Kaum ein Gitarrist hat die Rockwelt so polarisiert wie Ace Frehley – und kaum einer hat gleichzeitig so viele spätere Gitarrenhelden inspiriert. Zwischen Weltraum-Image, Pyro-Gitarren und ikonischem Les-Paul-Sound schuf der „Spaceman” von KISS einen Stil, der bis heute nachhallt: roh, direkt, unverwechselbar. Autor Peter Fischer zeichnet den Lebensweg des im Oktober 2025 verstorbenen Gitarristen nach – vom rebellischen Teenager aus der Bronx über den kometenhaften Aufstieg mit KISS bis hin zum Solokünstler, der mit Charme, Chaos und Chops ganze Generationen an die E-Gitarre brachte.
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Mein Name ist Peter Fischer. Du kennst mich. Oder vielleicht auch nicht. Was natürlich schade, aber auch absolut okay wäre. Falls du das zweifelhafte Vergnügen haben solltest, mich irgendwoher zu kennen, liegt es daran, dass am 27.04.1951 ein Gitarrist mit dem Namen Paul Daniel „Ace” Frehley auf die Welt gekommen ist, der wie nur wenige andere eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen maßgeblich dazu bewegt hat, E-Gitarre spielen zu lernen.
Ich gehöre dazu. Ich weiß nicht, wie es bei Paul Gilbert, Nuno Bettencourt, Andy Timmons, Alex Skolnik, Dimebag Darrel, John 5, Marty Friedman und VIELEN anderen Frehley-Fans dazu gekommen ist, aber bei mir war das so: Im Sommer 1976 war ich neun Jahre alt, und damals gab es die Möglichkeit, in Kaufhäusern und Radiogeschäften durch eine Art Telefonhörer in neu erschienene Singles reinzuhören, die auf Plattenspielern in Dauerschleife abgespielt wurden.
An einem Tag wollte ich wahrscheinlich in irgendeine ABBA-Single reinhören und begab mich zu Radio Schilling in der Hagener Innenstadt. Im Eingangsbereich traf es mich wie ein Stromschlag: In einem Glaskasten war Promomaterial des kurz zuvor veröffentlichten ‚Destroyer’-Albums, sowie das mittlerweile legendäre Booklet zu ‚ALIVE!’ drapiert.
Heute sind Neunjährige vielleicht etwas anders gestrickt, aber ich war damals noch ein Kind, das gerne Comics las und ein bisschen auf seiner fast unbespielbaren Akustikgitarre rummachte. Und da waren sie dann – Typen, die wie Comicfiguren aussahen, aber offensichtlich auch E-Gitarre spielten. In DIESEM Moment wusste ich, dass es DAS war, was ich machen wollte. Ist dann auch so gekommen. Irgendwie jedenfalls …
PHASE 1 – THE EARLY YEARS
Nur wenige Bands sind während ihrer Karriere so umstritten und kontrovers gesehen worden wie Kiss mit ihrem Lead-Gitarristen Ace Frehley. Für die einen ist Kiss immer nur eine Zirkusnummer, nicht für voll zu nehmender Clowns, die sowieso nicht richtig spielen können. Doch für viele andere sind KISS in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren die ausschlaggebende Band, selber Musik zu machen.
Aus einem musikalischen Elternhaus stammend, bekommt Ace zum 14. Geburtstag eine Gitarre geschenkt. Nachdem er aus drei Highschools fliegt und einige Zeit in Jugendgangs in der Bronx verbringt, spielt er in einigen unbedeutenden Bands und beschließt im Alter von 16 Jahren, Profimusiker zu werden.
Am 17.1.1973 hat er aufgrund eines Zeitungsinserats eine Audition bei der Band ‚Wicked Lester’ und bekommt zwei Wochen später den Zuschlag: Die Originalbesetzung von Kiss (wie sich die Band kurz darauf nennt) ist komplett. Jedes Bandmitglied gibt sich ein charakteristisches optisches Image, und wegen seines Interesses an Science Fiction wählt Ace den Charakter des „Space Ace”, den vom Himmel gefallenen Sternenjungen.
Die Band versteht sich als Rock-Alternative zu den Beatles, und es ist Ace, der das bekannte Bandlogo entwirft. Durch die aufwändigen Auftritte immer am Rande des finanziellen Ruins und nach drei eher unerfolgreichen Alben, mit Songs, die in ihren Studioversionen nie so spektakulär klingen wie live, kommt 1975 mit der (quasi im Studio gespielten und von Hendrix Produzent Eddie Kramer in Szene gesetzten) Live-Platte ‚ALIVE!’ der lang ersehnte Durchbruch. Die Single ‚Rock And Roll All Nite’ wird zur Hymne einer Generation von Fans.