TopGearCheck! mit Ali Busse (Jan Delays Disko No. 1)
von Redaktion,
(Bild: Matthias Mineur)
Seit fast 30 Jahren gehört der deutsche Bassist Ali Busse zu Disko No. 1, der Band von Jan Delay. Wenn Busse nicht mit dem deutschen Funk‘n‘Hip-Hop-Star unterwegs ist, spielt er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg für Studio Braun, ein Trio mit Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger, das seit über 20 Jahren Theaterstücke aufführt. ‚Fleisch ist mein Gemüse‘ war eines der ersten Heinz-Strunk-Stücke, Busse ist nach ‚Der goldene Handschuh‘ und ‚Coolhaze‘ jetzt auch beim dritten Stück ‚Ein Sommer in Niendorf‘ dabei.
Die Theaterband ist gleichzeitig die Liveband von Rocko Schamoni, mit ihm hat Busse erst kürzlich ein neues Album aufgenommen. Darüber hinaus gehört er zum Orchesterensemble des ‚Tarzan‘-Musicals an der Neuen Flora in Hamburg. Wir haben den 52-Jährigen bei einem Jan-Delay-Konzert in Wilhelmshaven getroffen und uns sein aktuelles Gear erklären lassen.
Fender American Deluxe Jazz Bass
(Bild: Matthias Mineur)
Mein Fender American Deluxe Jazz Bass ist ein Fünfsaiter und stammt aus dem Jahr 1998. Das Besondere an ihm sind die John-Suhr-Elektronik und -Single-Coil-Pickups, die er entwickelt hat, als er noch für Fender arbeitete. Damals wollte ich einen Fünfsaiter, der alles kann. Ich bin ständig zwischen Vier- und Fünfsaitern gewechselt – hatte einen Precision, einen Jazz Bass und für spezielle Nummern einen Tobias-Bass.
Dieses ständige Wechseln hat mich aber genervt. Ich suchte einen aktiven Fünfsaiter, der tonal vielseitig ist und alles abdeckt. Mein Fender klingt sehr brillant, untenrum wahnsinnig fett und deckt den Mittenbereich gut ab, ohne dass ich ein Zusatzpedal brauche, um die Mitten zu boosten. Damit erreiche ich diesen Bernard-Edwards-artigen, nasalen und nahezu Jaco-Pastorius-Sound für die Disco-Funky-Sachen.
Lakland Skyline Darryl Jones Signature 5-String
(Bild: Matthias Mineur)
Irgendwann habe ich mir den Lakland DJ5 gekauft. Sein Weg zu mir war allerdings etwas speziell: Ich habe im Internet das Modell recherchiert, es gab kaum gebrauchte Exemplare, und neue beim Händler schon gar nicht mehr. Über Reverb habe ich dann einen in der Slowakei entdeckt. Ich habe den Händler direkt angeschrieben und ihn deutlich günstiger kaufen können, da die Reverb-Gebühren wegfielen.
Eigentlich wollten sie ihn gar nicht nach Deutschland verschicken, da sie schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Zum Glück konnte ich sie überzeugen. Der Bass hat einen wahnsinnigen Output und klingt wie mein aktueller Main-Bass, der Marco-Bass – eigentlich so fett wie ein Aktiver, obwohl er rein passiv ist. Schön fand ich auch, dass ich mich nicht mehr um Batteriewechsel und die Anfälligkeit aktiver Elektronik kümmern musste.
Marco TFL-5
Über YouTube und den Channels von Gospel-Bassisten bin ich auf den Marco-Bass aufmerksam geworden. Der Hersteller Marco Cortes sitzt in Oregon, die Firma ist relativ klein. Seine Ehefrau betreut das Büro, er baut die Bässe gemeinsam mit ein oder zwei Helfern. Man ruft Marco an, er ruft zurück, und man bespricht die Details.
Es gibt ein Grundmodell, den TFL-5, der einen unfassbaren Output hat, noch offener klingt als der Lakland und leichter ist. Als älterer Mann ist mir der rückenschonende Aspekt wichtig. Marco macht alles selbst: Hälse, Pickup-Wicklungen, eine komplette Schmiede, nur die Tuner kommen von außerhalb. Ich habe das Modell in verschiedenen Varianten gehört.
Die meisten Gospel-Spieler nutzen die aktive Version, aber ich habe ihn auch passiv gehört und fand den Sound so toll, dass ich ihn nach meinen Vorstellungen bauen ließ. Ich habe an den Specs des Grundmodells nicht viel geändert, sondern mich eher optisch orientiert. Inklusive Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und teurem Versand lagen wir schließlich bei etwa 2700 Euro. Ein fantastisches Instrument! Sofort kamen Kommentare auf diversen Portalen, wie toll, offen und fett er klingt.
Aguilar DB 751 plus DB810-Box
(Bild: Matthias Mineur)
Der Aguilar-Stack dient mir als Monitor. Wir nutzen In-Ears, aber die Box gibt mir zusätzlich einen Schub und Körperschall über das Holzpodest. Unbedingt notwendig ist der Aguilar eigentlich nicht mehr, aber es ist schön, ihn zu haben. Zwischendurch hatte ich eine Bass-Shaker-Platte, die jetzt unser Monitormischer nutzt, weil er sich darin verliebt hat. Ich finde es gut, einen Boost zu haben, damit die Bühne nicht komplett tot ist.
Bei Rock am Ring vor 15 Jahren, beim MTV-Headliner-Slot, gab es ein Problem mit dem Monitor-Amp unter der Bühne: Er war zu leise oder gar nicht an. Da Joost (Nickel, Drummer bei Disko No. 1, Anm. d. Verf.) und ich ein Intro hatten, bei dem wir erst einen Groove aufbauen mussten, während der Soundcheck lief, war ich froh, diesen Amp zu haben, um zumindest spielen zu können, bis das Problem gelöst war. Für Notfälle ist er also Gold wert.
Die Aguilar-Box ist meine Sicherheitsmonitoranlage und sorgt für ein schönes Spielgefühl, besonders bei Reggae-Nummern, bei denen es guttut, nicht isoliert und trocken zu klingen. Bei kleineren Gigs, die oft reine In-Ear-Shows sind, nutze ich allerdings ein kompaktes Setup mit einer leichten, tragbaren Box und einem digitalen Amp, den ich quasi in die Hosentasche stecken kann.
Noble Amplifier Company Preamp D.I.
Die Firma Noble ist eine Ein-Mann-Schmiede und ihre Bass-D.I. einer der beliebtesten Bass-Preamps der Welt. Es wurden bereits tausende davon gebaut. Ich besitze das Teil schon ewig, es ist die Nummer 93 dieser Version, also eine der ersten 100. Wenn man eine Noble D.I. heutzutage kaufen will, wartet man ein Jahr, oder aber man zahlt 800 bis 900 Dollar extra für die Shortlist.
Der Noble ist das letzte Element in meiner Kette. Davor habe ich einen kleinen Kompressor und ein anderes kleines Aguilar-Pedal geschaltet. Von dort gehe ich direkt zum FOH. Die Röhrenkompression ist superclean, daher lieben alle FOHs das Signal, das ich anliefere.
Lehle Basswitch
Der Lehle Basswitch ist schon seit 2016 die Schaltzentrale. Ursprünglich habe ich ihn gekauft, um zwei unterschiedlich laute Basssignale als AB-Box zu switchen. Heute habe ich einen Mix-Loop mit dem Kompressor und dem kleinen Aguilar-Pedal, das den Sound leicht anhebt. Im anderen Loop schalte ich eine Zerre hinzu, falls benötigt, und einen Sub-Oktaver für extrem fette Stellen.
TC Electronic Spectra Comp
Das Pedalboard u.a. mit TC Electronic Spectra Comp, Mantic Hulk Octaver/ Subharmonic Synth und EWS BMC Mid Control (Bild: Matthias Mineur)
Bei dem TC Electronic Spectra Comp kann man Einstellungen von Endorsern herunterladen. Ich habe eine Einstellung von Eric Pikfunk Smith genommen, die mir am besten gefallen hat. Seit fünf, sechs Jahren läuft das Ding auf diesem Setting, das sowohl für Fingerstyle als auch für Slap super funktioniert.
Mantic Hulk Octaver/Subharmonic Synth
Der Mantic Hulk erzeugt eine Suboktave – nicht nur eine Oktave tiefer, sondern noch eine drunter. Man muss also vorsichtig sein: Die Aguilar-Box verkraftet das gut, aber es gibt einen Ausgang, um das Signal direkt ins FOH zu legen, ohne es durch die Speaker zu jagen, da man die Lautsprecher sonst beschädigen könnte. Mit Kopfhörern ist Vorsicht geboten, der Sound ist brutal. Über die große Anlage ist es eine Macht.
Ich setze ihn bei Nummern ein, die richtig fett sein sollen, oft auch bei den Enden von Songs, also nicht durchgehend, sondern erst zum Schluss. Dann spiele ich in einer hohen Oktave und drücke das Pedal, und es geht ganz tief runter, so als würde ich die leere H-Saite spielen. Eine echte Meatbox, nur anders gewürzt.
Electro Harmonix Nano Bass Big Muff
Früher hatte ich den großen Big Muff. Jetzt habe ich den kleinen, den Nano Bass Big Muff. Ich spiele ihn im Song ‚St. Pauli‘, weil es auf der Studioaufnahme auch so gemacht wurde. In den Chören gibt es eine Basszerre, die das Gitarrenriff doppelt, was dem Song seinen Rock-Sound verleiht. Die Zerre ist allerdings nicht allzu heftig, eher zahm, also nicht Lemmy-mäßig, wodurch es oben herum aufgeräumt bleibt.
EWS BMC Bass Mid Control
Jazz-Bässe haben oft ein Mittenloch. Für Nummern wie ‚Good Times‘ von Nile Rodgers und Bernard Edwards oder ‚We Are Family‘ braucht man diesen charakteristischen, mittigen, nasal-Jaco-artigen Sound, der sich gut durchsetzt. Der Jazz Bass liefert das, wenn ich den Bridge-Pickup favorisiere und den Neck-Pickup etwas zurückdrehe, doch dann verliere ich tiefe Frequenzen.
Mit dem EWS-BMC-Mid-Control-Pedal, das ich oft auf 450–500 Hz stelle, hole ich die Mitten zurück, werde etwas lauter und füge das hinzu, was der Bass im Moment nicht hat.