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Guitar Guru: Samick- und Moridaira-Strat

Hast du Fragen zum Thema „alte und/oder merkwürdige Gitarren“? Wir beantworten sie auf dieser Seite. Monat für Monat. Diesmal geht es um eine Samick- und eine Moridaira-Strat.

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Frage: Hallo Guitar Guru, Ich war bei Bekannten in die Kellerbar eingeladen. Und in einer Ecke stand eine E-Gitarre, die mir der Hausherr stolz vorführte. Da ich mir absolut keinen Reim auf dieses Instrument machen kann, sende ich euch ein paar Fotos mit der Frage, ob Ihr vielleicht etwas dazu sagen könnt. Mein Bekannter hat diese Gitarre etwa 1978 gebraucht gekauft. Besten Dank vorab!

Bernhard

Antwort: Bei dem Instrument deines Bekannten handelt es sich um eine Strat-Kopie aus den mittleren bis späten 1970er-Jahren. Der Eigentümer der Marke “Renata” ist nicht mehr zu ermitteln. Allerdings existierten damals Hunderte von verschiedenen Markennamen, da sich jeder in Asien die angebotenen Modelle bestellen und seine Marke anbringen lassen konnte. Und so gibt es oft die exakt gleichen Modelle mit unterschiedlichen Markennamen. Wer aber hat die Gitarre gebaut?

Da gibt es einige Hinweise, z.B. die Form des Trussrod-Covers, die Form der Halsplatte sowie der kleine Modellnummer-Aufkleber darauf. Ganz eindeutig wird der Fall allerdings durch den leider teilweise abgerissenen Aufkleber (auch bekannt als “Baseball-Sticker”, weil er wie ein Baseball aussieht) auf der Rückseite der Kopfplatte – denn das war mit Sicherheit der typische Inspektions-Sticker der koreanischen Firma Samick.

Die Gitarre wurde also von Samick in Südkorea gebaut. Die Firma gibt es seit 1958, und einige Jahre später begann sie mit dem Bau von E-Gitarren, die damals noch so ziemlich die unterste Ebene an Qualität darstellten (heute bauen die in Top-Qualität). In den mittleren 1970er-Jahren verlagerte sich die Herstellung von Gitarren im Einsteiger-Segment immer mehr nach Korea, weil die Produktion in Japan wegen steigender Löhne langsam zu teuer wurde, und die Koreaner genug Know-how aufgebaut hatten – teilweise auch mithilfe japanischer Firmen, die ihre Billigproduktion dorthin auslagern wollten.

Die Modelle orientierten sich dabei noch sehr eng an den japanischen “Vorbildern”. Heute gibt es in Foren und Facebook-Gruppen oft lange Gesichter und sogar Streit, wenn eine hoffnungsvoll als japanisches Schätzchen ersteigerte Vintage-Gitarre sich als koreanisches Sperrholz aus der gleichen Zeit erweist. Man merkt auch an der Gitarre deines Bekannten, dass man damals unbedingt Kosten sparen wollte, deshalb der etwas seltsame (und schief montierte) Tele-artige Steg, mit dem auf eine Tremolo-Fräsung verzichtet werden konnte.

Mit den drei Schiebeschalter sind aber tatsächlich mehr Soundkombinationen möglich, als das bei einer echten Strat der Fall war. Auf den einschlägigen Plattformen erzielen derartige Gitarrenmodelle so zwischen 80 und maximal 200 €.


Frage: Guten Tag, von einem Kumpel habe ich vor ein paar Jahren eine E-Gitarre geschenkt bekommen. Beim Ausmisten der Abstellkammer hab ich sie jetzt wiedergefunden. Der Kollege weiß nun leider auch nicht mehr, was das für eine E-Gitarre ist, oder wo er sie her hatte. Vielleicht können Sie mir sagen, was das für ein Modell ist und von welchem Hersteller sie ist.

A. Schaefer

Antwort: Bei der Gitarre handelt es sich um eine Stratocaster-Kopie, die von der japanischen Firma Moridaira (auch bekannt unter dem Markennamen “Morris”) gebaut wurde. Moridaira wurde 1965 von Toshi Moridaira gegründet. Bereits zuvor sicherte er sich als erster die Distributionsrechte an Fender und Gibson-Gitarren für Japan. 1964 besuchte er die Gibson-Fabrik in Kalamazoo und beschloss, selbst mit der Produktion von Gitarren in Japan zu beginnen.

Firmensitz war damals Nagano, heute ist die Firma in Tokyo ansässig. Bei der Gitarre handelt es sich um eine typische japanische Kopie der frühen bis mittleren 1970er-Jahre – im Volksmund werden diese Modelle oft auch nicht ganz korrekt als “Lawsuit”-Modelle bezeichnet, obwohl es die Gibson-Muttergesellschaft Norlin war, die Mitte der 1970er-Jahre gerichtlich gegen die US-Vertretung des japanischen Herstellers Hoshino (Ibanez) vorging.

Man einigte sich allerdings außergerichtlich, und seitdem werden japanische Gitarren außerhalb Japans nicht mehr mit Gibson- oder Fender-ähnlichen Kopfplatten verkauft. Die Identifizierung von Moridaira als Hersteller gelang mir aufgrund des fehlenden Markennamens und der charakteristischen Trussrod-Abdeckung, die der mit der Marke “Morris” gekennzeichneten Gitarren aus derselben Periode gleicht.

Es gibt da allerdings nur eine 99%ige Sicherheit – denn damals wurde in Japan recht wild von jedem für jeden unter welchem Label auch immer (und oft auch unter keinem) gebaut. Erst nach dem “Lawsuit” kehrte da eine gewisse Konsistenz ein. Die Gitarre scheint recht gut erhalten zu sein. Der fehlende Tremoloarm lässt sich leicht ersetzen, die Aufkleber entfernen – sollte die Elektronik funktionieren und auch sonst alles in Ordnung sein, dann schätze ich den erzielbaren Preis auf ca. € 300-350 , vielleicht sogar ein bisschen mehr, mit Geduld und Glück; allerdings drückt das fehlende Markenlabel eben den Preis.

 

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2019)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hi, habe eine ES355 Kopie mit Aufschrift “Phil” an Kopfplatte, eingeleimter Hals, Sunburst, Chrom Hardware, Binding. Woher und wie alt kann diese Klampfe sein?

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