Autogrammkarte für das 1989 erschienene Solo-Album Trouble Walkin’
PERSÖNLICHE EINFLÜSSE
Ace Frehley ist mit den Rock-Größen der 1960er- und frühen 1970er-Jahre aufgewachsen. Seine Lieblingsbands und Haupteinflüsse sind Led Zeppelin, The Beatles, Eric Clapton, Jimi Hendrix, Jim McCarty (Mitch Ryder) und vor allen Dingen sein Lieblingsmusiker, der Gitarrist Pete Townshend, der musikalische Kopf von The Who. Wenn man etwas in die Tiefe geht, kann man diese Einflüsse sehr gut im Spiel vom Spaceman aufspüren. Dazu später mehr.
EQUIPMENT UND SOUND
Denkt man an das Equipment von Ace Frehley, fallen einem sofort seine beiden ikonischen Les Pauls ein. Die modifizierte 1973er Les Paul Deluxe in Tobacco Sunburst sowie die ebenfalls modifizierte Les Paul Custom in Cherry Sunburst aus dem Jahr 1974. Mit diesen beiden Gitarren bringt man ihn durch die unzähligen Fotos aus den 1970ern hauptsächlich in Verbindung.
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Darüber hinaus spielt er besonders in der Destroyer- und Rock-And-Roll-Over-Ära regelmäßig eine schwarze Les Paul Custom, die früh auch auf drei Tonabnehmer modifiziert wird, sowie eine heutzutage super gesuchte Ibanez 2459 Explorer. Diese Live-Gitarren waren alle mit DiMarzio-Super-Distortion-Tonabnehmern modifiziert, wobei immer nur der Bridge Pick Up angeschlossen war.
Neben diesen Instrumenten findet man immer wieder mal Bilder, auf denen er eine Les Paul Junior, eine Epiphone Olympic und später diverse Instrumente von Herstellern wie Greco und Travis Bean spielt. Neben den oben bereits erwähnten Les Pauls gibt es noch ein Instrument, um das sich zahlreiche Mythen ranken, nämlich die Frehley Burst mit der Seriennummer 9-1878, die Ace laut eigenen Aussagen, die manchmal recht widersprüchlich sind, im Herbst 1977 kauft und die er beginnend mit dem Song ‚Rocket Ride’ auf allen weiteren Studioaufnahmen ausschließlich spielt.
Ob dies wirklich so war, lässt sich nicht wirklich sagen. Fakt ist, dass Ace in dieser Zeit sehr viele unterschiedliche Vintage-Gitarren besessen hat, und man ihn auf Fotos von älteren Studioaufnahmen auch mit Fender- und Ovation-Gitarren sehen kann.
Alle waren mit 009-042 Saiten bespannt und wurden einen halben Ton tiefer, auf Eb, gestimmt. Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass man auf vielen frühen Bildern erkennen kann, dass Ace Top-Wrapping praktiziert hat, also die Saiten über die Saitenhalterung aufgezogen hat.
Obwohl live sicherlich sehr früh ausschließlich Marshall Amps eingesetzt werden, kommen diese bei den Studioproduktionen eigentlich nie zum Zuge. Stattdessen werden überwiegend kleine Fender Amps eingesetzt, wie der Fender Harvard, Tweed und Blackface Deluxe und Fender Princeton.
Interessant ist außerdem, wenn man mal genau hinhört, wie unverzerrt und dünn die Gitarrensounds eigentlich sind. Verglichen mit heutigen Sounds klingen die Gitarren doch wirklich erstaunlich schmal. Ab ‚Rock And Roll Over’ sind, je nach Produzent, auch früher Versionen von Effekten wie Fuzz, Phaser, Flanger oder des ARP-Avatar-Gitarrensynthesizers zu hören.
Der auffälligste “Effekt”, den man jedoch schon sehr früh finden kann, ist, dass viele Gitarrenparts und auch die Soli gedoppelt werden, was zur Präsenz und Klangfülle stark beiträgt. Quasi wie ein natürlicher Chorus/Harmonizer Effekt. Es gibt übrigens eine sehr ausführliche Website zu Ace Frehleys Gitarren, ihrer oft umfangreichen Modifikations-Historie und auch den mit Leuchtsätzen und Raketen präparierten Effektgitarren: www.acefrehleylespauls.com. Sehr empfehlenswert für Nerds.
Obwohl Ace Frehley innerhalb der „ernsthaften” Gitarrenszene vielleicht nie die verdiente Aufmerksamkeit erhalten hat, ist er sicherlich einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte und meiner Meinung nach spielerisch einfach komplett unterbewertet.
RHYTHMUSGITARRE
Die Kiss-Songs der Frehley-Ära bis 1982 sind recht einfach gehalten. Ace Frehley hat in dieser Zeit vergleichsweise wenige Kompositionen beigesteuert. Die meisten Kompositionen stammen aus der Feder von Paul Stanley und Gene Simmons. Im gesamten relevanten Katalog an Liedern gibt es nur ein gutes Dutzend Titel mit Frehleys kompositorischer Mitwirkung.
Die Lieder bestehen aus einer Mischung von Single-Note-Riffs, Powerchords und Dreiklangsumkehrungen. Bei Letzteren werden fast ausschließlich die Umkehrungen auf den Saiten D, G und H eingesetzt, was bei vielen frühen Songs durchaus eine große Ähnlichkeit zu Songs der Rolling Stones aufweist (siehe Beispiel 1), nur halt im Standard-Tuning und nicht in Open-G oder Open-E Tuning wie bei den Stones.
Songbeispiele dafür sind u.a.:
Firehouse
Strutter
Hotter Than Hell
Rock And Roll All Nite
Shock Me
Beispiel 2 und 3 sind Riffs im Stile von Signature-Ace-Songs.
SOLOGITARRE
Unter dem Make-Up und hinter dem Getöse der aufwendigen Bühnenshows verbirgt sich ein durchaus sehr ernst zu nehmender Solist, dessen Qualitäten im Grunde genommen vergleichbar sind mit Größen wie Jimmy Page, Jeff Beck und Eric Clapton, was aufgrund des umstrittenen Images allerdings nie wirklich so wahr- und ernst genommen wurde.
Seine für die Songs jeweils ausgearbeiteten Soli, die einen sehr hohen Wiedererkennungswert haben und mehr als Teil der Komposition denn als Improvisation sind, zeichnen sich durch folgende Elemente aus:
Viele unterschiedlich weite Bendings von Unisono-Bends über Viertelton- bis kleine-Terz-Bends
Ein sehr charakteristisches weites, langsames, aber trotzdem aggressives Vibrato
Eine präzise, oft sehr komplexe und funky Rhythmik
Viele unterschiedliche, schnelle Repeating Pattern
Die spezielle Ace-Attitüde
Diese Soli sind nach Meinung vieler Gitarrenkritiker der einzige Grund überhaupt, eine Band wie Kiss ansatzweise ernst zu nehmen. Schaut man näher hin, findet man Phrasen und Licks, die man so oder so ähnlich bei Clapton, Beck und Page findet.
Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Frehley, ähnlich wie das George Harrison bei den Beatles gemacht hat, Soli mit der Klangästhetik seiner Vorbilder auskomponiert und live nichts dem Zufall überlässt, und diese Soli trotz sehr auffälliger Bühnenshowbewegungen in der Regel sehr nah am Studiooriginal über die Rampe bringt.
Das kann man zu den wirklichen Hochzeiten der Band 1973-1978 von den „Großen” der Rockgitarre in dieser Zeit nicht wirklich immer behaupten. Viele seiner Soli sind in den Studioversionen gedoppelt, um für einen fetteren Sound und mehr Klarheit der Ideen zu sorgen. In der Regel sind die Phrasen und Licks zwei Takte lang.