Der Amerikaner Josh Smith zählt dank seiner überragenden Fingertechnik, seinem musikalischen Gespür und einem unfassbar guten Sound zu den aktuell besten Bluesrock- und Jazz/Soul-Gitarristen/Produzenten der Welt. Der 46-Jährige stand schon mit Legenden wie B.B. King, Michael Landau oder Derek Trucks auf der Bühne, gibt mit seinen eigenen Bands regelmäßig Konzerte, und ist seit einigen Jahren – im Studio wie auf der Bühne – kongenialer Partner von Superstar Joe Bonamassa.
Im Rahmen der aktuellen Bonamassa-Tour haben wir uns mit Smith getroffen, zunächst ein kleines „Drei-Goldene-Regeln-Spiel” veranstaltet und dann die Eckdaten seines aktuellen Live-Gears abgefragt. Denn auch das ist, ebenso wie die Fähigkeiten dieses großartigen Musikers, absolut bemerkenswert!
Josh, wie lauten deine goldenen Regeln für einen guten Song?
Das Wichtigste ist eine eingängige Akkordfolge und eine gute Melodie, egal ob instrumental oder mit Gesang. Der Song muss irgendwie vertraut klingen, zugleich aber einen besonderen Kniff haben. Wichtig ist natürlich auch ein guter Text oder zumindest eine gute Gesangsperformance. Allein die Performance kann aus einem guten einen großartigen Song machen und ist genauso wichtig wie die Komposition an sich.
Existiert nach deiner Überzeugung der perfekte Song bereits?
Das großartigste Lied, das ich je gehört habe und bei dem alles wie von Zauberhand zusammengeführt wird, ist ‚A Change Is Gonna Come’ von Sam Cook. Ein unglaublich ergreifender Text und eine Melodie, die pure Gänsehaut erzeugt. Und natürlich Paul McCartneys ‚Yesterday’, das ich vermutlich bereits eine Million Mal gehört habe.
Deine goldenen Regeln für die perfekte Gitarre?
Nummer eins: Der Hals und wie er sich anfühlt, denn die Hand ist in ständigem Kontakt mit dem Hals. Ich liebe Hälse mit einer nur dünn aufgetragenen Lackmenge. Wenn er ein zu dickes Polyurethane-Finish hat, mag ich es nicht. Ich mag hohe Bünde bis in die obersten Lagen, so dass die Intonation sehr präzise ist.
Außerdem darf auch das Finish des Korpus nicht zu dick aufgetragen sein, denn sonst schwingt das Holz nicht. Wenn ich in einem Musikgeschäft eine Gitarre in die Hand nehme, erkenne ich sofort, ob sie lebendig oder tot ist. Und wenn die Gitarre tot ist, hat zumeist das Finish die Schuld.
Ich mag Fender-Scale-Modelle, also mit einer im Gegensatz zu Gibson längeren Mensur, da sie mehr Klarheit bietet. Ich liebe Single-Coil-Pickups wegen ihrer Klarheit und Dynamik. Ich mag zwar auch Humbucker, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es ein Single Coil.
Mir geht es vor allem um maximale Dynamik, daher vermeide ich allzu starke Kompression, denn im Live-Setting ist Kompression der natürliche Feind, weshalb ich Verstärker spiele, die nicht zu stark komprimieren, sondern einen hohen Headroom haben, ohne steril zu klingen. Ich möchte möglichst neutrale, nicht übertrieben klingende Bässe und Höhen, damit ich beim Spielen den Unterschied zwischen Finger und Plektrum hören kann.
Deine goldene Regeln für die perfekte Band?
Für eine großartige Band ist Harmonie zwischen den Bandmitgliedern essentiell.
Einspruch, euer Ehren: Deep Purple haben früher das Gegenteil bewiesen!
Das stimmt, aber für mich geht es darum, mit Menschen Musik zu machen, die ich mag und mit denen ich gerne zusammen bin. Und es geht um Respekt, denn nur wenn man jemanden respektiert, kann man gemeinsame Erlebnisse genießen. Die perfekte Band besteht für mich aus Musikern, die besser sind als ich. Ich möchte mit Menschen spielen, die mich pushen, mich auf ein höheres Level bringen, und die Ideen haben, auf die ich möglicherweise allein nie kommen würde.
Und was sind deine goldenen Regeln einer perfekten Live-Performance?
Für eine großartige Live-Show muss man sich Gedanken über den Unterhaltungsaspekt machen. Es ist eine Sache, ein großartiger Jazz- oder Bluesmusiker zu sein und zu improvisieren, aber eine andere, eine wirklich großartige Show fürs Publikum abzuliefern. Man muss sich Gedanken über die Setliste machen und Songs spielen, die das Publikum unbedingt hören möchte. Viele meiner Lieblingsbands sind es leid, ihre größten Hits zu spielen. Aber man muss Zugeständnisse machen und Songs spielen, die das Publikum hören möchte.
Außerdem braucht man eine Setliste, die nicht nur aus Midtempo-Songs besteht, sondern das Tempo variiert. Und die wichtigste Regel: Versuch auf der Bühne, deinen Kopf freizubekommen, auch wenn du kurz vor der Show noch über familiäre Probleme oder globale Krisen nachgedacht hast!
JOSH SMITH ÜBER DIE ECKDATEN SEINES AKTUELLEN EQUIPMENTS:
GITARREN
Ibanez Josh Smith FLATV2 + Ibanez AZ Custom Shop
Die Ibanez FLATV2 ist mein eigenes Signature-Modell und meine derzeitige Lieblingsgitarre. Vor drei Jahren haben wir die Josh Smith FLATV1 herausgebracht, eine Art Telecaster im Stil der 50er, mit Esche-Korpus und Ahorn-Hals. Auf dieser Tour spiele ich die nagelneue FLATV2, die erst seit Juni 2025 in den Läden steht und eher ein 60er-Modell ist, eine modifizierte Version der FLATV1, so wie sie vermutlich Keith Richards bevorzugen würde.
Die FLATV2 hat einen Erle-Korpus wie eine 60er, ein Palisandergriffbrett wie eine 60er und zwei Signature-Seymour-Duncan-Pickups, nämlich einen Humbucker im Hals und einen Single Coil in der Bridge. Ich liebe diese Gitarre, sie hat ähnliche Spezifikationen wie meine FLATV1, also ein V-Neck-Shape, 21 Bünde, keinerlei Body-Konturen, Vintage-Mechaniken, es ist definitiv das derzeit am meisten auf Vintage getrimmte Ibanez-Instrument.
Meine zweite aktuelle Gitarre ist ein Ibanez-AZ-Custom-Shop-Modell, das sie für mich gebaut haben, damit ich auch eine Art Stratocaster dabeihaben. Ibanez stellen viele Gitarren im Strat-Style her, aber keine mit drei Single Coils und einer Vintage-Brücke. Bei Bonamassa haben wir zwei Rigs, ein amerikanisches und ein europäisches. Im amerikanischen Rig habe ich die FLATV1 und die FLATV2 sowie auch eine Custom Shop AZ im Strat-Stil, allerdings ein 50er Modell, also mit Esche-Korpus und Ahorn-Hals. Das europäische Rig dagegen ist im 60er Style, sprich: Erle-Korpus, Palisander-Griffbrett, sechsfach verschraubtes Vintage-Fender-Style-Tremolo, Vintage-Mechaniken und 21 Bünde, während die AZ-Serienmodelle 22 Bünde haben.
Bild: Matthias Mineur
Ibanez Josh Smith FLATV2
Bild: Matthias Mineur
Die Ibanez AZ Custom Shop
AMPS
Morgan JS40 The Goat & AC40 plus Two-Rock TS1
Mein Haupt-Amp auf der aktuellen Tour ist der Morgan JS40 The Goat, eine Art Super Reverb. Hinzu kommen ein Morgan AC40, der wie ein VOX AC30 ist, und ein Two-Rock TS1 mit 100 Watt, da Joe sehr laut spielt und ich ohne einen 100-Watt-Amp nicht mithalten könnte.
Morgan JS40 The Goat, AC40 und Two-Rock TS1 (Bild: Matthias Mineur)
Alle drei Amps sind durchgehend „on”, die Morgans klingen wunderbar rockig, der Two-Rock bringt zusätzliche Lautstärke. Ich mag diesen Klang eines Super Reverb in Kombination mit einem VOX AC30. Der AC40 hat keinen Hall, deshalb steht er in der Mitte zwischen dem Two-Rock und dem JS40, sie alle laufen komplett ohne Verzerrung, sämtliche Soundeffekte hole ich aus den Pedalen.
PEDALBOARD
Poly Effects, Lovepedal, Eventide, Vemuram, King Tone
Normalerweise spiele ich das Josh Smith Flat V von Poly Effects, das ich selbst mitentwickelt habe, das auf meinem europäischen Board aber fehlt, da ich es seit drei Jahren nicht aktualisiert habe. Insofern gehört das Tchula von Lovepedal seit fast 20 Jahren zu meinen Hauptpedalen und diente auch als Vorlage für einige Features des Poly-Pedals: Ein sehr einfaches Gerät ohne Knöpfe, eine Art dirty Boost, sehr organisch. Wenn man die Lautstärke herunterdreht, klingt es so, als wäre es nicht angeschaltet, und wenn man die Lautstärke anhebt, bekommt man den gewünschten Crunch.
Bild: Matthias Mineur
Das zweiteilige Pedalboard u.a. mit Vemuram Myriad Fuzz, Lovepedal Tchula, Poly Effects Beebo, Chase Bliss Automatone Preamp, Morningstar MC8, Vemuram Myriad, TC Electronic PolyTune 2 & Flashback, Eventide H9, King Tone The Soloist, Mythos Pedals Argonaut & King Tone Battery Box
Bild: Matthias Mineur
Das zweithäufigst verwendete Pedal auf meinem amerikanischen Board ist das neue Eventide H90, in Europa immer noch das H9, das jahrelang auf allen meinen Boards zu finden war. Ein großartiger Tausendsassa, mit Leslie-Sound, Phaser- und Chorus-Effekten, unterschiedlichen Reverbs und Delays, zwischen denen ich während der Shows je nach Bedarf hin und her schalten kann. Bei den Gigs mit Joe brauche ich vor allem Tremolo- und unterschiedliche Delay-Effekte, bei meinen eigenen Gigs kommt meistens noch ein Leslie-Sound hinzu.
Ein weiterer oft verwendeter Effekt auf dem Board ist mein Vemuram-Signature-Myriad-Fuzz-Pedal, mein absolutes Lieblings-Fuzz. Es ist ein Hybrid aus Germanium- und Silizium-Transistoren, die man wunderbar mischen kann. Das Myriad passt zu all den Dingen, über die wir gesprochen haben: Es ist richtig laut, sehr dynamisch, und wenn man die Lautstärke absenkt, klingt es absolut clean.
Bei Joe kommt es allerdings nicht allzu häufig zum Einsatz, da ich hier nur wenige Soloparts habe. In meinen eigenen Shows ist es dafür umso häufiger gefragt. Bei Bonamassa nehme ich es nur für zweistimmige Soli, um den Sound ein wenig „anzudicken”, wenn Joe mit einer Les Paul über den Bridge-Pickup spielt, was allerdings lediglich bei einigen härteren Rocksongs vorkommt.
Erwähnen sollte ich auch noch das King Tone The Soloist, eine Art Tubescreamer, den ich nur in Verbindung mit meiner Strat-Style-Gitarre, nicht aber mit dem Tele-Style-Modell spiele. Stratocaster und Tubescreamer: Mit diesem Sound bin ich aufgewachsen!
Mitunter möchte man einfach den Neck-Pickup einer Strat mit einem Tubescreamer hören. Der Kingtone ist mein Lieblings-Tubescreamer, da er wie ein Ibanez TS10 klingt. Jesse Davey von King Tone baut diese Pedale eigenhändig, er liebt Stevie Ray Vaughan und kennt daher den typischen Stevie-Ray-Sound!