
Der Dumble ist nun endlich verkauft, und damit findet auch der „Dumble-Tourismus” bei mir ein Ende. Dennoch vergießt der eine oder andere Interessent oder Kunde ein Tränchen der Wehmut, dass dieser Sound nun wohl für immer das Weite gesucht hat. Die meisten Musiker wissen schließlich, wie vehement sich solche Klangerfahrungen einbrennen können. Es lässt einen buchstäblich nicht mehr los.
Da ich mir selbst so einen Amp gebaut habe, der übrigens mittlerweile schon recht brauchbar klingt, bin ich guter Hoffnung, dass ich mir diesen Klang zumindest für mein Zuhause erhalten kann. Doch dieses Unterfangen war unglaublich schwierig und dauerte bisher sechs Monate. Darüber hatte ich bereits berichtet. Die Schaltung zu kopieren, brachte mich kaum ans Ziel. Da war noch viel mehr beim Original und man musste sich fragen, wie der gute Dumble das gemacht haben mag.
Natürlich interessierten mich nun auch die eher erschwinglichen Produkte, die sich diesen Sound auf die Fahne schreiben. Davon gibt es inzwischen sehr viele, mir war das gar nicht so bewusst. Der Dumble-Sound hat offenbar etliche Techniker zur Nachahmung animiert, und nun wollte ich natürlich wissen, wie gut das meinen Kollegen gelingt.
Das größte Problem bei dieser Suche war die Tatsache, dass auch diese Amps oft sehr, sehr selten sind und man sie nicht einfach mal eben irgendwo bestellen kann. Zudem kosten die meisten Exemplare schon weit über fünftausend Euro.
Es waren eher Zufälle, die mir den Genuss des einen oder anderen Replika-Amps bescherten. Und ich hatte schon erwähnt, dass die Two-Rock-Amps hier stets eine gute Figur gemacht haben, ohne dabei freilich wie ein Dumble zu klingen. Andere Hersteller (ich weiß nicht, ob ich hier Namen nennen soll …?) sorgten eher für Enttäuschung. Nicht, weil das schlechte Amps waren, aber mit Dumble-Klängen hatten diese Produkte nur wenig bis gar nichts gemein.
Zwei Probanden haben bei meinen Tests leider gefehlt, obwohl sie bei manchen Rockstars − oder aufgrund vieler Nutzererfahrungen im Netz − sehr gelobt werden. Darunter die Overdrive-Special-Version von van Weelden, die ich neulich bei Joe Bonamassa nebst verschiedenen Dumbles auf der Bühne sah und die hochgelobte Version von Welagen, einem amerikanischen Hersteller, der zumindest in seinen Beschreibungen sehr kompetent rüberkommt.
Ich staunte auch nicht schlecht, als ich ein Video fand, in dem Dumble-Ikone Larry Carlton nun einen Bludotone „Bludo-Drive” vorstellte und in den Himmel lobte. Er stünde seinem Dumble (wo ist der bloß geblieben?) in nichts nach. Diese Amps sind ebenfalls sehr selten, und wer einen möchte, muss ebenfalls zwei Jahre auf die Auslieferung warten und bis zu 7.000 Euro hinblättern.
Genauso ein Modell fand neulich den Weg in mein Zuhause. Der Kunde hatte das Original auf meinem Masterclass-Workshop auf dem vergangenen Guitar Summit in Mannheim gehört und fragte sich nun, wie sein Bludo-Drive gegen das Original klingt. Der Test lief aber überhaupt nicht zu seiner und auch meiner Zufriedenheit. Der Bludo-Drive klang ehrlich gesagt nicht einmal ähnlich wie der Dumble. Hier fehlte buchstäblich alles, was einen Dumble zu einem Dumble macht. Er steht nun in meiner Werkstatt und wartet auf Nachbesserung. Mal sehen, ob ich das hinbekomme.
Ganz anders verlief die Begegnung mit einem jungen Unternehmen aus Polen, das mir seine Dumble-Version „Overdrive Specialist” selbstbewusst in den Workshop stellte und um einen direkten Vergleich vor Publikum bat. Die Rede ist von D-Tone, einem eher kleinen Hersteller, der verschiedene Repliken herstellt und vor allem dem Dumble-Thema seit jeher extrem zugeneigt ist.
Zwar handelte es sich bei ihrer Version um die Kopie eines Dumbles aus den Achtzigerjahren (Robben-Ford-Setup), doch dieser Amp sorgte beim Live-Test für ein erstauntes Publikum. Im Clean-Bereich war er etwas steriler und cleaner als das Original und im Overdrive-Modus etwas rockiger und Gain-freudiger, aber das war’s dann auch schon. Hut ab, dachte ich. Diese Jungs haben den Bogen raus.
Der Amp hatte das verführerische Sustain des Originals und vor allem die enorme Abbildungsgröße dieser Amps. Ein mächtig dicker Ton, bei dem die Mitten an genau der richtigen Stelle saßen.
Statt dem Deep-Switch gab es hier einen sehr gut abgestimmten Mid-Boost-Schalter, zudem einen gebufferten Einschleifweg, der auf Anhieb perfekt funktionierte, einen robusten Fußschalter sowie ein wirklich überzeugendes 1×12″-Cabinet, das seitdem meine Referenz-Box hier zu Hause ablöste. Das beste daran: Das Top kostet „nur” 3.399,- Euro! Das ist schwer zu schlagen. Aber vor allem stimmte hier schon mal der Sound.
Ein weiterer Vorteil war der Umstand, dass man als Kunde praktisch jede Dumble-Version bestellen kann. Da gibt es ja bekanntlich recht viele. Ich selbst habe zum Beispiel eine 70er-Variante nach dem Vorbild des Silverface Dumbles bestellt und bin auf das Ergebnis mehr als gespannt.
Auffällig war auch der fast kaum vorhandene Noise-Floor dieser Amps. Während der Bludotone im Leerlauf ziemlich nervig rauschte, herrscht hier absolute Ruhe. Der Amp ist frei verdrahtet und überzeugend sauber aufgebaut. Die Tone-Kondensatoren sind Mallory-150-Typen und nicht wie bei den Originalen Sprague Polyester 6PS. Das transportiert den Ton etwas in die Tweed-Amp-Ära, was hier aber durchaus gut klang. Die Gain-Reserven sind aufgrund der Konstruktion deutlich höher, lassen sich aber per internem Trimm-Poti wieder wunderbar zähmen.
Neben zahlreichen Amp-Klassikern hat das D-Tone-Team auch ein Modell nach Steel-String-Singer-Manier im Programm. Nach eigener Aussage das Flaggschiff der jungen Firma. Im Netz gibt es übrigens einige sehr gute Videos zu diesen Amps. Im Moment sind sie noch über einen kleinen Vertriebsstützpunkt in Meerbusch bei Düsseldorf erhältlich.
Man kann aus meinen Zeilen leicht herauslesen, dass ich begeistert war von dieser Entdeckung. Zwar liefert der D-Tone nicht die komplette DNA eines Dumbles, überzeugt aber durch seine unglaublich verführerische Textur vor allem im Overdrive-Bereich. Während die meisten Repliken hier nur dünn, harsch oder mit überbetonten Mitten daherkamen, trifft der D-Tone zumindest das perfekte Frequenzspektrum.
Mit ein paar NOS Röhren von RCA oder Sylvania ließ sich der Sound noch deutlich steigern, was es auch für den Laien einfach macht, dem persönlichen Geschmack noch näher zu kommen.
Insgesamt findet man im Netz fast täglich neue Clones, ob nun komplette Amps oder Pedale, die dem verstorbenen Mastermind nacheifern. Man muss dabei aber auch befürchten, dass die meisten Anbieter das Thema nicht wirklich durchdrungen haben. Der sogenannte „Dumble-Sound” droht genauso zu einem Wischi-Waschi zu verkommen wie einst der „Plexi-Tone” oder der „Tweed-Tone”. Das ist ein bisschen schade.
Die Dumble Company, die dieses Jahr auf der NAMM-Show wiedererstanden wurde und namentlich durch Drew Berlin und Matt Swanson vertreten wird, hat bisher kaum Neues verkündet. Ich wäre neugierig, ob aus dieser Richtung wirklich bald neue Dumbles nach altem Vorbild kommen. Und vor allem bin ich neugierig, was diese Amps dann kosten würden.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass das dann für den Consumer-Markt zugeschnitten ist, sondern eher erlesenen Rockstars vorbehalten bleibt. Die KI-gestützten Profiling-Systeme liefern ja bereits gefährlich nahe Ergebnisse, die dem Dumble-Sound oft schon näher kommen als so mancher Clone-Amp. Es bleibt also sehr, sehr spannend.
(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)