Im Oktober 2026 erscheint das neue Album ‚The Trouble With Love’ der englischen Gitarristin/Sängerin und Songschreiberin Joanne Shaw Taylor. Man könnte es als eine Art Konzeptscheibe bezeichnen, denn alle Songs sind demselben Thema untergeordnet und haben teilweise autobiografische Vorgeschichten. Wir haben Shaw Taylor bei einem Konzert im Hannoveraner Pavillon besucht und uns von der 41-Jährigen ihr aktuelles Equipment für die monatliche ‚Top Gear Check’-Serie erklären lassen. Aber natürlich wollten wir zunächst etwas über das inhaltliche Konzept der kommenden Scheibe wissen.
Interview
Joanne, auf deinem neuen Album ‚The Trouble With Love’ geht es also – dem Titel entsprechend – um unglückliche Liebe?
Ich habe neun eigene Songs plus eine Covernummer aufgenommen, eine Mischung aus Blues, Rock, Pop und Soul, teilweise mit Gastmusikern wie Joe Bonamassa und Orianthi. Und ja, es geht tatsächlich ausschließlich um Liebe, aber nicht nur um unglückliche, sondern um ihre verschiedenen Aspekte, also auch um unerwiderte, erfolgreiche oder freundschaftliche Liebe.
Das klassischste aller Songthemen, also!
Ich habe festgestellt, dass in jedem meiner bisherigen Alben immer auch ein bisschen Kritik an Frauen steckte, die ständig nur über Trennungen singen, was ich den „Adele- oder Taylor-Swift-Faktor” nenne. Es ist ein Thema, dass uns seit Jahrtausenden fasziniert. Schon Shakespeare hat über Liebe geschrieben, Mozart hat darüber sogar Sonetten und Theaterstücke verfasst, außerdem gibt es zahllose Gemälde zu diesem Thema. So gesehen gibt es kaum ein besseres Motiv, über das man schreiben könnte.
Aber Liebe hat nun einmal viele verschiedene Aspekte. Es gibt die Liebe, die man für einen Elternteil empfindet, oder eine komplizierte Liebe zum anderen Elternteil. Es gibt unerwiderte Liebe, die einen dennoch nicht verzweifeln lässt. Alle diese Gefühle passen sehr gut zu bluesiger und souliger Musik, bei der es vorrangig um Emotionen geht, mit denen wir uns identifizieren können. Liebe hat im Leben nun einmal die größte Magie.
Befinden sich unter den Texten auch autobiografische Erlebnisse?
Nahezu alle Texte haben einen autobiografischen Kern. Jedes Mal, wenn ich einen Song schreibe, kann dies sehr persönlich werden und von etwas handeln, das ich gerade durchmache oder durchmachen musste. Dinge also, die ich unbedingt verarbeiten wollte und dies auf meine eigene Art mache, anstatt einen Therapeuten zu konsultieren.
Das Stück ‚What Good Is My Love’ beispielsweise, bei dem Orianthi mitspielt, handelt davon, dass jemand mich nicht liebt, während ich versuche, ihm umso mehr Liebe zu geben. Aber was nützt meine Liebe, wenn sie nie genug ist? Obwohl ich so etwas nie selbst durchmachen musste, bin ich mir sicher, dass viele von uns schon einmal in einer ähnlichen Situation waren und sich damit identifizieren können.
Top Gear Check
Hier nun Joannes aktuelles Gear, mit ihren Kommentaren zu deren Vorgeschichte:
1966ER FENDER ESQUIRE
(Bild: Matthias Mineur)
Meine Hauptgitarre ist eine Fender Esquire, genannt „Junior”, aus dem Jahr 1966, die ich modifiziert habe. Angefangen habe ich auf einer gebrauchten Mexico-Stratocaster meines Bruders. Aber ich war total besessen von Albert Collins und Johnny Lang, außerdem ist Keith Richards bis heute einer meiner Lieblingsgitarristen. Deshalb wollte ich unbedingt eine Vintage-Telecaster.
Ich wusste, dass so etwas nicht ganz billig ist, daher habe ich schon mit 14 oder 15 möglichst viele Gigs gespielt und samstags und sonntags in einem Gitarrenladen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Meine Oma – Gott segne sie! – sagte: „Ich sehe, wie hart du schuftest. Wie viel auch immer du sparst, ich spendiere den gleichen Betrag als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk.”
Schließlich hatte ich knapp 700 Pfund zusammen, und meine Großmutter packte tatsächlich den gleichen Betrag obendrauf. Also nahm ich den Zug nach London zur Denmark Street, der berühmten Straße mit ihren vielen Vintage-Gitarrenläden, und fand dort eine 1966er Fender Esquire mit Palisander-Griffbrett, die nur etwa 1200 Pfund kostete, da der Vorbesitzer – ich weiß nicht, ob er betrunken war – sie ziemlich ramponiert hatte. Der Hals war perfekt für mich, also habe ich sie gekauft und sie aufgrund der Beschädigungen mit einem Humbucker und einem Fünffach-Schaltersystem modifizieren lassen.
Seitdem spiele ich sie bei jedem Auftritt. Es ist eine typische Telecaster, diese Modelle sind viel formbarer als die meisten anderen Gitarren. Sie geben exakt das zurück, was man hineinsteckt. Eine Strat klingt immer wie eine Strat und eine Les Paul immer wie eine Les Paul. Für mich ist die Tele die ehrlichste Gitarre, mit ihr kann ich wie Joanne Shaw Taylor klingen, Keith Richards klingt wie Keith Richards und Albert Collins wie Albert Collins.
FENDER ALBERT COLLINS SIGNATURE TELECASTER
(Bild: Matthias Mineur)
Meine derzeit zweite wichtige Gitarre ist eine Fender-Albert-Collins-Signature, die ich von meinem Freund Joe Bonamassa zum Geburtstag bekommen habe. Er wusste, dass ich großer Albert-Collins-Fan bin und dies eine Art Traumgitarre für mich ist. So sind halt die Geschenke eines Joe Bonamassa (lacht): Manche Männer schenken Blumen, Joe schenkt Gitarren, denn da kennt er sich besser aus als jeder andere Musiker. Immer wenn ich ihn sehe, fragt er: „Spielst du die Gitarre noch?” Ich entgegne dann jedes Mal: „Ja, natürlich, was denkst du denn!? Meinst du, ich habe sie einfach in einen Schrank gestellt und nie wieder angefasst?”
Ich benutze die Albert-Collins-Tele als Live-Backup, vor allem aber zuhause, wenn ich nicht üben, sondern einfach nur wieder 13 Jahre alt sein und mit Albert Collins mitspielen möchte, darauf hoffend, dass ein wenig seines Spiels, seines Vibratos auf mich übergeht. Die Albert-Collins-Tele klingt etwas heller als meine Junior, was typisch für dieses Modell ist.
GIBSON LES PAUL TRADITIONAL
(Bild: Matthias Mineur)
Im Alter von 26 habe ich etwa ein Jahr lang eine Les Paul gespielt und mit ihr in Austin, Texas mein drittes Album aufgenommen. Damals hatte ich das Gefühl, dass mein Spiel stagniert und ich mich nicht weiterentwickle. Immer wenn ich eine Gitarre in die Hand nahm, hatte ich den Eindruck, mich zu wiederholen. Also entschied ich mich, die Gitarre und das Plektrum auszutauschen.
Ich bin zu einer Gibson Les Paul und zu Dunlop-Eric-Johnson-Custom-Nylon-Jazz-III-Plektren gewechselt. Das hat mich neu inspiriert und mir Dinge eröffnet, die ich auf mein Spiel anwenden konnte. Ich glaube, besonders die Technik meiner rechten Hand wurde nachhaltig geschult. Bis dahin hatte ich immer sehr aggressiv angeschlagen, nun lernte ich, wann ich aggressiv spielen sollte, und wann nicht. Früher bekam ich oft zu hören: „Für ein Mädchen spielst du wirklich gut!” Das habe ich überkompensiert, indem ich besonders aggressiv gespielt habe, um zu zeigen, dass Frauen genauso hart spielen können wie Männer.
Doch dann kam ich an den Punkt, an dem ich spürte: Es ist okay, wenn man sanfter anschlägt, denn selbst Stevie Ray Vaughan hat nicht sonderlich hart angeschlagen. Ich glaube, das hat mir geholfen, die Technik meiner rechten Hand zu verbessern. Leider bekam ich Probleme mit dem Ischiasnerv, wenn ich die schwere Les Paul mehrere Stunden am Tag gespielt hatte. Weshalb gibt es eigentlich keine doppelten Gitarrengurte?
FENDER BASSMAN REISSUE
(Bild: Matthias Mineur)
Ich liebe Fender Bassman! Zu Hause habe ich einen 1962er Piggyback und einen 1963er, den ich als Backup benutze. Der Reissue Bassman ist für mich – neben einem Super Reverb – der beste, weil am saubersten und wärmsten klingende Amp. Allerdings muss man ihn gut pflegen und immer die Röhren im Auge behalten, denn sonst leidet der Sound sehr stark.
(Bild: Matthias Mineur)
Das Wichtigste für mich ist, keinen allzu hellklingenden Verstärker zu spielen, denn angesichts meiner Vorliebe für Telecaster habe ich sowieso schon einen sehr hellen Grundsound. Dies liegt allerdings auch an meinen Fingern und der Art wie ich spiele. Manchmal denke ich, meine Finger müssen von innen hohl sein. (lacht)
ELECTRO HARMONIX HOLY GRAIL REVERB
Das Pedalboard mit Electro Harmonix Holy Grail Reverb, zwei Ibanez Tube-Screamer und dem Boss Acoustic-Simulator AC-3 (Bild: Matthias Mineur)
Ich habe in Europa und Amerika jeweils unterschiedliche Pedalboards. Das einzige Pedal, das auf beiden Boards zu finden ist, ist das Holy-Grail-Reverb von Electro Harmonix. Ich habe den Effekt fast durchgehend eingeschaltet, nahezu immer mit derselben Einstellung. Nur wenn ich ein Solo spiele, bei dem wir alle anderen Instrumente zurückfahren und ein wenig bluesiger werden, drehe ich das Reverb etwas weiter auf. Denn ich liebe diese Art T-Bone-Walker- oder Otis-Rush-Sound.
Natürlich passe ich den Hall beim Soundcheck an das jeweilige Venue an. Neulich haben wir auf einem Festival mit viel natürlichem Hall gespielt, da musste ich den Holy Grail komplett ausschalten. Früher bin ich mit Reverb-Tanks getourt, was aber sehr schwierig war, da Tourbusse häufig anfahren und bremsen, sodass die Busse ständig schaukeln. Für diese Belastung sind Reverb-Tanks zu empfindlich. Weil der Bassman keinen Hall hat, gehört das Holy-Grail-Reverb zu meiner Grundausstattung.
IBANEZ TUBE SCREAMER
Ich habe zwei Ibanez-Tube-Screamer: Mein Hauptpedal ist ein TS-9, das ich vor etwa 30 Jahren von meinem Bruder übernommen habe und für Overdrive-Sounds einsetze. Zusätzlich habe ich einen TS-8, bei dem ich die Overdrive-Funktion ausschalte und ihn nur als Clean-Boost benutze.
Meistens gehe ich mit der Gitarre direkt in den Amp, aber wenn ich mal einen Rhythmuspart spiele, der etwas Gain braucht, dann ist der TS-9 der Tube-Screamer meiner Wahl. Und wenn ein Solo folgt, drücke ich zusätzlich den TS-8-Boost. Manchmal sind also beide Tube-Screamer eingeschaltet. Außerdem habe ich auf diese Weise immer ein Ersatzpedal dabei, falls bei einem der beiden mal etwas schiefgeht.
BOSS ACOUSTIC SIMULATOR AC-3
Auf dieser Tour spiele ich ausnahmsweise auch ein Boss-AC-3-Acoustic-Pedal, weil ich weder eine Akustikgitarre noch meinen Gitarrentechniker dabeihabe. Somit war es am einfachsten, für den einzigen Akustiksong im Set, bei dem ich im Fingerpicking-Style spiele, den Boss AC-3 mitzunehmen. Wenn ich jetzt einen Akustikpart mit einer E-Gitarre spiele, ist der Sound deutlich cleaner.
ERNIE-BALL-SKINNY-TOP-HEAVY-BOTTOM-SAITEN
Für alle meine Gitarren bevorzuge ich Ernie-Ball-Strings, und zwar aus der Serie Skinny Top Heavy Bottom, das Set mit den Stärken 0.10 bis 0.52. Es ist im Grunde genommen eine Mischung aus 10er- und 11er-Satz und passt perfekt zu meiner Spielweise.
(Story: Matthias Mineur)
Kommentar zu diesem Artikel
Rainer
“Weshalb gibt es eigentlich keine doppelten Gitarrengurte?”
Der Dame kann geholfen werden: D’Addario Dare Guitar Strap.
“Weshalb gibt es eigentlich keine doppelten Gitarrengurte?”
Der Dame kann geholfen werden: D’Addario Dare Guitar Strap.