Dave Grohl

Als Dave Grohl im Frühjahr 1995 den Schritt in die musikalische Unabhängigkeit und den Wechsel vom Schlagzeug an die Gitarre verkündete, erntete er vor allem mitleidiges Lächeln. Er war Mitte 20 und schien die berühmten 15 Minuten Ruhm längst hinter sich zu haben. Schließlich war Dave Grohl fünf Jahre lang der Drummer von Nirvana.

Ein baumlanger, ewig gut gelaunter Typ, der sich stets vornehm im Hintergrund hielt, zwar ein mörderisches Schlagzeug spielte aber nie das Zeug zu haben schien, nach Cobains Selbstmord auf eigenen Beinen zu stehen. Eben genauso wenig wie Bassist Krist Novoselic, der nach einem kurzen Intermezzo mit Sweet 75 tatsächlich sang- und klanglos von der Bildfläche verschwand.

Dave im Studio
Sony

Ganz anders Dave Grohl: Der biss sich durch, wurde zum begnadeten Gitarristen, Sänger und Bandleader, veröffentlichte mit den Foo Fighters grundsolide Alben und zählt zu einer der wichtigsten, weil schillerndsten Figuren der musikalischen Moderne. Ganz einfach, weil Dave Grohl fast immer und überall auftaucht. Weil er gern gesehener Gast bei renommierten Kollegen ist, die ihn wegen seines erstklassigen Drummings, seines kraftvollen Organs oder seines erfrischenden Humors zu ihren Sessions einladen.

Etwa David Bowie, Black Sabbath-Gitarrist Tony Iommi, die Wüsten-Rocker Earthling?, aber auch die Stoner-Könige von Queens Of The Stone Age oder Paul McCartney. Doch Grohl ist immer wieder Drummer – und was für einer. Dabei hat er sich bei den Foo Fighters auch als Gitarrist einen Namen gemacht. Sei es, weil er wunderbare Riffs intoniert oder weil er auch als Songwriter nie geahnte Fähigkeiten zeigt.  Mit den Foo Fighters hat Dave Grohl den Übergang vom Nirvana-Drummer zur rockistischen Kultfigur geschafft.

Dave Grohl vor einem Konzert

Ein weiterer Baustein zu Grohls Erfolg: Der Mann ist einfach unglaublich nett. Nebenbei intelligent, smart und geradezu entwaffnend ehrlich. Während sich Cobain – Magenprobleme hin oder her – oft fisselig und launisch gab, sorgt Grohl, wo er auch hinkommt, sofort für eine unverkrampfte Atmosphäre: „Ich bin ein fröhlicher Mensch“, bekennt er. Die Fans honorieren so was.

Dave Grohl

Und ganz nebenbei bedient er noch eine weitere Zielgruppe: Die Fraktion der UFO-Freaks. Die Bedeutung des Band-Namens dürfte hinlänglich bekannt sein. Grohl ist Hardcore-Science-Fiction-Fan, deshalb nannte er sein Label „Rosswell Records“ – nach jenem Ort in New Mexico, aus dem 1943 die Landung eines UFOs vermeldet wurde. (Berichte einer angeblichen Begegnung der dritten Art liegen bei der US-Army bis heute unter Verschluß.)

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