Chris Squire

Yes-Bassist Chris Squire revolutionierte einst den Sound und die Funktion der Bass-Gitarre in der Rock-Musik. Seine Markenzeichen waren ein brillanter Rickenbacker-Ton und dominierende Linien.

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Chris Squire Biografie

Zum Tod von Chris Squire 2015

Chris Squire über sein Equipment

6 Fragen an Chris Squire

Chris Squire Diskografie

Chris Squire Biografie

Christopher Russell Edward Squire wurde am 4. März 1948 in London geboren. Erste musikalische Erfahrungen machte er als Chorsänger und lernte dort viel über Gesangstechnik und das Arrangieren von Vokalsätzen.

Yes Chris Squire
Chris Squire mit Rickenbacker Bass in 1978

1964 flog er wegen ungebührlich langer Haare von der Schule, was das Ende seiner bürgerlichen Bildungslaufbahn markierte. Dafür sagte ihm das Londoner Partyleben umso mehr zu, was er allerdings so übertrieb, dass er sich anschließend über mehrere Monate im Apartment seiner Freundin regenerieren musste.

In dieser Zeit übte er wie besessen auf seinem Bass und entwickelte, hauptsächlich inspiriert von John Entwistle und Paul McCartney, seinen eigenen Spielstil. 1965 bekam er das Instrument seines Lebens, einen Rickenbacker4001-Bass, das vierte Exemplar überhaupt, das in England über den Ladentisch ging. Mit dem Sänger Jon Anderson verband ihn seine Vorliebe für vom Gesang geprägte Musik, und beide standen besonders auf Simon & Garfunkel.

Die beiden gründeten die Progressive Rockband Yes, und 1969 erschien das erste selbstbetitelte Album. Der Rest ist Geschichte, und Chris blieb in der von zahlreichen Besetzungswechseln geprägten Band-Historie der Fels in der Brandung und war als einziger Musiker immer mit im Boot.

Squire
Yes in ihrer Ur-Formation mit Peter Banks (guitar), Jon Anderson (vocals), Tony Kaye (keyboards), Bill Bruford (drums) und Chris Squire (bass)

Mit dem Album ‚Fragile‘ gelang Yes 1972 der internationale Durchbruch, und die von Roger Dean gestalteten LP-Covers waren kleine Kunstwerke. Als ich in meinen frühen Teen-Jahren in einem Jugendzentrum zum ersten Mal die komplexe Musik der Band hörte, war ich hingerissen von Andersons engelgleicher Stimme, und von den überaus vertrackten Song-Architekturen, die vor allem auf dem opulent gestalteten Triple-Live-Album ‚Yessongs‘ (1973) ausgebreitet wurden.

‚Roundabout‘ war auch auf ‚Yessongs‘ zu hören, aber die Urversion stammt von ‚Fragile‘. Der Song ist prototypisch für Chris Squires Stil.

Chris Squire bevorzugte eine ziemlich flache Saitenlage, was die Strings mit deutlichen hörbaren Schnarrgeräuschen quittierten. Rickenbacker-Bässe mit Roundwounds, gespielt mit Plektrum, waren Anfang der 70er-Jahre total angesagt. Mike Rutherford von Genesis und Roger Glover von Deep Purple waren prominente Ricky-Spieler.

Text: Wolfgang Kehle

Zum Tod von Chris Squire 2015

Chris Squire starb am 27. Juni 2015 mit 67 Jahren an den Folgen einer seltenen Form von Leukämie in Phoenix/Arizona. Save travels, Mr. Squire, RIP.

Das erste Album der Band, ‚Yes’, wurde 1969 veröffentlicht, ihr bislang letztes, ‚Heaven & Earth’, erschien 2014. Chris Squire war der einzige Yes-Musiker, der auf allen ihren Alben gespielt hat. Chris Squire hat einen einzigartigen Spielstil und Sound geprägt – immer mit Plektrum, und meist mit einem Rickenbacker 4001 erzeugte er einen brillanten, für die 1970er Jahre ungewöhnlichen Sound, der zu seinem Markenzeichen wurde. Gut zu hören auf diesem 15-minütigen Video von 1969!

Auch seine Ex-Yes-Bandkollegen reagierten bestürzt auf seinen Tot. Jon Anderson schrieb beispielsweise in einem persönlichen Nachruf:

“Chris was a very special part of my life; we were musical brothers. He was an amazingly unique bass player – very poetic – and had a wonderful knowledge of harmony. We met at a certain time when music was very open, and I feel blessed to have created some wonderful, adventurous, music with him. Chris had such a great sense of humor… he always said he was Darth Vader to my Obiwan. I always thought of him as Christopher Robin to my Winnie the Pooh. We travelled a road less travelled and I’m so thankful that he climbed the musical mountains with me. Throughout everything, he was still my brother, and I’m so glad we were able to reconnect recently. I saw him in my meditation last night, and he was radiant. My heart goes out to his family and loved ones. Love and light….. Jon“

Auf der Facebook-Seite der Band “Yes” wurde folgendes Statement nach seinem Tod veröffentlicht:

“It’s with the heaviest of hearts and unbearable sadness that we must inform you of the passing of our dear friend and Yes co-founder, Chris Squire. Chris peacefully passed away last night in Phoenix Arizona, in the arms of his loving wife Scotty.”

Yes
Yes in der letzten Formation mit Squire: Steve Howe (guitar), Geoff Downes (keyboards), Sänger Jon Davison, Alan White (drums) und Chris Squire (bass). (Foto: Rob Shanahan)

Wyzard, Bassist von Mother’s Finest, veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Story über seine Begegnung mit Chris Squire geschrieben:

“One Last Squire moment….. I met Chris in LA around 92’….. I was playing a gig at the Roxy with Mothers Finest, and after sound check I went to a Thai restaurant to pick up some food….. I noticed sitting at a table eating with a woman was Chris Squire’…. I usually leave celebrities alone but hell… it was my hero …I had to say hello,…. I walked over and introduced myself as bass player from MF,.. and the woman with him ( think it was his wife,) shrieked…. Mother’s Finest!… I love that band!…. I told them we were playing at the Roxy that night… and she says Chris, we gotta go, period…. Chris had this blank look on his face like “who, huh” what’?…. so I put them on my guest list, Chris Squire plus 1….. how cool…. any way show time the place was packed,…. Herbie Hancock showed up… cool scene….. in the set when I was doing a bass solo ,…. I look down, and right in front of me….. like 2 feet away was Chris, with a smile on his face, what a moment for me…. as much as this guy has influenced me, for him to make his way to the stage to check me out was a great moment in my life,…. that was the last time I saw him and the wife ( I think,) after show was madness and I’m sure he got outta there….. but that’s my story in all it’s coolness….. RIP CS.”

Genießt im folgenden Video die Band “Yes” live im Jahr 2013, noch mit Chris Squire. Die Konzerte der Tour 2015, die Yes zusammen mit Toto bestritt, waren die ersten der Band, bei denen Chris Squire nicht dabei war.

Text: Heinz Rebellius

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Chris Squire über sein Equipment

Mein Hauptbass ist der cremefarbene Rickenbacker von 1964. Dieser Bass hat sogar, wenn man ihn akustisch, also ohne Amp, anspielt, diesen typischen Twang-Ton. Er ist einzigartig, denn er hat ziemlich viel erlebt. Ursprünglich war er Rot-Sunburst (Fireglo) lackiert, dann hatte er Tonnen von Aufklebern drauf, und als die alle abblätterten, hat Sam Lee, der Gitarren-Techniker in Chinatown, alles samt dem Lack abgeschliffen. Der Body war dann naturfarben und deutlich leichter.

In einer anderen Phase hatte ich den Korpus mit Silberpapier beklebt. Klar, der Bass musste irgendwann wieder zurück zu Sam Lee, der das Silberpapier entfernte und den Rickenbacker schlussendlich cremefarben lackieren ließ. Durch alle diese Prozeduren verlor der Bass einiges von seinem Holz und an Gewicht.

Als Rickenbacker mir mein Signature-Modell bauen wollte, sagte ich ihnen, dass sie diesen Umstand unbedingt berücksichtigen sollten. Die gesamte Hardware ist noch original – bis auf den Saitenhalter, der von einem Bass stammte, der mal Donovan gehört hatte. Auch die Pickups sind original. In den alten Tagen hatte man immer reichlich Höhenverluste durch die Kabel. Da hatte ich den Höhenregler immer voll aufgedreht und beide Pickups aktiviert.

Heute spiele ich mit einem Sender und die Kompressoren fügen selbst auch noch etwas Höhen hinzu, sodass ich meinen Höhenregler ein wenig zurück regeln muss. Der Bass-Regler ist hingegen voll auf. Mir wurde neulich 100.000 Brit. Pfund für diesen Bass geboten – von meinem Freund, dem Schauspieler Vincent Gallo, der die vielleicht größte Rickenbacker-Bass-Sammlung der Welt besitzt.

Er schlug mir sogar einen Deal vor, dass er den Bass zwar besitzen, ich ihn aber weiter spielen könnte. Das ist natürlich eine große Versuchung … Wenn ich live spiele, nutze ich zwei verschiedene Samson UHF-Sender – einen für den Steg- und einen für den Hals-Pickup, sodass beide getrennt zu meinem Rack gesendet werden. Im Studio spiele ich jedoch ganz normal mit einem guten Kabel. In dem Fall drehe ich den Hals-Pickup etwas zurück, um den für mich richtigen Mix-Sound zu erhalten.

In-Ear-Monitoring mag ich überhaupt nicht, ich singe lieber über ein normales Mikrofon und nutze normale Monitorboxen. Ich habe In-Ear-Systeme eine Zeit lang probiert, aber das erinnerte mich zu sehr an die 80er-Jahre. Ein bisschen viel Gary Numan. Ich muss nur dann aufpassen, wenn ich auf der Bühne umherwandere, zum Beispiel rüber zu Steve.

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Er hat so wenig Bass in seinem Monitor, da würde ich mich nicht wohlfühlen. Aber meistens gehe ich gar nicht viel herum, sondern halte mich in der Nähe meiner Bass-Anlage und des Schlagzeugers auf. Der alte Rickenbacker ist mein Hauptbass – auch live. Aber ich habe immer noch ein paar andere Bässe dabei, unter anderem natürlich auch den Chris Squire Special Edition Rickenbacker. Dann einen silbernen Lakland, ein richtig guter Bass, den ich viel auf dem ,Magnification‘-Album gespielt habe.

Ein Früh-Siebziger Fender Jazz Bass ist dabei und auch der Gibson Thunderbird, den ich oft auf dem ,Tormato‘- und meinem ersten Solo-Album eingesetzt hatte. Außerdem gibt es noch einen feinen Rickenbacker Achtsaiter-Bass, den der Chicagoer Gitarrenbauer Eric Ranney gebaut hat, einen Warwick-Streamer-Fretless, einen grünen Meridien-Viersaiter, einen Tobias-Fünfsaiter und einen Tobias-Viersaiter mit extralanger Mensur, den ich mir speziell von Mike Tobias habe bauen lassen.

Ich hatte ihn gefragt: „Warum will jeder einen Fünfsaiter spielen, um bis zum tiefen H runter zu kommen? Warum baut keiner einen Viersaiter mit einem längeren Hals, der den gleichen Job macht?“ Also hat er mir diesen Bass gebaut, der auf B – E – A – D gestimmt ist. Obwohl der ein bisschen komisch mit seinen fünf Extrabünden aussieht, ist er leicht zu spielen, weil er sehr gut ausbalanciert ist. Er sitzt in der Mitte deines Körpers, sodass du gut bis ans Ende des Halses kommst.

Diesen Bass habe ich in der Ahmet-Ertegun-Tribute-Show in London eingesetzt, bei der ich mit Keith Emerson, Alan White und Simon Kirke als Opener für Led Zeppelin spielte. Wir haben z. B. ,Fanfare For The Common Man‘ gespielt, ein Stück, das in C ist. So habe ich diesen Bass auf C gestimmt und es klang perfekt! 2004 haben wir mit Yes einmal eine Akustik-Tour gespielt, bei der mir dann ein Martin Akustikbass gute Dienste geleistet hat.

Nachdem ich jahrelang Sunn- und Marshall-Verstärkung benutzt hatte, bin ich seit etwa 2000 Ampeg-Player. Mein normales Stage-Setup besteht aus zwei SVT-II-Pro-Topteilen und zwei 8×10-SVT810E-Boxen auf der rechten und einer weiteren 8×10-Box mit einer SVT300-Endstufe auf der linken Bühnenseite.

In einem Rack befinden sich meine ganzen Effekte, die von einem Looper-System verwaltet werden. Die Effekte sind im einzelnen ein für mich gebautes, spezielles Bass-Tremolo, ein Maestro Fuzz, ein t.c. electronic Stereo Chorus/Flanger, ein Lexicon LXP-5 Multieffekt, ein Roland SRV2000 Digital Reverb, ein MXR 1500 Delay, ein MXR Oktaver und ein ADA-Preamp, der speziell für die tiefen Töne des Tobias-Viersaiters programmiert wurde.

Auf dem Boden in der Nähe meines Gesangsmikros befindet sich ein Pedalboard, mit dem ich die verschiedensten Effektkombinationen abrufen kann, die mir mein Bass-Tech Richard Davis programmiert hat. Ein Knopf aktiviert übrigens die Kombination aus einem Moog Taurus und einem Jutron Bass-Pedal, die über ein SWR SM-400-Top und eine Energy-2×15- Box verstärkt wird.

Aus Gitarre & Bass 02/2009


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Chris Squire Spcial


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6 Fragen an Chris Squire

2008 konnte Chris Squire auf schier unglaubliche 40 Jahre Yes zurückblicken – und feierte parallel dazu seinen 60. Geburtstag. Wir besuchten Chris in seinem Haus in London, um mehr über seine lange Karriere und den Ursprung seines Sounds zu erfahren.

1. Als du Bass gelernt hast, war da Jack Bruce ein Einfluss?

Nein, eher nicht. Ich denke, John Entwistle (von The Who) hatte den größten Einfluss auf mich. Ich hatte das Glück, etwa 15 Jahre alt zu sein, als die Beatles ihren Durchbruch erlebten und ich all diese fantastischen Bassisten wie Paul McCartney, Bill Wyman, Jack Bruce und John Entwistle von Anfang an mitbekam und von ihnen lernen konnte. Zur gleichen Zeit war aber auch die Motown-Musik in England sehr angesagt, mit Bassisten wie James Jamerson oder Carol Kaye … all diese tollen Motown-Hits, bei denen der Bass so ungewöhnlich laut abgemischt war. Diese Musik hat auch einen großen Einfluss auf mich gehabt.

Ich konnte damals zudem Jack Bruce regelmäßig sehen, wenn er mit der Graham Bond Organisation im Marquee spielte, und ich war immer da, als The Who dort spielten.

Als ich das erste Mal Entwistle mit seinem Rickenbacker sah, dachte ich mir, dass sein Sound einfach fantastisch sei. Dies genau war der Auslöser, warum ich mir selbst solch einen Bass besorgte. Als ich 15 war, bin ich von der Schule abgegangen und arbeitete bei Boosey & Hawks, einem Musikladen in der Regent Street, der damals Rickenbacker-Instrumente nach England importierte. John Entwistle bekam den ersten Rickenbacker-Bass, der nach England kam, Pete Quaife (von den Kinks) den zweiten – und ich den dritten!

Die ungeschliffenen Rotosound-Saiten waren ebenfalls ein wichtiger Teil dieses speziellen Sounds. John Entwistle hatte sie als erster entdeckt, war der erste Endorser dieser Firma und machte sie populär.

2. Wann hast du das erste Mal realisiert, dass du einen eigenen Sound geschaffen hast?

Gute Frage! Ja, es brauchte schon eine bestimmte Abfolge von Zufällen und Ereignissen, bis ich als Bassist endlich öffentlich bemerkt wurde. Der offensichtlichste Moment hat vielleicht bei der Arbeit am zweiten Album von Yes, ,Time And A Word‘, stattgefunden. Wir haben damals mit einem Produzenten namens Tony Colton zusammengearbeitet, der selbst in der Band Head, Hands & Feet spielte, eine Art britische Ausgabe von Blood, Sweat & Tears, die Tony sehr bewundert hatte.

Head, Hands & Feet hatten gerade ein Album rausgebracht, das damit beworben wurde, es sich unbedingt mit Kopfhörern anzuhören. Tony beschloss, unser Album nur mit Kopfhörern abzumischen.

Das Mischpult, das sie damals im Advision-Studio hatten, war nicht auf dem höchsten technischen Stand dieser Tage, z. B. klang sein Kopfhörer-Ausgang sehr dünn und blechern. Eddie Odford war der Ton-Ingenieur, und Tony sagte ihm dauernd, während er die Kopfhörer beim Mischen auf seine Ohren presste, „Mehr Bass, mehr Bass!“, weil er auf seinen Kopfhörern kaum Bass hörte.

Parallel liefen auch die üblichen Monitore im Kontrollraum und ich konnte genau verfolgen, wie der Bass immer lauter und lauter wurde. Klar, mir hatte das sehr gut gefallen – aber solch ein Sound war sehr ungewöhnlich für diese Zeit. Steve Howe war zu dieser Zeit bereits Mitglied bei Yes, obwohl er auf dem Album selbst noch nicht mitgespielt hatte. Er saß neben mir im Kontrollraum, sah mich an und meinte „Der Bass wird f*cking laut, oder?“. Und ich antwortete „Steve ist der Produzent, er wird schon wissen, was er da macht.“

Am Ende war dann ,Time and a Word‘ fertig abgemischt – mit einem richtig lauten Bass. Ein HiFi-Magazin, das damals eine Kritik des Albums veröffentlichte, schrieb „Das bestklingende Album, das jemals aufgenommen wurde. Fünf Sterne!!!“ Als wir dann ,The Yes Album‘ aufnahmen, sorgte Eddie Offord, der uns jetzt produzierte und der all diese Artikel der HiFi- und Audio-Magazine über unser vorheriges Album gelesen hatte, dafür, dass der Bass ebenfalls sehr laut war und alles andere im Mix drum herum platziert wurde.

So wurde also ich und mein Sound eher zufällig bekannt – wegen eines schlechten Kopfhörer-Ausgangs eines schäbigen, alten Mischpultes! Zu dem Zeitpunkt, als wir ,Fragile‘ aufnahmen, hatte es sich bereits überall herumgesprochen, dass bei uns der Bass sehr laut abgemischt sein musste – und dass dies der typische Bass-Sound von Yes ist. Ein anderer, genauso wichtiger Aspekt für die Entwicklung meines Bass-Sounds war (Yes-Drummer) Bill Bruford und sein eigenartiger Stil. Er kam ja vom Jazz und spielte nicht wie die meisten Rock-Schlagzeuger dieser Zeit.

Seine Bass-Drum führte den Beat nicht an und deshalb musste der Bass bei diesen frühen Aufnahmen halt immer auf dem Beat sein, während Bill irgendwie mit seinen Drums um den Beat herum tanzte. Das war also nicht so, dass Bass und Drums tight miteinander spielten. Bill fand dies gut, weil es eher jazzig klang und ihm einen Sound verlieh, der anders war als der der anderen Rock-Drummer.

3. Wie ist überhaupt der Gesamt-Sound von Yes entstanden?

Die einzige Band, die man zu der Zeit vielleicht mit euch vergleichen konnte, war Genesis. Ich habe mal gelesen, dass man dies als den Sound der Elite-Privatschulen bezeichnete. Stimmt das? Gut, die meisten Genesis-Typen gingen tatsächlich auf Privatschulen, genau wie Bill und ich auch. Vielleicht hat dies dazu geführt, dass beide Bands ihren Sound mit symphonischen Elementen anreicherten, ich weiß es aber nicht genau.

Steve Howe war bereits vor Yes ein sehr bekannter Gitarrist und hatte außerdem einen ausgezeichneten Ruf als Gitarren-Techniker. Rick (Wakeman) hatte die komplette Ausbildung am Royal College of Music absolviert und Jon, der von einem ganz anderen musikalischen Background stammte, hatte zumindest eine Arbeitsmoral, die exakt zu der unseren passte. So fügte sich ein Teil zum anderen – und daraus entstand halt der typische Yes-Sound.

3.1. Ist eigentlich Andrew Jackman, mit dem du bei Syn zusammen gespielt hast, auch ein Einfluss gewesen?

Ja. Andrew und ich waren dicke Freunde, seit wir uns mit fünf Jahren zum ersten Mal im Sandkasten begegneten und sind später gemeinsam in den Kirchenchor der St.-Andrew-Gemeinde eingetreten – also der Chor, der vielleicht der beste von ganz England ist. Andrew orchestrierte später ,Fish Out Of Water‘ und sein jüngster Bruder Gregg war der Ton-Ingenieur dieser Aufnahmen – sowie auch bei ,Chris Squire’s Swiss Choir‘, ein Album rockiger Weihnachtslieder, das letztes Jahr veröffentlicht wurde. Und der Typ, der auf diesem Album den Chor dirigierte, war Jeremy Jackman, der mittlere der drei Brüder.

Er war mehr als zehn Jahre Mitglied der King‘s Singers (eine berühmte englische A-Capella-Gruppe). Wie du siehst, waren die drei Jackmans sehr musikalische Brüder. Ihr Vater Bill war zudem Mitglied des London Symphony Orchestra und genau der, der das Klarinetten-Solo auf dem Beatles-Song ,When I‘m Sixty-Four‘ von ,Sgt. Peppers…‘ gespielt hatte. Andrew und seine Brüder waren meine besten Freunde. Zu der Zeit, als die Beatles bekannt wurden, spielten Andrew und ich in meiner ersten Band zusammen.

Ganz oft hingen wir bei den Jackmans zu Hause am Klavier, hörten Beatles-Songs und Andrew half mir, McCartneys Bass-Linien heraus zu hören. Er war ein großartiger Freund und entwickelte sich zu einem wirklich guten Arrangeur. Es hat mich umgehauen, als ich 2003 hörte, dass er an einem Herzinfarkt gestorben sei. Ein großer Verlust für mich und die englische Musik-Szene.

4. Yes war mit ,The Yes Album‘, aber besonders mit ,Fragile‘ und ,Close To The Edge‘ sehr erfolgreich. Aber als ,Tales From Topograhic Oceans‘ herauskam, warfen euch die Kritiker vor, dass das Album überproduziert, aufgeblasen und pompös sei. Wie denkst du heute darüber? Hatten diese Kritiker recht?

Ich muss sagen, dass mich damals die negativen Kritiken nicht wirklich überrascht hatten. Ich dachte, dass wir den Leuten mit diesem Album wirklich zuviel zugemutet haben. Bei ,Close To The Edge‘ haben wir viel Spaß gehabt – mit einem langen Track auf Seite 1 und zwei längeren Tracks auf Seite 2.

Dann schlug irgendjemand vor, ,Topographic Oceans‘ sollte eine Doppel-LP mit vier langen Stücken werden, eins pro Seite. Mir hat das Konzept von Anfang an nicht gefallen, das war einfach zu viel für die Leute! Aber man entschied anders und ich tat dann mein Bestes, den Sound so schmackhaft wie möglich zu gestalten. Das Album war auf die waschechten, unverbesserlichen ProgRock-Hörer ausgerichtet, die die Zeit aufbringen konnten, es sich ganz anzuhören.

Und ich denke, diese Hörer haben da eine Menge für sich herausgezogen. Aber für die, die sich mehr Songs in der Art wie ,Roundabout‘ gewünscht hatten, war das neue Album sicherlich ein Schritt zu weit in eine andere Richtung.

4.1. Glaubst du heute, dass dieses Album eure Karriere zerstört hat?

Ich habe immer gedacht, wenn wir dieses Album nicht gemacht, sondern uns mehr in die poppigere Richtung entwickelt hätten und uns ein wenig mehr an dem, was damals in Amerika mit Bands wie Styx oder Foreigner passierte orientiert hätten, dann hätten wir sicherlich kurzfristig viel erfolgreicher sein können.

Aber vielleicht wären wir Ende der 70er-Jahre mit all diesen Bands auch untergegangen. Doch weil wir uns damals nicht am Pop orientierten, hatten wir immer ein Fundament, von dem aus wir jederzeit wieder neu glaubhaft beginnen konnten.

In den Achtzigern gingen wir ja fast den umgekehrten Weg und spielten poppigeres Zeug, als (Gitarrist) Trevor Rabin in der Band war. Also – insgesamt sorgte dieses viel diskutierte Album sicherlich für eine interessantere Karriere und vielleicht auch für eine längere, weil wir eben nicht vorhersehbar geworden sind.

5. Was denkst du über die Wiederauferstehung des Prog-Rock?

Es gibt wieder ein paar sehr gute Bands dieses Genres. Oh ja. Ich mag zum Beispiel sehr die Band Elbow. Ich bin mir nicht sicher, ob es Prog ist, aber es klingt gut. Außerdem bin ich ein Riesen-Fan der Red Hot Chili Peppers geworden, nachdem ich sie ein paar Mal live gesehen und gemerkt habe, wie großartig sie wirklich sind.

Eine unglaublich gute Live-Band mit einem großartigen Drummer Chad Smith. Ich habe immer daran geglaubt, dass eine Band nur so gut wie ihr Drummer ist, und Chad ist einer, der die Band vor sich her treibt und für eine hohe Qualität sorgt. Es ist witzig, dass John Frusciante und ich uns schon aus der Zeit kennen, als ich in L.A. wohnte. Er war mit einem Freund, Vincent Gallo, befreundet und kam öfters zu mir nach Hause, um mit mir zu jammen.

Aber ich wusste damals nicht, dass er bei den Chili Peppers spielt. Als er dann wieder dort eingestiegen war und ich ihn nach ein paar Jahren wiedersah, war es wirklich eine große Überraschung festzustellen, dass es sich um denselben Typ handelt, der damals in meinem Wohnzimmer mit mir Musik gemacht hatte.

6. Wie siehst du dich selbst als Bassist? Hast du das Gefühl, dass du den jüngeren Bassisten ein wichtiges Erbe hinterlassen wirst?

Ich hatte einfach Glück, zu dem Zeitpunkt zu spielen, der zu meinem Spielstil passte. Außerdem habe ich es geschafft, trotz der Weiterentwicklung der Musik meine Rolle stets darin zu finden. Es ist nicht einfach als Band oder als Solo-Künstler, 40 Jahre lang aktiv im Business zu bleiben, und ich bin dankbar und glücklich, dass ich immer noch dabei bin und das tun kann, was ich am liebsten tue.

Ich glaube, ich bin für einige jüngere Bassisten durchaus eine Inspirationsquelle, und ich weiß, dass sich, sollte Yes wieder auf Tour gehen, viele 15-jährige im Publikum befinden werden, die sich mit dem beschäftigen wollen, was Yes ausmacht und was mich als Bassist ausmacht. Hey – das ist ein gutes Gefühl, für das ich sehr dankbar bin!

Interview: Peter Chrisp

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Steve Howe, Alan White, Jon Anderson, Chris Squire, und Rick Wakeman beim Soundcheck:

Chris Squire Diskografie

Solo Alben:

  • 1975: Fish Out of Water
  • 2007: Chris Squire’s Swiss Choir

Als Gastmusiker (ausgewählte Alben):

  • 1973: Eddie Harris – E.H. in the U.K.
  • 1977: Rick Wakeman – Rick Wakeman’s Criminal Record
  • 1987: Esquire – Esquire
  • 2002: Pigs and Pyramids – An All Star Lineup Performing the Songs of Pink Floyd
  • 2011: Steve Hackett – Beyond the Shrouded Horizon
  • 2012: Billy Sherwood & The Prog Collective
  • 2015: Steve Hackett – Wolflight

Mit YES (Studio Alben):

1969 Yes
1970 Time and a Word
1971 The Yes Album
Fragile
1972 Close to the Edge
1973 Tales from Topographic Oceans
1974 Relayer
1977 Going for the One
1978 Tormato
1980 Drama
1983 90125
1987 Big Generator
1991 Union
1994 Talk
1996 Keys to Ascension
1997 Keys to Ascension 2
Open Your Eyes
1999 The Ladder
2001 Magnification
2011 Fly from Here
2014 Heaven & Earth