Gute Reise: Wie man eine Gitarre verschickt − Teil 2

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LP Kopie in vermeintlich passendem Koffer (Bild: Christopher Kellner)

Im ersten Teil unseres Verpackungs-Workshops haben wir besprochen, wie man eine Gitarre verpackt, wenn man keinen Koffer zur Hand hat – doch auch wenn ein solcher vorhanden ist, sollte man immer Vorsicht walten lassen.

Ein Koffer schützt eine Gitarre beim Versand erheblich besser, sofern er die richtige Größe hat. Ist die Gitarre zu klein für den Koffer, kann sie im Inneren hin- und herwandern. Wie bereits im ersten Teil unseres Workshops besprochen, ist das der Hauptgrund für Versandschäden.

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Wer einen zu großen Koffer benutzt, sollte unbedingt Füllmaterial mit der Gitarre ins Innere packen. Am besten schlägt man die Gitarre einmal in Folie ein, damit sie nicht von geknüllten Zeitungen verkratzt wird. Auch hier gilt: Kopflatte und Gurtpin-Bereich besonders schützen!

Manche Koffer haben eine ungünstige Höhe der Halsauflage. Dadurch entsteht zwischen Korpus und Kofferboden ein Hohlraum, der leicht übersehen wird. Diesen sollte man unbedingt vor dem Versand prüfen, da es sich beim Bereich Hals-Korpusübergang um eine Sollbruchstelle der Gitarre handelt.

Das Gewicht der Gitarre sollte nicht auf der Halsauflage des Koffers lasten. Zusätzliches Füllmaterial unter dem vorderen Teil des Korpus im Bereich der Halsauflage schützt gut vor Schäden durch plötzliche Erschütterungen. Es mag überraschend klingen, aber selbst im originalen Koffer, mit dem die Gitarre ausgeliefert wurde, kann sie in manchen Fällen hin- und herfallen.

Das gilt insbesondere für ältere Modelle. Daher sollte man den Koffer mit der Gitarre immer vorsichtig „schütteln” und darauf achten, ob sie sich darin bewegt. Falls ja, muss Füllmaterial hinzugefügt werden, bis die mit Folie geschützte Gitarre fest im Koffer ruht.

Beim Andruck des Kofferdeckels können die Saiten gegen die Bünde gedrückt werden. Deshalb empfehle ich, vor dem Versand von teureren Stücken dünne, lange Kartonstücke dazwischenzuschieben.

Im Paket sollte der Koffer genauso wie die Gitarre nicht direkt an „Dach” und „Boden” stoßen, da bei einem harten Aufsetzen des Pakets auch der Koffer (und schlimmstenfalls die Gitarre darin) Schaden nehmen kann. Ich habe schon oft derartig beschädigte Koffer erhalten.

Idealerweise ruht der Koffer innerhalb des Pakets fest im Füllmaterial. Dieses wird in der Regel mehr als 10 kg wiegen. Es empfiehlt sich, dies beim Versand anzugeben. So vermeidet man Ärgernisse, Verzögerungen sowie Nachzahlungen oder gar eine Retoure.

DIE REISE BEGINNT

Damit sind wir bei der Phase des Vorgangs angelangt, in der es ernst wird: dem eigentlichen Versand. Zwar kann man das Paket bequem an der Haustür abholen lassen, jedoch funktioniert das nicht immer reibungslos, abhängig vom Fahrer. Eine zuverlässigere Abfertigung und damit Lieferung ergibt sich durch die Abgabe in einer Filiale. So kann man sicher sein, dass das Paket nicht übers Wochenende bei minus 10 Grad in einem angemieteten Lieferwagen steht.

Übrigens, was die Witterung betrifft: Sollte der Verkauf in eine Zeit fallen, in der strengste Minustemperaturen herrschen, empfiehlt es sich, mit dem Versand eventuell noch einige Tage zu warten, bis die Temperatur wieder wenigstens bei 0 Grad Celsius oder darüber liegt – sofern der Kunde damit einverstanden ist. Ich habe bereits mehrfach erlebt, dass Gitarren mit Kälterissen im Lack beim Kunden ankamen, wenn sie in einer Woche mit krassen Minusgraden verschickt worden waren.

Der Versand innerhalb der EU ist absolut problemlos und erfordert keine zusätzlichen Dokumente wie eine Handelsrechnung oder eine Ausfuhrbescheinigung. Geht die Lieferung jedoch aus der EU heraus (also auch in die Schweiz, nach Großbritannien oder Norwegen), müssen derartige Dokumente beigebracht werden.

Bis zu einem Gesamtwert der Lieferung (Ware plus Versand) von € 999 ist das unkompliziert: Einfach das Ausfuhr-Formular ausfüllen und mit aufkleben. Doch sobald der Gesamtwert € 1.000 übersteigt, wird es sehr bürokratisch. Dann ist eine Ausfuhranmeldung und -genehmigung erforderlich, da DHL das Paket sonst gar nicht erst annimmt.

Dazu muss die Lieferung beim Zoll angemeldet werden, wofür eine EORI-Nummer benötigt wird. Zudem müssen umfangreiche Formulare ausgefüllt werden, die sich Normalsterblichen nur mit telefonischer Hilfe des Zolls erschließen. In der Regel werden zudem die Beamten vorbeikommen, um die Gitarre zu inspizieren.

All das kann sich über mehrere Wochen hinziehen und erfordert einen geduldigen, verständnisvollen Käufer. Ich kann daher nur empfehlen, den Verkauf von Gitarren für mehr als € 1.000 zunächst auf die EU zu beschränken. Es sei denn, man hat unerschrockene Lust auf eine kafkaeske Formulareise – oder ist nach mehrmonatiger Warterei auf einen Käufer sehr verzweifelt …

Schutz des Griffbretts
Gefahrenzone Hals-Korpusübergang
Gefahrenzone Hals-Korpus erledigt

 

NUR KEINE ANGST

In unserer vom Online-Handel geprägten Zeit kann ich trotz eines Restrisikos beim Versand von Gitarren keine Empfehlung mehr aussprechen, diese nur „zur Abholung” anzubieten. Wenn man beim Verpacken und beim Versand richtig vorgeht, kann man das Risiko eines Schadens jedoch weitgehend minimieren.

Moderne Tracking-Möglichkeiten schützen den Verkäufer auch vor dem Verlust von Ware. Wer also bereit ist, etwas Umsicht und Aufwand in die Verpackung und den Versand einer Gitarre zu stecken, sollte in der Regel mit einem schnelleren Verkauf und großer Kundenzufriedenheit belohnt werden.

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)

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