Bassist Oskar „Ozo“ Cedermalm mit seinem Fender Jazz Bass (links) und Gitarrist Niklas „Dango“ Källgren mit seiner Gibson SG GT (rechts). (Bild: Matthias Mineur)
Ein kleiner, idyllisch gelegener Club namens Vera im Zentrum von Groningen: Die schwedische Stoner-/Fuzz-Rockband Truckfighters ist heute hier zu Gast. Nachmittags herrscht auf der Bühne emsiges Treiben, der Soundcheck wird vorbereitet. Und noch bevor der für die Haustechnik zuständige Mann die PA hochfährt, testen Bassist Oskar „Ozo” Cedermalm und Gitarrist Niklas „Dango” Källgren gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger Daniel „El Danno” Israelsson die Backline.
Sofort bricht ein ohrenbetäubender Orkan los, und man bekommt schnell den Eindruck, dass diese Band auch ohne die übliche Beschallungsanlage eines Clubs ihr Publikum mühelos bespaßen könnte. Und genau deshalb sind wir hier, nämlich um uns für unsere monatliche Serie ‚Top Gear Check’ von Ozo und Dango die Hilfsmittel ihres monströsen Heavy-Sounds erklären zu lassen. Also gut, auf geht’s …
FENDER JAZZ BASS
Ozo: Ich hatte etwa zehn Jahre lang einen Gibson Thunderbird, bei dem leider ständig der Hals brach, da er meiner wilden Bühnenshow und dem rauen Umgang auf Tour nicht gewachsen war. Deshalb habe ich irgendwann einen Fender Jazz Bass getestet. Er klingt fantastisch und ist wie ein Panzer: Man kann ihn sogar auf den Boden werfen, ohne dass er kaputtgeht.
Ich liebe den Sound, vor allem wenn man beide Tonabnehmer gleichzeitig benutzt, denn dann bekommt man einen wunderbar vollen Klang, ohne die Präsenz zu verlieren. Man hat ausreichend Präsenz, aber es klingt trotzdem warm und sehr angenehm. Manche Bässe haben nur ein gutes Bottom-End, der Jazz Bass dagegen liefert das gesamte Spektrum.
GIBSON SG GT
Dango: Vor dieser Gitarre habe ich jahrelang eine 1974er Rickenbacker 481 gespielt. Aber auch ich behandle meine Instrumente auf Tour nicht sonderlich pfleglich. Also musste ich mir etwas anderes suchen. 2007 habe ich mich an den schwedischen Generalimporteur von Gibson gewandt und für Ozo und mich einen Prozente-Deal ausgehandelt. Es hieß: „Du kannst dir eine Gitarre aus unserem Katalog aussuchen!”
Ich fand, dass die SG GT am coolsten aussieht. Ich hätte auch nach Stockholm fahren und sie in deren Lagerhaus ausprobieren können, aber ich dachte: Scheiß drauf, die Gitarre sieht cool aus, die nehme ich! Am Anfang mussten sich meine Finger erst an die SG gewöhnen, und auch mein Rücken, da sie schwerer ist als die 481er Rickenbacker. Aber die Gibson klingt großartig.
2008 habe ich den Generalimporteur nochmals angerufen und bei ihm eine weitere SG GT als Backup geordert. Dadurch wurde ich süchtig nach diesen Gitarren und habe angefangen, über Ebay weitere Exemplare zu kaufen. Somit besitze ich jetzt drei blaue, drei rote, zwei grüne, eine schwarze und eine orange SG GT. Irgendwann habe ich entschieden, keine weiteren Exemplare mehr zu kaufen, da ich zu viele Gitarren besitze. Aber ab und zu, wenn ich ein gutes Angebot bekomme, schlage ich trotzdem noch zu.
Ozo: Als wir vor circa 15 Jahren einen Mesa/Boogie-Deal bekamen, habe ich mir zunächst einen Big Block gekauft. Ich habe seinen Sound geliebt, aber leider wird er nicht mehr hergestellt. Mein Big Block war allerdings auch etwas reparaturanfällig, und als bei uns wieder mal eine USA-Tournee anstand, habe ich mir einen dieser kleineren Subway TT-800 gekauft, die auf Tour leichter zu transportieren sind.
Ich finde zwar, dass sie nicht ganz so gut wie der Big Block klingen, dafür aber deutlich unempfindlicher sind. Insofern bin ich zu 95 Prozent zufrieden. Für einen direkten Vergleich habe ich mir noch ein zweites Exemplar zugelegt, aber beide sind sich klangmäßig sehr ähnlich. Ich mag, dass der TT-800 ein wenig vintage klingt, obwohl es ein Class-D-Amp ist. Er hat eine super Durchschlagskraft und erstaunlich gute Klarheit, für alles Weitere nehme ich das MXR-Pedal.
MESA/BOOGIE LONE STAR
Die beiden Mesa/Boogie Lone Star mit 4x12er- und 4x10er-Box. (Bild: Matthias Mineur)
Dango: Früher hatte ich einen Hiwatt-Fullstack, ich denke, der Klang des Lone Star ist diesem sehr ähnlich, auch er erinnert mich an einen alten britischen Amp. Mesa/Boogie haben diesen Vintage-Klang sehr gut getroffen, gleichzeitig ist der Lone Star mehr oder weniger wie der alte Mesa/Boogie Mark I, nur eben zweikanalig.
Die Idee hinter meinem Rig mit gleich zwei Verstärkern ist, dass ich es etwas knackiger mag. Früher, als ich mit nur einem Amp gespielt habe, war es meiner Meinung nach ziemlich schwer, den perfekten Crunch zu bekommen. Mit den beiden Verstärkern habe ich jetzt quasi das perfekte Gleichgewicht zwischen Leistung und Klarheit, die richtige Mischung aus Crunch, Wärme und sauberem Klang. Außerdem gibt es mir Sicherheit, denn wenn ein Amp kaputtgeht, muss ich nicht aufhören zu spielen, sondern kann mit dem anderen weitermachen.
Was ich am Lone Star wirklich mag: Man kann die Wattzahl bis auf die halbe Leistung absenken. Dadurch bekommt man etwa fünf verschiedene Lautstärken für den perfekten Crunch-Sound. Man kann also je nach Veranstaltungsort entscheiden, wie man es haben möchte: Warmer Crunch in kleineren Räumen, oder volle Lautstärke bei Open Airs und in großen Hallen.
DANGO UNLEASHED FUZZ & DUNLOP CRY BABY WAH
Dangos Pedalboard u.a. mit Dango Unleashed-Fuzz, Gollner Booster, Salvation Audio Octave-Pedal & Dunlop Cry Baby Wah. (Bild: Matthias Mineur)
Dango: Diese beiden Pedale sind die wichtigsten auf meinem Board. Mein Signature-Fuzz-Pedal ist eine Art Klon des alten russischen Big Muff und versorgt mich zusammen mit dem Dunlop Cry Baby mit diesem wunderbaren Picky-Sound. Ich mag es generell nicht, wenn es zu clean klingt. Am Anfang von Truckfighters habe ich noch die originalen Big Muff gespielt, aber die waren mindestens einmal pro Jahr kaputt. Es gibt einen Franzosen namens David Migaud, der meinte: „Wenn du möchtest, baue ich dir ein besseres Pedal mit ganz ähnlichem Sound!” Und weil er so nett ist, hat er mir gleich mehrere davon geschickt.
DIGITECH JAMMAN DELAY/LOOPER
Digitech JamMan (Bild: Matthias Mineur)
Dango: Der Digitech JamMan ist das wohl ungewöhnlichste Pedal auf meinem Board, zumal es nach meinen Informationen seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt wird. Es funktioniert auch nicht mehr richtig, vor allem nicht die Loop-Funktion. Deshalb setze ich den JamMan nur noch als Delay ein. Er hat drei Speicherplätze für diverse Delay-Effekte, plus eine Tap-Tempo-Funktion.
Das Praktische daran: Zwischen den großen Knöpfen ist genügend Abstand, so dass man nicht versehentlich den falschen Button drückt. Denn wenn man auf der Bühne herumrennt und -springt, ist es manchmal schwer, das Pedal an der richtigen Stelle zu treffen. Den Delay-Effekt nehme ich manchmal auch für meine Heavy-Soli, meistens allerdings für die softeren Parts.
GOLLMER BOOSTER
Dango: Eigentlich booste ich meine Soli nicht, stattdessen bekommt mitunter der cleane Kanal etwas mehr Schub. An manchen Stellen nutze ich den Gollner Booster, um den Klang etwas EQ-mäßig zu verändern, zum Beispiel mit weniger Bass und etwas mehr Mitten. Diesen Sound verwenden wir an manchen Stellen auf unseren Platten, deshalb versuche ich ihn so gut wie möglich auch auf die Bühne zu übertragen.
SALVATION AUDIO VIVIDER
Dango: Mein Octave-Pedal stammt von der kleinen tschechischen Firma Salvation Audio. Wenn ich mich recht erinnere, hat sich der Besitzer Antonin Salva bei uns gemeldet und gefragt, ob ich dieses Pedal mal ausprobieren möchte. Ich finde, es klingt super und eröffnet mir die Möglichkeit, den Ton ein wenig zu variieren. So gesehen erzeuge ich nicht einfach nur die langweilige Octave, sondern setze es an Stellen ein, an denen ich einen etwas dickeren Klang möchte, zum Beispiel bei einigen Solotönen. Allerdings nutze ich diese Funktion nicht allzu oft, höchstens zwei- oder dreimal pro Show.