(Bild: Ryan Piorkowski / Jackson)
Wenn zwei der virtuosesten Gitarristen der zeitgenössischen Metal-Szene über ihre Instrumente sprechen, lohnt es sich, genau hinzuhören. Jeff Loomis (Nevermore, Arch Enemy) und Brandon Ellis (ex-The Black Dahlia Murder) haben sich für ein gemeinsames Projekt mit Jackson Guitars zusammengetan, um die beiden neuen American-Series-Rhoads-Modelle RR24 und RR24 HT zu präsentieren.
Im Interview sprechen sie über ihre ersten Eindrücke von der Gitarre, die Bedeutung von Holz- und Pickup-Wahl, ihre persönlichen Vorlieben zwischen Tremolo und Hardtail – und über Randy Rhoads’ anhaltenden Einfluss auf ihr eigenes Spiel.
Was war euer erster Eindruck der Gitarren?
Brandon: Ich war wirklich beeindruckt vom Setup und der Verarbeitung. Die Spezifikationen kommen mir entgegen, weil diese Rhoads mit vielen Upgrades kommt, die ich normalerweise selbst mache, zum Beispiel leuchtende Inlays an der Griffbrettseite, um mich live auch bei suboptimaler Beleuchtung zurechtzufinden. Der Halsstab ist leicht zugänglich und die Edelstahl-Hardware ideal für den Bühneneinsatz, weil sie nicht vom Schweiß rostet. Das sind alles professionelle Upgrades für tourende Gitarristen, die man hier in einem Serienmodell bekommt.
Jeff: Als ich mein Exemplar aus dem Karton nahm, war sie perfekt eingestellt und auf C Standard gestimmt für den Song, den Brandon und ich für das Präsentationsvideo geschrieben hatten. Das Double-Locking-Tremolo-System ist auch großartig, weil sich der Hebel einfach einstecken lässt und nicht lockert, was dann oft Klickgeräusche über die Tonabnehmer verursacht. Davon abgesehen habe ich die Randy-Rhoads-Gitarrenform schon immer geliebt. Sie sieht verdammt cool aus.
Die beiden Modelle haben einen Erlenkorpus. Wie würdet ihr sie mit Jacksons aus anderen Holzarten vergleichen.
Brandon: Erle ist ein prima Allround-Holz. Manche Gitarren aus Mahagoni klingen zu basslastig und manche aus Linde zu hell, aber Erle sorgt für einen ausgewogenen Sound und ist sehr schwingfreudig, egal in welcher Stimmung du spielst.
(Bild: Ryan Piorkowski / Jackson)
Inwiefern kommen die Tonabnehmer eurer Spielweise entgegen?
Jeff: Bei Nevermore hat man mich früher immer mit aktiven Pickups in Verbindung gebracht, doch beim Soundcheck vor einer Show mit Arch Enemy vor etwa zwei Jahren funktionierte meine Gitarre mit aktiven Pickups nicht. Ich griff notgedrungen auf eine andere mit passiven Pickups zurück und war begeistert vom Sound.
Das ergibt Sinn, denn schon als meine Freunde und ich 15, 16 Jahre alt waren, rüsteten wir unsere Gitarren mit passiven Seymour-Duncan-Distortion-Pickups auf, die toll klangen. Man muss bei passiven Tonabnehmern mehr mit der rechten Hand leisten, um den Ton zu formen, was ich sehr mag. Sie sind einfach dynamischer, darum habe ich sie wiederentdeckt.
Brandon: Die RR24 hat einen Seymour Duncan JB an der Bridge und einen ’59 am Hals, womit du im Grunde alle Stile bedienen kannst. Die Mitten sind sehr präsent, was gut beim Spielen von Leads ist. Die Höhen singen schön und die Bässe haben einen satten Punch. Aktive und passive Pickups haben jeweils ihre Berechtigung, doch was Leads angeht, sind passive die bessere Wahl, weil sich Nuancen damit einfacher hervorheben lassen.
Wahrscheinlich macht dich das langfristig auch zu einem ausdrucksstärkeren Gitarristen, denn aktive Pickups kaschieren gerne spielerische Feinheiten. Ich verwende sie aber manchmal gerne für Aufnahmen, vor allem bei tieferen Stimmungen, denn mit passiven kann die Gitarre wie ein dumpfer E-Bass klingen. Aktive sorgen dann für die nötige Sättigung.
Die Griffbretter haben einen Compound Radius. Sind das eure ersten Gitarren mit nach oben hin abflachenden Griffbrettern?
Brandon: Ich glaube, Jackson gehörte in den Achtzigern zu den ersten Herstellern, die solche Griffbretter verbauten. Ich spiele sie schon sehr lange, kenne es also kaum anders. Der 12-Zoll-Radius in den unteren Lagen macht das Akkordspiel bequem, wenn man mit dem Zeigefinger über alle Saiten greifen muss. Der flachere 16-Zoll-Radius in den höheren Lagen eignet sich hingegen besser fürs Solospiel.
Was empfehlt ihr Interessenten, die sich zwischen der Hardtail- und Tremolo-Version entscheiden müssen?
Brandon: Das hängt vom persönlichen Spielstil ab. Ich verwende beide, wobei ich zur Hardtail neige, wenn es um Rhythmusspuren geht, weil sie stimmstabiler ist. Für die Vibrato-Version finde ich aber auch oft Verwendung, eben bei Lead- und Solo-Sachen.
Jeff: Ich sehe das genauso. Mit dem Floyd Rose kann man wunderbar Leads und Solos spielen, aber wenn man häufiger umstimmen muss, sollte man zur Hardtail-Version greifen. Was den Sound betrifft, würde ich ergänzen, dass die Hardtail mehr nach Holz klingt und die Tremolo-Version einen leicht metallischen Unterton hat.
Würdet ihr sagen, dass sich diese Gitarren auch außerhalb des Metal-Bereichs einsetzen lassen?
Brandon: Die Tonabnehmer sind entscheidend. Du kannst also alles mit diesen Instrumenten anstellen, was der JB und der ’59 hergeben. Allerdings lässt sich schwerlich darüber hinwegsehen, dass du mit diesem Pfeil an deinem Körper verdammt nach Metal aussiehst. Die Rhoads wirkt schon ein wenig wie eine Waffe, doch sie am Gurt zu spielen, macht großen Spaß, weil kein Teil des Bodys im Weg ist. Man kann sie herumwirbeln und hat uneingeschränkten Zugang zu allen Griffbrettlagen. Zudem ist sie perfekt ausbalanciert.
(Bild: Ryan Piorkowski / Jackson)
Was bedeutet euch Randy Rhoads selbst?
Jeff: Er war einer der ersten Gitarristen, die ich mir bewusst anhörte, als ich anfing, mich mit Musik auseinanderzusetzen. Ozzy Osbournes „Diary of a Madman” gehört nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingsalben. Randy bedeutet mir also viel, nicht zuletzt aufgrund seines Faibles für Elemente aus der klassischen Musik und weil er bei Ozzy einen düsteren Songwriting-Stil einbrachte. Das heißt, nach dem typischen L.A.-Rock, den er bei Quiet Riot gemacht hatte, konnte er sich Ozzys künstlerischen Bedürfnissen anpassen. Er spielte für die damalige Zeit wirklich abenteuerlicher Sachen und hatte einen sagenhaft guten Ton. Darum zählt er zu meinen wichtigsten Einflüssen.
Brandon: Randy Rhoads ist der archetypische Metal-Gitarrenheld, ein Pionier in vielerlei Hinsicht. Kein Metal-Gitarrist, der nach ihm kam, kann sich von seinem Einfluss freimachen. Jeff und ich sind beide von klassischer Musik beeinflusst. Randy war der erste Gitarrist, bei dem ich solche Elemente hörte. Seine Solos tragen neoklassische Züge, allerdings mit diesem finsteren, fast hässlichen Unterton, der total Metal ist. Randy hatte ein sagenhaftes Gespür dafür, wie weit man das Vertraute verändern kann, ohne die Hörer vor den Kopf zu stoßen.
Ihr beide habt einen Punkt erreicht, an dem ihr jeweils ein neues Kapitel in eurer Karriere aufschlagt. Spiegelt sich das auch in Veränderungen eures Equipments wider?
Jeff: Mit Arch Enemy verwendete ich Produkte von Line 6, mittlerweile bin ich zu Synergy übergegangen, weil mir das Konzept gefällt, mit austauschbaren Modulen zu arbeiten. Ich bin immer noch ein Fan handfester Verstärker, und Synergy setzt ganz klassisch auf Röhren. Ich muss sie noch auf Tour testen, bin aber zuversichtlich. Das wird 2026 sein, wenn wir wieder mit Nevermore unterwegs sind. Davon abgesehen experimentiere ich ständig – ich habe einen Haufen neuen Kram hier, den ich gerade ausprobiere.
Brandon: Für mich ist Vielseitigkeit wichtig. Ich mag es, Gitarren für alle Situationen zu haben. In meinen frühen Jahren als Musiker habe ich meistens einen Halbton tiefer auf Eb gestimmt, oft auch auf D. Dann kamen neun Jahre bei The Black Dahlia Murder, wo C-Standard-Tuning angesagt war. Derzeit erarbeitete ich mir die Setlist von Cannibal Corpse, denen ich auf ihrer nächsten Tour aushelfen werde, und sie spielen in A#- und G#-Standard, also sehr tief.
Dafür werde ich aktive Pickups verwenden, was eigentlich fast schon zwingend ist, damit diese tiefen Töne verzerrt wirklich fett klingen. Was Verstärker angeht, stehe ich wie Jeff auf klassisch analoge Geräte. Ich verwende Modeling-Amps für Demo-Aufnahmen, weil das auf die Schnelle einfach praktischer ist. Live habe ich allerdings noch nie über einen Modeler gespielt.
Übt ihr noch im herkömmlichen Sinn, oder komponiert ihr mehr, als an technischen Dingen zu feilen?
Jeff: Bei mir ist es tatsächlich mehr Songwriting als Üben. Ich habe immer eine Gitarre in den Händen. Bei mir zu Hause steht eine in jedem Zimmer, und ich konzentriere mich aufs Komponieren für das neue Nevermore-Album. Das liegt mir auch am ehesten – ich bin happy, wenn ich einfach Metal-Songwriter sein darf. Ich will weder Temporekorde brechen noch Arpeggio-Meister oder so etwas in der Art sein.
Brandon: Bei mir hält es sich ungefähr die Waage. Langfristig möchte ich ein Album machen, wobei ich noch nicht weiß, ob es Solomusik oder ein neues Bandprojekt sein wird. Songwriting ist das Lohnendste, was man als Musiker tun kann, doch ich bin sicherlich nicht der einzige Gitarrist, der die Licks, die er jeden Tag spielt, irgendwann satt hat, und etliche Schwächen an seinem Spiel erkennt, die er beheben will.
Man muss sich regelmäßig aus seiner Komfortzone hinaus bewegen und Dinge ausprobieren, die schwierig sind. Wenn ich kleine Mängel an meiner Technik bemerke, nehme ich mir Zeit, um Übungen zu entwickeln, mit denen ich daran arbeiten kann, wobei ich darauf achte, dass es musikalisch bleibt – kein mechanisches Gedudel, das sich nicht in der Praxis anwenden lässt, sondern Ideen, die sich vielleicht wirklich mal in ein Solo einbauen lassen.
Erzählt mir zum Abschluss bitte noch, wie der Showcase-Track für das Jackson-Video entstanden ist.
Jeff: Brandon schrieb das Riff, das man zu Beginn der Nummer hört, das hat meine linke Hand gehörig auf die Probe gestellt. Ich war im Vorfeld gespannt darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil wir das bis dahin noch nicht getan hatten. Wir trafen uns für einen Tag in Kalifornien, um das Video zu drehen, nachdem wir fast zwei Monate damit verbracht hatten, diesen Song zu schreiben.
Danke für das Gespräch!
(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)