Workshop

Americana: Fuzz-Sounds!

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(Bild: Martin Schmidt)

In dieser Folge geht es um einen klassischen amerikanischen Gitarreneffekt: das Fuzz-Pedal.

GESCHICHTE

Fuzz ist wahrscheinlich der erste Effekt, der in der heute üblichen Pedalform auf den Markt kam. Seinen Ursprung hat das Fuzz der Legende nach im defekten Preamp eines Mischpultes. Dieser verlieh der Gitarrenspur des Session-Gitarristen Grady Martin beim Titel ‚Don’t Worry’ die markant kratzige Verzerrung.

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Gibson veröffentlichte 1962 mit dem Maestro Fuzz Tone FZ 1 ein Pedal, das diesen Sound in kompakter Form rekreieren sollte. Im Inneren des Pedals sorgte ein Germanium-Transistor für die sägende Verzerrung, die man auch beim Stones-Hit ‚Satisfaction’ nachhören kann.

Wesentlich wilder und experimenteller setzte der Instrumental-Pionier Davie Allan das Pedal ein. Für den Soundtrack des Bikerfilms ‚The Wild Angels’ sollte die Gitarre „wie ein Motorrad klingen, das musikalisch ist.” Allan entdeckte schnell weitere Einsatzmöglichkeiten für Fuzz-Sounds und verewigte sie − oft in Kombination mit Wahwah und Feedback − auf einer Menge Alben.

Beliebt war das Fuzz-Pedal auch bei amerikanischen Protopunk- und Garagen-Bands, die man auf dem Nuggets-Sampler findet, und den psychedelischen West Coast-Bands, wie z.B. Jefferson Airplane. Ab 1967 erschloss Jimi Hendrix mit dem Effekt ganz neue Möglichkeiten. Mitte der 80er waren Fuzz-Pedals bei Alternative-Rockbands beliebt – von Dinsoaur Jr. über die Melvins bis hin zu den Shoegazern von My Bloody Valentine.

Neben Rockbands setzten auch Komponisten wie Ennio Morricone diesen Effekt in der Filmmusik ein – zu hören z.B. in Soundtracks von Italo Western wie ‚The Good, The Bad & The Ugly’.

PLAY IT

Fuzz-Pedale sind oft als Krachmacher verschrien, dabei lassen sie sich auch sehr musikalisch einsetzen.

In Beispiel 1 wird das Fuzz für ein typisches Sixties-Garage-Riff eingesetzt, das über eine I-IV-V-Verbindung läuft. Beispiel 2 kehrt das Sound-Konzept um. Das Riff wird jetzt clean mit viel Twang gespielt und die Fuzz-Gitarre liefert die Untermalung in Form eines lange klingenden Powerchords. So kann man eine Gitarre wie eine Orgel- oder Keyboard-Fläche einsetzen. The Cramps ersetzten damit sogar einen Bass, was man auf dem Album ‚Songs The Lord Taught Us’ nachhören kann.

Beispiel 3 bezieht sich klanglich etwas auf die erwähnten Italo-Western. Der Fuzz-Sound verleiht der simplen Melodie auf den Bass-Saiten Film-Charakter. Ähnliche Gitarrenparts findet man in vielen Calexico-Songs oder Road-Movie-Soundtracks.

Auch im Country-Kontext kann man das Fuzz gut unterbringen. Gary Louris von the Jayhawks benutzt solche Sounds aus folgendem Grund: „Ich mag diesen Bigger-than-Life-Sound, wenn die Gitarre fast explodiert und außer Kontrolle ist. Ich bin eine ziemlich kontrollierte Person und meine Gitarre ist einer der wenigen Bereiche, in denen ich mich selbst über meine körperlichen Grenzen hinaus erweitern kann. Ich fühle mich drei Meter groß.”

Beispiel 4 zeigt eine typische Country-Begleitung mit Wechselbass in A-Moll. Beispiel 5 liefert das zugehörige Solo, das mit einer Art Western-Melodie anfängt und dann mit ein paar Country-Licks und einem Pentatonik-Lauf weitergeht. Ich habe es zuerst clean und anschließend mit unterschiedlichen Fuzz-Pedalen eingespielt.

Die Fuzz-Sounds machen das Solo dreckiger und schaffen einen schönen Kontrast zu den cleanen Country-Gitarren, ohne zu sehr nach Rock zu klingen. Neben den Jayhawks setzen das die Kanadier The Sadies sehr gekonnt ein.

DIE FUZZ-PALETTE

Ich habe mittlerweile eine kleine Fuzz-Sammlung, wobei ich die Pedale für unterschiedliche Zwecke einsetze. Ein Fulltone Mas Malo liefert einen eher schönen Fuzz-Klang, der sich sehr diffizil einstellen lässt. Die Z.Vex Fuzz Factory kann hingegen schon äußerst kaputt klingen. Mein Reuss Repeater Fuzz bietet den klassischen Maestro-Sound in Verbindung mit einem abschaltbaren Vox-Repeater-Effekt.

Für eher kaputt bis crazy klingende Fuzz-Töne mag ich das Reuss Muzzbomb, das einem selbstgebauten Pedal von Nick-Cave-Gitarrist Warren Ellis nachempfunden ist. Den klassischen Hendrix-Effekt mit hinzugefügter Oktave erziele ich gerne mit einem Fulltone Ultimate Octave. Auf der Wunschliste steht eigentlich nur noch ein Big Muff für den Dinosaur-Jr.- und Cramps-Sound. Viel Spaß beim Sägen!

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)

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