tiefe E-Saite als erstes ausgebaut hatte und dann alle anderen Saiten an den Bünden anlagen. Ist das ein Problem? Dann kann ich doch die Bundhöhe ohne Saiten gar nicht optimieren?
    Viele Grüße
    Peter

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  4. Danke für den tollen Artikel. Meine Bünde schauen teilweise so wie in Ab. 1 aus. Aus dem Artikel ist mir nun nicht klar ob dies nun Neubundierung bedeutet, oder kann man diese Kerben/Kuhlen mit abschleifen noch egalisieren?

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  5. Kompliment. Führt gut + zügig durch alle Stadien durch. Super Bebilderung! Gut auch, dass z.T. alternativ zu (semi-) professionellem Werkzeug auch einfache Alternativen beschrieben werden. Für “nur mal so” eine Gitarre neu bundieren sind nach meiner Erfahrung aber der Aufwand und zwangsläufige Erfahrungsschatzdefizite gewichtige Hinderungsgründe. Für Mehrfachtäter lohnt sich hingegen gutes Werkzeug, das in Summe aber auch ins Geld geht. Daher meine Empfehlung: für einmaliges Bundieren: Fachmann machen lassen. Für viele Gitarrenhälse….Übung macht den Meister, also: sich erst an ein Billigstück wagen, würde Sinn machen. Viel Erfolg! Mit musikalischen Grüßen

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  6. Anton D.

    Sehr interessanter Artikel! Vielen Dank! Zeigt schön die Arbeit eines Profis. Die ist es aber auch und sollte es offensichtlich bleiben! Eine Neubundierung scheint mir absolut nichts für Gelegenheitsreparateure zu sein.

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  7. Jörg Schäfer

    Echt Klasse gemacht. So eine Anleitung hätte ich gerne vor 20 Jahren gehabt als ich mit Bundierungen und Bünde abrichten angefangen hab. So musste ich mir viel selber aneignen und Gitarrenbauer nerven, bis sie ihre “Geheimnisse” teilen wollten. Gruss Jörg

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