1 Box / 16 Cabs

Test: Two Notes Captor

 

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Die DI-Technik, in diesem Bereich hat Two Notes in den letzten Jahren fleißig Pionierarbeit geleistet. Mit dem Resultat, dass die Produkte der Franzosen binnen Kurzem Benchmark-Status erreichten. Nun bieten sie zum ersten Mal besonders kompakt eine Art Minimallösung an. Doch selbst dieser kleine Captor – zu deutsch Eroberer – ist mit Funktionalität nur so gespickt.

Klar, wir hatten die Produkte, die das exzellente Renommee der Marke begründen natürlich längst im Test. Nur nicht das Flaggschiff, das eine Allround-Lösung für das Studio darstellt, und nicht speziell für Gitarristen prädestiniert ist. Heißt Torpedo Studio, ein 2HE-Gerät, das eine Loadbox und aufwendige digitale Bearbeitung der Signale in sich vereint. Der Captor gleicht dem grundsätzlich, allerdings, das versteht sich von selbst, in einem wesentlich reduzierteren Rahmen.

aufwendig

Der Kern des DI-Konzepts ist beim Captor, die Lautsprecherbox an Röhren-Amps durch eine sogenannte Loadbox zu ersetzen. Man darf den Begriff gerne wörtlich übersetzen, Lastkiste. Wobei „Last“ das relevante Stichwort ist. Lautsprecher bilden für eine Röhrenendstufe eine Last im Sinne von Belastung, die für die technisch korrekte Funktion unverzichtbar ist. Ohne, im Leerlauf betrieben, sind Schäden quasi vorprogrammiert. Davon abgesehen reagiert die Endstufe in ihrer Funktionsweise auf den Lautsprecher bzw. sie bildet mit ihm gemeinsam einen sich gegenseitig bedingenden Regelkreis. Dabei spielt nicht allein der Ohmsche Widerstand der Lautsprecher eine Rolle, sondern auch Induktivitäten. Dies muss berücksichtigt werden, wenn man zu authentischen Ergebnissen im elektrischen Zusammenwirken von Endstufe und Loadbox möchte.

Anders ausgedrückt: Allein ein 100-Watt-Hochleistungswiderstand am Speaker-Ausgang des Verstärkers macht noch nicht wirklich einen guten Job. Es braucht mehr: etwas, was die Induktion liefert. Richtig, Spulen. So baute der Boutique-Hersteller Tone King bei seinem ersten Ironman-Attenuator, einem Gerät, das zwischen Amp und Box die Leistung reduziert, gleich mehrere Trafos ein. Two Notes begnügt sich mit einer Spule, die jedoch zusätzlich von aktiver Elektronik umgeben ist.

Der Captor ist maximal mit 100 W belastbar. Es gibt ihn in drei Versionen: mit 4, 8 und 16 Ohm. Sechs hoch belastbare Widerstände und die Spule bilden das Herz der Loadbox. Die zwei großen Widerstände sind an einem Kühlkörper mit Temperatursensor befestigt. Bei Überlastung schaltet sich der Captor bzw. die Loadbox selbsttätig ab. Ein kleiner Lüfter an der Rückseite hilft, das Klima im Inneren gesund zu halten. Hinten befindet sich auch der Speaker In und zwei Speaker-Ausgänge. Thru führt das In-Signal unverändert weiter, der mit der Bezeichnung ATT dämpft es um 20 dB, macht es also deutlich leiser.

Um E-Gitarrensignale im DI-Verfahren nutzen zu können, braucht man bekanntlich eine Speaker-Simulation, die u. a. den Frequenzgang beschneidet. Der Captor leistet auch dies und gibt die aufbereiteten Signale am elektronisch (ohne Übertrager) symmetrierten XLR-Output ab. Drei Schalter erlauben die Umkehr der Phasenlage (0/180°), Ground-Lift, und die Wahl zwischen zwei Klangfarben, GTR und Bass. Mit dem betreffenden Schiebeschalter kann die Simulation auch deaktiviert werden. Am Line-Out liegt stets ein solches „Dry“-Signal an.

Damit die aktive Elektronik arbeiten kann, braucht der Captor entweder eine Phantomspeisung auf der XLR-Leitung (liefern die meisten Mischpulte und Audio-Interfaces) oder eine externe Stromversorgung über den DC-In (9 – 24 VDC/5mA). Das Gehäuse ist mechanisch solide (Maße: ca. 127 x 176 x 64 mm, BLH/Gehäuse; Gewicht: ca. 1,14 kg). Die Verarbeitung ist makellos. Wunderbar. Wenn es jetzt auch noch die ziemlich umfangreiche Bedienungsanleitung auf Deutsch gäbe, wären wir mit der Substanz tatsächlich wunschlos glücklich. Soll allerdings laut Internet-Info noch kommen.

Two Notes Captor
(Bild: Dieter Stork)

no speakers no mics

Dass der Captor Lautsprecherausgänge anbietet, dient der Flexibilität, ist ein Plus in der Handhabung. D. h. man kann – optional – unter Verwendung von Lautsprechern arbeiten, aber (ganz gemäß der Bezeichnung Loadbox) sind die im Prinzip überflüssig. Womit wir gleich beim ersten Prüfungspunkt sind. Wie funktioniert das Widerstand & Spule-Konzept? Ziemlich elegant muss ich sagen. Die Behauptung, der Amp arbeite am Captor 1:1 wie an Speakern wäre zu gewagt, aber die Dynamik und das Frequenzgangverhalten sind doch sehr ähnlich. Schlicht ausgedrückt, das Spielerlebnis bleibt weitgehend erhalten.

Die Qualität der Speaker-Simulation lässt sich nicht so klar abhandeln. Der GTR-Modus ist im Bassbereich auffallend schlank abgestimmt. Man bekommt ihn auch nur bedingt mit einem EQ zu packen. Die Höhen sind absolut praxisgerecht dosiert. Es ist Frische vorhanden ohne unangenehme Schärfe, sehr guter Filter. In den oberen Mitten bildet sich ein Peak-Plateau aus, das den Sound-Charakter markant prägt. Nur zur Erklärung, nicht als Kritik: Dieses Klangbild ist präsenter und energischer als das eines fünf Zentimeter off-axis platzierten AKG C414 vor einem Celestion Vintage30. Richtig, dieser Vergleich hinkt ein bisschen, denn die Mic-Position ist selbst ja keine objektive Größe. Wie gesagt, dient nur zur Verdeutlichung.

Im Bass-Modus haben die Signale erheblich mehr Volumen, sind aber in den höheren Frequenzen gedeckter. Für manchen Bass fast schon zu viel, für die E-Gitarre eine willkommene und praktikable Alternative. Denn die Bässe nach Gusto abzuschwächen, ist nun wirklich kein Akt.

Alles Makulatur, wenn man dem Captor erlaubt, seine Kür vorzuführen. Wer in Situationen kommt, wo er mit keinem der beiden Modi so richtig glücklich wird, hat nämlich luxuriöse Optionen. Weil zum Lieferumfang die Berechtigung für den Zugriff auf 16 Cabinet-Typen aus Two Notes „Wall of Sound“-Software gehört. Diese Speaker-Simulationen stellen in ihrer Bandbreite ein mächtiges Zusatz-Tool dar, was unter anderem darin begründet ist, dass in den Presets noch diverse Parameter abgeglichen werden können. Habe natürlich alle Optionen „durchgeschraubt“: Hammer, was allein damit schon möglich wird. Exzellente Signalqualität.

Da es sich um Plug-In-Software handelt, ist die Anwendung der zusätzlichen Simulationen in einer Live- Situation natürlich irgendwo umständlich, im Recording-Bereich ist die Installation und der Gebrauch ein Klacks.

Two Notes Captor
(Bild: Dieter Stork)

resümee

Man könnte wirklich ins Schwärmen kommen. Wie viel Funktionalität man mit dem Captor für letztlich doch relativ kleines Geld in die Hände bekommt, ist beeindruckend. Und schon ohne die WoS-Software ist das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut gesund. Ob einem die integrierten Speaker-Simulationen des Captor zusagen, ist natürlich Geschmackssache, grundsätzlich bieten sie aber hohen Praxiswert. Die „perfekte Lösung“ wie es im Handel häufiger heißt, oder zumindest eine sehr gute Lösung, ist der Captor aber ganz sicher, wenn man die WoS-Cabinet-Simulationen an den Start bringt. Dann sprengt die Funktionalität schon fast den Rahmen der Preisklasse. Anders ausgedrückt: Zum Konzept des Captor gibt es auf dem Markt zur Zeit keine Alternative. Sehr empfehlenswert.

www.two-notes.com

Preis: ca. € 273

Two Notes Captor


Hinweise zu den Soundfiles:

Um Vergleiche anzustellen, kam für die Aufnahmen kam ein C414 von AKG zum Einsatz, platziert vor einem Celestion-G12H im klassischen 4×12-Cab. Als Amp kam der flammneue Engl Inferno zum Einsatz. Die verwendete Gitarre eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg).

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung (außer Clip 5 und 6) über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und gemastert. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuerte die Raumsimulationen bei.

Die ersten drei Clips bilden Vergleiche ab, zwischen dem Mikrofon und dem Captor-Signal, und zwischen dem DI-Signal mit angeschlossenem Speaker und ohne im Loadbox-Betrieb.

Ein Rätsel gefällig? Hören wir im Clip 4 ein Mikrofon-Signal oder den Captor? Lösung unten ;-).

Der Captor bietet mittels einer kostenfreien Software 16 Speaker-Simulationen an. Das Gerät selbst verfügt über zwei Modi „GTR“ und „Bass“.

In den Clips 5 und 6 ist der Bass-Modus aktiv, die tiefen Frequenzen kräftig herausstellt, dafür aber oben herum wenig frisch klingt. Ich habe beide Audiofiles mit dem Equalizer bei 3500Hz bearbeitet/geboostet. Kleiner Eingriff, große Wirkung.

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

(Auflösung des Rätsel: DI-Signal/Captor)

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(erschienen in Gitarre & Bass 12/2017)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nix kapiert, wozu ist das Teil überhaupt gedacht. Regelkreis, Ohm, Spulen…. alles schön und gut. Was soll das Teil machen? Gehört übrigens in einen der ersten Sätze. Gruß Holger

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    1. Hallo Holger,
      beim Captor handelt es sich um eine All-In-One-Lösung fürs Studio, d.h. DI-Box, Loadbox (Leistungsreduzierer), Speaker-Simulation.
      Beste Grüße aus der Redaktion

      Auf diesen Kommentar antworten

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