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Solo Basics: Solieren über Little Wing – Teil 2

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(Bild: Shutterstock / Gansstock)

In der letzten Folge haben wir uns mit dem Potenzial der E-Moll-Pentatonik beim Solieren über die erweiterte Akkordfolge von ‚Little Wing’ beschäftigt. Heute erweitern wir unsere Toolbox um einige super klingende Alternativen:

In Beispiel 8 der letzten Folge haben wir festgestellt, dass das originale Hendrix-Solo auch deshalb so überzeugend klingt, weil die lange klingenden Töne Akkordtöne, auch Chord Tones genannt, waren. In Beispiel 1 spielen wir Chord Tones, die zum Teil auch noch mit Bendings angesteuert werden. Diese verpacken wir in einem simplen viertönigen, in diatonischen Sekunden fallendem Motiv, das ich von keinem geringeren als dem musikalischen Großmeister Prince ausgeborgt habe. Der setzt mit diesem Motiv im Finale seines Megahits ‚Purple Rain’ einen triumphalen Höhepunkt.

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Bei Prince wird dieses Motiv nur dreimal gespielt, in Bb-Dur, startend vom G, F und Eb. Wir wiederholen das Motiv gleich achtmal, zunächst in G-Dur, in Takt 14 über F69 wechselt die Tonart, aus dem F# von G-Dur wird das F aus C-Dur (vgl. die Analyse in Beispiel 5 der letzten Folge). Über den Noten sind die

Chord Tones eingetragen: 1 = Grundton, b3 = Mollterz, 3 = Durterz, 5 = Quinte, b7 = kleine Septime, 11 = Undezime.

In Beispiel 2 steuern wir für Em79 und G alle Chord Tones des Basisvierklangs an. Takt 5-8 besteht aus den Tönen der E-Moll-Pentatonik.

Auch Arpeggien sind ein sehr gut klingendes Tool bei der Improvisation. In Beispiel 3 spielen wir über Em79 ein Gmaj7-Arpeggio durch drei Oktaven und dann die G-Dur-Tonleiter abwärts. Über Takt 5/6 spielen wir ein Cmaj7-Arpeggio mit dem gleichen Fingersatz wie in Takt 1/2 und dann wieder die G-Dur- bzw. E-Moll-Tonleiter abwärts.

In Beispiel 4 wird’s raffiniert: Auf Zählzeit 3 von Takt 9 beginnt eine Sequenz von diatonischen Dreiklängen aus G-Dur, G-Dur und A-Moll. Für den Bb7#11 in Zählzeit 3 und 4 von Takt 10 wechseln wir die Tonalität und landen bei Bb-Mixolydisch#11, dem IV. Mode von F-Melodisch-Moll. In Takt 11/12 sind wir wieder in G-Dur-Land.

Aber schon in der zweiten Hälfte von Takt 12 beginnt eine Serie von Arpeggien aus der C-Dur-Tonleiter − G, dann F und C. Das schon auf Zählzeit 4 von Takt 15 beginnende D7sus4-Arpeggio hört man auch nicht an jeder Straßenecke, es passt perfekt zu Dadd11. Das Lick über F7913 ist vom Tonmaterial her Jazz pur. Robben Ford spielt solche Lines sehr häufig. F-Mixolydisch#11 ist der IV. Mode von C-Melodisch-Moll. Die Line löst sich perfekt auf nach Em79 und landet auf dem Grundton.

Beispiel 5 bedient sich verschiedener Tools. Die B-Moll-Pentatonik passt perfekt über Bm711, auch Eric Gales setzt sie an dieser Stelle häufig ein. Der Übergang von Bb-Mixolydisch#11 zurück zur E-Moll-Pentatonik ist so smooth, dass der Wechsel der Tonalität kaum auffällt. Die Dreiklänge aus C-Dur ab Zählzeit 4 in Takt 13 klingen superschön. Das triolische Bending-Lick in Takt 17/18 könnte auch von Steve Lukather stammen. Der Zielton B (=deutsches H) in Takt 18 ist die #11 von F7913 − Chord Tones rule!

 

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2026)

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