Produkt: Gitarre & Bass 11/2018
Gitarre & Bass 11/2018
Guitar Summit 2018: Der Gear Report! +++ Rammstein: Der Sound von Paul Landers im Pedalformat +++ Interviews: Selig, Kettcar, The New Roses, Martin Miller ...
Aus dem neuen Heft

Perry Ormsby: Gitarrenbaumeister

Perry Ormsby(Bild: Mineur)

Auf dem Guitar Summit 2018 in Mannheim war Perry Ormsby für viele Besucher eine der spannendsten Neuentdeckungen. Der 42-jährige Gitarrenbauer aus Perth in Australien entwickelt seit 15 Jahren eigene Modelle von technisch nahezu perfekter Qualität, mit einem ganz eigenen Design, der zunehmend immer beliebter werdenden Multiscale-Technik und vielen weiteren innovativen Ideen.

Natürlich haben wir uns vom Meister persönlich seine wichtigsten Modelle zeigen lassen und Ormsby gleichzeitig zu seinem beruflichen Werdegang und seiner Firmenphilosophie befragt.

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interview

Perry, wie fing alles an? Wie bist du zuerst zur Musik und später dann zum Instrumentenbau gekommen?

Im Alter von 14 sah ich zum ersten Mal Bon Jovi. Ich dachte: „Oh Mann, sieht das cool aus mit der Gitarre, das macht bei Mädchen sicherlich mächtig Eindruck. So etwas brauche ich auch.“ Meine Mutter, die heute 70 ist, spielte in drei Bands Klavier und Keyboards. Allerdings zögerten meine Eltern einige Jahre, bis sie mir endlich eine Gitarre schenkten. Doch anstatt sofort mit ihr zu spielen, baute ich sie als erstes auseinander und schaute mir an, wie sie funktioniert. Das machte ich damals mit fast allen meinen Spielsachen.

Mit 20 fing ich an, Gitarren zu modifizieren. Die erste war eine Epiphone Flying V, die ich auseinandernahm, neu lackierte und mit chromfarbenen Streifen ausstattete. Bei einer anderen Gitarre modifizierte ich das Floyd-Rose-System, sodass man es noch intensiver einsetzen konnte. Zehn Jahre lang erzählte ich jedem, der es hören oder auch nicht hören wollte, dass ich eines Tages eigene Gitarren bauen werde. Mit 30 fing ich dann tatsächlich damit an. Und weil ich so lange darüber schwadroniert hatte, durfte es natürlich kein Standard-Modell sein, sondern musste einen außergewöhnlichen Look und besondere Features haben.

Wann war das genau?

Mein allererstes Modell im Jahre 2003 kostete mich drei Monate Arbeit. Facebook und all diese Dinge gab es damals noch nicht, aber ich präsentierte die Gitarre über das Internet, und bereits einen Monat später meldete sich ein Typ, der ein eigenes Modell von mir gebaut haben wollte. Er schickte mir auch sofort Geld, meinte es also ernst. Da ich aber noch wenig Erfahrung hatte und erst ein paar Prototypen bauen wollte, sagte ich ihm, dass er zwei Jahre warten müsse. Das schien für ihn aber kein Problem zu sein.

Wenig später meldete sich ein weiterer Interessent, ihm sagte ich, dass er drei Jahre warten müsse. Was ich nicht wusste: Beide dachten, dass ich so viele Vorbestellungen hätte und deshalb die Wartezeit so lang sei. Den wahren Grund kannten sie nicht. Neun Monate nach Fertigstellung der ersten Gitarre traf ich eine Entscheidung: Ich war jahrelang Möbelbauer, hatte tausende Küchen lackiert und war der Sache total überdrüssig. Ich wollte Gitarren bauen, auch wenn es mich an den Rand meiner wirtschaftlichen Existenz bringt.

Ich kündigte meinen Job, mietete eine freie Ecke in einer Fabrikhalle, zog mit meinen Werkzeugen dort ein und baue seitdem Gitarren. Einer meiner ersten Kunden bat darum, ihm eine Gitarre in wenigen Wochen zu bauen. Ich schuftete Tag und Nacht und konnte sie ihm sieben Tage später aushändigen. Er war total begeistert, sagte, dass er noch nie ein besseres Instrument in den Händen gehalten hätte, und bestellte anschließend sechs weitere Gitarren.

In Perth, wo ich ansässig bin, gibt es zwar ein paar ältere Anbieter, aber die bedienen eher den traditionellen Markt mit Kopien von Strats oder Les Pauls. Außerdem sind sie mit dem Internet nicht so vertraut, was für mich natürlich ein Vorteil ist. 2004 hatte ich die Idee des Multiscale-Modells, vier Jahre später war das System produktionsreif. Es dauerte ein Weile, bis meine Kunden den Vorteil dieses Systems verstanden hatten, aber seither hagelt es nur so Aufträge. Heute sind die Multiscale-Modelle meine absoluten Topseller. Ich schätze, dass wir in den zurückliegenden zwei Jahren nur zwei Standardgitarren gebaut haben, alle übrigen waren Multiscale-Modelle.

Warst du dir sicher, dass das System funktioniert?

Ja, war ich, auch wenn viele Kunden zunächst daran zweifelten. Es hieß: „Du bist verrückt! Keiner wird so etwas haben wollen!“ Aber ich war mir meiner Sache absolut sicher, denn die Multiscale-Gitarre half auch mir bei meinem Spiel. Deshalb wusste ich, dass sie anderen Gitarristen ebenso helfen würde. Meine Kunden spielen teilweise Bariton-Gitarren, um diese zusätzliche Tiefe zu bekommen. Gleichzeitig wollen sie aber auch solieren, und das ist dann auf den höheren Saiten entsprechend schwierig.

Seit etwa vier Jahren existiert unsere GTR-Serie, die noch erfolgreicher ist, als wir es uns erträumt hatten. Mit uns meinst du wen? In den ersten neun Jahren habe ich ganz alleine gearbeitet. Mittlerweile besteht die Firma aus sechs Angestellten, inklusive meiner Frau und mir.

Ist deine Idee so außergewöhnlich gut oder brauchst du die zusätzlichen Mitarbeiter vor allem deshalb, um dein Angebot breiter aufzustellen?

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