Aller Anfang ist ... leicht?

Lâg: OC44-2/OC66-3/OC66CE Nylon-Acoustics im Test

Eine Anfängergitarre sollte ein Mindestmaß an Klang und Bespielbarkeit liefern, um den leidgeprüften Einsteiger bei der Stange zu halten.

(Bild: Dieter Stork)

Das Flohmarkt-Schnäppchen mit Flitzebogenhals, oder das Weihnachts-Angebot aus der Supermarktkette sind da wohl eher nicht die optimale Lösung. Dann doch lieber der Gang zum örtlichen Musikalien-Händler – der bietet Beratung, Service und vernünftige Gitarren. Wie z. B. auch die hier vorliegenden Nylonstring- Modelle aus der Occitania-Serie des südfranzösischen Herstellers Lâg.

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Für kleine und große Hände

Fangen wir mit der kleinsten an, die hier als richtiges Starter-Pack mit Tasche und Fußbänkchen antritt. Die OC44-2 ist für Kinderhände konzipiert und hat halbe Größe. Sie ist eine schlicht, aber sauber konstruierte Konzertgitarre aus furnierten Hölzern (Mahagoni für Boden/Zargen), die trotz des Verzichts auf Binding, und Einlagen den besonderen coolen Seeräuber-Charme einer Lâg-Gitarre verströmt. Das gelingt z. B. durch die Lâg-typische Schalllochumrandung auf der Fichtendecke mit dem „Croix de Occitane“ – Namengeber dieser Serie und Symbol des heimatlichen Departements Languedoc. Die Saiten sind auf typische Weise am Palisandersteg verzurrt, die frei schwingende Strecke zwischen Stegeinlage und Sattel aus Graphit beträgt 530 mm. Der Hals aus Mahagoni ist – wie das ganze Instrument – mit einem Satin-Finish versehen, hat einen vom Schallloch aus zugänglichen Stellstab und ein Palisandergriffbrett mit 18 Bünden und kleinen Orientierungs-Dots auf der Sichtkante. Die geschlitzte Kopfplatte punktet mit schicken schwarzen offenen Stimmmechaniken, die zuverlässig ihren Job machen.

 

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Nächste im Bunde ist die OC66-3. Diese 3/4-Nylonstring kommt schon um einiges erwachsener daher, hat aber immer noch komfortable Maße für heranwachsende Rockstars; als kompakte unkomplizierte Gitarre für Camping-Bus, Lagerfeuer, und Kellerparty ist sie sicher auch für Erwachsene interessant. Die Holz-Rezeptur ist die gleiche, wie bei der kleinen Schwester – dank des schwarzen Korpus-Bindings, der sauber ausgeführten Hochglanzlackierung und des schicken Mahagoni- Layers auf der Kopfplatte wirkt die 66 aber schon erheblich wertiger als die 44. Die Mensur beträgt 580 mm, auch hier finden wir 18 tadellos eingesetzte Bundstäbchen aus Silbernickel.

Wenn jetzt jemand auch schon Solo- und Bühnen-Ambitionen hat, dann ist vielleicht die OC66CE die richtige Wahl: Sie bietet von allem etwas mehr: Korpus- und Klangvolumen, Mensur, Griffbrettbreite … außerdem ein Cutaway (rundlicher sogenannter venezianischer Schnitt) für freie Bahn zu den höchsten Lagen und ein Pickup-System namens Directlag Plus von Fishman mit Nanoflex Piezo-Pickup unter der Stegeinlage. Das Cockpit auf der Zarge bietet einen Volume- Fader, eine Klangregelung (Bass, Mid, Treble ) einen Phasenumkehr-Taster und ein

(Bild: Dieter Stork)

Stimmgerät.

Spass muss sein

Soll heißen: Das Gitarrespielen soll keine Quälerei sein, die demotivierende Wirkung hat. Und da kann man bei allen drei Occitanias Entwarnung geben. Die Werksseinstellung, und somit die Bespielbarkeit, ist klasse. Angenehme Saitenlage, tadellose Bundreinheit – da steht einem guten Start nichts im Wege. Die Lâgs bieten ausgewogene warme aber auch durchaus perkussive Konzertgitarrenklänge – natürlich im Rahmen dessen, was kleine Instrumente in nicht-massiver Bauweise leisten können. Sie sind stabil, optisch charakterstark, sauber verarbeitet, und jede hat etwas zu bieten: die kleine OC44-2 kommt als Rundum sorglos-Paket mit Tragetasche (Gigbag) und Fußbänkchen für klassische Spielhaltung. Die OC66-3 bietet vollmundigen akustischen Klang bei klassischer Optik in 3/4-Format. Die OC-66CE ist die ausgewachsene Allzweckwaffe mit breiterem Griffbrett, längerer Mensur, Bühnentauglichkeit und Solo-Freiheit in hohen Lagen. Die bezahlt man mit einem kleinen Abstrich beim Klangvolumen – dafür wird man aber mit einem tollen Live-Sound belohnt, wenn man die Lâg einstöpselt. Ausgewogene Übertragung der Saiten, natürlicher Klang, das Stimmgerät schaltet bei Betrieb stumm und ist gut ablesbar – volle Punktzahl.

Resümee

Für diese Lâg-Nylonstrings kann man nur eine klare Empfehlung zum Antesten aussprechen. Sie eignen sich für Anfänger und Reiselustige und bieten Optik, Klang und Qualität zum attraktiven realistischen Preis.

Plus

  • Design, eigenständige Optik
  • Verarbeitung, Werkseinstellung
  • anfängerfreundlicher Spielkomfort
  • ordentlicher Klang, guter E-Sound OC66CE
  • Preis/Leistung

Aus Gitarre & Bass 12/2016

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