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Die neue Gitarre & Bass ist da!

„Gibson hat den Blues.“ „Gibson steht vor dem Bankrott.“ In den letzten Wochen kursierten in der Presse dutzende Artikel mit ähnlichen Überschriften. Eine ruhmreiche Ausnahme lieferte der in Washington als Korrespondent für viele deutsche Verlage arbeitende Dirk Hautkapp, der die Fakten sachlich dargestellt hat. Aber die meisten anderen Artikel waren nicht fundiert, sehr reißerisch und alle mit dem Tenor „mit der E-Gitarre geht es bergab“. Aber das ist so nicht richtig. Die E-Gitarre ist zwar nicht auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn, aber es geht ihr gut, es wird Gitarre gespielt, es werden Instrumente gehandelt.

Tatsache ist aber: Der Firma Gibson geht es finanziell schlecht. Aber der Auslöser ist nicht die Gitarre. Inhaber Henry Juszkiewicz hat in den vergangenen Jahrzehnten die Firma mit den Stammmarken Gibson und Epiphone künstlich aufgeblasen: Marken wie Steinberger, Valley Arts Guitar, Kramer, Tobias, Dobro, Maestro, Slingerland, Wurlitzer wurden hinzugekauft. Um dann in den letzten Jahren einen Wandel von der Guitar Coorporation zu einer Electronic Company zu vollziehen. Was haben Marken wie Onkyo, Teac, Tascam und die Unterhaltungssparte von Philips mit einer Gitarrenfirma zu tun? Natürlich hat Henry J. auch im Gitarrenbereich krasse Fehler begangen – als er mit aller Macht die Auto-Tuner durchsetzen wollte, als er Modelle schuf, die keiner wollte. Aber schlimmer war, dass er im Stile Griechenlands seinen Schuldenberg immer weiter vergrößerte, weil er weitere Firmen hinzukaufte, um mit den dafür genehmigten Krediten andere Schulden zu begleichen. Nur zum Vergleich: Mit Gibson Gitarren wird ein Umsatz von ca. 300 Millionen Dollar erreicht, sein Gesamtunternehmen macht einen Umsatz von ca. 1,3 Milliarden Dollar – aber keinen Gewinn. Die Schuldensumme, die er im Lauf diesen Jahres noch umschulden muss, beträgt ca. eine halbe Milliarde Dollar. Zu allem Überfluss haben alle Rating-Agenturen Gibson komplett runtergestuft.

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Die Rettungsversuche, die Gibson zur Zeit unternimmt, wirken daher eher lächerlich: Das Gibson-Fabrikgebäude im Stadtzentrum von Memphis steht zum Verkauf (18 Millionen), ein Baldwin Piano Lagerhaus in Nashville (8 Millionen) wurde verkauft, das Valley Arts Gebäude in der gleichen Stadt steht ebenfalls zum Verkauf (nochmals 10 Millionen). Die Softwarefirma Cakewalk wurde veräußert. Alle Fabriken sind von Kürzungen betroffen. Im Nashville Custom Shop lief bereits die zweite Entlassungswelle, und nochmals 15 verdiente Mitarbeiter mussten gehen, nachdem vor einigen Monaten schon Arbeiter und Führungskräfte entlassen wurden. Henry J. sägt sich gerade den Ast ab, auf dem er sitzt. Das Finanzproblem schlägt sich direkt auf Produktqualität, Qualitätskontrolle, Service und Vertrieb nieder. Hoffen wir, dass die Verantwortlichen und Gläubiger von Gibson dieses Problem schnellstmöglich lösen. Und dass es nur ein Gerücht bleibt, dass chinesische Investoren die Firma übernehmen wollen, um mit günstigen Instrumenten den Markt zu überschwemmen. Das wäre der endgültige Abgesang auf diese Traditionsmarke.

Bei gewohnter Qualität bleibt natürlich unsere neue April-Ausgabe. Im Story-Bereich geht es diesmal um Themen wie Gene Parsons, Rise Against, Marilyn Mansons Gitarristen Tyler Bates & Paul Wiley, Pete Thorn, Reinhold Backmann & Band, ein Besuch bei Baton Rouge, Leo Fender & Die Esquire.

Im Test-Bereich tummeln sich Namen wie Taylor, Framus, Sire, Knaggs, EVH, OKKO FX, Electro-Harmonix, Gibson oder Hagstrom.

Dieter Roesberg, Chefredakteur

P.S. Wir trauern um Christian Wächtler: Familienvater, Musiker, leitender Thomann-Produktmanager, Opfer eines tragischen Autounfalls. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und Freunden.

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