Spanisch für Fortgeschrittene

Vincen García im Interview

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(Bild: Matthias Mineur)

Eine Szene wie aus einem Slapstick-Movie: Ein Spanier, der nur radebrechen Englisch spricht, unterhält sich mit einem Deutschen, der – neben Englisch und seiner Muttersprache – keinerlei Spanischkenntnisse besitzt. Als vermeintliche Lösung des Problems hat der Spanier, nennen wir ihn Vincen García, einen Freund mitgebracht, der dem Englischen einigermaßen mächtig ist.

Allerdings kennt sich der Freund wiederum nur sehr mäßig in der Musikwelt aus, wodurch der Deutsche – lüften wir das offene Geheimnis: Er heißt Matthias Mineur und arbeitet als Journalist für Gitarre & Bass – die Feinheiten seiner Fragen mitunter nur schwer verständlich machen kann. So entsteht ein überaus freundliches, bisweilen babylonisch anmutendes Palaver zwischen drei Menschen, die sich durchaus sympathisch sind, den Grund ihres Treffens aber nur mühsam auf die Kette kriegen.

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Denn natürlich geht es in Gitarre & Bass um die fantastischen Fähigkeiten des Spaniers als erfolgreicher Bassist, gefragter Online-Dozent und Instagram-Star mit wöchentlichem Vlog.

Um ihm diesbezüglich ein paar spannende Informationen zu entlocken, muss nun eine Mischung aus Geduld, Fantasie und Insiderwissen herhalten, ansonsten wäre außer einem netten Plausch bei Kaffee und Keksen nur wenig Erbauliches herausgekommen. Okay, let’s go: Hier der Versuch, einem großartigen Musiker und Internet-Dozenten seine persönlichen Sichtweisen zu entlocken!

Vincen, für alle, die dich in Deutschland noch nicht kennen, lass uns bei Adam und Eva beginnen: Du stammst aus einer Künstlerfamilie, deine Eltern sind beide Musiker, haben dir aber dennoch nicht von diesem als unsicher geltenden Beruf abgeraten. Erstaunlich, oder?

(lacht) Bei uns zuhause lief den ganzen Tag über Musik. Meine Eltern sahen, dass ich mich auch dafür interessierte, und erklärten mir: „Du kannst beruflich machen, was du möchtest, wir unterstützen dich dabei.” Das war natürlich eine sehr gewagte Aussage, denn zu der Zeit liebte ich Fußball über alles, mehr noch als Musik. Dementsprechend froh waren meine Eltern, als ich mich eines Tages für Bässe zu interessieren begann. Von da an hatten sie den Eindruck, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Deine Eltern spielen weder Gitarre noch Bass; deine Mutter singt, dein Vater spielt Trompete. Wie kam es dazu, dass du dich für den Bass entschieden hast, und nicht für ein Blasinstrument?

Ich hatte ein paar Schulfreude, die unbedingt eine Band gründen wollten. Einer von ihnen spielte bereits Gitarre, ein anderer spielte Schlagzeug. Da ich unbedingt mitmachen wollte, blieb für mich nur der Bass übrig. Ich hatte damit jedoch kein Problem, denn ich wollte dabei sein, koste es was es wolle.

Wie alt warst du damals?

Ich war gerade 15 geworden, also eigentlich schon ziemlich alt, um ein Instrument zu lernen. Das wundert heutzutage viele Fans und Journalisten, aber ich sage dann jedes Mal: „Bass spiele ich zwar erst seit meinem 15. Lebensjahr, aber Musik war immer schon in mir drin.”

Du bist dennoch reiner Autodidakt, oder?

Anfangs hatte ich nur ein kleines Buch, das mir mein Vater geschenkt hatte, es hieß frei übersetzt „Wie lerne ich Bass-Spielen”. Trotzdem habe ich mir in den drei ersten Jahren nahezu alles, was ich nachspielen wollte, mit eigenen Ohren herausgehört. Dann merkte ich, dass ich an meine Grenzen komme und Unterricht brauche, um weiterzukommen, nicht so sehr spieltechnisch, aber hinsichtlich der Stimmbildung, der Harmonielehre und all dieses theoretischen Zeugs. Deshalb suchte ich mir einen Lehrer.

Wie lange hattest du Unterricht?

Nun, ich ging nicht regelmäßig hin, sondern nahm immer nur alle paar Wochen ein oder zwei Stunden, aber alles in allem hatte ich ein Jahr lang einen Lehrer, der mir Pentatonik zeigte, mir Notenkenntnisse beibrachte und alles dafür tat, mich auf eine reguläre Musikschule vorzubereiten. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass mir alle diese Informationen auch ohne einen weiteren Schulunterricht weiterhelfen werden und ich besser zuhause und allein üben könnte. Denn immerhin gibt es ja auch YouTube und andere Social-Media-Kanäle, über die man wichtige Lektionen lernen kann.

Hattest du Vorbilder?

Ja, vor allem natürlich Flea von den Red Hot Chili Peppers. Ursprünglich war ich Metal-Fan, aber je älter ich wurde, umso mehr interessierten mich Bassisten wie Jaco Pastorius und Victor Wooten, sprich: Funk und Fusion, also eher Musik, in der man als Bassist mehr Freiheiten hat und nicht nur Pentatonik spielt.

Welches war dein erster Bass?

Irgendein billiges Kaufhausmodell, das mir mein Vater zusammen mit einem kleinen Übungsverstärker und dem besagten Lehrbuch kaufte. Der Bass war ziemlich mühsam zu spielen, da die Saitenlage extrem hoch war. Damals dachte ich irrtümlich, dass man eine möglichst hohe Saitenlage braucht, um slappen zu können. Ich hatte das bei Flea gesehen und wollte es unbedingt auch können. Leider ging es mit dem billigen Ding aber nicht. Ich besitze den Bass zwar immer noch, aber er steht seit Jahren in einer Ecke meines Studios und wird von mir kaum noch beachtet.

Und dann kam dein erster Profi-Bass, ein Fender Jazzbass, wenn ich mich nicht irre.

Das ist richtig, es war ein Fender American Jazzbass, den ich mir mit 19 von meinem eigenen Geld kaufte.

Seit drei Jahren bist du allerdings Yamaha-Endorser.

Darüber bin ich sehr froh, denn zusammen mit Yamaha sind schon einigen spannende Projekte entstanden, unter anderem diverse Clinics, aber auch die Kooperation mit Ampeg, deren Venture V12 ich spiele.

Kannst du etwas über deinen aktuellen Yamaha-Bass erzählen?

Es handelt sich um das Serienmodell BBP34, das in Japan gefertigt wird. Natürlich hoffe ich, demnächst auch einen eigenen Custom-Bass zu bekommen.

Wie würde der aussehen?

Der BBP34 ist eine Art Hybrid aus einem Precision und einem Jazzbass, mit einem Hals im Precision-Stil. Ich hätte jedoch gerne einen etwas schmaleren Hals, ein anderes Holz und auch die Buchse könnte für meinen Geschmack etwas anders angeordnet sein. Ich würde gerne aus den vielen unterschiedlichen Möglichkeiten ein eigenes Modell zusammenstellen, natürlich mit einer speziellen Lackierung.

Seit zehn Jahren tourst du mit deiner eigenen Gruppe Funkiwis, du spielst Musicals und mit Bands im Studio und auf der Bühne, unter anderem auf dem renommierten Montreux Jazz Festival. Bekannt geworden bist du vor allem durch deinen Instagram-Account, über den du bekannte Songs und ihre Spielweisen erklärst. Gilt dein Hauptaugenmerk den rhythmischen Aspekten, oder stehen bei dir eher Melodien im Fokus?

Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Manche Menschen sagen zu mir, dass ich wie ein Schlagzeuger spiele, obwohl ich ausschließlich mit den Fingern anschlage. Mir gefällt der „Finger-Sound” besser, auch wenn ich bei Studioproduktion ebenso gut mit Plektrum spielen kann, wenn ein Plektrum-Sound gefordert ist.

Bevorzugst du vier oder fünf Saiten?

Maximal fünf, eigentlich sogar nur vier Saiten. Sechs Saiten sind mir auf jeden Fall zu viel. Ich merke, dass ich mich schon mit fünf Saiten mental umstellen muss, obwohl mir die größeren Möglichkeiten der zusätzlichen Saite natürlich gut gefallen.

Ich habe gesehen, dass du bei deinen Clinics mit erstaunlich wenig Effektpedalen spielst.

Ich brauche wirklich nur sehr wenige Bodentreter, natürlich einen Tuner, ansonsten aber meistens nur Reverb und einen Boss OC-5 Octaver. In meinem Homestudio sieht das allerdings etwas anders aus, dort habe ich eine ganze Reihe an Effekten.

Zum Beispiel?

Natürlich auch da den Boss OC-5 und ein Reverb, dazu ein Overdrive, einen Chorus, einen Kompressor und meinen Boss GT-1B. Als Saiten spiele ich übrigens schon seit vielen Jahren 0.40er auf 0.95er von einem türkischen Hersteller namens Pitbull. Ich bevorzuge etwas dünnere Saiten, mit denen sich ein recht mittiger Sound erzeugen lässt, so wie ich ihn besonders mag.

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2025)

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