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Blues Bootcamp: Steve Cropper − the original Blues Brother

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CHARAKTERISTISCHE STILELEMENTE

Keep it simple! Steve Cropper gilt als der bekannteste und einflussreichste Soul-Gitarrist aller Zeiten. Hier ein Zitat, das seine Haltung beim Spielen verdeutlicht: „Wir haben damals unsere Egos einfach an der Garderobe abgegeben. Der beste Part, die beste Idee, wurde genommen. Egal, ob sie von mir oder von Duck (Dunn) oder wem auch immer kam. Ich mag, wenn Parts einfach gestrickt und eingängig sind. Dann kann man sie live leichter variieren.”

Das herausragende Element seines Gitarrenstils ist die Einfachheit seiner Parts. Ein weiteres Zitat: „Ich spiele häufig Dinge, die andere Gitarristen wegen ihrer Einfachheit erst gar nicht in Betracht ziehen würden.” Diese simplen Gitarrenparts sind es, die ihn und seine Gitarrenarbeit auf den bekannten Soul-Klassikern weltberühmt gemacht haben, soweit man von Ruhm sprechen kann. Wie fast alle Rhythmusgitarristen ist auch Cropper, was das Wissen um ihn und seine Funktion bei der Produktion der o. g. Welthits angeht, eher unterbewertet.

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Aufgrund der historischen Nähe zum Blues basieren zahlreiche frühe Soul-Songs auf dem Blues-Schema bzw. leicht veränderten Varianten. Aber darüber hinaus ist es interessant, dass viele Akkordfolgen bekannter Soul-Songs der Stax-Ära aus gerückten Dur-Dreiklängen bestehen, die dadurch zwangsläufig tonartfremde Akkorde enthalten. Ein gutes Beispiel dafür ist Croppers erfolgreichster Song: ‚(Sitting On) The Dock Of The Bay’. Die Akkordfolge dazu findest du in Beispiel 1. In diesem Song findet man Dur-Dreiklänge auf allen Tönen der C-Dur-Tonleiter!

RHYTHMUSGITARRE

Zwei Elemente sind häufig in Croppers bekannten Gitarren-Parts anzutreffen:

  • Dreiklänge auf den oberen Saiten
  • Riffs mit Sext-Intervallen

In der Regel sind die Stax-Klassiker recht dicht arrangiert gewesen, mit Orgel und Bläsern, die in ähnlichen Frequenzbereichen stattfinden wie reguläre Gitarren-Voicings. Um akustisch trotzdem gut wahrgenommen zu werden, hat Cropper daher oft auf Dreiklänge auf den oberen drei Saiten gesetzt. In Beispiel 2 findest du die Umkehrungen eines Dur- und eines Moll-Dreiklangs auf den Saiten G bis E. In Beispiel 3 das Gleiche, nochmal eine Saite tiefer.

Eine typische Rhythmusfigur im Soul ist das Unterstützen der Snare auf 2 und 4 durch diese hohen, hellen Akkorde, wobei es darauf ankommt, den kurzen Impuls eines Schlages auf die Snare ganz genau zu treffen. Am besten benutzt man dabei nur Abschläge! Mit der Auswahl der Akkordumkehrung lässt sich übrigens auch die Intensität im Stück gut gestalten. Höher klingende Akkord-Voicings „fordern” etwas mehr als die dezenter klingenden, tieferen Lagen.

In Beispiel 4 findest du diatonische (tonleitereigene) Sext-Intervalle entlang der Saite, einmal in G-Dur und einmal in C-Dur. Dieses Intervall ist ja auch im Blues und der Country-Musik weit verbreitet, beides Stile, deren Elemente man auch im frühen Soul finden kann. Cropper spielt diese Intervalle gerne als eine Art auf zwei Töne reduzierte Dur-Dreiklänge.

Darüber hinaus findet man einige Single-Note-Pattern, die meist die Bassfigur doppeln, die sich aufgrund der Popularität der Songs, aus denen sie ursprünglich stammen, selbständig gemacht haben und zu Standardbegleitmustern geworden sind. In Beispiel 5 findest du zwei Stück davon.

Beispiel 6 ist vergleichsweise leicht zu spielen : Eine soulige Begleitung für einen Blues in A, angereichert mit ein paar Stax-Soul-Klischees. Hier sind die Highlights:

  • Takt 1 bis 4: einfache Dur-Dreiklänge in A und D
  • Takt 5 und 6: anstelle eines G-Dur-Dreiklangs spiele ich einen E-Moll, was einen Ära-typischen G6-Sound produziert
  • Takt 9 und 10: ein kleines ‚Soul Man’-Zitat
  • Takt 11 und 12: DER typische Soul-Turnaround.

SOLOGITARRE

Abgesehen von einigen sehr wenigen solistischen Momenten, in denen er dann auf die Blues-Skala zurückgreift, ist das Hauptthema Croppers einfach die Rhythmusgitarre. Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass die dominierenden Soloinstrumente im Soul einfach Saxophon und Orgel sind.

WAS KANN MAN VON STEVE CROPPER LERNEN?

Na klar – die Zeiten haben sich geändert, und auch die Rhythmusgitarre hat sich in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt. Aber das, was Steve Cropper schon in den frühen 1960er-Jahren ausgemacht hat, gilt eigentlich auch heute noch: Einfache Parts einfach gut spielen.

So, viel für diesen Monat vom Blues Bootcamp. Viel Erfolg beim Üben, und auch sonst so. Haltet durch und bleibt echt. Immer!

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)

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