Kolumne

Parts Lounge: Dumble – Geht’s auch mit Pedal?

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In der letzten Ausgabe habe ich beschrieben, ob und wie man sich dem Dumble-Sound „on a budget“ nähern könnte. Dass das sehr schwierig werden würde, habe ich geahnt. Und das versteht nur, wer einmal einen dieser, vor allem frühen, Dumble-Modelle gehört hat.

Mittlerweile ist der Guitar Summit 2025 in Mannheim vorüber, wo der Dumble bei verschiedenen Gelegenheiten Thema war und vorgeführt werden konnte. So, zum Beispiel, in meiner Masterclass oder zusammen mit Thomas Blug auf großer Bühne. Immer wieder sorgte der Sound-Charakter des Amps für staunende Gesichter. Thomas und ich waren uns einig, dass bei vielen Dumble-Fans der Fokus zu sehr auf dem so genannten Overdrive-Modus liegt. Ist ja auch logisch, denn diese Sounds kennt man von zahlreichen Aufnahmen, wie zum Beispiel David Lindley, Christopher Cross, Steve Lukather, Robben Ford oder John Mayer.

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Der Overdrive-Sound kann aber nur so gut sein, wie der Grundcharakter dieses Amps. Und diesen Charakter kann eben kein Pedal der Welt kopieren. Dumble selbst hat mir vor vielen Jahren am Telefon erzählt, dass ihn persönlich der Overdrive-Sound gar nicht so sehr interessiert. Er stand bei ihm gerade nicht im Fokus der Entwicklung, sondern vor allem der Grundton. Ihm ging es vor allem um das gesamte Frequenzspektrum, die Dynamik und die Ansprache seiner Verstärker. Lowell George sagte einmal in einem Interview, sein Dumble klänge, wie ein Fender Amp eigentlich klingen müsste.

Das war sehr treffend, denn der so genannte Fender-Ton bildet die Basis des Dumble Sounds. Und doch: Die Bässe sind hier viel klarer, aber auch runder, die Mitten wesentlich prägnanter und die Höhen milder, aber offener. Die Gitarre resoniert auffallend deutlich auf dem Brustbein des Spielers. Genau wie bei einem guten Cello oder einem hochwertigen Konzertflügel. Letzterer wurde häufig als Vergleichsklang erwähnt, wenn Profi-Gitarristen den Dumble bei mir zu Hause getestet haben.

Möchte man dagegen hauptsächlich den Overdrive-Modus bedienen, scheint es jede Menge Pedale zu geben, die diesen markanten Ton bieten sollen. Ich habe in den vergangenen Monaten zahlreiche davon gekauft oder ausgeliehen, um mich selbst davon zu überzeugen, ob das stimmt. Natürlich gibt es mittlerweile viel mehr davon, als ich in dieser Zeit finden konnte. Manche sind sehr selten oder in Deutschland kaum zu bekommen. Dennoch war meine Auswahl am Ende recht repräsentativ. Darunter natürlich die Klassiker: Royal Overdrive von Van Weelden, den Ethos Overdrive, den Zendrive II mit Röhre oder den Valve-Job II von Fuchs. Dazu noch einige Verwandte, die ebenfalls gar nicht schlecht abschnitten, obwohl sie eigentlich gar nicht als spezielle Dumble-Pedale beworben werden.

Sehr schnell sollte sich herausstellen, dass es bei der Beurteilung vor allem darauf ankam, welchen Amp man damit ansteuern wollte. Diese Pedale erfüllen ihren Zweck kaum vor einem Vox AC30, einem Engl-Amp oder vor einem Marshall. Und das hat wiederum mit dem Grundton dieser Amps zu tun. Wer sich wirklich annähern möchte, wählt natürlich einen Fender-Amp. Ich habe Robben Ford selbst in Deutschland live erlebt, und zwar mit einem Twin Reverb Reissue und einem Zen-Drive-Pedal. Sein Ton war wie immer, was aber sicher auch daran lag, dass er mit diesen Sachen perfekt umgehen kann und eben diesen typischen Sound einfach in sich trägt.

Zum Test meiner Pedalauswahl habe ich also einen 65er Fender Bandmaster, einen 68er Fender Bassman und natürlich meinen 59er Tweed Deluxe gewählt. Die ersten beiden müssen wir nicht weiter unterscheiden, weil sie einfach sehr, sehr ähnlich klangen. Die Fender Amps ähneln zwar dem Dumble-Grundton etwas, klingen aber bei Weitem nicht so mittig und fett, wie der Ton, den man letztlich erreichen möchte. Abhilfe schaffte da ein wenig der Einbau eines Mastervolumen-Reglers in den Fender Bassman. So konnte ich den Amp stets in jenen Sweetspot regeln, der für das jeweilige Pedal ideal erschien. Denn alle Pedale klangen nicht wirklich überzeugend, wenn man den Amp nur auf Volume-Stellung drei oder weniger spielte. Ein ganz klein wenig „Dumble-Macht“ stellt sich etwa bei Lautstärke 6 ein. Jedenfalls war das beim Bassman so. Da jetzt aber die typischen Mitten fehlen, gab es bei einigen Pedalen die Möglichkeit, diesen Bereich zu boosten.

VAN WEELDEN ROYAL OVERDRIVE

Van Weelden Royal Overdrive (Bild: Udo Pipper)

Der Holländer Peter van Weelden gehört – zumindest in Europa – zur ersten Riege, wenn es um Dumble-Amps geht. Seine Twinkle-Land-Repliken des Overdrive Specials gehören nicht nur für Joe Bonamassa zu ständigen Begleitern auf Tour. Diese Amps genießen tatsächlich einen legendären Ruf. Ein Ableger dieser Amps ist sein Royal Overdrive Pedal, ein üppig ausgestattetes Pedal mit Dumble typischen Overdrive-Sounds. Allein die Verarbeitung dieses Pedals verdient den Hauptpreis, denn da konnte kein Mitbewerber auch nur annähernd mithalten. Dafür ist es auch recht groß und hoch. Aber das Design ist insgesamt so gelungen, dass man es allein deshalb eigentlich schon kaufen möchte. Dieser Eindruck blieb auch während des Tests erhalten. Die Overdrive-Sounds sind warm und recht weich und daher zunächst für Blues-Sounds sehr gut geeignet. Den straff mittigen Dumble-Sound erreicht man nur mit Mid-Boost-Unterstützung, was das Pedal aber auch problemlos liefert. Durch eine komplette Klangregelung erhält man die Möglichkeit, die Klänge in verschiedene Richtungen abzustimmen. Der weiche Grundcharakter bleibt jedoch immer erhalten. Die Overdrive-Reserven waren insgesamt zahmer als beim Original-Amp, der zusätzlich mehr Headroom und Biss zur Verfügung stellte. Und dennoch ist es das ideale Pedal für Fusion-Freunde, die vor allem im Jazz-Rock oder Blues zuhause sind.


ETHOS OVERDRIVE

Ethos Overdrive (Bild: Udo Pipper)

Den Status, den der Royal Overdrive in Europa hat, besitzt das Ethos Pedal in den USA. Hier gilt es als das ultimative Dumble-Pedal. Meine Version hatte sogar zwei Kanäle und jede Menge Switches und zusätzliche Regler, um es noch besser anzupassen. Mir war das an mancher Stelle schon ein wenig zu viel. Man schraubt und dreht ohne Ende und schießt dabei auch zu oft über das Ziel hinaus. Zwar sind die Overdrive Sounds auch hier recht überzeugend, aber ein Laie wird nur schwer fündig, wenn er keinen Original-Amp daneben hat. Positiv formuliert, kann das Pedal also durchaus mehr, als nur die typische Dumble-Textur wiedergeben, sondern auch kreativ als Sound-Unit für alles Mögliche eingesetzt werden. Die Verarbeitung ist durchschnittlich: Ein schlichtes Hammond-Gehäuse mit aufgeklebter Typo. Aus einer Sichthöhe von 160cm bis 180cm kann man die Typo kaum noch erkennen, was angesichts der zahllosen Regelmöglichkeiten oft etwas stört. Insgesamt straffer und etwas aggressiver als das Van Weelden Pedal mit größeren Gain-Reserven.


HERMIDA ZENDRIVE II

Hermida Zendrive II (Bild: Udo Pipper)

Der mittlerweile extrem gesuchte Klassiker aus dem Hause Hermida kommt mit Röhre (ECC83) in der Vorverstärkung und bietet die gewohnt mittigen und obertonreichen Texturen der Dumble-Klassiker. Was hier gefällt, ist vor allem die Eindeutigkeit dieses Produkts. Es ist fast egal, wie die vier Regler stehen, der typisch weiche und farbenprächtige Overdrive kommt aus diesem Pedal einfach prompt heraus. Mit Tone und Contour kann man sich wunderbar ins Bandgefüge einbetten und vor allem zwischen mehr Weichheit oder Biss regeln, ohne sich im Options-Chaos zu verlieren. Noch dazu kann man den Charakter des Pedals mit anderen Röhren erheblich verändern. Eine NOS Röhre oder 12AT7 oder 12AY7 können da wahre Wunder bewirken – je nachdem, wie viel Gain man benötigt. Leider wird unser Test-Pedal in dieser Version (Hermida) nicht mehr gebaut. Ansonsten der vielleicht schnellste und einfachste Weg zum Dumble-Overdrive-Ton.


MAD PROFESSOR TWIMBLE

Mad Professor Twimble (Bild: Udo Pipper)

Nach langer Suche wurde dieses Pedal mein Liebling in Sachen Dumble-Style-Overdrive. Ohne die integrierte Boost-Sektion auch als „Simble“ erhältlich, bietet der finnische Hersteller hier einen echten Klassiker mit dieser typisch weichen, aber obertonreichen Textur. Vor allem an meinem kleinen Tweed Deluxe ist dieses Pedal mein Testsieger. Der Ton ist etwas zahmer als beim Dumble, aber dafür umso geduldiger gegenüber Gitarren, die auch mal nicht ganz optimal klingen. Das Ding steckt einfach alles weg und verwandelt auch mal eine müde Gitarre in ein kleines Tone-Monster. Durch die zuschaltbare Boost-Sektion (Hot!) kann man sogar ein Solo noch besser hervorheben, weil hier der Ton deutlich dynamischer wird. Auf der Homepage von Andreas Kloppmann kann man das sehr schön hören, wenn der finnische Gitarrist Marko Karhu sein 56er Stratocaster-Set vorstellt.


FUCHS VALVE-JOB II

Fuchs Valve-Job II (Bild: Udo Pipper)

Vor allem für Anhänger des ganz frühen Silverface-Dumble-Overdrive-Special-Sounds ist dieses Pedal ein heißer Tipp. Es hat genügend Mitten, eine angenehm authentische Oberton-Textur und genügend Gain-Reserven für die auch mal ZZ-Top mäßigen Boogie-Sounds. Eine wirklich fette Soundmaschine. In unteren Gain-Bereichen kann man mit Fender-Amps auch sehr schön einige SRV-Sounds nachahmen. Es fehlt mitunter nur manchmal die glitzernde Offenheit des Originals. Insgesamt fand ich es aber noch ein klein wenig überzeugender als den Zendrive, denn es klingt vor allem im Bass noch ein wenig konturierter.

Alle Pedale taugen ohne weiteres für einen Dumblemäßigen Overdrive-Bereich. Man muss jedoch hier stets die richtige Amp-Paarung im Auge behalten. Sie klingen nicht vor jedem Amp wie gewünscht. Daher ist ein Frontend-Pedal, so, als würde man das Pferd von hinten aufzäumen. Es gehört mehr zum echten Dumble-Ton, als ein Pedal alleine liefern kann. Aber in die Nähe kommt man mit diesen kleinen Helfern schon recht gut. Ich selbst vertraue auch immer wieder auf meinen guten, alten Hughes & Kettner Tubeman 1, der dank eines Mid-Boost-Schalters meiner Vorstellung eines Dumble-Tons auch schon recht nahe kommt. Ich verwende das Pedal daher seit 1994 für solche Anwendungen, auch wenn er den Ton vom Original-Amp nicht ganz genau trifft. ●


(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)

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