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TopGearCheck! mit Julian Sas

(Bild: Matthias Mineur)

Selbst als unbedarfter Zuhörer braucht man nicht lange, um in einem Konzert des holländischen Bluesrock-Gitarristen Julian Sas dessen wichtigsten musikalischen Einflüsse herauszuhören: Es sind vor allem Rory Gallagher, Jimi Hendrix und Yngwie Malmsteen! Deren Spielart, ihre Sounds, ihre kleinen fingertechnischen Eigenarten erkennt man fast unwillkürlich auch in den Sas-Kompositionen.

Kein Wunder also, dass zu den bisherigen Karrierehöhepunkten des 55-Jährigen seine Shows mit der originalen Gallagher-Begleitband feat. Bassist Gerry McAvoy und Schlagzeuger Brendan O’Neill zählt. Wie aber erzeugt Sas seinen – nennen wir es mal so – Hendrix-meets-Gallagher-Sound, was sind seine technischen Hilfsmittel, konkret: Mit welchem Equipment bestreitet er derzeit seine Konzerte?

Ein Besuch bei einer Sas-Show im Bremer Club Meisenfrei anlässlich einer neuen Folge unserer monatlichen Serie ‚Top Gear Check’ bringt Aufklärung. Hier also seine wichtigsten Gerätschaften, zu denen Sas die entsprechende Geschichte erzählt!

FENDER AMERICAN VINTAGE 62 STRATOCASTER

Fender Stratocaster 62 American Vintage mit Malmsteen-Fury-Pickups (Bild: Matthias Mineur)

Ich vermute, meine Fender American Vintage wurde 2004 oder 2005 gebaut. Ich habe sie vor etwa neun Jahren mit Seymour-Duncan-Malmsteen-Fury-Pickups ausgestattet, da ich ständig Schwierigkeiten mit den Brummgeräuschen regulärer Single-Coils hatte. Irgendwann las ich von den Malmsteen-Pickups, die eigentlich Humbucker in Coil-Format sind.

Also habe ich sie getestet, war begeistert und ließ sie mir sofort von einem befreundeten holländischen Gitarrenbauer einbauen. Natürlich bin ich auch Yngwie-Malmsteen-Fan, ich finde, der Mann ist einfach unglaublich!

GIBSON FIREBIRD SUNBURST 1989

Gibson Firebird Sunburst 1989 für Open-E-Tunings (Bild: Matthias Mineur)

Die Gibson Firebird, die ich gezielt für Open-E-Tunings einsetze, habe ich 1989 direkt nach der Schulzeit von meiner Mutter geschenkt bekommen. Sie ist komplett original. Es hieß damals zwar, man solle unbedingt die Tonabnehmer gegen Mini-Humbucker von Seymour Duncan austauschen, aber das habe ich nie gemacht.

Zur Vorgeschichte: Mit 15 sah ich zum ersten Mal Johnny Winter spielen und träumte fortan von einer eigenen Gibson Firebird, die damals jedoch kaum zu bekommen war, weil es nur sehr wenige davon gab. 1989 haben Gibson dann auf Grundlage des 63er-Modells eine Reissue-Serie hergestellt. Ich entdeckte sie in Holland in Den Bosch im Schaufenster eines kleinen Geschäfts. Ich war wie paralysiert und konnte tagelang nicht schlafen.

Daraufhin bot mir meine Mutter an: „Ich kauf dir die Gitarre, wenn du nach der Schulzeit ein Studium absolvierst!” Ich habe es ihr damals zwar versprochen, war zu dem Zeitpunkt aber bereits im Musik-Turbo und habe natürlich nicht studiert.

Tschuldigung Mama!

Die Telecaster habe ich gebraucht für ganz kleines Geld gekauft. Der vorherige Besitzer behauptet, es handele sich um ein mexikanisches Modell. Ich wollte unbedingt eine Fender Telecaster mit Palisander-Griffbrett, weißem Korpus und schwarzem Pickguard, als Andenken an den kurz zuvor verstorbenen Status-Quo-Gitarristen Rick Parfitt. Deshalb trägt die Gitarre den Spitznamen „Ricky”.

Parfitt und Malcolm Young von AC/DC und all die Rhythmus-Gitarristen aus Jazz und Blues waren immer schon meine Helden, denn eigentlich wollte ich Rhythmusgitarrist werden.

Fender Telecaster Mexico 2011 mit 59er Planet-Tone-Humbucker
Auch mit dabei: Gibson Les Paul Classic 2004 …
… und Fender Stratocaster Mike McCready 59

 

MARSHALL JCM900

Marshall JCM900 und 1960TV mit Greenbacks (Bild: Matthias Mineur)

Den Marshall JCM900, der auch heute Abend bei mir auf der Bühne steht, besitze ich auch schon ewig, er gehört zur ersten Serie der JCM900-Linie. Ich besitze drei oder vier von ihnen, allerdings auch andere Marshall-Modelle wie Plexi oder Bluesbreaker. Als Ersatz-Amp habe ich immer ein 2001er Modell dabei.

Anfangs hieß es, der JCM900 sei kein richtiger Marshall, man müsse einen uralten Plexi haben oder zumindest einen 1974 Super Lead MK II. Aber der JCM900 stammt aus meiner Jugend und war damals der erste Marshall, den man in Holland im Geschäft kaufen konnte.

Der JCM900 ist komplett unverbastelt, hat mittlerweile aber natürlich nicht mehr die originalen Röhren, sondern meistens Sovtek- oder Groove-Tubes. Im Laufe der Jahre habe ich die unterschiedlichsten Amp gespielt, bin aber immer wieder zu meinem Marshall zurückgekehrt. Er ist die Liebe meines Lebens!

MXR PHASE 90 & MAD PROFESSOR 1

Mein MXR Phase 90 ist die Eddie-Van-Halen-Version mit beigefügtem Schaltplan, so dass man den alten Sound einstellen kann. Den Mad Professor 1 wiederum habe ich zufällig in einem Gitarrengeschäft entdeckt und fand ihn sofort richtig cool, da man mit ihm sowohl den authentischen 70er-Jahre- als auch einen richtig fetten Eddie-Van-Halen-Sound aus der Zeit mit Sammy Hager kreieren kann, und das mit nur einem Knopfdruck.

CARL MARTIN HEADROOM

Trotz des 1 von Mad Professor habe ich auch immer mein Carl-Martin-Headroom-Reverb dabei, denn damit bekomme ich quasi den Sound eines alten Fender-Reverb-Pedals. Am liebsten würde ich natürlich das originale 63er Fender-Reverb spielen, das bei mir zuhause lagert. Das Problem dieser wunderbaren Geräte: Sie gehen schnell kaputt, weshalb ich sie selten mit auf Tour nehme. Equipment darf nicht anfällig sein, man muss sich darauf verlassen können. Auf das Headroom kann man sich zu 100% verlassen!

MAD PROFESSOR BLUEBIRD OVERDRIVE & DEEP BLUE DELAY

Dies gilt übrigens auch für das Bluebird Overdrive von Mad Professor. Das Pedal hat zwar auch eine Delay-Funktion, aber die brauche ich eigentlich gar nicht. Der Sound des Bluebird Overdrive funktioniert absolut perfekt im Zusammenwirken mit meinen beiden Slide-Gitarren, der Firebird und der Telecaster.

Das Bluebird macht den Sound im Solo etwas dreckiger und auch etwas breiter und wärmer. Und wenn man es dann noch mit dem Deep Blue Delay kombiniert, ist es einfach perfekt.

VOX WAH-WAH

Wie jeder weiß, bin ich der absolute Wah-Wah-Fanatic! Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich als 15-Jähriger mit dem Fahrrad zu einem Musikgeschäft in ein benachbartes Dorf gefahren bin. Ich hatte ein Foto von Jimi Hendrix in Woodstock dabei, auf dem man sein Dallas-Arbiter-Fuzz-Pedal und ein Univibe erkennen konnte.

Ich sagte zum Ladenbesitzer: „Diesen Sound muss ich haben!” Er antwortete: „Okay, du möchtest also ein altes Wah-Wah-Pedal! Ich muss es aber in England bestellen, dauert circa sechs Wochen!” Das muss man sich mal vorstellen: Wenn ich heute etwas auf der Thomann-Website bestelle, ist es schon am nächsten Tag bei mir zuhause.

Damals habe ich also das erste Wah-Wah-Pedal meines Lebens gekauft und besitze es noch heute, wie eine Art Museumstück. Auf meiner aktuellen Tour habe ich zwei oder drei Wah-Wah-Reissues dabei. Ich spiele das Pedal nicht nur bei meinen Soli, sondern manchmal auch bei Rhythmus-Parts, man kann damit wunderbare Funky-Sachen machen.

Ich setze das Wah-Wah wie ein Jazz-Trompeter ein. Das habe ich auf den Schallplatten meiner Eltern gehört, später dann in ‚Bitches Brew’ und all den Sachen damaliger Gitarristen. Wenn man hört, wie Trompeter den Dämpfer des Schalltrichters auf und zu machen, weiß man, woher das Wah-Wah-Prinzip kommt.

(Story: Matthias Mineur)

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