Produkt: Gitarre & Bass Digital 3/2014
Gitarre & Bass Digital 3/2014
Blues Special Stevie Ray Vaughan & Johnny Winter, Soilwork, Dominic Miller, Markus Reuter, Ronnie Jordan, Nicole Badila, Steve Amadeo, Shuggie Otis.
MATH..TH...ESTU....ST...TUUU..NDE

Test: Red Panda Tensor

Etwas neues aus dem Hause Red Panda – das wird auf jeden Fall verrückt. Schließlich sind die Jungs aus Detroit immer für innovative Sounds zu haben. Ob das neue Tensor-Pedal genau so genial wie der Rest der Produktpalette ist?

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Früher war manches einfacher: da gab es Distortion, Chorus, Tremolo, Flanger, Phaser, Delay und vielleicht noch so was verrücktes wie einen Harmonizer (hatte aber quasi kein Normalsterblicher außer Eddie Van Halen).

Müsste ich nun beantworten, wo denn nun das Tensor-Pedal einzuordnen sei, hätte ich ein ziemliches Problem. Schon der Name des Gerätes – hier handelt es sich um einen Begriff aus der linearen Algebra – deutet an, dass hier nichts klassisches auf uns wartet.

Am ehesten würde ich beim Tensor von einer Mischung aus Pitchshifter, Tape-Delay, Looper und einem kaputten CD-Player sprechen wollen, wobei das alles nicht so richtig zutrifft.

Taschenrechner raus

Bevor wir uns aber den Bedienelementen und dem wirklich eigenartigen Sound zuwenden, möchte ich ein paar Sätze zu Verarbeitung und Konstruktion loswerden. Das pulverbeschichtete, hochwertige Gehäuse, die satt laufenden Potis, die kräftig zupackenden Buchsen sowie die sauber bestückte Platine lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir es hier mit einem High-End-Pedal zu tun haben.

Einzig die beiden Mini-Schalter, welche die Funktionsart der beiden Fußschalter bestimmen, finde ich ein wenig nah an den Selbigen positioniert. Hier hätte ich Angst, im Live-Betrieb, durch grobes Betätigen, einen der Mini-Schalter zu beschädigen. Das ist aber wirklich Meckern auf hohem Niveau und bei entsprechend umsichtiger Nutzung des Pedals sollte das eigentlich kein Problem darstellen.

Neben dem Standby-Schalter befindet sich auf der linken Seite des Pedals der Hold Fußschalter, welcher die Loopsektion (knapp fünf Sekunden kann das Tensor speichern) steuert. Diesem Schalter zugewiesen sind auch die beiden mittig platzierten Mini-Switches mit den Namen Hold und DIR, welche zum einen die grundsätzlichen Loop-Funktionen (Overdub, Record und Next) zuweisen und zum anderen festlegen, in welche Richtung der Loop abgespielt werden soll (Forward, Reverse und Alternate, bei Letzterem ändert das Pedal ständig die Laufrichtung).

Bei den Reglern geht es ebenso interessant weiter. Hier haben wir zunächst ein Speed-Poti, das die Effektgeschwindigkeit in Echtzeit regelt. Bei Rechtsanschlag des Reglers hören wir zunächst das ganz normale Signal. Bewegt man ihn dann weiter in Richtung der Zwölf-Uhr-Position, wird das Gespielte zunehmend langsamer (und das in Echtzeit!!!) bis auf der Mitte des Regelwegs kein Signal mehr zu hören ist. Bewegt man den Regler weiter Richtung Linksanschlag, ist das Gespielte rückwärts zu hören.

Na, wem raucht jetzt schon der Kopf? Richtig spektakulär wird das Ganze aber erst mit dem Pitch- und dem Blend-Regler. Der eingebaute Pitchshifter kann das Signal stufenlos um bis zu zwei Oktaven nach oben oder unten verschieben, während man mittels des Blend-Potis bestimmen kann, wieviel Effekt dem Originalsignal beigemischt werden soll (ja, Rechtsanschlag bedeutet bei diesem Gerät „wet only“).

Wenden wir uns nun der Loop-Funktion des Red-Panda-Tensor-Pedals zu. Hier finden wir, neben den oben beschriebenen Funktionen, ein Poti mit der Bezeichnung Time. Dieser Regler spielt das geloopte Signal wahlweise schneller oder langsamer ab, ohne aber die Tonhöhe zu verändern (auch im Echtzeit-Modus des Pedals arbeitet dieser Regler – hier ist dann aber logischerweise nur eine tonhöhenneutrale Verlangsamung des Gespielten möglich).

Zum krönenden Abschluss haben wir einen Regler mit der Bezeichnung Rand, was hier als Abkürzung für Random steht. Hiermit entwickelt das Pedal ein ziemliches Eigenleben, auf welches ich später noch genauer eingehen werde. Beide Fußschalter sind jeweils in einem Momentary- oder Latch-Modus betreibbar. Des Weiteren verfügt unser Testgerät über einen USB-Anschluss zur MIDI-Steuerung bzw. für Firmware Updates; außerdem hat es eine Buchse für ein Expression-Pedal.

Alles in allem wirkt das Tensor nicht nur extrem hochwertig verarbeitet, sondern zugleich unheimlich durchdacht und ausgeklügelt. Bei der Wahl des passenden Netzteils auf dem Pedalboard möchte ich anmerken, dass unser Testgerät mit 250 mA eher auf der durstigen Seite der Stromverbraucher steht.

(Bild: Dieter Stork)

Kleine Wunderkiste

Beginnen wir mit dem Echtzeiteffekt des Gerätes. Mit leicht verschobenem Speed-Regler ergibt sich ein etwas merkwürdiger, Chorus-ähnlicher Sound, der immer extremer wird, je weiter man sich in Richtung der Zwölf-Uhr-Position bewegt. Hier macht es absolut Sinn, ein wenig mit dem Blend-Regler zu experimentieren, um eine gute Balance zwischen dem Originalsignal und dem verlangsamten Effekt zu erreichen.

Der eingebaute Pitchshifter sorgt für zusätzlichen Spielspaß – hier stehen einem schier unendliche Soundwelten offen. Mit dem Time-Poti lässt sich das gespielt verlangsamen, ohne dass dabei die Tonhöhe verschoben wird. Das geschieht natürlich nicht ohne Klangverluste, aber um genau diesen merkwürdigen „glitchy“ Sound geht es hier ja gerade.

Simuliert man mit dem Speed-Regler beispielsweise eine etwas ausgeleierte Kassette/Tonband und zieht das Ganze mit dem Time-Poti massiv in die Länge, werden bei mir Erinnerungen an meinen alten Sony-Discman wach, welcher mit sehr schwachen Batterien bisweilen merkwürdige Stotter-Effekte produzierte und mich jener Tage schier in den Wahnsinn trieb. Damals die Unzulänglichkeit der digitalen Technik, heute ein gewollter Effekt – so ändern sich die Zeiten eben.

Bevor ich auf das völlig durchgeknallte Rand-Poti eingehe, wenden wir uns dem Herzstück des Tensor-Pedals zu dem Looper. Hier haben wir es streng genommen erst mal mit einem ganz normal arbeitenden Loop-Pedal zu tun.

Mit dem Hold-Fußschalter lassen sich bis zu 4,8 Sekunden aufnehmen, was zwar kein überragend langer Wert ist – für den angestrebten Effekt aber völlig ausreicht. Hier zeigt sich dann die große Stärke des Red- Panda-Tensor-Pedals: Kurze bis sehr kurze Loop-Sequenzen lassen sich alleine schon mit dem Speed- und dem Time-Regler so durch den Wolf drehen, dass man meinen könnte, hier würde ein digitaler Prozessor Amok laufen.

Richtig gefährlich wird unser Test-Gerät aber, wenn man vorsichtig das Rand-Poti aufdreht. Hier entwickelt das Pedal dann ein ziemliches Eigenleben und man kann dabei zuschauen, wie einem die Kontrolle über den Sound entgleitet. Hier kann man beispielsweise das geloopte Signal mit dem Time-Regler deutlich schneller abspielen, es mit dem Pitchshifter etwas nach unten transponieren und sich dabei mittels des Rand-Potis dem digitalen Wahnsinn hingeben.

Hier werden – je nachdem wie weit man hier aufdreht – abhängig von der Position der anderen Potis, die einzelnen Parameter nach einem Zufallsprinzip durchgeschaltet und die Grenze zwischen Effektgerät und digitalem Instrument verschwimmt, je mehr Kontrolle man dieser Funktion überlässt.

Auf Rechtsanschlag laufen die Dinge dann so sehr aus dem Ruder, dass man die Gitarre erst einmal getrost beiseite stellen kann. Merkwürdige Stottereffekte, zerhackte Sequenzen, eigenwillig gedehnte und dann wieder beschleunigte Klangfragmente und wahlloses Vor- und Rückwärtsabspielen des Loops sind hier im Extremfall das Ergebnis.

Abgerundet wird das Bild von der Möglichkeit, ein Expression-Pedal anzuschließen, welches in der hinteren Position das Loop-Signal normal abspielt und in durchgedrücktem Modus in die jeweiligen Settings des Pedals überblendet.

Alternativen

Hier kann ich es mir guten Gewissens sehr einfach machen: ich wüsste kein Pedal, das mit dem Tensor vergleichbar wäre. Lediglich das Csidman von Catalinbread könnte man in Betracht ziehen, wobei wir hier nur einen Bruchteil der Features des Red Panda Tensor finden.

Resümee

Was für ein verrücktes Pedal – ich kann sicher behaupten, dass ich selten so ein außergewöhnlich und eigenständig klingendes Effektgerät zum Test bekommen habe. Red Panda beschreitet mit dem Tensor (mal wieder) gänzlich neue Wege und liefert Sounds, wie sie kaum ein anderes Gerät zu produzieren weiß. Wer also auf der Suche nach etwas wirklich Neuem ist und auf spannende Sounds steht, sollte das Tensor unbedingt einmal antesten.

Lediglich die etwas knapp gehaltene Bedienungsanleitung und der gewaltige Preis von € 349 dämpfen die Euphorie ein wenig. Letzterer erscheint mir aber aufgrund der sehr hohen Verarbeitungsqualität und der vielen Features trotzdem angemessen.

Preis: Red Panda Tensor € 349

PLUS

  • innovative Sounds
  • optisches Design
  • Verarbeitung
  • Ausstattung
  • Loop-Funktion

MINUS

  • Position der Mini-Schalter
  • Knappe Bedienungsanleitung

www.redpandalab.com

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2018)

Produkt: Gitarre & Bass Digital 3/2013
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