Wet-dry-wet

Komet 29 + AmbiKab im Test

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork

Ich habe es hier in Tests bei entsprechenden Gelegenheiten immer wieder gesagt: Der beste Weg, bei einem Puristen-Amp zeitbasierte Effekte an den Start zu bringen, ist, ihn selbst damit nicht zu belasten, sondern z. B. mit einem oder mehreren zusätzlichen Combos, ein Dry/Wet- oder eben Wet/Dry/Wet- Setup aufzubauen. Jetzt gibt es dafür eine dezidierte Lösung: das AmbiKab. Komet macht´s möglich.

Asket

Der Komet 29 beschreibt, was in der Spitzenklasse dieser Produktkategorie heute Usus ist. Nämlich ein eigentlich einfaches Rezept: kurzer Signalweg, hochwertigste elektronische Bauteile, fetter Ausgangstrafo – viel Eisen – und ein strammes, groß dimensioniertes Netzteil. Zwei 12AX7- Röhren und vier EL84, die im Kathodenbias arbeiten, sorgen für die Verstärkung des Gitarrensignals. Der Aufwand ist in der Konsequenz überschaubar. Ca. zehn Kondensatoren und zwei Dutzend Widerstände plus Potis und Schalter, fertig. Das Ganze natürlich frei Punkt-zu-Punkt verdrahtet.

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Ein geübter Techniker sollte diesen Aufbau zügig fertiggestellt haben, keine Herausforderung. Kontrolliert von den Potis Volume, Tone, Thrust (Funktion siehe Praxis) und einem konventionell am Volume-Poti kontakteten Bright-Switch mit drei Positionen. Hinten gibt es zwei Lautsprecherausgänge mit umschaltbarer Impedanz (4, 8, 16 Ohm). Die Verarbeitung ist im Prinzip einwandfrei und zeugt von sorgfältigem Vorgehen. Eigenartig stößt daher auf, dass die beiden Schalter Power und Standby nicht korrekt fixiert waren (es fehlte gut eine halbe Umdrehung an der Mutter).

2×12“ plus 2×10“

Die großen Lautsprecher liegen passiv am Ausgang des Verstärkers. Ein Stereo- Halbleiterverstärker zapft dieses Signal an, und führt es zunächst – über ein Poti regelbar – dem Effects Send zu. Über die beiden Return-Eingänge „Effects Input Left/Mono“ und „Right“ kommen die Signale zurück in das Ambi- Kab. Der Status des FX-Wegs kann über den Footswitch-Anschluss ein/ausgeschaltet werden. Der Volume-Regler bestimmt die Lautstärke der Effekte-Ebene, mit dem Poti „Bass Cut“ können zusätzlich die tiefen Frequenzen dosiert werden.

Jetzt ist die 2x40Watt-Endstufe an der Reihe, sie füttert die beiden 10“-Speaker (Celestion G10 Vintage 60 Watt). Interessant ist, dass sich Komet für eine gemischte 12“-Bestückung entschieden hat. Beide Chassis kommen von Celestion. Das Modell G12-35XC soll dem Ton der als legendär gehandelten Pulsonic Cones nahekommen und der A-Type ist als in den Mitten zurückhaltender Lautsprecher mit amerikanischem Charakter spezifiziert. Der Kunde kann das AmbiKab aber auch – gegen Aufpreis wohlgemerkt – mit anderen Celestions bekommen, z. B.: Cream, Alnico Gold, Heritage, G12H, G12-65, oder G12-150 Red Back.

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork
Distortion- Lieferant: Der Thrust-Regler reißt viel heraus

Raum-Sound

Nach dem Einschalten verbreitet unser Komet 29 ein duales Grundbrummen. Eins aus dem Speaker, das andere kommt vom mechanisch schwingenden Netztrafo. Noch dezent in der Lautstärke, aber doch schon deutlich hörbar. Weniger schön und auch kritikwürdig, denn dieser kleine Verstärker kostet fast ! 4000. Da möchte man doch, dass alles topfit ist, oder!? Na gut, abgesehen davon schwingt er sich zum Glück zu Höchstleistungen auf. Er liefert, was man von seiner Spezies erwarten darf. Im Clean-Bereich austrainierte Transparenz und maximales Tonvolumen, wozu gehört, dass sich die Noten im Ausklang aufblähen und lange, sehr lange kraftvoll ausschwingen. Das Grundtimbre ist nicht eben lieblich, sondern entwickelt in den oberen Mitten eine fordernde, im positiven Sinne aufdringliche weil durchsetzungskräftige Farbe. Der Bassgehalt ist kräftig (auch über das AmbiKab gespielt). Man sollte genau prüfen, ob man damit gut zurechtkommt, denn in dieser Region ist der Komet 29 wenig variabel.

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork

Bei steigenden Volume-Einstellungen gleitet der Amp ziemlich geschmeidig in erste Overdrive-Anteile hinein. Im Weiteren entstehen immer intensivere, breitbandige, in allen Frequenzen fette Verzerrungen, die dem Sound etwas rotziges, schmutziges verleihen. Distortion mit betont harmonischer Struktur wurde offensichtlich nicht angestrebt. Der Tone-Regler bestimmt nicht nur, wie weit sich das Klangbild in den höheren Frequenzen öffnet, sondern er beeinflusst dabei auch die Intensität und Geschmeidigkeit der Verzerrungen. Wesentlich intensiver macht dies noch das Thrust-Poti. Erdig, mittig, sehr verzerrt wenn nötig, aber wenig komprimiert. Und wie das so ist bei solchen Puristen- Amps, steht die Röhrensättigung in direkter Abhängigkeit von der Lautstärke.

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork

Heißt: Harte Distortion erzeugt ziemlich hohe Schallpegel. So, und nun zum AmbiKab, das ja fast das spannendere Thema ist in diesem Test. Punkt #1, die passive 2×12“-Wiedergabe. Sie schmeichelt, besticht durch Ausgewogenheit und Präzision mit fülligem Bassfundament. Nichts Giftiges in den oberen Mitten und Höhen. Die beiden Speaker-Typen ergänzen sich günstig. Von daher besteht zunächst gar kein Anlass nach anderen Lautsprechertypen zu schielen.

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork

Da die Stereobasis lediglich Effektanteile zu übertragen hat (weil das Grundprinzip sein sollte/muss, dass so weit als möglich hier keine Anteile des Originalsignals erscheinen), reichen die zwei 10“-Speaker, respektive die Leistung der Endstufe, vollkommen aus. Das Vorgehen gleicht dem Recording/Mixing. FX-Anteile werden zugemischt. Wer so etwas zum ersten Mal hört wird überrascht sein. Über die Tiefe des Klangerlebnisses, der sauberen Darstellung. Labsal, das funktioniert beim AmbiKab prächtig. Als wirklich zweckmäßig erweist sich dabei die Bass- Cut-Regelung, weil damit flugs die Wiedergabe optimiert werden kann, was man gerade im Live-Betrieb schätzen wird. Man muss sich letzten Endes nur darüber im Klaren sein, dass gerade wegen der kompakten Bauweise das Stereoerlebnis nur im näheren Bereich des Cabinets ein voller Genuss ist.

Komet 29 + AmbiKab
FOTO: Dieter Stork

Alternativen

Der Komet 29 ist wegen seiner Mixtur aus Klangcharakter und Thrust-Regelung ohne direkten Gegenspieler, und so etwas wie das AmbiKab gibt es als Serienprodukt derzeit kein zweites Mal.

Resümee

Was die Sound-Ergebnisse angeht, herrscht am Ende des Tests eitel Sonnenschein. Der Komet 29 – den es auch in den Combo-Versionen 1×12, 2×10 und 2×12 gibt – überzeugt mit souveräner Klangformung, das AmbiKab erfreut mit dem betörenden Erlebnis höchst kultivierter, differenzierter Wet/Dry/Wet-Beschallung. Dem gegenüber stehen leider gepfefferte Preise. Bei rationaler Einschätzung ist nicht nachvollziehbar, warum der Komet 29 ! 3899 kosten muss. Die US-Boutique halt – bei Little Walter z. B. ist die Frage auch schwer zu beantworten. Beim AmbiKab sieht die Sache etwas günstiger aus. Auch teuer, aber irgendwo noch nachvollziehbar.

Plus

  • Sound, für einen puristischen Amp recht variabel
  • Dynamik, Ansprache, Detaildarstellung
  • geringe Nebengeräusche
  • AmbiKab: Konzept elegant umgesetzt, Funktion hochklassig
  • Verarbeitung/Qualität d. Bauteile (beim Komet 29 m. Einschränkungen, siehe Text)

Minus

  • Komet 29: Grundbrummen

Hinweise zu den Soundfiles.

Für die Aufnahmen kamen zwei Kondensatormikrofone mit Großflächen-membran zum Einsatz, Typ C414 von AKG.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und abgemischt. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuert die Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg) und eine Steinberger GL4T.

Ich wünsche viel Vergnügen, und…, wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! ;-).

Fragen, Anregungen und ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de. Es klappt nicht immer, aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

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(Aus Gitarre & Bass 06/2018)

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