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FAQs zu Lautsprechern, Teil 8

Celestion-Alnico-Blue-und-Creamback

In diesem Monat dreht sich noch einmal alles um Fragen zum Thema Lautsprecher und Boxen. Los gehts!

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Man liest immer wieder, dass es eine gute Idee ist, unterschiedliche Lautsprecher-Typen in einem Gehäuse zu kombinieren, um die jeweiligen Stärken der Speaker in Ergänzung zu bringen. Ist das wirklich eine gute Idee und wenn ja, welche ergänzen sich gut?

Auch das ist zunächst eine Geschmacksfrage. Wer kennt das nicht, dass man sich zwischen zwei Lieblingslautsprechern einfach nicht entscheiden kann? Also baut man beide zusammen in eine Box. Zuerst habe ich das in einer 2¥12-Box von Divided-by-Thirteen gehört. Dort war ein Celestion Blue Alnico mit einem Celestion G12H Heritage parallel betrieben. In diesem Fall klang das sogar recht gut. Der Alnico lieferte die typisch fein auflösenden Höhen, der G12H dagegen die fetten, stabilen Bässe.

Man muss für solche Kombinationen allerdings ein paar Dinge beachten. Einmal haben Lautsprecher oft einen unterschiedlichen Wirkungsgrad. Auf den Speakern ist dieser in dB angegeben. Das hat aber zunächst nichts mit der tatsächlichen Lautheit des Lautsprechers zu tun. So ist zum Beispiel ein Lautsprecher mit 100 dB etwa doppelt so laut wie einer mit 90 dB und nicht, wie es der dB-Wert vermuten lässt, 10 Prozent lauter. Daher ist ein Celelstion Alnico Blue mit etwa 100 dB ein ganzes Stück lauter als der Celestion G12M mit nur etwa 96 dB. Man wird daher mehr vom Alnico hören als vom G12M. Man muss also selbst ermitteln, welche Verhältnisse besonders gut zusammenpassen.

Der G12H Heritage oder Creamback hingegen haben ebenfalls 100 dB und liefern damit die gleiche Lautstärke wie ein Alnico Blue. Ein Alnico Blue in Kombination mit dem G12H Creamback gehört zu meinen persönlichen Favoriten. Geeignet sind solche Paarungen auch für größere Live-Produktionen, wo der FOH-Mischer die beiden Speaker abnehmen und dann am Mischpult die unterschiedlichen Klangfarben im Wortsinn in Einklang bringen kann.

Vor ein paar Jahren ist es Mode geworden, vor allem Alnico-Typen mit Keramik-Lautsprechern zu kombinieren. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Phasenlage beider Lautsprecher gleich ist. Es gibt Speaker, wie zum Beispiel alte Jensen oder JBLs, die umgekehrt gepolt sind. Wenn man diese Lautsprecher mit modernen Modellen kombiniert, muss man teilweise den Plus- und Masse-Pol am Lautsprecher vertauschen. Ratsam ist das auch bei reparierten Lautsprechern. Einer meiner alten Celestion Bulldog Alnicos spielte nach dem Reconing „rückwärts“, also musste Plus an Masse und umgekehrt, damit er wieder „vorwärts“ spielt. Dazu mehr bei der nächsten Frage.

Ich möchte bei Live-Gigs verschiedene Lautsprecher und Boxen miteinander kombinieren. Manche Kombinationen klingen sehr fett und punchig, andere sehr dünn und leise.

Das kann an der unterschiedlichen Phasenlage der Lautsprecher liegen. Es gibt Speaker, die „nach vorne“ spielen und welche, die rückwärts gepolt sind. Dazu zählen etwa alte Jensen-Lautsprecher oder die berühmten JBLs. Aber auch Verstärker geben das Signal teilweise in umgekehrter Phase raus. Dazu gehören etwa alle älteren Marshalls. Oder der Fender Tweed Bassman. Stellen wir uns folgende Situationen vor: Du spielst vielleicht einen Fender Twin Reverb mit zwei Oxford-Zwölfern, die vorwärts gepolt sind. Jetzt schließt du an diesen Verstärker zusätzlich eine Dual-Showman-2¥15-Box mit JBLs an. Statt eines fetten, großen Sounds ist das Ergebnis dünn und höhenlastig, da du Dir so eine Phasenauslöschung eingehandelt hast. Du musst den Plus- und Minus-Pol an die JBLs vertauschen, und schon hast du die Phase in Bezug auf deine Lautsprecher im Twin Reverb wieder korrekt.

Marshall-Box
Innenverkabelung einer alten Marshall-Box prägt den Sound

Zweites Beispiel: Du spielst einen Marshall JTM45, der die Eingangsphase des Gitarrensignals um 180 Grad gedreht ausgibt, an einer 2¥12-Box, die zwar vorwärts gepolt ist, aber durch die gedrehte Phasenlage des Verstärkers, das Signal rückwärts ausgibt. Dazu kombinierst du hin und wieder im Stereo-Betrieb einen Fender-Verstärker, der vorwärts spielt. Auch hier hast du wieder eine Phasenauslöschung und damit einen dünnen unattraktiven Sound. Auch hier müsstest du die Box, die am Marshall angeschlossen ist, verpolen, um ein fettes und sattes Stereo-Signal zu erhalten.

Mir fällt sogar noch ein drittes Beispiel ein. Auf einer sehr kleinen Bühne musste ich mal meinen Verstärker direkt neben den Amp unseres zweiten Gitarristen aufbauen, der meist auf der anderen Bühnenseite „zu Hause“ war. In allen Passagen, wo wir unisono Akkorde spielten, wurde der Sound schrecklich dünn und harsch. Erst später stellten wir fest, das sein Amp vorwärts spielte, während mein JTM45 rückwärts gepolt war. Steht man wie üblich weit auseinander auf der Bühne, fällt das nicht so auf. Verstärker ändern die Phasenlage pro Vorstufenröhrenhälfte um 180 Grad. Ist die Anzahl der Röhrenhälften, die an der Verstärkung beteiligt sind geradzahlig, bleibt die Phase die gleiche wie im Eingang, ist sie ungerade, wird das Signal insgesamt um 180 Grad gedreht.

Für HiFi-Anlagen gilt gemeinhin die Regel, dass dickere Lautsprecherkabel auch mehr Sound rüberbringen. Von dem größeren Kabelquerschnitt würden Bässe, Höhen sowie die gesamte Klangqualität profitieren. Warum verwenden dann die meisten Hersteller von Gitarrenverstärkern so dünne Beipackstrippen? Bei VoVox oder Mogami gibt es beispielsweise richtig amtliche Lautsprecherverbindungen.

Das stimmt auch, ist aber für die gewünschten Klangergebnisse nicht immer von Vorteil. Die Lautsprecherverkabelung und das Verbindungskabel fungieren hier als Nadelöhr, durch das das gesamte Signal hindurch muss. Sind die „Strippen“ hier dünn und – sagen wir mal – minderwertig, verliert man tatsächlich etwas Bass, Höhen und Fidelity. Das kann aber durchaus gewünscht sein. Vor Jahren habe ich mal aus einer handelsüblichen Marshall 4¥12-Box die gewohnt dünnen Käbelchen durch richtig fette Kabel mit Silberanteil ersetzt. Die Box klang hinterher schrecklich. Zu viel Bass und daher mulmig, viel zu viel Höhen und kaum noch Mitten! Ich habe sofort wieder die Original-Kabel eingelötet.

Live-Wire-Elite-Lautsprecherkabel
Live Wire Elite HighEnd-Speaker-Kabel versus Marshall-Strippe

Ganz anders bei meinem Fender Princeton. Der hat aufgrund seines winzigen Gehäuses und seines kleinen Speakers einen etwas quäkigen, mittigen Sound. Hier war das dicke Lautsprecherkabel ein Teil der Lösung, denn es sorgte für mehr Bass und Höhen und daher für eine Abschwächung der vorlauten Mitten. Kurzum: Wer straffe, kompakte Sounds bevorzugt, der bleibt bei den Beipackstrippen, wer seinem Sound mehr Fidelity verleihen möchte, kauft sich eine hochwertige Lautsprecherverkabelung. Ein Jazz-Musiker oder ein Pedalsteel-Künstler hat hier vielleicht ganz andere Ansprüche als ein AC/DC-Rocker.

Ich bin etwas unglücklich darüber, dass in Lautsprecher-Tests meist zu viel Augenmerk auf die Qualitäten im Overdrive-Bereich gelegt wird. Fast alle Tests, die man auf YouTube findet, präsentieren verzerrte Gitarren-Sounds. Mich interessieren aber vor allem Clean-Sounds und Lautsprecher, die auch für Jazz- und Akustik-Gitarren geeignet sind. Da fallen die meisten Celestions schon mal aus der engeren Wahl. Wo findet man überhaupt noch Lautsprecher für gute und klare Gitarrenklänge?

Da hast Du vollkommen recht. Es gibt tatsächlich ein gewisses Ungleichgewicht zugunsten von Rock-Sounds. Dabei gibt es wirklich gute Lautsprecher für deine Bedürfnisse. Früher standen bei Liebhabern von Clean-Sounds die kräftigen Speaker von JBL (D-120) oder der berühmte ElectroVoice 12L mit 200 Watt Leistung ganz oben auf der Liste. Beide werden leider in ihrer ursprünglichen Bauweise nicht mehr hergestellt.

JBL-D-120
Legende für Clean-Sounds: Der D-120 von JBL

Ich habe mal Philip Catherine und Larry Coryell in den Achtzigern in einem Frankfurter Club mit ihren Ovation-Gitarren live erlebt. Beide benutzten zur Verstärkung zu meiner Überraschung je einen Fender Twin Reverb mit JBL-Speakern. Das war fantastisch, weil es gar nicht nach Amp klang, sondern einfach sehr, sehr sauber und akustisch rüberkam. Volker Kriegel und Michael Sagmeister schworen damals bei ihren LAB-L9-Verstärkern auf einen 15-Zoll-ElectroVoice-Lautsprecher. Das klang ebenfalls sehr klar und warm.

Heute muss man sich etwas umschauen, um ähnlich gute Speaker für solche Anwendungen zu finden. Positiv überrascht war ich unlängst von einem Jensen-Neodym-Lautsprecher mit 100 Watt, der für mein Empfinden sagenhaft linear und sauber klang. Noch dazu wiegen diese Speaker nur ein Bruchteil eines alten JBLs. Steht man auf Alnico-Magneten, funktioniert der Jensen P12/100 aus der Jet-Serie sehr überzeugend. Gerade teste ich einen Eminence Alessandro GASC64-Lautsprecher, der zwar nur 40 Watt hat, aber für Jazz ganz hervorragend klingt.

1962-Fender-Princeton
1962 Fender Princeton mit fragilem Lautsprecherkabel

Grundsätzlich lohnt es, auf Linearität und eine hohe Leistung zu achten. Pat Metheny spielt mittlerweile über einen Gitarren-Pre-Amp direkt in eine P.A.-Anlage mit getrennten Hoch-, Mittel- und Tieftönern. Auch das kann eine gute Lösung sein. Es gibt dazu sogar recht gute Micro-Pre-Amps im Bodentreter-Format oder Modeling-Lösungen wie den BluGuitar1, den man für saubere Sounds auch direkt mit einer Zwei- oder Drei-Wege-Box verbinden kann. Bis zum nächsten Mal!

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