TopGearCheck! Blaze Bayley Band: Chris & Luke Appleton
von Redaktion,
(Bild: Matthias Mineur)
Seit bereits 13 Jahren sind Christopher und Luke Appleton von der englischen Metal-Formation Absolva die Backing-Band des früheren Iron-Maiden-Frontmannes Blaze Bayley. 13 Jahre, in denen die beiden Brüder der zuvor schwankenden Karriere des 62-jährigen Sängers zu erstaunlicher Stabilität verholfen haben.
Denn während der sensible Bayley, der seine Laufbahn einst bei Wolfsbane begann und 1993 völlig überraschend – und nur mäßig erfolgreich – die Nachfolge von Bruce Dickinson bei Iron Maiden antrat, nach dem Ende dieser spektakulären Mitgliedschaft für einige Zeit in Alkoholsucht und Depression versank, sind die Appletons eine zutiefst geerdete Musikerfamilie
In diesem Jahr sind Chris und Luke Appleton mit Bayley unterwegs auf einer Iron Maiden-Anniversary-Tour. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns für unseren ‚Top Gear Check’ ihr Equipment anzuschauen und erklären zu lassen.
FENDER STRATOCASTER, BAUJAHR 1990
(Bild: Matthias Mineur)
Chris: Die 1990er Fender Strat ist ein japanisches Modell, das ich vor langer Zeit für 180 Pfund meinem früheren Schlagzeuger abgekauft habe. Ich schätze, dass ich ein richtiges Schnäppchen gemacht habe. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass ich die Gitarre zwar gerne spiele, ihren Sound aber nicht mag. Daher habe ich die originalen Tonabnehmer gegen einen Seymour Duncan JB Jr. in der Bridge und einen Seymour Duncan Hot Rails am Hals ausgetauscht und zusätzlich den Hals abgeschliffen. Auf der Blaze-Bayley-Tour brauche ich einen extremeren High-Gain-Sound, ohne die bei Single Coils unvermeidbaren Nebengeräusche und Feedback-Probleme.
GIBSON SG HP HIGH PERFORMANCE, BAUJAHR 2014
(Bild: Matthias Mineur)
Chris: Wenn ich nicht Iron-Maiden-Songs, sondern mit meiner Band Absolva eigene Stücke spiele, ist die Gibson SG HP mein Hauptinstrument. Sie hat 24 Bünde, was mir sehr gut gefällt, während meine zwei Gibson Standard SG nur 22 Bünde besitzen. Ursprünglich hatte sie einen verstellbaren Sattel, der aus Titan war. Ich habe ihn gegen einen traditionellen Knochensattel ersetzt, dadurch klingt es jetzt wärmer und passt besser zu meinem Spielstil.
CHAPMAN MLB1-5 FÜNFSAITER
(Bild: Matthias Mineur)
Luke: Der fünfsaitige Chapman ist seit ungefähr sieben Jahren mein Hauptbass. Eigentlich hatte ich damals nach einer passsenden E-Gitarre gesucht, aber Chapman erklärten mir: „Wir wissen, dass du auch Bassist bist, deshalb schenken wir dir einen MLB1!” Seit ich ihn zum ersten Mal in den Händen gehalten habe, habe ich ihn nicht mehr weggelegt. Ich liebe den ungewöhnlich schlanken Hals und die 24 Bünde. Die Tonabnehmer sind hauseigene Chapman-PUs und klingen ähnlich wie Fender-Jazzbass-Pickups. Auf Tournee mit Blaze stimme ich den Chapman übrigens einen Ganzton tiefer.
WARWICK RB CORVETTE VIERSAITER
(Bild: Matthias Mineur)
Luke: Als Ersatz, falls mal etwas mit dem Chapman schiefläuft, habe ich immer meinen passiven Warwick RB Corvette dabei, einen Viersaiter, übrigens mit dünneren Saiten als auf meinem Fünfsaiter, nämlich mit einem 0.45-105-Set.
ORTEGA RESONATOR AKUSTIKGITARRE, BAUJAHR 2026
Luke: Die Resonator-Akustikgitarre von Ortega ist mein neuestes Instrument. Ich habe seit einigen Jahren einen Endorsement-Deal mit der deutschen Firma und bin begeistert von der professionellen Unterstützung. Die Resonator ist eines der brandneuen Modelle, die Ortega im Januar 2026 auf der NAMM-Show in Los Angeles vorgestellt haben.
Dies ist also die erste Tour, auf der wir die Gitarre einsetzen. Es gibt etwa zur Hälfte unseres aktuellen Sets zwei Songs – nämlich „2 A.M.” von Iron Maidens Album „The X Factor” und „Como Estais Amigos” von „Virtual 11″ –, bei denen Blaze und ich einen kleinen Solo-Spot haben und die Resonator zum Einsatz kommt.
BLACKSTAR AMPED 3
(Bild: Matthias Mineur)
Chris: Der Blackstar Amped 3 ist mein wichtigstes Pedal. Nach einem solchen Wunderding habe ich seit vielen Jahren gesucht. Früher habe ich auf Tournee immer einen Engl Powerball gespielt. Wenn wir unterwegs waren und ich den Powerball nicht mitnehmen konnte, dann bat ich den Veranstalter, mir einen Engl zur Verfügung zu stellen.
Immer, wenn ich dann aus dem Flugzeug stieg, fand ich einen Fender Twin oder etwas Ähnliches vor. Deshalb habe ich nach einem kleinen Pedal mit einem Clean-, einem Heavy-Rhythmus- und einem Boost-Kanal für Soli gesucht. Der Blackstar Amped 3 war der erste, der all das kann, was ich benötige.
Und wenn man ein sechs Meter langes Lautsprecherkabel hat, könnte man es auch an eine Inhouse-Marshall-Box oder jedes andere Cabinet anschließen. Der Amped 3 liefert 100 Watt und hat einen schaltbaren Post-Drive-Boost, mit dem man die Lautstärke aller drei Kanäle, also Clean, Heavy- und Crunch, erhöhen kann. Und das Beste: Man kann mit dem Amped 3 auch die übrigen Pedale meines Boards antreiben, egal ob man neun oder zwölf Volt braucht.
DARKGLASS ALPHA-OMEGA
Luke Appletons Pedalboard mit Darkglass AlphaOmega und Boss Noise Suppressor NB-2 (Bild: Matthias Mineur)
Luke: Das Alpha-Omega von Darkglass ist seit 2021 mein Hauptpedal und der Schlüssel zu meinem Sound. Der Chapman klingt für sich allein genommen wunderbar, aber der Großteil des Punches, des Attacks und der Verzerrung stammen vom Darkglass-Pedal. Es ist ein Preamp mit einer tollen Möglichkeit, zwischen Bass und Pedal zu mixen und verschiedene Distortion-Sounds abzurufen. Daher ist das Alpha-Omega absolut mein Baby!
BOSS NOISE SUPPRESSOR NS-2
Luke: Ein weiteres für meinen Sound extrem wichtiges Pedal ist der Noise Suppressor NS-2 von Boss, weil er die unangenehmen Nebengeräusche entfernt, die man unbedingt vermeiden möchte.
DONNER ECHO SQUARE
Das Pedalboard mit Donner Echo Square und Harmonic Square plus Boss Harmonizer PS-6 und Morley Bad Horsie. (Bild: Matthias Mineur)
Chris: Das Echo Square von Donner spiele ich auf der aktuellen Tour zum ersten Mal. Ich mag vor allem Delay-Effektgeräte, und ganz besonders dieses kleine, sehr einfach gehaltene Modulations-Delay von einer Firma namens Donner. Ich habe es einfach über Amazon gekauft, das Echo Square hat umgerechnet nicht einmal 50 Euro gekostet und erfüllt voll und ganz seinen Zweck.
DONNER HARMONIC SQUARE
Chris: Etwas ganz Ähnliches kann ich auch über das Donner Harmonic Square sagen. Es ist wohl das ungewöhnlichste Pedal auf meinem aktuellen Board und ebenfalls für umgerechnet unter 50 Euro auf Amazon zu finden. Ich wollte ein Pedal, das eine Oktave tiefer geht als das, was ich normalerweise spiele.
Denn obwohl wir in der Blaze-Bayley-Band zwei Gitarristen sind, werden auf den beiden Iron-Maiden-Scheiben, an denen Blaze beteiligt war, viele Soli unisono gespielt. Diese Passagen klingen mit der tieferen Oktave noch interessanter, und wenn ich oder unser zweiter Gitarrist auf halbem Weg in eine Harmonie wechseln, entsteht der Eindruck einer großen, drei- oder vierstimmigen Gitarrenharmonie mit einem fast orchestralen Sound.
MORLEY BAD HORSIE & BOSS HARMONIZER PS-6
Chris: Natürlich benutze ich immer auch ein Wah-Wah-Pedal, in meinem Fall ist es das Bad Horsie von Morley. Es ist das Steve-Vai-Signature-Pedal − da weiß man, welche hohe Qualität hier zu erwarten ist. Außerdem gibt es auf meinem Board noch den Boss Harmonizer PS-6, der eigentlich aus einer Zeit stammt, als ich in der Band von Blaze der einzige Gitarrist war. Ich liebe das Teil, mit ihm kann man diesen genialen Brian-May-Sound erzeugen.
D’ADDARIO GITARREN- UND BASS-SAITEN
Chris: Ich spiele seit vielen Jahren D’Addario-Saiten, ein Hybrid-Set von 0.11 – 0.52. Ich hatte viele Jahre den regulären 10er Standardsatz, aber wir haben alle Instrumente einen Ganzton tiefer gestimmt, und daher wurde die Saitenspannung ein wenig zu schlaff. Mit der tiefen E-Saite als 0.52er ist es jetzt perfekt.
Luke: Auch bei mir sind es D’Addario-Saiten, nämlich das EPS170-5-SL Pro Steels Set in den Stärken .045 bis 130.